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Harnstoffnitrat

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Strukturformel
Datei:Harnstoff-ion.svg Nitration
Allgemeines
Name Harnstoffnitrat
Summenformel CH5N3O4
Kurzbeschreibung

farblose Kristalle<ref name="roempp">Eintrag zu Harnstoffnitrat. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
PubChem 31295
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 123,07 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,69 g·cm−3<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Schmelzpunkt

157 °C (Zersetzung)<ref name="GESTIS" />

Dampfdruck

1,04·10−3 Pa (25 °C)<ref name="Brady">Bradly, J.E.; Smith, J.L.; Hart, C.E.; Oxley, J.: Estimating Ambient Vapor Pressures of Low Volatility Explosives by Rising-Temperature Thermogravimetry in Propellants Explos. Pyrotech. 37 (2012) 215–222, doi:10.1002/prep.201100077.</ref>

Löslichkeit

schlecht in kaltem und gut in warmem Wasser<ref name="roempp" />

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="GESTIS" />
Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 228​‐​319
P: ?
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Harnstoffnitrat (chemische Struktur H2N–CO–NH2·HNO3) ist das haut- und schleimhautreizende, explosive Harnstoffsalz der Salpetersäure.<ref name="GESTIS" />

Gewinnung und Darstellung

Harnstoffnitrat kann durch vorsichtiges Eintragen einer gesättigten Harnstofflösung in Salpetersäure und anschließendes Abfiltrieren der ausfallenden Kristalle dargestellt werden. Da die Reaktion besonders bei hoher Säurekonzentration stark exotherm verlaufen kann, sollte man bei der Synthese von Harnstoffnitrat immer auf eine ausreichende Kühlung des Reaktionsgemisches achten.

Eigenschaften

Physikalische Eigenschaften

Harnstoffnitrat bildet farblose Kristalle mit einem Schmelzpunkt von 152 °C, die zu explosivem Zerfall neigen.

Tabelle mit wichtigen explosionsrelevanten Eigenschaften:
Bildungsenergie −4454,8 kJ/kg<ref name="köhler">Josef Köhler, Rudolf Meyer, Axel Homburg: Explosivstoffe. 10. Auflage, Wiley-VCH, 2008, ISBN 978-3-527-32009-7, S. 155. doi:10.1002/9783527623402.ch8</ref>
Bildungsenthalpie −4575,7 kJ/kg<ref name="köhler" />
Sauerstoffbilanz −6,5 %<ref name="köhler" />
Stickstoffgehalt 34,14 %<ref name="köhler" />
Normalgasvolumen 910 l/kg<ref name="köhler" />
Explosionswärme 3213 kJ/kg (H2O (l))
2458 kJ/kg (H2O (g))<ref name="köhler" />
Spezifische Energie 755 kJ/kg (77,0 mt/kg)<ref name="köhler" />
Bleiblockausbauchung 270 cm3/10 g<ref name="köhler" />
Verpuffungspunkt 186 °C<ref name="köhler" />
Stahlhülsentest keine Reaktion bei 1 mm Durchmesser<ref name="köhler" />
Schlagempfindlichkeit keine Reaktion bis 50 Nm Schlagenergie<ref name="köhler" />
Reibempfindlichkeit keine Reaktion bis 353 N Stiftbelastung<ref name="köhler" />

Chemische Eigenschaften

Da Harnstoffnitrat das Salz einer schwachen Base und einer starken Säure ist, reagiert es in wässriger Lösung sauer. Es ist in heißem Wasser gut löslich.

Gemische mit Magnesiumpulver können spontan unter starker Wärme- und Gasentwicklung (u. a. NOx) reagieren. Ähnliche gefährliche Reaktionen sind auch von Mischungen mit anderen unedlen Metallen sowie weiteren Reduktionsmitteln zu erwarten.

Harnstoffnitrat neigt zur explosiven Zersetzung besonders in Anwesenheit von Katalysatoren, wie Schwermetallionen, aber auch durch Reibung oder Wärme.<ref name="GESTIS" /> Mittels DSC wurde ab 145 °C eine stark exotherme Zersetzungsreaktion mit einer Zersetzungswärme von −350 kJ·mol−1 bzw. −2840 kJ·kg−1 gemessen.<ref name="Grewer">T. Grewer: Thermal Hazards of Chemical Reactions, Industrial Safety Series Vol. 4, Elsevier Amsterdam, 1994, ISBN 0-444-89722-4, S. 388.</ref>

Verwendung

Harnstoffnitrat wird in bis zu fünfprozentiger wässriger Lösung aufgrund der in der Lösung freiwerdenden Salpetersäure als Metallreinigungs- oder Beizmittel verwendet. Aufgrund der enthaltenen Salpetersäure eignet sich Harnstoffnitrat als Reaktant für Sprengstoffe. Im Nahen Osten wird es vermehrt von Attentätern direkt als Sprengstoff genutzt; es entwickelt nämlich, wenn es initial gezündet wird, 70 Prozent der Sprengkraft von TNT, ist allerdings beträchtlich billiger und leichter herzustellen. Aufgrund seiner Wasserlöslichkeit und vor allem wegen seiner korrosiven Wirkung und seiner thermischen Instabilität (Zersetzung schon ab 152 °C) ist es jedoch als militärischer Sprengstoff ungeeignet und findet neben seinem unprofessionellen Einsatz bei Anschlägen nur wenig Verwendung.

Rechtliches

Harnstoffnitrat ist trocken oder mit weniger als 20 % Massenanteil Wasser ein Explosivstoff im Sinne von Artikel 1 Abs. 2 und 3 der Richtlinie 93/15/EWG und des deutschen Sprengstoffgesetzes.<ref>Gesetz über explosionsgefährliche Stoffe (Sprengstoffgesetz – SprengG), Anlage III Explosivstoffliste nach § 3 Abs. 1 Nr. 1, <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Stand von 2002 (Memento vom 16. Februar 2016 im Internet Archive).</ref> In der aktuellen Fassung des Sprengstoffgesetzes ist Harnstoffnitrat jedoch nicht mehr aufgeführt.<ref>Anlage III SprengG. Abgerufen am 24. Juli 2025 (Stand von 2025).</ref>

Literatur

  • Roland Ionas Bialke: Das Lehrbuch der Sprengmeister. Gesammeltes Wissen über Sprengstoffe aus der klandestinen Hobby-Sprengmeisterzene, Books on Demand GmbH, Norderstedt 2008, ISBN 978-3-8370-4729-5.
  • Matsuo Tokuoka, Hitoshi Morooka: Über die physiko-chemiche Eigenschaft des Harnstoffnitrats. In: Bulletin of the Agricultural Chemical Society of Japan. Band 10, Nr. 7–9, 1934, S. 127–129, doi:10.1080/03758397.1934.10857089 (PDF).

Weblinks

Einzelnachweise

<references />