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Ben Wagin

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Datei:Ben Wagin 2, 1995 (300dpi).jpg
Ben Wagin vor dem Lindentunnel, Berlin, 1995
Datei:Ben Wargin (1995).jpg
Ben Wagin im Lindentunnel, 1995
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Ben Wagin während einer Matinee für Christian Theunert in Berlin-Mitte, 2012

Ben Wagin (geboren als Bernhard Wargin am 25. März 1930 in Jastrow, Landkreis Deutsch Krone; gestorben am 28. Juli 2021 in Berlin<ref>siehe Aktionskünstler Ben Wagin gestorben</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Meldung auf RBB mit Sterbedatum (Memento vom 29. Juli 2021 im Internet Archive)</ref>) war ein deutscher Künstler, Bildhauer, Zeichner, Gestalter, Aktionskünstler, Autor, Textsetzer und Gründer der Künstlergruppe „die Baumpaten“.

Leben

Datei:Fritz Köthe, Niranda Jain, Ben Wagin, Peter Jansen, Siegfried Rischar.jpg
V. l. n. r.: Fritz Köthe, Niranda Jain, Ben Wagin, Peter Jansen und Siegfried Rischar am S-Bahnhof Tiergarten

Wagin lebte seit 1957 in Berlin, wo er an der Hochschule der Künste studierte. Als Student arbeitete er unter anderem als Assistent für den Bildhauer Karl Hartung.

Am 3. Mai 1962 eröffnete er die Galerie S im studentischen Siegmunds Hof. Hier stellte er zunächst Werke Berliner Künstler aus, bald jedoch avancierten die Ausstellungsräume der Galerie S zur bundesweit und schließlich auch weltweit bekannten Adresse. Im Mai 1966 veröffentlichte Wagin zum ersten Mal das monatliche Informationsplakat „Galerien + Museen in Berlin“. Am 8. Mai 1968 zog Wagin mit der Galerie S in das Europa-Center um. Ab 1970 war er regelmäßig mit Installationen auf der Art Basel vertreten. Im Oktober 1976 gründete Wagin in Berlin den Baumpatenverein e. V., mit dem Ziel, die urbane Lebensqualität der Stadt zu fördern.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />berlin.de: Baumpatenverein e. V. (Memento vom 30. November 2016 im Internet Archive) (abgerufen am 18. November 2016)</ref> Für seine Ausstellungen nutzte er in den 1970er Jahren neben dem Berlin-Pavillon im Hansaviertel auch die Orangerie des Charlottenburger Schlosses sowie von 1993 bis 1996 den Lindentunnel neben der Humboldt-Universität. Von Mitte der 1980er Jahre bis ca. 2006 nutzte Wagin auch Hallen der TU Berlin an der Ackerstraße als Atelier und Ausstellungsort.<ref>Botschaften aus dem Parlament der Bäume, TU Berlin, 16. März 2007</ref>

An der Europa-Biennale Niederlausitz war Wagin im Jahr 1991 mit einem Landschaftsraum mit Findlingen, Schachtelhalmen, Farnen, Ginkgobäumen und einem Mammutbaum an der südöstlichen Tagebaukante des Tagebaus Cottbus-Nord beteiligt.<ref>Förderverein Kulturlandschaft Niederlausitz e.V. (Hrsg.): Kunstszene Tagebau. Dokumentation eines ungewöhnlichen Kunstereignisses. 1. Symposium der Biennale Europäischer Länder für Land Art, Objektkunst und Multimedia in der Niederlausitz/Land Brandenburg, 26. August bis 15. September 1991 Tagebau Cottbus-Nord. Heidelberg 1992, S. 66 ff.</ref>

In zahlreichen Arbeiten/Ausstellungen sowie anderen Aktionen versuchte Wagin, den Betrachter zum Nachdenken über die vom Menschen veränderte Umwelt anzuregen. 1975 initiierte er eines der ersten großen Wandbilder Berlins, den Weltbaum I<ref>Wandbild „Weltbaum“ am Tiergarten verschwindet hinter Neubau (abgerufen am 19. Juli 2018)</ref> am Siegmunds Hof. 1985 gestaltete er mit zahlreichen Künstlern den Weltbaum II an der gleisseitigen Brandmauer des Berliner S-Bahnhofs Savignyplatz. Ende 2022 wurde der Denkmalschutz für den S-Bahnhof erweitert und damit auch das Wandbild unter Denkmalschutz gestellt.<ref>Streetart von Ben Wagin am Savignyplatz: Berlin stellt 36 Jahre altes Mural unter Denkmalschutz. In: Der Tagesspiegel Online. 8. Dezember 2022, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 11. Dezember 2022]).</ref>

Wagin hat ab den 1960er Jahren im gesamten Stadtraum Berlins zahlreiche Bäume gepflanzt, oft gemeinsam mit Politikern und Kulturschaffenden. Wagins Bäume stehen bis heute vor Bundesministerien, Theatern, Museen, unter anderem vor dem Berliner Ensemble, der Gedächtniskirche und der Neuen Nationalgalerie. 2005 rief Wagin die „Sonnenboten“ ins Leben und schuf zusammen mit Schulen und Gemeinden rund 4 Millionen Sonnenblumenoasen. Bundesweit wurde Ben Wagin als der „Baumpate“ bekannt und hat von Moskau bis Vilshofen rund 50.000 Ginkgobäume pflanzen können.

Jahrelang kämpfte Wagin um den Erhalt des Parlaments der Bäume, das seit Anfang der 1990er Jahre als feste Installation mitten im Berliner Regierungsviertel steht. Von Wagin gestaltete Mauerteile haben als „Mauer-Mahnmal des Bundestags“ Einzug in den Bau der Bibliothek des Deutschen Bundestages im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus erhalten.<ref>https://www.bundestag.de/mauermahnmal</ref>

Es gab 2019 einige Bestrebungen, den Bestand des Parlaments der Bäume und den gleichzeitig einzigen am ursprünglichen Standort erhaltenen Mauerabschnitt im Stadtzentrum dauerhaft zu sichern: Die Berliner Senatskulturverwaltung stellte das „Parlament“ 2017 unter Denkmalschutz und im November 2018 entschied die Baukommission des parlamentarischen Ältestenrats, das Gelände aus dem eigenen Flächenportfolio herauszulösen und an das Land Berlin zu übertragen.<ref>Claudius Prößer: Künstler Ben Wagin wird so um die 90: Baumpate sucht Paten. In: Die Tageszeitung: taz. 27. Februar 2019, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 27. Februar 2019]).</ref>

Ab 2015 gestaltete er unmittelbar neben dem Deutschen Technikmuseum den Anhalter Garten, ein großes Außengelände sowie einige Hallen des ehemaligen Anhalter Güterbahnhofs, in eine Natur- und Kunstdenkstätte auf historischem Boden um. Ben Wagin war Mitglied im Deutschen Künstlerbund.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />kuenstlerbund.de: Mitglieder „W“ / Ben Wagin (Memento vom 30. Juli 2021 im Internet Archive) (abgerufen am 18. November 2016)</ref> Zwischen 1974 und 1987 nahm er unter dem Namen Ben Wargin insgesamt achtmal an den DKB-Jahresausstellungen teil.

Wagin ist auf dem Kähnsdorfer Friedhof in der Brandenburger Gemeinde Seddiner See beerdigt.<ref>Frank Bachner: Berliner Künstler Ben Wagin in Brandenburg beigesetzt. In: Der Tagesspiegel Online. 16. August 2021, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 25. Oktober 2021]).</ref><ref>Frank Bachner: Wo der Berliner Künstler beerdigt wird, ist völlig unklar. In: Der Tagesspiegel Online. 4. August 2021, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 25. Oktober 2021]).</ref><ref>Oliver Ohmann: Beisetzung von Ben Wagin – Abschied vom Papst der Bäume. In: B.Z. 15. August 2021, abgerufen am 25. Oktober 2021.</ref>

Galerie

Auszeichnungen

Literatur

  • Ben Wagin: Nenn mich nicht Künstler. Autobiografie, aufgezeichnet von Astrid Herbold. Ch. Links, Berlin 2015, ISBN 978-3-86153-813-4.
  • Ben Wagin: Ginkgo-Botschaften Berlin. Jovis, Berlin 2002, ISBN 3-931321-09-6.
  • Michael von Hirschheydt: Ben Wagin. In Bewegung. Verlag Gustav von Hirschheydt, Berlin 2020, ISBN 978-3-947418-03-9.
  • Monika Grütters: Zum Tod des Künstlers Ben Wagin: „Der größte und beste Baumpate, ein wunderbares Vorbild“. In: Der Tagesspiegel, 30. Juli 2021; S. 19, online.
  • Axel Klausmeier: Das Parlament der Bäume gegen Krieg und Gewalt. Ein Berliner Erinnerungsort aus künstlerischer Aneignung und grüner Oase. In: Inszeniertes Leid. Das Gedenken an die Maueropfer im West-Berlin des Kalten Krieges. Hrsg. von Isabel Posselt, Gerhard Sälter, Manfred Wichmann. Christoph Links Verlag, Berlin 2021, ISBN 978-3-96289-122-0, S. 170–175.

Weblinks

Einzelnachweise

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