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Ludwig und Maria Knapp

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Ludwig und Maria Knapp waren ein österreichisches Ehepaar, das zur Zeit des Nationalsozialismus in Österreich jüdische Zwangsarbeiter vor der Deportation rettete und dafür später als Gerechte unter den Völkern geehrt wurde.

Leben und Wirken

Ludwig Knapp wurde am 12. Juni 1896 in Weitra bei Gmünd in Niederösterreich geboren. Er war ein Sohn des Baumeisters Ignaz Knapp (1853–1930) und dessen Ehefrau Wilhelmine geb. Sündermann (1864–1929). Wie sein Vater ergriff auch Ludwig einen Beruf in der Baubranche und wurde Bautechniker und -unternehmer. Zum Zeitpunkt der Heirat lebte er mit den Eltern im Haus Fischergasse 84.<ref name="Trauung">Trauungsbuch Pfarre Weitra, Tomus VIII, Jänner 1905 bis Juni 1928, Eintrag Nr. 18 vom 10. September 1922; eingesehen auf ancestry.de am 15. November 2025.</ref>

Seine Ehefrau Maria Anna Knapp, geb. Feucht, stammte aus demselben Ort. Sie wurde am 5. Dezember 1895 als Tochter von Anna und Johann Feucht geboren und wuchs im Elternhaus am Rathausplatz 2 in Weitra auf. Am 10. September 1922 heiratete das Paar – beide waren 26 Jahre alt – in der katholischen Pfarrkirche von Weitra.<ref name="Trauung" /> Die erstgeborene Tochter der Knapps starb im September 1924 nach einer schwierigen Geburt noch am selben Tag im „Alservorstadtkrankenhaus“ in Wien.<ref>Stadt Wien, Alservorstadtkrankenhaus, Sterbebuch 1924; Eintrag Nr. 163 vom 3. September 1924; eingesehen auf ancestry.de am 15. November 2025.</ref> Die zweite Tochter, Elisabeth („Lisl“), wurde um 1927 geboren und nahm nach der Jahrtausendwende als hochbetagte Teilnehmerin an den öffentlichen Feierlichkeiten zur Ehrung ihrer Eltern teil.

Ludwig und Maria Knapp besaßen ein Sägewerk und einen landwirtschaftlichen Betrieb in Schützenberg bei Weitra. Da die früheren Arbeiter zum Kriegsdienst einberufen worden waren, wurden in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs in dem Betrieb französische Zwangsarbeiter beschäftigt. Im Juli 1944 wurden ihnen weitere 26 aus Ungarn verschleppte jüdische Personen zur Zwangsarbeit zugewiesen, auch 11 ältere Menschen, Frauen und Kinder. Die Familie Knapp sorgte gut für alle, auch für diejenigen, die zu jung oder körperlich gar nicht in der Lage waren, für sie zu arbeiten. Um ihnen den täglichen mühsamen Fußweg zu ersparen, ließen sie neben der Arbeitsstätte, die weit außerhalb des Ortes lag, eine Baracke zur Unterkunft errichten und gaben ihnen Kleidung und Lebensmittel.

Als Mitte April 1945 alle jüdischen Zwangsarbeiter aus Österreich abgezogen und in das Vernichtungslager Theresienstadt transportiert werden sollten, widersetzte sich Ludwig Knapp den entsprechenden Befehlen. Um sie vor der Deportation und der Ermordung im Konzentrationslager zu retten, brachte Ludwig Knapp seine jüdischen Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter in verschiedenen Verstecken unter, wo seine Familie sie gemeinsam mit den Franzosen mit dem Nötigsten versorgte. So überlebten sie drei Wochen lang und wurden am 9. Mai 1945 von Soldaten der Roten Armee befreit. Mit ihrer Rettungsaktion hatten sich Ludwig Knapp und seine Familie selbst in große Gefahr gebracht, denn sie hätten bei Entdeckung selbst mit Haft im Konzentrationslager oder mit dem Tod bestraft werden können.

Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes halfen die Knapps den Befreiten weiterhin, teilweise auch finanziell für die Rückfahrt in ihre Heimatländer.

Ludwig Knapp starb am 16. Juli 1974 im Alter von 78 Jahren in Weitra im Haus Rathausplatz 2.<ref>Nachträglicher Vermerk im Taufbuch der katholischen Pfarrkirche Weitra, Taufeintrag Nr. 59/1896; eingesehen auf ancestry.de am 15. November 2025.</ref> Maria Knapp wurde 102 Jahre alt. Sie starb am 31. Dezember 1997 in der Bezirkshauptstadt Gmünd.<ref>Nachträglicher Vermerk im Taufbuch der katholischen Pfarrkirche Weitra, Taufeintrag Nr. 102/1895; eingesehen auf ancestry.de am 15. November 2025.</ref>

Ehrungen und Gedenken

Das Ehepaar Knapp wurde am 28. April 1968 von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem mit dem Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet.<ref>Knapp Ludwig & Maria. In: collections.yadvashem.org. Abgerufen am 22. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref></ref>

Das Geschehen in Weitra wurde erst Jahrzehnte später, ab Mitte der 1960er Jahre, in verschiedenen Büchern und Aufsätzen öffentlich thematisiert und aufgearbeitet.

Der ORF-Radiosender Ö1 berichtete 2006 unter dem Titel Die vergessenen Helfer. Die Retter des Jahres 1945 über ein Projekt der Erinnerungskultur in Waldviertler Gemeinden, initiiert vom Wiener Künstler Christian Gmeiner (* 1960).<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die vergessenen Helfer. Radiobericht auf Ö1 am 9. August 2006 (Memento vom 5. Juni 2011 im Internet Archive)</ref>

Im Mai 2006 fanden im Rahmen des Viertelfestivals NÖ – Waldviertel an drei Orten Gedenkveranstaltungen zu Ehren von Lebensrettern aus dem Waldviertel statt.<ref>Viertelfestival NÖ – Waldviertel 2006 startet am 12. Mai. In: noe.gv.at. Abgerufen am 22. November 2025.</ref> Der ungarische Historiker Szabolcs Szita den Nachkommen von Ludwig und Maria Knapp ungarische Dankesurkunden im Namen des Budapester Holocaust-Dokumentationszentrums und der zugehörigen Gemeinnützigen Stiftung Erinnerung 1944–2004 ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)). Anwesend waren auch die Tochter Elisabeth Knapp (verheiratete Buchhöcker), ihr Sohn Arthur Buchhöcker sowie Ludwig Knapps Neffe Wilhelm Romeder. Einige Gerettete waren anlässlich der Ehrungsfeierlichkeiten aus Ungarn angereist, darunter der damals elfjährige György Kármán<ref group="Anm">György Kármán (1933–2008) war Pianist und Organist, Redakteur und Leiter der Abteilung für jüdische Kirchenmusik an der Nationalen Rabbinerschule der Jüdischen Universität in Budapest. Während seiner 50-jährigen Tätigkeit beim Ungarischen Fernsehen produzierte er zahlreiche Sendungen und war ab 1989 Redakteur für jüdische Religionsprogramme.</ref>, der seine Erinnerungen vortrug.<ref>György Kármán: Rede. Ehrungen von Lebensretter/innen 1945. In: Christian Gmeiner, Eleonore Lappin (Hrsg.): SHATIL. Intervention in die Erinnerungskultur des Waldviertels. 2006, S. 50, 51 (Downloadlink zum Volltext [PDF; 4,1 MB]).</ref> Am 15. Mai 2006 in der Grünanlage bei der Volksschule in Weitra (Schubertstraße 209) eine Gedenktafel errichtet und ein Baum gepflanzt.<ref>Heinz Arnberger, Claudia Kuretsidis-Haider (Hrsg.): Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand, Verfolgung, Exil und Befreiung. Mandelbaum Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-85476-367-3, S. 268, 269 (Digitalisat, PDF, S. 18, 19).</ref> Medien aus Niederösterreich und die ungarische deutschsprachige Zeitung Pester Lloyd berichteten darüber.<ref>Menschenretter geehrt. In: Pester Lloyd, 9. August 2006.</ref> Das ungarische Fernsehen strahlte den halbstündigen Film, der bei den Veranstaltungen entstand, zweimal aus.<ref>Szabolcs Szita: Sieg der Menschlichkeit. Ehrungen von Lebensretter/innen 1945. In: Christian Gmeiner, Eleonore Lappin (Hrsg.): SHATIL. Intervention in die Erinnerungskultur des Waldviertels. 2006, S. 17 (Downloadlink zum Volltext [PDF; 4,1 MB]).</ref>

Im September 2019 wurde in Weitra eine Allee zu Ehren von Ludwig und Maria Knapp benannt, und ihre mittlerweile 92-jährige Tochter Elisabeth enthüllte das neue Straßenschild.<ref>Christian Postl, Reinhard Linke: Erinnerung an Ehepaar, das 26 Juden rettete. In: noe.orf.at. 16. September 2019, abgerufen am 16. November 2025 (mit Fotos von Ludwig und Maria Knapp).</ref>

Im Rahmen des Projekts Friedenswege Waldviertel – Südböhmen führt der „Ludwig und Maria Knapp Friedensweg“ vom ehemaligen Familien-Sägewerk in Schützenberg über das Naturdenkmal „Gabrielental“, den Rathausplatz und die Pfarrkirche in Weitra zum Gedenkstein für das Ehepaar Knapp.<ref>Ludwig & Maria Knapp Friedensweg Friedensatlas. In: friedensatlas.at. Abgerufen am 22. November 2025.</ref>

2023 veröffentlichte die Kunsthistorikerin und Schriftstellerin Ilse Krumpöck das Buch „Juden wascht Eure Wäsche“ oder Die Gerechten von Weitra, in dem sie das Leben von Ludwig und Maria Knapp schildert. Der Bucheinband zeigt ein altes schwarz-weißes Porträtfoto des Ehepaares mit der kleinen Tochter Elisabeth und einen Judenstern.<ref>Katrin Pilz: Buch nach wahren Begebenheiten: "Juden, wascht eure Wäsche!" In: meinbezirk.at. 3. November 2023, abgerufen am 22. November 2025.</ref>

Literatur

  • Mosche Meisels: Spürhunde der Gestapo: Ludwig und Maria Knapp – 1968. In: Österreichische Botschaft in Tel Aviv (Hrsg.): Die Gerechten Österreichs – Eine Dokumentation der Menschlichkeit. 1996, S. 44–45 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />maislinger.net (Memento vom 18. Februar 2012 im Internet Archive) [abgerufen am 22. November 2025]).
  • Wilhelm Romeder: Jüdische Zwangsarbeiter. In: Waldviertler Heimatbund (Hrsg.): Das Jahr 1945 in Weitra und Umgebung: Ereignisse – Erlebnisse – Schicksale (= Schriftenreihe des Waldviertler Heimatbundes. Band 39). 1996, ISBN 3-900708-13-4, S. 13–21.
  • Eleonore Lappin: Zwangsarbeiter/innen und Helfer/innen in Gmünd und Weitra. Ehrungen von Lebensretter/innen 1945. In: Christian Gmeiner, Eleonore Lappin (Hrsg.): SHATIL. Intervention in die Erinnerungskultur des Waldviertels. 2006, S. 18–34 (Downloadlink zum Volltext [PDF; 4,1 MB]).
  • Heinz Arnberger, Claudia Kuretsidis-Haider (Hrsg.): Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand, Verfolgung, Exil und Befreiung. Mandelbaum Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-85476-367-3.
  • Ilse Krumpöck: „Juden wascht Eure Wäsche“ oder Die Gerechten von Weitra. Innsalz, Munderfing 2023, ISBN 978-3-903496-05-7.

Weblinks

Einzelnachweise

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Anmerkungen

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