Otto zu Windisch-Graetz
Otto zu Windisch-Graetz (* 7. Oktober 1873 in Graz<ref name="Broucek-1980-FN209" /> als Otto Weriand Hugo Ernst Prinz zu Windisch-Graetz, ab 1902 Fürst zu Windisch-Graetz;<ref> Pfarre Graz–Graben, Taufbuch VIII, 1869–1880, S. 113., abgerufen am 23. Dezember 2025.</ref> † 27. Dezember 1952 in Lugano<ref name="Broucek-1980-FN209" />) war ein österreichischer Adeliger, der durch seine Heirat mit Erzherzogin Elisabeth Marie von Österreich, der so genannten „roten Erzherzogin“, bekannt wurde.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Otto zu Windisch-Graetz jugoslawischer Staatsbürger,<ref name="Buchnan-Lyberg-2010" /> womit er wohl nicht mehr dem österreichischen Adelsaufhebungsgesetz von April 1919 unterlag.
Leben
Herkunft und militärische Laufbahn
Otto, aus der Familie Windisch-Graetz stammend, war der zweite Sohn von Ernst Ferdinand Weriand Prinz zu Windisch-Graetz (1827–1918) und Kamilla, geb. Prinzessin zu Oettingen-Oettingen und Oettingen-Spielberg (1845–1888).
1891 trat er als Zögling in die k. u. k. Kavalleriekadettenschule in Mährisch-Weißkirchen ein, die er in zwei Jahren mit mäßigem Erfolg absolvierte. 1894 bis 1895 besuchte er die Brigadeoffiziersschule in Olmütz und wurde mit 1. Mai 1895 zum Leutnant befördert. Nach einer zweijährigen Stationierung in Brünn erfolgte 1899 seine Ernennung zum Oberleutnant und sein Eintritt in die Kriegsschule, die er 1901 mit gutem Erfolg abschloss.<ref name="Weissensteiner" />
Im Ersten Weltkrieg kommandierte er ein Bataillon Tiroler Jäger.
Ehe mit Erzherzogin Elisabeth
Im September 1900 verliebte sich Erzherzogin Elisabeth Marie von Österreich (1883–1963), Tochter von Kronprinz Rudolf und Kronprinzessin Stephanie sowie Enkelin von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth, in Otto Prinz zu Windisch-Graetz. Dieser war jedoch Elisabeth nicht voll ebenbürtig, da er zwar von hohem Adel, aber nur aus standesherrlicher Familie abstammte. Dennoch stimmte der Kaiser der Verbindung seiner Enkelin zu und erhob den Bräutigam anlässlich der Heirat am 23. Jänner 1902 in Wien in den persönlichen Fürstenstand, während gleichzeitig seine Gattin auf alle Thronansprüche verzichten musste.
Das Ehepaar trennte sich nach unglücklichem Verlauf der Ehe im Jahr 1919<ref name="EPetznik-DasRoteWien" /> – nach anderen Quellen 1924.<ref name="EPetznik-WGW" /> Um die vier gemeinsamen Kinder entbrannte ein jahrelang geführter Sorgerechtsstreit;<ref name="EPetznik-DasRoteWien">Petznek, Elisabeth Erzherzogin Elisabeth Marie. In: dasrotewien.at – Weblexikon der Wiener Sozialdemokratie. SPÖ Wien (Hrsg.); abgerufen am 17. August 2019</ref><ref name="EPetznik-WGW">Elisabeth Marie Petznek im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien</ref> erst 1948 wurde die Ehe geschieden.
Sportliches Engagement
Er war ein exzellenter Reiter, sehr guter Schwimmer, Turner und Fechter. Bei den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften 1913 am Sportplatz Engelmann in Wien hatte er das Ehrenpräsidium übernommen.<ref>NOTIZEN.: Allgemeine Sport-Zeitung, Jahrgang 1913, S. S. 144 (Ausgabe vom 9. Februar 1913) (online bei ANNO). Abgerufen am 25. September 2023.</ref>
1911 wurde Windisch-Graetz Präsident des Österreichischen Zentralverband für gemeinsame Sportinteressen, der auch die Funktion des Olympischen Komitees einnahm. In dieser Eigenschaft wurde er 1911 in das Internationale Olympische Komitee (IOC) berufen. Den Olympischen Kongress in Paris 1914 eröffnete er als das ranghöchstes adliges Mitglied.<ref>Arnd Krüger: Forgotten Decisions: The IOC on the Eve of World War I. In: OLYMPIKA: The International Journal of Olympic Studies. Volume VI, 1997, S. 85–98. Hier: Chaos at the Sessions, S. 90 (englisch; <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Volltext Online ( vom 7. Oktober 2018 im Internet Archive). PDF; S. 6).</ref> Wegen Österreichischs Rolle im Ersten Weltkrieg wurde seine IOC-Mitgliedschaft suspendiert. Als das IOC in der Saison 1921 beschloss, die Mitgliedschaft von Windisch-Graetz wieder aufleben zu lassen, lehnte er dies ab, da er nicht mehr in Österreich wohne.<ref name="Buchnan-Lyberg-2010">Buchanan/Lyberg: 72. Prince Otto Hugo Ernest de Windisch-Grätz. In: JoH Special: The biographies of all IOC Members – Part IV Journal of Olympic History 18, April 2010, Number 1, S. 56–57 (englisch; <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Volltext Online ( vom 12. September 2016 im Internet Archive). PDF; S. 8–9).</ref>
Ab 1918 bis zum Tod
Nach Kriegsende 1918 wurde Windisch-Graetz jugoslawischer Staatsbürger und lebte auf seinen Ländereien nahe Bled (im heutigen Slowenien), die er vom König von Jugoslawien erworben hatte. Den Zweiten Weltkrieg verbrachte er mit seiner Schwester Marie Eleonore, Gräfin von Paar, in deren Palast in Böhmen. Nach dem Krieg übersiedelten sie in die Schweiz, wo sie in Lausanne lebten.<ref name="Buchnan-Lyberg-2010" />
1952 starb Windisch-Graetz in Lugano<ref name="Broucek-1980-FN209" /> und ist auf dem Friedhof in Lugano-Castagnola beerdigt.
Nachkommen
- Franz Josef Windisch-Graetz (* 1904 in Prag; † 1981 in Nairobi),<ref name="Weissensteiner" /> geb. und bis 1919<ref name="Adelsaufhebung" /> als Franz Josef Marie Otto Antonius Ignatius Oktavianus Prinz zu Windisch-Graetz:
- ⚭ (1934 in Brüssel) Ghislaine Windisch-Graetz (* 1912 in Ixelles/Elsene; † 1997 in Namur), geb. Gräfin d’Arschot Schoonhoven.
- Ernst Windisch-Graetz (* 1905 in Prag; † 1952 in Wien),<ref name="Weissensteiner" /> geb. und bis 1919<ref name="Adelsaufhebung" /> als Ernst Weriand Maria Otto Antonius Expeditus Anselmus Prinz zu Windisch-Graetz:
- ⚭ (1927 in Wien) Ellen Windisch-Graetz (* 1906 in Scheibbs; † 1982 in Wien), geb. Ellen Skinner; gesch. 1938, annulliert 1940;
- ⚭ (1947 in Schwarzenbach an der Pielach) Eva Windisch-Graetz (* 1921 in Wien), geb. Eva Isbary.
- Rudolf Johann Windisch-Graetz (* 1907 in Ploschkowitz (Ploskovice); † 1939 in Wien),<ref name="Weissensteiner"/> geb. und bis 1919<ref name="Adelsaufhebung" /> als Rudolf Johann Maria Otto Joseph Anton Andreas Prinz zu Windisch-Graetz.
- Stephanie Björklund, verw. Gräfin d’Alcantara de Querrieu (* 1909 in Ploschkowitz (Ploskovice); † 2005 in Uccle/Ukkel),<ref name="Weissensteiner" /> geb. und bis 1919<ref name="Adelsaufhebung" /> als Stefanie Prinzessin zu Windisch-Graetz<ref>Siehe: Stefanie Windisch-Graetz, Maturajahrgang 1927. In: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />AbsolventInnen GRG1 Stubenbastei 1010 Wien. ( vom 7. Juni 2011 im Internet Archive). Die Stubenbastei. Gymnasium und Realgymnasium (Hrsg.), abgerufen am 17. August 2019.</ref> Eleonore Maria Elisabeth Kamilla Philomena Veronika zu Windisch-Graetz:
- ⚭ (1933 in Brüssel) Graf Pierre d’Alcantara de Querrieu (* 1907 in Bachte-Maria-Leerne/Deinze; † 1944 KZ Sachsenhausen);
- ⚭ (1945 in Brüssel) Carl Axel Björklund (* 1906 in Högsjö; † 1986 in Anderlecht).
Literatur
- Marija Wakounig: To Be or Not to Be, das ist hier die Frage: Otto Windisch-Graetz. In: dies. u. a. (Hrsg.): Habsburgischer Adel, zwischen Nation – Nationalismus – Nationalsozialismus (1870–1938/1945). new academic press, Wien/Hamburg 2021, ISBN 978-3-7003-2210-8, S. 115–124.
- Friedrich Weissensteiner: Die rote Erzherzogin. Das ungewöhnliche Leben der Elisabeth Marie, Tochter des Kronprinzen Rudolf. Piper, München/Berlin 1993, ISBN 978-3-492-24538-8, S. 77, S. 123 f., S. 223–227 (Originaltitel: Die rote Erzherzogin. Das ungewöhnliche Leben der Tochter des Kronprinzen Rudolf. Erstausgabe: Österreichischer Bundesverlag, Wien 1984).
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. Ghislaine Windisch-Graetz: Kaiseradler und rote Nelken. Das Leben der Tochter des Kronprinzen Rudolf. Amalthea, Wien/München 1992, ISBN 3-85002-264-1.
Einzelnachweise
<references> <ref name="Broucek-1980-FN209">Fußnote 209: „Otto Prinz v. Windisch-Graetz (Graz, 7.10.1873–25.12.1952, Lugano).“ In: Peter Broucek (Hrsg.): Ein General im Zwielicht. Die Erinnerungen Edmund Glaises von Horstenau. Band 1: K. u. K. Generalstabsoffizier und Historiker. (= Veröffentlichungen der Kommission für neuere Geschichte Österreichs, Band 67). Böhlau, Wien/Köln/Graz 1980, ISBN 3-205-08740-2, S. 200 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> <ref name="Weissensteiner">Friedrich Weissensteiner: Die rote Erzherzogin. Das ungewöhnliche Leben der Elisabeth Marie, Tochter des Kronprinzen Rudolf. Piper, München/Berlin 1993, ISBN 978-3-492-24538-8, S. 77, S. 123 f., S. 223–227.</ref> <ref name="Adelsaufhebung">Mit dem Adelsaufhebungsgesetz von April 1919 in der 1918 gegründeten Republik Österreich verloren auch die Windisch-Graetz ihre Adelstitel und das zu.</ref> </references>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Windisch-Graetz, Otto zu |
| ALTERNATIVNAMEN | Windisch-Graetz, Otto Fürst zu (ab 1902); Windisch-Graetz, Otto Weriand Hugo Ernst Prinz zu (vollständiger Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Adeliger |
| GEBURTSDATUM | 7. Oktober 1873 |
| GEBURTSORT | Graz |
| STERBEDATUM | 27. Dezember 1952 |
| STERBEORT | Lugano |
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- Titularfürst (Windisch-Graetz)
- Familienmitglied des Adelsgeschlechts Windisch-Graetz
- Sportfunktionär (Österreich-Ungarn)
- Person im Ersten Weltkrieg (Österreich-Ungarn)
- Träger des Ordens der Eisernen Krone (I. Klasse)
- Österreicher
- Geboren 1873
- Gestorben 1952
- Mann