Helmut Rohde
Helmut Rohde (* 9. November 1925 in Hannover; † 16. April 2016<ref name="FAZ">Angela Merkel: Helmut Rohde: Unternehmensnachrufe. Nachruf Bundesregierung. In: lebenswege.faz.net. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, 28. April 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 28. April 2016.</ref> in Sankt Augustin<ref>Helmut Rohde, Traueranzeige, General-Anzeiger Bonn, Gedenkkerzen, Kondolenzen, Fotos. Mobile Website. Abgerufen am 25. Oktober 2017.</ref>) war ein deutscher Politiker (SPD). Helmut Rohde war von 1974 bis 1978 Bundesminister für Bildung und Wissenschaft. Herbert Wehner bezeichnete ihn als „Architekt und Pionier des Sozialstaats“.<ref name="FES">Helmut Rohde. Lebenslauf im „Archiv der sozialen Demokratie“ der Friedrich-Ebert-Stiftung, abgerufen am 28. April 2016.</ref>
Leben
Helmut Rohde, Sohn von August und Marie Rohde, wuchs im Arbeitermilieu von Hannover-Linden auf.<ref name="Munz">Helmut Rohde im Munzinger-Archiv, abgerufen am 20. November 2024 (Zugriff für angemeldete Benutzer)</ref> Sein Vater war Sozialdemokrat und Gewerkschafter. Als Schweißer<ref name="Munz"/> und Werftarbeiter im U-Bootbau wurde dieser im Jahr 1918 Vertrauensmann der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) in Kiel. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung im Jahr 1933 war sein Vater aufgrund seines Engagements jahrelang arbeitslos.<ref name="FES" />
„Die Erfahrung der langjährigen Arbeitslosigkeit des Vaters war mitbestimmend für Rohdes späteres sozialpolitisches Engagement“, berichtet das Munzinger-Archiv.<ref name="Munz"/>
Rohde wurde nach dem Besuch der Volksschule aufgrund guter Leistungen der Zugang zur Mittelschule gewährt. Im Jahr 1943 erfolgte die Verpflichtung in den Reichsarbeitsdienst, anschließend als Wehrmachtssoldat die Kriegsteilnahme. Im Jahr 1945 kehrte er aus der Kriegsgefangenschaft zurück und war kurzzeitig für die Continental AG in Hannover tätig, wechselte aber zum Journalismus. Rohde konnte mit Unterstützung der Gewerkschaft Druck und Papier eine Tätigkeit bei Fritz Heine in der Pressestelle des SPD-Parteivorstands in Hannover antreten. Im Jahr 1947 schloss sich eine Ausbildung als Redaktionsvolontär beim Deutschen Pressedienst (dpd) an. Anschließend konnte er als Hannover-Redakteur bei der Deutschen Presseagentur arbeiten.<ref name="FES" />
In den Jahren 1950 bis 1953 studierte der Katholik Rohde Politik- und Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule für Arbeit, Politik und Wirtschaft in Wilhelmshaven-Rüstersiel, unter anderem bei Wolfgang Abendroth, Friedrich Lenz, Walter Bogs, Horst Jecht, Dieter Schewe und Rüdiger Altmann.<ref name="FES" />
In den Jahren 1953 bis 1957 war er Pressereferent im Ministerium für Soziales des Landes Niedersachsen bei Minister Heinrich Albertz. Insbesondere Staatssekretär Walter Auerbach weckte sein Interesse an der Sozialpolitik.<ref name="FES" />
Rohde war Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Sozialen Fortschritt und Mitglied des Kuratoriums der Hilda-Heinemann-Stiftung. Er hatte einen Lehrauftrag an der Sozialakademie Dortmund inne und war seit 1985 an den Universitäten Hannover und Bochum tätig, ab 1994 Honorarprofessor der Universität Bremen.<ref name="FES" />
Politik
Partei
Rohde war seit 1945 Mitglied der SPD. Er war Vorsitzender der hannoverschen Jungsozialisten und stellvertretender Vorsitzender des Ortsvereins Hannover sowie Vorstandsmitglied des SPD-Bezirks Hannover.
Rohde war von 1973 bis 1984 Bundesvorsitzender der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeit (AfA)<ref>SPD/Arbeitnehmer: Zentraler Kraftquell. Der Spiegel 39/1973 vom 24. September 1973, S. 57–58, Abruf am 20. November 2024</ref> und Mitglied des Sozialpolitischen Ausschusses bei SPD-Parteivorstand, dessen Mitglied er von 1975 bis 1983 war.<ref name="FES" />
Abgeordneter
In den Jahren 1957 bis 1987 war Rohde ununterbrochen Mitglied des Deutschen Bundestages. 1957 und 1961 zog er über die Landesliste der SPD Niedersachsen ins Parlament ein und danach gewann er stets das Direktmandat im Wahlkreis Hannover II. Von 1979 bis 1983 war er stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion.
Außerdem war Rohde von 1964 bis 1965 Mitglied des Europäischen Parlaments und engagierte sich für die Europäische Sozialunion sowie eine europäische Sozialordnung.<ref name="FES" />
Öffentliche Ämter
Von 1969 bis 1974 war er im Kabinett Willy Brandts Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung von Walter Arendt und maßgeblich an der Gestaltung des Arbeitsförderungsgesetzes beteiligt.<ref name="FAZ" />
Im ersten Kabinett von Bundeskanzler Helmut Schmidt übernahm er am 16. Mai 1974 das Amt des Bundesministers für Bildung und Wissenschaft. In seine Amtszeit fielen die Entscheidung zum Hochschulrahmengesetz und weitere Maßnahmen wie das Berufsbildungsgesetz, Ausbildungsplatzförderungsgesetz, BAföG und Förderung überbetrieblicher Ausbildungsstätten.<ref name="FAZ" /> Der Numerus clausus wurde auf seine Initiative hin aufgehoben.<ref name="FES" />
Im Zuge einer größeren Regierungsumbildung schied er am 16. Februar 1978 aus dem Bundeskabinett aus und engagierte sich als Parlamentarier für die sozialökonomischen Struktur der Gesellschaft, wie die Beteiligung der Arbeitgeber an den Sozialversicherungsbeiträgen.<ref name="FES" />
Ehrungen und Auszeichnungen
- Paul-Klinger-Preis der Bundesfachgruppe Bühne-Film-Fernsehen der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (1974)
- Großes Verdienstkreuz (1976) mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1978)<ref>Bekanntgabe von Verleihungen des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. In: Bundesanzeiger. Jg. 30, Nr. 172, 13. September 1978.</ref>
- Ernennung zum Honorarprofessor der Universität Bremen (1994)
- Niedersächsische Landesmedaille (1995)<ref>SPD Sankt Augustin trauert um Bundesminister a. D. Prof. Helmut Rohde. In: www.spd-sankt-augustin.de. SPD Sankt Augustin, 24. April 2016, abgerufen am 28. März 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Siehe auch
Weblinks
- Helmut Rohde im Munzinger-Archiv, abgerufen am 20. November 2024 (Zugriff für angemeldete Benutzer)
- Zum Tod von Helmut Rohde: Er wollte überzeugen – nicht überreden, Nachruf von Rolf Wernstedt in Vorwärts am 6. Mai 2016
Einzelnachweise
<references />
<templatestyles src="BoxenVerschmelzen/styles.css" />
Hans Leussink (parteilos, 1969–1972) | Klaus von Dohnanyi (SPD, 1972–1974) | Helmut Rohde (SPD, 1974–1978) | Jürgen Schmude (SPD, 1978–1981) | Björn Engholm (SPD, 1981–1982) | Dorothee Wilms (CDU, 1982–1987) | Jürgen Möllemann (FDP, 1987–1991) | Rainer Ortleb (FDP, 1991–1994) | Karl-Hans Laermann (FDP, 1994) | Jürgen Rüttgers (CDU, 1994–1998) | Edelgard Bulmahn (SPD, 1998–2005) | Annette Schavan (CDU, 2005–2013) | Johanna Wanka (CDU, 2013–2018) | Anja Karliczek (CDU, 2018–2021) | Bettina Stark-Watzinger (FDP, 2021–2024) | Cem Özdemir (Grüne, 2024–205) | Karin Prien (CDU, seit 2025) Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.
Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang
Helmut Schmidt (SPD) | Hans-Dietrich Genscher (FDP) | Werner Maihofer (FDP) | Hans-Jochen Vogel (SPD) | Hans Apel (SPD) | Hans Friderichs (FDP) | Josef Ertl (FDP) | Walter Arendt (SPD) | Georg Leber (SPD) | Katharina Focke (SPD) | Kurt Gscheidle (SPD) | Karl Ravens (SPD) | Egon Franke (SPD) | Hans Matthöfer (SPD) | Helmut Rohde (SPD) | Erhard Eppler (SPD) | Egon Bahr (SPD)
Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang
Helmut Schmidt (SPD) | Hans-Dietrich Genscher (FDP) | Werner Maihofer (FDP) | Gerhart Baum (FDP) | Hans-Jochen Vogel (SPD) | Hans Apel (SPD) | Hans Matthöfer (SPD) | Hans Friderichs (FDP) | Otto Graf Lambsdorff (FDP) | Josef Ertl (FDP) | Herbert Ehrenberg (SPD) | Georg Leber (SPD) | Antje Huber (SPD) | Kurt Gscheidle (SPD) | Karl Ravens (SPD) | Dieter Haack (SPD) | Egon Franke (SPD) | Volker Hauff (SPD) | Helmut Rohde (SPD) | Jürgen Schmude (SPD) | Marie Schlei (SPD) | Rainer Offergeld (SPD)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rohde, Helmut |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (SPD), MdB, MdEP |
| GEBURTSDATUM | 9. November 1925 |
| GEBURTSORT | Hannover |
| STERBEDATUM | 16. April 2016 |
| STERBEORT | Sankt Augustin |
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern und Schulterband
- Wikipedia:LCCN in Wikipedia fehlt, in Wikidata vorhanden
- Bildungsminister (Bundesrepublik Deutschland)
- Parlamentarischer Staatssekretär (Bundesrepublik Deutschland)
- Bundestagsabgeordneter (Niedersachsen)
- Pressesprecher
- Mitglied des Europäischen Parlaments für Deutschland vor 1979
- SPD-Parteivorstand
- Hochschullehrer (Universität Bremen)
- Träger der Niedersächsischen Landesmedaille
- Deutscher Kriegsgefangener
- Deutscher
- Geboren 1925
- Gestorben 2016
- Mann