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Miller-Kreisprozess

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Der Miller-Kreisprozess (auch Miller-Zyklus) für Verbrennungsmotoren ist benannt nach dem Erfinder Ralph Miller, der sich im Jahr 1956 einen Ventiltrieb patentieren ließ,<ref>Patent US2817322A: Supercharged engine. Angemeldet am 30. April 1956, veröffentlicht am 24. Dezember 1957, Erfinder: Ralph Miller.</ref> bei dem das Einlassventil sehr früh, noch während des Ansaugtaktes schließt.<ref name="Basshuysen" /> Die Füllung wird dadurch verkleinert, der Verdichtungsenddruck und das Expansionsverhältnis bleiben jedoch gleich. Dies bewirkt beim Miller-Motor eine Steigerung des thermodynamischen Wirkungsgrades durch bessere Ausnutzung der Expansionsenergie im Arbeitstakt. Der Miller-Kreisprozess ist eine Adaption des Atkinson-Kreisprozesses für Motoren mit einfachem Kurbeltrieb.

Grundlagen

Beim Miller-Kreisprozess wird beim Ansaughub das Einlassventil deutlich vor Erreichen des unteren Totpunktes (UT) geschlossen, so dass auch ohne Drosselung nur relativ wenig Frischladung (Gemisch oder bei Direkteinspritzung Luft) in den Zylinder gelangt und der untere Totpunkt mit Unterdruck durchlaufen wird (verminderter Liefergrad). Je nach Konzept wird das geometrische Verdichtungsverhältnis beibehalten (verringerte Klopfneigung, weniger Stickoxidbildung)<ref>Günter P. Merker; Rüdiger Teichmann (Hrsg.): Grundlagen Verbrennungsmotoren, 7. Auflage, Springer Fachmedien Wiesbaden 2014, Abschnitt 7.2 Innermotorische Schadstoffbildung und -reduktion. ISBN 978-3-658-03194-7.</ref> oder erhöht (weitere Steigerung des Wirkungsgrades).<ref>Der neue 2,0-l-R4-TFSI-Motor von Audi. MTZ 05/2016, S. 16–23. ISSN 0024-8525 10814.</ref>

Verdichtungsverhältnis & Effizienz

Wenn das Verdichtungsverhältnis entsprechend höher gewählt wird, herrscht durch die geringere Frischladung nach dem Verdichtungshub (im oberen Totpunkt OT) gleicher Druck wie sonst bei vollständiger Ladung: Ohne den kritischen Verdichtungsenddruck zu verändern, wird so weniger Gemisch verbrannt und dafür das geometrische Expansionsverhältnis vergrößert, so dass der Arbeitshub die Expansionsenergie besser ausnutzen kann: Beim Auslass wird weniger Energie (Restdruck) ungenutzt freigesetzt, und die reduzierte Abgastemperatur erleichtert technisch die Anwendung eines Turboladers.

Gleiche Motorleistung erfordert aber beim Miller-Motor prinzipiell größeren Hubraum, weil die höhere Effizienz mit einer niedrigeren spezifischen Hubraumleistung verbunden ist.

Motorsteuerung

Um für Fahrzeugmotoren eine Quantitätsregelung des Drehmoments über weite Drehzahlbereiche zu ermöglichen, wird der Miller-Kreisprozess heute meist mit variabler Ventilsteuerung realisiert, da die verlustreiche klassische Steuerung mit Drosselklappe ohnehin dem Ziel der Effizienzsteigerung widerspricht. Bei einem Miller-Motor mit fester Ventilsteuerung nehmen (anders als beim Atkinson-Motor) mit wachsender Drehzahl der Liefergrad und das Drehmoment stark ab, was den Einsatzbereich einschränkt, aber etwa als Pumpen-Motor eine einfache Selbstregelung bewirkt.

Anwendung

  • 2010 stellte Nissan einen 1,2-l-Dreizylinder-Motor mit der Bezeichnung HR12DDR vor, der mit Eaton-TVS-Kompressor und Miller-Zyklus 72 kW (98 PS) leistet. Den Zyklus erreicht er über seine variable Ventilsteuerung; weitere Effizienz-Maßnahmen umfassen Direkteinspritzung und Start-Stopp-System.<ref>Neuer Dreizylinder-Benzinmotor für den Nissan Micra. In: micrafanpage.de. 3. August 2010, abgerufen am 20. September 2010.</ref> Der Motor befand sich im Sommer 2010 noch in der Erprobungsphase.
  • 2022 stellte BMW eine Überarbeitung seines 3,0-l-Sechszylinder-Ottomotors mit 280 kW (380 PS) und der Bezeichnung B58B30M2 vor, welcher den Miller-Zyklus in bestimmten Betriebszuständen zur Reduktion der Emissionen verwendet. Der Motor wird zu Beginn in der Modellpflege des BMW X7 eingeführt, soll aber auch in anderen Modellreihen des Herstellers angeboten werden.<ref>Brennverfahren wie im Prius, 500 PS dank PHEV? In: auto-motor-und-sport.de. 16. April 2022, abgerufen am 18. April 2022.</ref>

Vergleich von Miller-Zyklus und (modifiziertem) Atkinson-Zyklus

Bei modernen Motoren (Otto wie Diesel)<ref name="MTZ0616">Der neue Sechszylinder-Marinemotor von MAN für Yachten und Arbeitsboote. MTZ 06/2016, S. 50–55, ISSN 0024-8525 10814.</ref> wird unter dem modifizierten Atkinson-Prozess das sehr späte Schließen des Einlassventils verstanden, also deutlich nach dem unteren Totpunkt (UT), während beim Miller-Zyklus das Einlassventil deutlich vor UT geschlossen wird.<ref name="Reif">Konrad Reif (Hrsg.): Ottomotor-Management im Überblick. Springer Fachmedien Wiesbaden 2015, Abschnitt Zylinderfüllung. ISBN 978-3-658-09523-9.</ref><ref name="Basshuysen">Richard van Basshuysen, Fred Schäfer (Hrsg.): Handbuch Verbrennungsmotor. 8. Auflage 2017, Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, Abschnitt 7.10.1.5 Variable Ventiltriebe. ISBN 978-3-658-10901-1.</ref> Der Effekt der verminderten Frischladung ist der gleiche; anders als beim Miller-Zyklus kann man beim Atkinson-Zyklus die Gasdynamik des Ansaugvorgangs nutzen<ref name="Reif" />: Im Gegensatz zum Miller-Zyklus erhöht der Atkinson-Zyklus auch bei fester Ventilsteuerung mit wachsender Drehzahl den Liefergrad und damit das Drehmoment, so dass er sich auch ohne Nockenwellenverstellung gut einsetzen lässt. Mit etwas Mehraufwand für eine variable Ventilsteuerung ist der Miller-Zyklus jedoch effizienter.<ref name="MTZ0616" />

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

<references />