Anna Plochl
Anna Plochl (* 6. Jänner 1804 als Anna Maria Josepha Plochl in Aussee, heute Bad Aussee<ref>Taufbuch 11. 1781–1811. In: data.matricula-online.eu. Diözesanarchiv Graz, 6. Januar 1804, S. 2, abgerufen am 19. November 2018 (rechte Seite, dritter Eintrag im Matrikel Kirchenbuch der Pfarre Bad Aussee).</ref>; † 4. August 1885 ebenda<ref>Sterbebuch 7. 1876–1891. In: data.matricula-online.eu. Diözesanarchiv Graz, 4. August 1885, S. 2, abgerufen am 7. Juli 2024 (rechte Seite, dritter Eintrag im Matrikel Kirchenbuch der Pfarre Bad Aussee).</ref>), Freifrau von Brandhofen (1834), Gräfin von Meran (1850), war ab 1829 die Ehefrau von Erzherzog Johann von Österreich (1782–1859) durch eine morganatisch geschlossene Ehe.
Leben
Herkunft und Elternhaus
Anna Plochl war das älteste von 13 Kindern des Warenspediteurs, Eisenhändlers und k. k. Postmeisters Jakob Plochl (27. Mai 1774 in Gerlinzen / Grlinci bei Juršinci in der Untersteiermark;<ref>Pfarre Sv. Lovrenc - Juršinci / St. Lorenzen in Windischbüheln, Krstna knjiga / Taufbuch 03208, 1765–1784, S 17. Abgerufen am 25. März 2026.</ref> † 25. April 1828 in Bad Aussee) und seiner Frau Maria Anna Plochl (geb. Pilz) (15. Mai 1782 in Bad Aussee;<ref>Taufbuch 11. 1781–1811. In: data.matricula-online.eu. Diözesanarchiv Graz, 15. Mai 1782, S. 7, abgerufen am 6. April 2026 (linke Seite, achter Eintrag im Matrikel Kirchenbuch der Pfarre Bad Aussee).</ref> † 21. Jänner 1821 ebenda), die seit dem 31. Mai 1802 verheiratet waren.<ref name="eltern">Trauungsbuch 4. 1760–1804. In: data.matricula-online.eu. Diözesanarchiv Graz, 31. Mai 1802, S. 2, abgerufen am 19. November 2018 (letzter Eintrag im Matrikel Kirchenbuch der Pfarre Bad Aussee).</ref> Sie wurde am 6. Jänner im Posthaus mit der damaligen Konskriptionsnummer Markt 26 (heute Meranplatz 37) geboren und in der Pfarrkirche St. Paul in Bad Aussee auf den Namen Anna Maria Josepha getauft. Ihr Vater Jakob Plochl, Sohn eines Gastwirts, stammte aus der Untersteiermark (heute Slowenien) und war nach Aussee gezogen, wo er im Jahr 1803 das Bürgerrecht erwarb. Ab 1808 war er schließlich Postmeister. Mütterlicherseits entstammte sie einer bürgerlichen Familie, die bereits seit mehreren Generation im Salzkammergut ansässig war. Während ihr Großvater Johann Pilz als Müllermeister in Aussee wirkte, war bereits dessen Vater Georg Pilz im selben Gewerbe im Markt Hallstatt tätig. Ihr Urgroßvater Joseph Fürst war Ratsbürger und Färbermeister im Markt Ischl.<ref>Trauungsbuch 4. 1760–1804. In: data.matricula-online.eu. Diözesanarchiv Graz, 15. Januar 1776, S. 105, abgerufen am 8. April 2026 (erster Eintrag im Matrikel Kirchenbuch der Pfarre Bad Aussee).</ref> Nachdem ihre Mutter im Alter von 38 Jahren nach der Geburt ihres 13. Kindes verstarb, übernahm Anna die Führung des elterlichen Haushalts sowie die Aufsicht über die jüngeren Geschwister.
Begegnung und Ehe mit Erzherzog Johann
Im Alter von 15 Jahren, am 22. August 1819, traf sie in der Gössler-Au am Westufer des fjordartigen Toplitzsee auf den bereits 37 Jahre alten Erzherzog Johann von Österreich. Johann selbst war Anna schon einige Jahre zuvor bei einer Tanzveranstaltung am Grundlsee aufgefallen. Seine Wahrnehmung der Begegnung schildert er ausführlich in seinem autobiographischen Werk Der Brandhofer und seine Hausfrau. Dieser wollte sie bereits zu Ostern 1823 auf Burg Strechau vor den Traualtar führen. Doch sein Bruder Kaiser Franz I. von Österreich verweigerte ihm die bereits erteilte Zustimmung zu dieser Ehe mit einer Bürgerlichen. Trotzdem übersiedelte Anna am 20. September 1823 nach Vordernberg, wo Erzherzog Johann ein Radwerk besaß und wo sie im dortigen Gewerkenhaus des Erzherzogs die Wirtschaftsführung übernahm. Während Erzherzog Johann im Rahmen seiner vielseitigen Aktivitäten rastlos tätig in der Steiermark unterwegs war und auch dem Hof in Wien regelmäßig Besuche abstattete, versorgte Anna Plochl das Hauswesen in Vordernberg und ab 25. April 1824 auch am Schloss Brandhof, einem Mustergut des Erzherzogs in der Gemeinde Gußwerk.<ref>georg.markus: Lovestory: Der Erzherzog und die Tochter des Postmeisters. 14. August 2019, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 27. Dezember 2021. (Seite nicht mehr abrufbar. [node:path Suche im Internet Archive] )</ref>
Am 18. Februar 1829 um Mitternacht heirateten Erzherzog Johann und Anna Plochl nach langem, sechsjährigen Kampf um die Einwilligung von Kaiser Franz I. von Österreich, aber erst 1833 durfte Johann seine Ehe auch offiziell bekanntgeben.<ref>Bayerischer Rundfunk: 18. Februar 1829: Johann von Österreich heiratet Anna Plochl. 27. Oktober 2011 (br.de [abgerufen am 27. Dezember 2021]).</ref><ref>Anna Plochl & Erzherzog. Grawe Blog, abgerufen am 27. Dezember 2021.</ref> Auf dem Musterweingut in Pickern, dass Erzherzog Johann gekauft hatte, traf Anna 1830 erstmals auf ihren Schwager Kaiser Franz. Zu einem Gespräch kam es aber erst in Graz.
Anna hatte in den ersten Ehejahren keinen offiziellen Familiennamen. Im Jahr 1834 wurde Anna Plochl dann zur Freifrau von Brandhofen ernannt, nach dem Gutshof ihres Gatten. Ihr Sohn und Erbe des Erzherzogs, Franz, wurde 1839 geboren und dem Vater gelang es, bei Metternich für den Sohn den Titel eines Grafen von Meran durchzusetzen. 1850 – fünf Jahre nach ihrem Sohn – wurde sie zur Gräfin von Meran ernannt.<ref>Anna Plochl und ihre große Familie. Austria-Forum, abgerufen am 27. Dezember 2021.</ref><ref>Der Erzherzog und die Postmeisterstochter. Abgerufen am 27. Dezember 2021.</ref>
Die Gattin des Erzherzogs war unter anderem auch für ihre vorzügliche steirische Küche bekannt, und die Gerichte auf Basis ihrer Rezepte gelten noch heute als Spezialität.<ref>Evi Keifl, Anita Rossi: Südtirol der Frauen. Folio-Verlag Bozen 2009, S. 58 f.</ref>
Späte Jahre
Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1859, den sie 26 Jahre überlebte, führte Anna dessen Engagement in der Steiermark fort und kümmerte sich besonders um soziale Einrichtungen. Unter anderem wurde das Anna-Kinderspital in Graz ihr zu Ehren nach ihr benannt.<ref>Walter Pietsch et al.: Unser Erzherzog Johann. Leykam, Graz 1959, S. 55.</ref> Für das Jahr 1872 ist ein Diplom zu finden, das Anna als Gründerin des steiermärkischen Seidenbau-Vereins bezeichnet. Am 18. August 1873 bekam sie ein Anerkennungsdiplom für ihre landwirtschaftlichen Produkte, die in diesem Jahr bei der Weltausstellung in Wien zur Schau gestellt wurden. 1883 erhielt sie ein Diplom als Ehrenmitglied der Gesellschaft vom Roten Kreuz und als Vizepräsidentin des Patriotischen Vereins für Steiermark. In ihrer Wittwenzeit traf sie mehrfach mit Kaiserin Elisabeth zusammen, die 1870/1871 einige Monate mit ihren Töchtern Gisela und Marie Valerie in der Villa Trauttmansdorff bei Meran verbrachte. Annas Schwiegertochter, Theresia Gräfin von Lamberg, wurde bereits wenige Monate nach der Trauung zur Palastdame der Kaiserin ernannt und begleitete sie in dieser Funktion auf etlichen Reisen, so auch bei deren Aufenthalt im Winter 1860/61 auf der Insel Madeira.
Im August 1885 starb Anna, Gräfin von Meran, im Alter von 81 Jahren in ihrem Geburtshaus in Aussee und wurde neben ihrem Mann im Mausoleum in Schenna bei Meran beigesetzt.<ref>Hans Magenschab: Erzherzog Johann. Styria Verlag Wien, Graz, Klagenfurt 2008, ISBN 978-3-222-13255-1, S. 281.</ref> An der Beerdigung und dem Trauergottesdienst nahmen die Familie ihres Sohnes, sowie Vertreter des Bürgertums und der Aristokratie teil. Die höchstgestellte Persönlichkeit war der spätere Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand.
In Stainz, wo ihr Mann Bürgermeister war, wurde die Anna-Plochl-Straße nach ihr benannt. Ebenso gibt es seit 2023 auch eine Siedlung in der Gemeinde Sankt Lorenzen im Mürztal, welche den Namen Anna-Plochl-Weg trägt.
Vorfahren
| Ahnentafel von Anna Maria von Meran (geb. Plochl) | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Urgroßeltern | Georg Pilz ⚭ Catharina Pilz (geb. Heyschober) (1724–) |
Joseph Fürst ⚭ Regina Fürst (geb. Augustin) | ||||||
| Großeltern<ref name="eltern" /> | Jakob Plochl ⚭ Maria Plochl (geb. Lubsch) |
Johann Pilz (1744–1792) ⚭ 1776 Ehrentrud Pilz (geb. Fürst) (1751–1806) | ||||||
| Eltern<ref name="eltern" /> | Postmeister Jakob Plochl (1774–1828) ⚭ 31. Mai 1802 Maria Anna Plochl (geb. Pilz) (1782–1821) | |||||||
| Anna Maria von Meran (geb. Plochl; 1804–1885) | ||||||||
Nachfahren
Anna Maria Plochl heiratete am 18. Februar 1829 in Gußwerk bei Mariazell den Erzherzog Johann von Österreich. Sie hatten einen gemeinsamen Sohn:
- Franz von Meran (voller Name: Franz Ludwig Johann Baptist Jakob Gregor Graf von Meran, Freiherr von Brandhofen; * 11. März 1839; † 27. März 1891) ⚭ 1862 Theresia von Lamberg (1836–1913)
Siehe auch
- Matthäus Loder, Schilderer der Begegnungen des Erzherzogs mit Anna Plochl.
Verfilmungen
- Igo Sym und Xenia Desni spielten die Rollen des Erzherzogs Johann und der Anna Plochl in dem Stummfilm Erzherzog Johann von 1928.
- Unter dem Titel Erzherzog Johanns große Liebe wurde die Geschichte des Erzherzogs und der Postmeistertochter mit Marte Harell und O. W. Fischer in den Hauptrollen 1950 verfilmt.
- Im Jahre 2009 folgte eine weitere Verfilmung unter dem Titel Geliebter Johann Geliebte Anna mit Anna Maria Mühe und Tobias Moretti in den entsprechenden Rollen. Der Film schildert das Schicksal der beiden Hauptpersonen vor allem aus Annas Sicht.
Literatur
- Renate Basch-Ritter: Anna Plochl. Die Frau an der Seite Erzherzog Johanns. Adeva Verlag, 2005
Weblinks
- Literatur von und über Anna Plochl im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Elke Hammer: Anna Plochl und Erzherzog Johann: Kehrseiten einer „lieblichen Romanze“ (PDF; 126 kB)
- Auf Welt der Wappen: Wappen bei morganatischen Ehen (5). In: Heraldik – die Welt der Wappen.
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Plochl, Anna |
| ALTERNATIVNAMEN | Gräfin von Meran |
| KURZBESCHREIBUNG | Frau von Erzherzog Johann |
| GEBURTSDATUM | 6. Januar 1804 |
| GEBURTSORT | Aussee |
| STERBEDATUM | 4. August 1885 |
| STERBEORT | Aussee |
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