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Islamische Revolutionsgarde

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Datei:Flag of the Army of the Guardians of the Islamic Revolution.svg Islamische Revolutionsgarde
سپاه پاسداران انقلاب اسلامی
Armee der Wächter der Islamischen Revolution
Datei:Seal of the Army of the Guardians of the Islamic Revolution.svg
Führung
Oberbefehlshaber: Ahmad Vahidi
Militärischer Befehlshaber: vakant
Militärische Führung: Führungsstab der Streitkräfte
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 190.000 (2019)
Reservisten: 450.000 aktive Basidschi (2019)
Wehrpflicht: Nein
Wehrtauglichkeitsalter: 16 Jahre
Haushalt
Militärbudget: 6,09 Mrd. US-Dollar (2019)
Geschichte
Gründung: 1979
Faktische Gründung: 5. Mai 1979

Die Islamische Revolutionsgarde bzw. das Korps der Islamischen Revolutionsgarde (englisch Islamic Revolutionary Guard Corps, IRGC) ist die Armee der Wächter der Islamischen Revolution (persisch سپاه پاسداران انقلاب اسلامی {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); kurz auch Sepāh oder Pāsdārān), informell auch Revolutionsgarde (arabisch الحرس الثوري, DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)), Revolutionswächter oder Iranische Revolutionsgarde<ref>Guido Steinberg: Kalter Krieg im Nahen Osten: Der iranisch-saudische Konflikt dominiert die Region. Iranische Expansion: Atomprogramm, Raketen und Milizen. In: Arbeitspapieren der Bundesakademie für Sicherheitspolitik. 1. Januar 2021, abgerufen am 12. November 2024.</ref> genannt, bildet zusammen mit der regulären Armee (Artesch) die Streitkräfte der Islamischen Republik Iran und ist gemäß der Journalistin Natalie Amiri „die wichtigste und mächtigste Institution der Islamischen Republik Iran“. Die Garde verfügt über ein eigenes Heer, eine eigene Marine und Luftstreitkraft sowie einen eigenen Geheimdienst.<ref name=":1">Monika Bolliger: (S+) Iran: Sollten die Revolutionswächter auf die EU-Terrorliste? Was dafür spricht, was dagegen. In: Der Spiegel. 31. Januar 2023, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 2. Februar 2023]).</ref>

Im Auftrag von Ruhollah Chomeini am 5. Mai 1979 aufgestellt, entwickelte sich die Revolutionsgarde als Eliteeinheit der Streitkräfte zu einem wichtigen Akteur während des Ersten Golfkriegs (1980–1988). Kommandeur der Revolutionsgarde ist seit dem 1. März 2026 Ahmad Vahidi.<ref>Iran appoints Ahmad Vahidi as new Revolutionary Guards commander - state media. Iran International, 1. März 2026, abgerufen am 6. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Die wichtigste Abteilung der Islamischen Revolutionsgarde stellt die millionenstarke Freiwilligenmiliz der Basidschis dar.

Die Islamische Revolutionsgarde wird unter anderem von Australien,<ref name="Australien"/> Kanada,<ref name="Kanada"/> Schweden,<ref>Swedish Parliament Votes To Designate Iran’s IRGC As Terrorist, Meldung von Iran International, 10. Mai 2023</ref> den USA,<ref name="USA"/> Ecuador<ref>Iran’s armed forces warn Ecuador over IRGC designation, Meldung von Iran International, 21. September 2025</ref> und Paraguay<ref>Paraguay designates Iran’s Guards as terror group, US applauds, Meldung von Iran International, 25. April 2025</ref> und der EU<ref>EU setzt iranische Revolutionswächter auf die Terrorliste" spiegel.de, 29. Januar 2026</ref> offiziell als Terrororganisation eingestuft.

Geschichte

Die Organisation wurde von Chomeini gegründet, um die Vielzahl paramilitärischer Gruppen zu einer dem revolutionären Ideal treu ergebenen Streitmacht zusammenzufassen. Die bewaffneten revolutionären Gruppierungen, die sich u. a. aus Mitgliedern der Muslimischen Studentenbewegung im Gefolge des Imam (Daneschdschuyan-e mosalman-e peyrov-e chat-e Emam) und radikalen, meist jugendlichen Anhängern Chomeinis, den sogenannten Hisbollahi, zusammenschlossen, unterstanden von 1979 bis 1980 ihrem ersten Kommandanten Abbas Zamani (genannt Abu Scharif). Sie formierten sich erst ab 1980 auf Grund des Ersten Golfkrieges zu einer offiziellen Armee-Einheit.

Nach Ende des Ersten Golfkriegs Ende der 1980er entschied der damalige Präsident Ali Akbar Haschemi Rafsandschani, die Aktivitäten der bewaffneten Garde auf das Feld der Wirtschaft zu lenken, damit sich die Revolutionsgarde nicht tiefer in die Politik einmische. Dies hatte zur Folge, dass die Revolutionsgarde und andere staatsnahe Konglomerate zunehmend von der Privatisierung zahlreicher, während der Revolution verstaatlichter Unternehmen profitierten.<ref name=":0">David Jalilvand: (S+) Proteste in Iran: Das Fundament der Macht bröckelt - Kommentar. In: Der Spiegel. 5. Oktober 2022, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 5. Oktober 2022]).</ref>

Im Jahr 2005 wurde mit Mahmud Ahmadineschad ein Revolutionsgardist Präsident Irans.

Im Oktober 2009 kamen bei einem Selbstmordanschlag der sunnitischen Organisation Dschundollah (persisch für „Brigade Gottes“) mindestens 31 Menschen zu Tode, darunter auch fünf ranghohe Kommandeure der Revolutionsgarde.<ref>Mindestens 31 Tote. Selbstmordanschlag auf Revolutionsgarden im Iran. In: Die Welt. 18. Oktober 2009, abgerufen am 10. April 2015.</ref>

Am 8. April 2019 stuften die Vereinigten Staaten von Amerika die Revolutionsgarde als terroristische Vereinigung ein.<ref>ORF at/Agenturen red: Neue Eskalation mit Iran: USA setzen Revolutionsgarden auf Terrorliste. 8. April 2019, abgerufen am 14. April 2019.</ref>

Zu Jahresbeginn 2020 wurde Qasem Soleimani, Kommandeur der der Garde untergliederten Quds-Einheit, mittels eines Drohnenangriffs des US-amerikanischen Militärs, in Bagdad getötet.<ref name="NYT020120">Michael Crowley, Falih Hassan, Eric Schmitt: Top Iranian General Qassim Suleimani is killed on Trump’s Orders, Officials say. In: The New York Times vom 2. Januar 2020.</ref> Zwei Jahre später, im Mai 2022, wurde mit Hassan Sayyad Khodayari ein weiterer hochrangiger Offizier derselben Einheit in Iran getötet.<ref>Iran: Attentat auf Revolutionsgardisten – Präsident kündigt Rache an. In: Der Spiegel. 23. Mai 2022, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 9. Juni 2022] Geänderter Titel online: Tod eines Revolutionsgardisten in Iran: »Wir werden definitiv das Blut dieses Märtyrers rächen«).</ref> Diese Tötung wird auch in westlichen Medien dem israelischen Geheimdienst Mossad zugeschrieben.<ref>Richard C. Schneider: (S+) Schattenkrieg zwischen Israel und Iran: Kriegssimulation »Flammende Streitwagen«. In: Der Spiegel. 5. Juni 2022, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 9. Juni 2022]).</ref>

Im Rahmen der US-israelischen Angriffe auf die Islamische Republik trat deren Revolutionsgarde erneut weltöffentlich in den Vordergrund. Direkt nach dem Tod des obersten Führers Ali Chamenei kündigte sie an: „Die Mörder des Imams der Nation werden einer harten, entschiedenen und abschreckenden Strafe nicht entgehen“.<ref>Iran droht mit Rache für Chameneis Tod. In: Tagesspiegel. 1. März 2026, abgerufen am 2. März 2026.</ref> Zusätzlich begann die Revolutionsgarde mit der Blockade der Straße von Hormus, durch welche rund ⅕ der globalen Ölversorgung transportiert wird. Die staatliche iranische Nachrichtenagentur Tasnim meldete: „Mit der Einstellung des Schiffs- und Tankerverkehrs durch die Straße von Hormus ist die Meerenge praktisch geschlossen.“<ref>him/AFP: Straße von Hormus – Nadelöhr des weltweiten Ölhandels. In: Spiegel Ausland. 1. März 2026, abgerufen am 2. März 2026.</ref>

Ideologie und Bedeutung für Politik und Gesellschaft

Neben der Aufrechterhaltung des politischen Systems seit der Revolution von 1979 ist die Sepah nach der Verfassung der Islamischen Republik verpflichtet, die „ideologische Mission des Dschihad im Sinne Gottes, d. h. die Souveränität des Gesetzes Gottes auf die ganze Welt auszudehnen“.<ref name=":2">Richard C. Schneider: (S+) Hamas gegen Israel: Warum Iran bisher nicht in den Krieg eingreift. In: Der Spiegel. 30. Oktober 2023, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 10. November 2023]).</ref> Es gilt, die Ausbreitung des Welāyat-e Faqih zu verfolgen und „abweichlerische Bewegungen“ auch im Ausland zu unterbinden.<ref name=":1" /><ref name=":2" /><ref>Morris M Mottale: The birth of a new class – Focus. al-Dschasira, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 7. Juni 2015; abgerufen am 29. Oktober 2013 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Kulturen anderer Glaubensrichtungen außerhalb des Islams betrachten die Pasdaran als Bedrohung für die Schia. Dieses Weltbild verbindet die Revolutionsgarde mit gleichgesinnten Extremistengruppen außerhalb Irans, wie der Hisbollah im Libanon und den Huthis im Jemen, zu denen sie enge Beziehungen pflegt. Ein besonderes Ziel, das die drei genannten Gruppen eint, ist die Vernichtung des jüdischen Staates Israel. Die Verfolgung dieses Ziels veranlasst die Revolutionsgarde dazu, auch mit sunnitischen Islamisten, wie der Hamas im Gazastreifen und dem Islamischen Dschihad in Palästina zu paktieren, sie auszubilden und zu finanzieren, obwohl diese nach ihrer ideologischen Auffassung nicht den wahren Islam vertreten.<ref name=":2" />

Die militärische Aufgabe, die der Revolutionsgarde übertragen wurde, wechselte nach dem Ersten Golfkrieg. Heute obliegt der Garde u. a. die Aufgabe, mögliche gegnerische politische Gruppen zu bekämpfen. Im Kabinett von Präsident Mahmud Ahmadineschad waren 13 der 21 Ministerposten mit ehemaligen Kommandanten der Revolutionsgarde besetzt, dazu gehörte auch das Geheimdienstministerium. Ahmadineschad selbst hatte ebenfalls den Rang eines Kommandanten erreicht.

Die Revolutionsgarde ist für die Organisation des schwarzen Außenhandels, mit dem die Islamische Republik Iran Wirtschaftssanktionen zu umgehen versucht, verantwortlich.<ref name=":0" />

Von Vetternwirtschaft und Korruption in Iran profitiert die Nomenklatura der Revolutionsgarde am meisten. Der materielle Reichtum, für den die Elite der Garde in der iranischen Gesellschaft bekannt ist und den diese offen auslebt, sorgt für Unmut beim iranischen Kleinbürgertum, das erst die Islamische Revolution und damit die Existenz der Revolutionsgarde mit ermöglichte.<ref name=":0" />

Die Revolutionsgarde steht an vorderster Front der gewaltsamen Unterdrückung von Protesten der iranischen Zivilbevölkerung, wie denen in den Jahren 2009, 2017/2018, 2022/2023 und 2025/2026. Laut dem Blair Institute for Global Change verfügt die Revolutionsgarde über ein formelles Indoktrinationsprogramm für die eigenen Mitglieder.<ref name=":1" /> Iranische Oppositionelle und das Europäische Parlament<ref name="Europaparlament" /> forderten, die Revolutionsgarde auf die EU-Liste von terroristischen Vereinigungen zu setzen.

Einfluss auf die Wirtschaft

Die Islamische Revolutionsgarde ist wirtschaftlich auf fast allen Gebieten aktiv und ist als paramilitärische Einrichtung der größte Unternehmer des Landes. Niemandem außer dem Revolutionsführer Rechenschaft schuldig, unterliegen die Pasdaran keiner Steuerpflicht und zahlen ebenso bei der Einfuhr keine Zollgebühren.<ref>Bahman Nirumand: iran-report Nr. 12/2006 - Innenpolitik, Wirtschaft, Außenpolitik. In: boell.de. Heinrich-Böll-Stiftung, Dezember 2006, abgerufen am 1. März 2026.</ref> Die nach der Verkündigung des iranischen Atomprogramms durch die USA im Jahr 2010 verhängten Wirtschaftssanktionen stärkten die Revolutionsgarde, weil sie die Projekte der internationalen Firmen übernahm, die sich aus Iran zurückzogen.<ref name=":0" /> So erhielt die Garde unter der Präsidentschaft von Mahmud Ahmadineschad, wie Bahman Nirumand berichtet, Konzessionen für mehrere Großprojekte, unter anderem für zwei Projekte zum Ausbau der Ölanlagen, einen Pipelinebau und für den Ausbau der Teheraner Untergrundbahn. Laut Mehdi Khalaji war die Revolutionsgarde über 16 Jahre an 1220 Industrie- und Bergwerksprojekten beteiligt. Die religiöse Stiftung Mostazafan va Dschanbazan („Stiftung der Unterdrückten und Kriegsveteranen“) mit einem Umsatz von zehn Milliarden US-Dollar im Jahr – entstanden nach dem Ersten Golfkrieg – ist ebenso Vertragspartnerin bei der Erweiterung der Teheraner Untergrundbahn mit einem Volumen von 2,4 Milliarden US-Dollar.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Iran’s Revolutionary Guards Corps, Inc. (Memento vom 4. Oktober 2007 im Internet Archive)</ref> Auch See- und Flughäfen, über welche nicht verzollte Waren ins Land kommen, werden von den Revolutionswächtern kontrolliert. Dies gilt insbesondere für den größten iranischen Containerhafen in Bandar Abbas, an dessen Spitze ein General der Revolutionsgarde berufen wurde.

Politikanalysten der International Crisis Group gehen davon aus, dass die Pasdaran (Stand 2023) ein bis zwei Drittel des iranischen Bruttosozialprodukts kontrollieren.<ref>Susanne Koelbl: (S+) Iran: Der Abgeordnete Ahmad Naderi verteidigt die Unterdrückung der Proteste. In: Der Spiegel. 19. Februar 2023, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 19. Februar 2023]).</ref>

Die Geschäfte der Revolutionsgarde florieren aufgrund ihrer Monopolstellung in Iran, aufgrund staatlicher Korruption, Schmuggel und informeller transnationaler Netzwerke. Dass die iranischen Geldflüsse mit noch mehr Sanktionen durch die westliche Welt ausgetrocknet würden, gilt im Jahr 2023 als unwahrscheinlich.<ref name=":1" />

Wichtige Sepâh-e Pasdaran-Unternehmen

Zu den Unternehmen, die von den Revolutionswächtern kontrolliert werden, gehört die 1990 von der Revolutionsgarde gegründete Bauunternehmensgruppe Chatam al-anbiya (deutsch: „Das Siegel der Propheten“; vollständiger Name: Gharargah-e markazi-ye chatam ol-anbiya). Diese Holding, die als größter Auftragsnehmer in Iran mehrere Zehntausend Iraner beschäftigt, führt u. a. große Infrastrukturprojekte durch, baut Öl- und Gasanlagen, Straßen, Eisenbahnen und Metros, Ölleitungen und Flughäfen. Im Libanon soll sie für den Bau der durch die Hisbollah genutzten Tunnels verantwortlich sein. Während seiner Zeit als Bürgermeister von Teheran erhielt die Unternehmensgruppe von Ahmadineschad den Zuschlag für mehrere Großprojekte im Wert von 2,2 Mrd. Dollar.<ref>Le Monde diplomatique vom 12. Februar 2010: Die Revolutionsgarde im Iran</ref> Ende April 2009 erwarb die zu Chatam al-anbiya gehörende Firma Sepanir einen Anteil von 51 Prozent an Sadra, der größten Werft Irans. Der Anteil des militärischen Sektors an den Unternehmensprojekten wird auf 70 % geschätzt. Chatam al-anbiya steht seit dem 24. Juni 2008 auf der EU-Sanktionsliste gegen Iran.<ref name="Treasury644">U.S. Department of State, Oktober 2007: Fact Sheet: Designation of Iranian Entities and Individuals for Proliferation Activities and Support for Terrorism, abgerufen am 5. Juni 2015.</ref><ref>Beschluss des Rates vom 23. Juni 2008 zur Durchführung von Artikel 7 Absatz 2 der Verordnung (EG) Nr. 423/2007 über restriktive Maßnahmen gegen IranVorlage:Abrufdatum</ref>

Weitere Unternehmen im Besitz oder unter Kontrolle der Revolutionsgarde:

  • Oriental Oil Kish
  • Ghorb Nooh
  • Sahel Consultant Engineering
  • Ghorb-e Karbala
  • Sepasad Engineering Co
  • Omran Sahel
  • Hara Company
  • Gharargahe Sazandegi Ghaem
  • Mahan Air

Telekommunikations- und Mediensektor

Seit den Protesten der iranischen Opposition gegen die manipulierten Präsidentschaftswahlen im Juni 2009 strebt die Revolutionsgarde zudem danach, die Kontrolle über den Medien- und Telekommunikationssektor massiv auszuweiten: Im Oktober 2009 kaufte das von den Pasdaran kontrollierte Firmenkonsortium Etemad-e Mobinein 50 % der Aktien der iranischen Telekommunikationsgesellschaft (TCI) für 5,3 Milliarden Euro von der Regierung, wodurch die Paramilitärs eine effektive Kontrolle über das nationale Festnetz, alle iranischen Internet-Provider sowie zwei Mobilfunkgesellschaften erhielten. Bis März 2010 ist die Gründung einer eigenen Nachrichtenagentur der Revolutionsgarde unter dem Namen „Atlas“ geplant. Experten zufolge steht schon heute die iranische Nachrichtenagentur Fars News Agency (FNA), die für ihre regimefreundliche Propaganda und Desinformation bekannt ist, unter dem Einfluss der Revolutionswächter: sie lehnt sich in Wortwahl und Sprache stark an die Pasdaran-Wochenzeitschrift Sobh-e Sadegh an, die Fars-Redaktionsleitung und führende Redakteure sind alle frühere Kommandeure der Pasdaran, die Geschäftsräume von Fars in Teheran sind Eigentum der Garde. Der Einfluss der Revolutionsgarde bei Fars soll besonders während der Amtszeit Präsident Ahmadineschads massiv zugenommen haben, was sich auch in der Entlassung unabhängiger Reporter äußerte. Offiziell bestreitet Fars nach wie vor, von der Regierung oder den Pasdaran kontrolliert zu werden.<ref>Revolutionary Guards Extend Reach to Iran’s Media. In: Wall Street Journal. 4. November 2009 (englisch).</ref>

Truppenstärke

Bei der Gründung der Revolutionsgarde hatte diese eine Größe von einigen Hundert bis etwa 10.000 Personen. Durch den Ersten Golfkrieg übernahm die Garde bis Ende 1980 die Aufgabe, die regulären Truppen, die gerade 1/4 ihrer Kampfkraft aufbieten konnten, zu verstärken. Bis zum Jahre 1988 betrug die Größe der Revolutionsgarde bis zu 300.000 Mann, seitdem sank die Mannschaftsstärke. Die Truppenstärke der Pasdaran wird heute auf etwa 125.000 Mann<ref name="csis"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />The Gulf Military Forces in an Era of Asymmetric War (Memento vom 26. Juli 2006 im Internet Archive)</ref> bis 200.000 Mann<ref>Natalie Amiri: Zwischen den Welten. Von Macht und Ohnmacht im Iran. 2022, S. 109–110.</ref> geschätzt. Die Revolutionsgarde unterhält eigenständige Truppenteile für Heer, Luftwaffe und Marine (etwa 20.000 Mann) sowie Spezialeinheiten wie die Quds-Einheit (Truppenstärke 5.000 Mann<ref name="csis" />) und die Aschura-Einheiten.

Die bekannteste Untergruppe der Revolutionsgarde ist die Freiwilligenmiliz Basidsch-e Mostazafin, die im Ersten Golfkrieg Zehntausende Tote bei Selbstmordkommandos hinnahm und heute der Unterdrückung der Opposition dient.

Logo der Spezialeinheiten
Logo der Spezialeinheiten

Heer

Vorlage:Hinweisbaustein Vermutlich verfügt die islamische Revolutionsgarde über 21 Infanterie- und drei Pionier-Divisionen sowie über eigenständige Infanterie-Brigaden, 21 Flugabwehr-Brigaden, insgesamt 42 gepanzerte, Artillerie- und ABC-Abwehrbrigaden.

Luftwaffe

Es befinden sich folgende Luftfahrzeuge in dem Arsenal der Revolutionsgarde (Stand Ende 2020):<ref>World Air Forces 2021. flightglobal.com, abgerufen am 8. April 2021.</ref>

Typ Herkunft Funktion Version Aktiv
Suchoi Su-22 SowjetunionDatei:Flag of the Soviet Union.svg Sowjetunion Jagdbomber 10
Antonow An-74 SowjetunionDatei:Flag of the Soviet Union.svg Sowjetunion Transportflugzeug 7
Dassault Falcon 20 FrankreichDatei:Flag of France.svg Frankreich Transportflugzeug 2
Iljuschin Il-76 SowjetunionDatei:Flag of the Soviet Union.svg Sowjetunion Transportflugzeug 3
Harbin Y-12 China VolksrepublikDatei:Flag of the People's Republic of China.svg Volksrepublik China Transportflugzeug 12
Mil Mi-8 SowjetunionDatei:Flag of the Soviet Union.svg Sowjetunion Mehrzweckhubschrauber Mi-171 18
EMB 312 Tucano BrasilienDatei:Flag of Brazil.svg Brasilien Schulflugzeug 15
Saab MFI-17 Supporter SchwedenDatei:Flag of Sweden.svg Schweden Schulflugzeug 25

Marine

Datei:IRGC naval exercise-2015 (11).jpg
Kommandosoldaten der Marine während eines Manövers 2015
Datei:IRGC naval exercise-2015 (4).jpg
Flugkörperschnellboote der Marine der Islamischen Revolutionsgarde in der Straße von Hormus 2015

Die Marine der Islamischen Revolutionsgarde (persisch: نیروی دریایی سپاه پاسداران انقلاب اسلامی; englisch: Islamic Revolutionary Guard Corps Navy, IRGCN) ist neben der regulären Marine der Islamischen Republik Iran (IRIN) für militärische Operationen zur See zuständig. Ihr Hauptoperationsgebiet ist der Persische Golf sowie die Straße von Hormus. Während die IRIN eher konventionelle Seestreitkräfte für längere Seeoperationen unterhält, ist die IRGCN auf küstennahe Einsätze und asymmetrische Kriegsführung spezialisiert.<ref>International Institute for Strategic Studies (IISS): The Military Balance 2024.</ref><ref>Congressional Research Service (CRS): Iran’s Military Power.</ref>

Nach Schätzungen westlicher Militäranalysten umfasst die IRGCN etwa 15.000 bis 20.000 Angehörige, einschließlich maritimer Spezialeinheiten und Marineinfanterie. Die genaue Struktur ist nicht vollständig öffentlich dokumentiert, da Teile der Organisation paramilitärisch und dezentral organisiert sind.<ref>CRS: Iran’s Military Power; U.S. Defense Intelligence Agency (DIA): Iran Military Power.</ref>

Struktur und Ausrüstung

Die IRGCN verfügt über mehrere hundert bis über tausend kleine Wasserfahrzeuge unterschiedlicher Typen. Die überwiegende Mehrheit besteht aus schnellen, leichten Booten für küstennahe Operationen. Dazu zählen:

  • Schnellboote westlichen Ursprungs (seit den 1980er Jahren im Einsatz)
  • chinesische Raketenschnellboote der Houdong-/Thondor-Klasse
  • iranische Eigenentwicklungen wie Peykaap-Klassen
  • zahlreiche umgebaute zivile Schnellboote

Ein Teil dieser Einheiten ist mit Maschinengewehren, Raketenwerfern, leichten Antischiffsraketen oder Minen ausgerüstet. Die genaue Gesamtzahl variiert je nach Quelle, da viele zivile Plattformen im Konfliktfall kurzfristig militarisiert werden können.<ref>Jane’s Defence Weekly: Iran Naval Forces Analysis.</ref>

Moskitoflotte und Einsatzdoktrin

Die IRGCN setzt in großem Umfang auf kleine, schnell verlegbare Einheiten, die in der Fachliteratur häufig als „Moskitoflotte“ (englisch mosquito fleet) bezeichnet werden. Gemeint ist der massenhafte Einsatz leichter Boote, die schwer zu erfassen sind und flexibel eingesetzt werden können.

Diese Kräfte operieren typischerweise im Verbund und nutzen koordinierte Schwarmtaktiken (swarm tactics), bei denen zahlreiche Einheiten gleichzeitig aus unterschiedlichen Richtungen angreifen. Dieses Konzept wird in westlichen Analysen auch als Fast Inshore Attack Craft (FIAC) beschrieben.<ref>U.S. Office of Naval Intelligence: Iran’s Naval Forces.</ref>

Die Strategie kombiniert Schnellboote mit:

  • küstengestützten Antischiffsraketen
  • Seeminen
  • Drohnen (Luft- und Seeplattformen)
  • sowie elektronischer Kriegsführung

Ziel ist es, gegnerische Seestreitkräfte zu überlasten und die Kontrolle über enge Seewege wie die Straße von Hormus zu beeinflussen.<ref>CSIS: Cordesman, Iran’s Naval Strategy; DIA: Iran Military Power.</ref>

Einsatzentwicklung und Konflikterfahrung

Die heutige Einsatzdoktrin entwickelte sich aus Erfahrungen im sogenannten Tankerkrieg während des Ersten Golfkriegs (1980–1988). Damals begann die Revolutionsgarde, Handelsschiffe mit kleinen Schnellbooten anzugreifen. Diese Erfahrungen wurden später systematisch weiterentwickelt und bilden die Grundlage der heutigen maritimen Strategie.

Zwischenfälle und aktuelle Entwicklungen

Seit den 2000er Jahren kommt es regelmäßig zu Begegnungen zwischen Einheiten der IRGCN und internationalen Seestreitkräften im Persischen Golf. Dazu gehören riskante Annäherungen an Kriegsschiffe der United States Navy sowie die wiederholte Sicherstellung oder Beschädigung von Handelsschiffen:

  • 6. Januar 2008: Ein Beinahe-Schusswechsel zwischen iranischen Schnellbooten und Schiffen der US-Marine in der Straße von Hormus. Fünf Schnellboote der Islamischen Revolutionsgarde haben sich nach US-Militärangaben in der Straße von Hormus drei amerikanischen Marineschiffen bedrohlich genähert. In einem Funkspruch wurde zudem angeblich damit gedroht, die Schiffe in die Luft zu sprengen. Außerdem seien kastenförmige Gegenstände ins Wasser gelassen worden.<ref>Fast-Gefecht im Persischen Golf. In: sueddeutsche.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 10. Januar 2008; abgerufen am 2. Januar 2017.</ref> Die US-Regierung sprach von einem „ernsten Zwischenfall“, während das iranische Außenministerium von einem „gewöhnlichen und natürlichen Vorgang“ sprach.<ref>Zwischenfall im Persischen Golf – Bush: Iran bedroht den Weltfrieden. In: sueddeutsche.de. 17. Mai 2010, abgerufen am 2. Januar 2017.</ref>

Im Jahr 2026 kam es im Zusammenhang mit einer Eskalation in der Straße von Hormus zu mehreren Angriffen auf zivile Handelsschiffe und Tanker. Dabei wurden nach Berichten internationaler Nachrichtenagenturen mindestens 6 bis 16 Schiffe beschädigt oder angegriffen. Teilweise kamen dabei kleine Schnellboote, unbemannte Systeme sowie kombinierte Angriffsmethoden zum Einsatz.<ref>Reuters, März–April 2026; Military.com, 2026.</ref>

In mehreren Fällen wurden Schiffe durch bewaffnete Schnellboote gestoppt oder zeitweise festgesetzt. Einige Vorfälle wurden von Beobachtern als Anwendung von Schwarmtaktiken im Sinne der IRGCN-Doktrin interpretiert.<ref>Reuters: Iran fast-boat swarm attacks, 2026.</ref>

Diese Entwicklungen führten zu einer erheblichen Beeinträchtigung der zivilen Schifffahrt in der Region und erhöhten Versicherungs- und Sicherheitsrisiken im internationalen Handel.<ref>Reuters; Time Magazine, 2026.</ref>

Verbündete (Auswahl)

Hisbollah

Die Hisbollah im Libanon ist der größte Verbündete Irans.<ref name=":2" /> Im Rahmen des von Iran beabsichtigten Revolutionsexports in den 1980er Jahren wurden 1982 bis zu 2000 Kämpfer der Islamischen Revolutionsgarde im Libanon stationiert, um die schiitischen Milizen während des Libanesischen Bürgerkriegs zu unterstützen und die Islamische Revolution nach iranischem Vorbild in den Libanon zu tragen. Die Revolutionsgarde errichtete ihre Trainingslager in der Bekaa-Ebene, von wo aus sie unter dem Namen „Hezbollah“ oder „Islamische Dschihad Organisation“ Operationen gegen die vorrückende israelische Armee im Süd-Libanon und den christlichen Falange-Milizen in Beirut ausführten.

Unter anderem wurden in der Scheich-Abdullah-Kaserne in Baalbek libanesische Kämpfer, die sich später zur Hisbollah formierten, von der Islamischen Revolutionsgarde militärisch und ideologisch ausgebildet. Die im Libanon stationierten Einheiten der Revolutionsgarde unterstanden während der 1980er Jahre Hodschatoleslam Ali Akbar Mohtaschami, der als iranischer Botschafter im Syrien tätig war. Weitere Kommandeure der Pasdaran im Libanon waren Mohsen Rafiqdust, Ali-Reza Asgari und der ehemalige iranische Verteidigungsminister Mostafa Mohammad Nadschar. Nach den Anschlägen auf die US-Botschaft und dem Anschlag auf den US-Stützpunkt in Beirut 1983, die beide von iranischen Quds-Brigaden organisiert und von der Hisbollah ausgeführt wurden, starteten die Franzosen einen Luftschlag gegen Stellungen der Islamischen Revolutionsgarde im Bekaa-Tal.

Die Libanesische Hisbollah gilt teilweise als Unterorganisation der Revolutionsgarde und unterhält bis heute mehrere Angehörige der Pasdaran sowie ranghohe iranische Offiziere der Quds-Brigaden als Militärberater und Strategen in ihren Reihen. Die Flagge der Hisbollah ist ebenfalls an der der Islamischen Revolutionsgarde angelehnt und wurde in Iran entworfen.

Ansar Allah/Huthi

Kommandeure

Siegel des Generalstabs
Siegel des Generalstabs
Inoffizielle Kommandeure
Offizielle Kommandeure

Bei einem Flugzeugabsturz am 8. Januar 2006 starben sieben Kommandeure der Revolutionsgarde. Brigadegeneral Ahmad Kazemi (Leiter der Bodenkräfte), Brigadegeneral Said Mohtadi, Brigadegeneral Hanif (Leiter des Geheimdienstes), Brigadegeneral Soleimani (Operationschef der Bodenstreitkräfte) und Brigadegeneral Yazdani (Chef der Artillerie) zählten zur Führungsspitze der Revolutionsgarde. Die Maschine vom Typ Dassault Falcon 20 stürzte in der Nähe des Urmia-Sees mit 15 Passagieren an Bord ab.<ref>Irans top military commanders die in plane crash. In: Iran Focus. 8. Januar 2006, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 12. Juni 2013; abgerufen am 10. April 2015.</ref>

Garnisonen

Vorwurf des Terrorismus, der Terrorunterstützung und der Menschenrechtsverletzungen

Amnesty International<ref>Jahresbericht Iran 2019. Abgerufen am 23. April 2020.</ref> sowie Human Rights Watch (HRW)<ref>Human Rights Watch, 350 Fifth Avenue, 34th Floor, New York, NY 10118-3299 USA: World Report 2019: Rights Trends in Iran. 17. Dezember 2018, abgerufen am 23. April 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> werfen der Revolutionsgarde schwere Menschenrechtsverletzungen wie Folter, Verschleppung und gezielte Tötungen vor.<ref>Revolutionary Guards Arrest 11 Arab-Iranian Flood Volunteers in Khuzestan Province. In: Center for Human Rights in Iran. 12. April 2019, abgerufen am 23. April 2020.</ref>

Im Jahr 2007 beschuldigte die US-Regierung die Quds-Brigaden, die als militärischer Geheimdienstapparat der Islamischen Revolutionsgarde gelten, hauptverantwortlich für die Herstellung von Bomben am Straßenrand sowie Planung und Durchführung von gezielten Attentaten im Irak zu sein. Daher erklärte die US-Regierung die Quds-Brigaden zur terroristischen Vereinigung.<ref name="Treasury644" />

Im Oktober 2018 stuften Saudi-Arabien und Bahrain die Islamische Revolutionsgarde als Terrororganisation ein.<ref>Saudi, Bahrain add Iran’s Revolutionary Guards to terrorism lists. In: reuters.com. 23. Oktober 2018, abgerufen am 20. Juni 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Im April 2019 stufte der US-Präsident Donald Trump die Revolutionsgarde als Terrororganisation ein, weil die Revolutionswächter Förderer von Terror seien und aktiv am Terrorismus mitwirkten, ihn finanzierten und vorantrieben. Damit deklarierten die USA erstmals das Organ eines anderen Staates als Terrororganisation.<ref name="USA">USA erklären Revolutionsgarden zu Terror-Organisation. In: Israelnetz.de. 9. April 2019, abgerufen am 29. April 2019.</ref> Im Gegenzug stufte Iran das United States Central Command, kurz CENTCOM, das zuständige Regionalkommando für den Nahen Osten, Ost-Afrika und Zentral-Asien, ebenfalls als Terrororganisation ein.<ref>Dunja Ramadan: Revolutionsgarde auf der Terrorliste. Abgerufen am 24. November 2019.</ref>

Im Januar 2020 tötete eine US-Drohne, auf Befehl von US-Präsident Trump, General Soleimani, Brigadegeneral Abu Mahdi al-Muhandis und mindestens fünf weitere Menschen.

Iranische Oppositionelle fordern von der Europäischen Union, dass diese die Revolutionsgarde als Terrororganisation einstuft.<ref name=":1" /> Im Januar 2023 forderte auch das EU-Parlament mit großer Mehrheit in einer Resolution, die Islamische Revolutionsgarde in vollem Umfang auf die Terrorliste der EU zu setzen.<ref name="Europaparlament">EU Parliament Calls for Iran’s Revolutionary Guard to Be Added to Terror List auf Voice of America, 20. Juni 2023</ref><ref>Parliament calls for more sanctions against Iranian regime, Pressemitteilung des Europäischen Parlaments, 19. Januar 2023</ref> Diese Forderung wurde vom Parlament im Juli 2023 noch einmal bekräftigt.<ref>Entschließung des Europäischen Parlaments vom 12. Juli 2023 zur Lage im Libanon (2023/2742(RSP))</ref> Auch aus der deutschen Politik gab es entsprechende Forderungen, mit Blick auf die Unterdrückung der Proteste 2022/23. Kritiker befürchten allerdings, dass dies die Wiederbelebung des Atomabkommens erschweren würde.<ref name=":1" /><ref>Iran: Lars Klingbeil (SPD) fordert Aufnahme iranischer Revolutionsgarde auf EU-Terrorliste. In: Der Spiegel. 12. März 2023, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 2. April 2023]).</ref><ref>Iran: Revolutionswächter auf EU-Terrorliste setzen. In: FDP. Abgerufen am 2. April 2023.</ref><ref>Die EU fasst das iranische Regime weiter mit Samthandschuhen an, Neue Zürcher Zeitung</ref><ref>Vorschlag einer Rede für Annalena Baerbock. In: Iran Journal. 16. Februar 2023, abgerufen am 2. April 2023.</ref> Bundesaußenministerin Annalena Baerbock behauptete 2023 zudem, der Juristische Dienst des Europäischen Rates habe ihr bestätigt, das eine Terrorlistung der Islamischen Revolutionsgarde aus rechtlichen Gründen derzeit nicht möglich sei. Mehrere Rechtsexperten, die diesbezüglich von der taz befragt wurden, widersprachen dieser Einschätzung.<ref>Hinters Rechtsgutachten geduckt auf taz.de, 18. Dezember 2023</ref>

Im Mai 2024 gab der Juristische Dienst des Europäischen Rates eine neue Einschätzung ab, der zufolge eine Terror-Listung der Islamischen Revolutionsgarde durch die EU jetzt doch möglich sei. Grundlage hierfür sei ein Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf, demzufolge ein versuchter Anschlag auf eine Synagoge in Bochum durch eine staatliche iranische Stelle beauftragt wurde.<ref>Urteil soll Terror-Listung von Revolutionsgarden ermöglichen, Meldung des Redaktionsnetzwerk Deutschland, 27. Mai 2024</ref>

Im Juni 2023 verhängten die USA Sanktionen gegen mehrere Iraner, darunter Shahram Poursafi, ein Mitglied der Revolutionsgarde. Laut US-Regierung soll Poursafi versucht haben, einen geplanten Auftragsmord am früheren Nationalen Sicherheitsberater der USA, John Bolton, zu organisieren.<ref>US sanctions Iranians over alleged plots to kill John Bolton and others around the world auf AP News, 1. Juni 2023</ref>

Im Juni 2024 stufte Kanada die IRGC als Terrororganisation ein.<ref name="Kanada">Kanada: Iranische Revolutionswächter auf Liste der Terrororganisationen. In: Der Spiegel. 20. Juni 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 20. Juni 2024]).</ref>

Im August 2025 stufte auch Australien die Islamische Revolutionsgarde offiziell als Terrororganisation ein. Der Leiter des australischen Inlandsgeheimdienstes ASIO machte die IRGC direkt für Angriffe auf eine Synagoge in Melbourne und ein jüdisches Restaurant in Sydney verantwortlich. Australiens Premierminister Anthony Albanese bezeichnete dies als „außergewöhnliche und gefährliche Akte der Aggression, die von einem fremden Staat auf australischem Boden orchestriert wurden“.<ref name="Australien">„Akte der Aggression“ – Darum ergreift Australien diese ungewöhnliche Maßnahme gegen den Iran In: Die Welt, 27. August 2025</ref>

Nach der Tötung Tausender Menschen bei regierungskritischen Kundgebungen in der Islamischen Republik einigten sich die EU-Staaten Ende Januar 2026 darauf, die Revolutionsgarde als Terrororganisation einzustufen. Diese Einstufung gilt – trotz bereits bestehender Sanktionen – als bedeutendes Symbol.<ref>EU setzt Revolutionsgarden auf Terrorliste www.juedische-allgemeine.de, 29. Januar 2026</ref> Im Zuge der anhaltenden Proteste kam es nach Einschätzung von Beobachtern zur schwersten Gewaltanwendung durch staatliche Sicherheitskräfte seit der Gründung der Islamischen Republik im Jahr 1979. Vor dem Hintergrund internationaler Reaktionen erklärte der Sprecher des iranischen Parlaments, Iran werde die Streitkräfte jener EU-Mitgliedstaaten als „terroristische Gruppen“ einstufen, welche die Islamische Revolutionsgarde auf ihre Terrorliste gesetzt hatten. Als symbolische Unterstützung für die Revolutionsgarde traten mehrere Abgeordnete des iranischen Parlaments Medienberichten zufolge in deren Uniformen im Plenarsaal auf.<ref>Reaktion auf europäischen Beschluss zur Revolutionsgarde: Iran stuft EU-Armeen als Terrorgruppen ein. In: tagesspiegel.de. 1. Februar 2026, abgerufen am 1. Februar 2026.</ref><ref>Omid Rezaee: Iran stuft Streitkräfte von EU-Ländern als terroristische Gruppen ein. In: zeit.de. 1. Februar 2026, abgerufen am 1. Februar 2026.</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Natalie Amiri: Zwischen den Welten. Von Macht und Ohnmacht im Iran. Aufbau, Berlin 2021, ISBN 978-3-351-03880-9; Taschenbuchausgabe ebenda 2022, ISBN 978-3-7466-4030-3, S. 108–124 (Aufstieg der Revolutionsgarde) und öfter.
  • Nader Uskowi: Temperature Rising: Iran’s Revolutionary Guards and Wars in the Middle East. Rowman & Littlefield, Lanham 2018, ISBN 978-1-5381-2172-6.
  • Afshon Ostovar: Vanguard of the Imam: Religion, Politics, and Iran’s Revolutionary Guards. Oxford University Press, New York 2016, ISBN 978-0-19-938789-2.

Weblinks

Einzelnachweise

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