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Helene Jacobs

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Helene Jacobs (* 25. Februar 1906 in Schneidemühl, Kreis Kolmar i. Posen; † 13. August 1993 in Berlin) war eine Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus.

Leben

Datei:Waldfriedhofdahlelm ehrengrab Jacobs, Helene.jpg
Grabstätte
Datei:2006-07-24 Gedenktafel Helene Jacobs Bonner Str 2.jpg
Gedenktafel am Haus Bonner Straße 2 in Berlin-Wilmersdorf

Helene Jacobs wurde 1906 in Schneidemühl in der preußischen Provinz Posen geboren.<ref>Eberhard Röhm, Jörg Thierfelder: Juden, Christen, Deutsche 1933–1945. Hrsg.: Eberhard Röhm, Jörg Thierfelder. Band 4, Teil 1. Calwer, Stuttgart 2004, ISBN 3-7668-3887-3, S. 245.</ref> Ihre Eltern waren beide als Lehrkräfte tätig, die Mutter Gertrud Jacobs (geb. Marquard) als Volksschullehrerin und der Vater Theodor Jacobs als Gymnasiallehrer. Ihr Vater gehörte der freikirchlichen katholisch-apostolischen Kirche an. Die politische Prägung durch ihr Elternhaus beschrieb Jacobs später einerseits als kosmopolitisch-tolerant durch ihren Vater und als national geprägt durch ihre Mutter, „aber in einem Sinne, der den Nationalsozialismus als einen Verrat am Vaterland empfunden habe.“<ref>Dossier Helene Jacobs, Interview mit Helene Jacobs vom 11. Juli 1983. Belegarchiv der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, S. 2.</ref>

1913 zogen die Eltern mit Helene und ihrem älteren Bruder Theodor August nach Berlin-Siemensstadt.<ref name="Rudolph">Katrin Rudolph: Hilfe beim Sprung ins Nichts. Franz Kaufmann und die Rettung von Juden und „nichtarischen“ Christen. Hrsg.: Publikationen der Gedenkstätte Stille Helden. überarbeitete Auflage. Band 7. Berlin 2017, ISBN 978-3-936411-77-5, S. 91.</ref> Durch den frühen Tod des Vaters im Jahr darauf wurde die Familie ohne finanzielle Absicherung hinterlassen und befand sich in ärmlichen Verhältnissen. Die Familie lebte vom geringen Schulgeld, das die Mutter durch die Privatschule, die sie eröffnete, verdiente und sie wohnten in den Nebenräumen der Schule.<ref>Dossier Helene Jacobs, Interview mit Helene Jacobs vom 11. Juli 1983. Belegarchiv der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, S. 3.</ref> Während Helenes Bruder von Verwandten auf ein Internat geschickt wurde, erhielt Helene Jacobs Privatunterricht bei ihrer Mutter.<ref name="Rudolph" /> Nach dem Besuch des Spandauer Lyzeums besuchte Jacobs einen Handelskursus der Victoria-Fachschule Berlin und bekam im August 1924 eine Stelle als Sekretärin und Anwaltsgehilfin bei dem jüdischen Berliner Patentanwalt Herrmann Barschall.<ref>Katrin Rudolph: Hilfe beim Sprung ins Nichts. Franz Kaufmann und die Rettung von Juden und „nichtarischen“ Christen. Hrsg.: Publikationen der Gedenkstätte Stille Helden. überarbeitete Auflage. Band 7. Berlin 2017, ISBN 978-3-936411-77-5, S. 92.</ref>

Seit 1934 war Jacobs Mitglied der Bekennenden Kirche. Sie schloss sich einer Gruppe um den Juristen Franz Herbert Kaufmann an, die seit 1940 half, dass jüdische Verfolgte untertauchen und das Land verlassen konnten. Jacobs versteckte aus christlich-sozialer Motivation heraus einige Menschen in ihrer Wohnung, bis sie 1943 denunziert und anschließend zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Jacobs als Beamtin im Entschädigungsamt in West-Berlin und wurde dort 1963 strafversetzt, weil sie sich zu sehr für die Antragsteller eingesetzt hatte.<ref>Christian Pross: Wiedergutmachung: der Kleinkrieg gegen die Opfer. Athenäum, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-610-08502-9, S. 63.</ref>

Jacobs war seit der Gründung 1949 Mitglied der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin. Sie wird seit 1968 von der Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern geehrt. Sie verstarb 1993 im Alter von 87 Jahren und wurde auf dem Waldfriedhof Dahlem in Berlin beigesetzt.<ref>Grabnummer: 3-108</ref><ref>Klaus Nerger: Das Grab von Helene Jacobs. In: knerger.de. Abgerufen am 20. März 2023.</ref> Ihr Grab ist seit 2004 als Ehrengrab der Stadt Berlin gewidmet.

Zitat

„Mit Illegalität hatte ich nichts zu tun. Meine Welt ging kaputt, die wollte ich verteidigen. Ich hatte am 30. Januar 1933, als Hitler Reichskanzler wurde, mein Vaterland verloren. Besonders die antisemitischen Nürnberger Gesetze (1935), die einen Teil der Bevölkerung willkürlich aus der Gemeinschaft ausschlossen, gingen mir unter die Haut. Diesen verfolgten Menschen wollte ich helfen.“<ref>Aro Kuhrt: Vom Rosenthaler Thor zum Gesundbrunnen: Die Geschichte der Brunnenstraße: Faschismus und Widerstand. In: Brunnenstrasse.de. Abgerufen am 17. Februar 2024.</ref>

Ehrungen

Am Haus in der Bonner Straße 2 in der Künstlerkolonie Wilmersdorf wurde eine Gedenktafel mit folgender Inschrift angebracht:

<poem style="margin-left:5em;"> In diesem Hause lebte von 1935 bis zu ihrem Tode die Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus Helene Jacobs 25.02.1906–13.08.1993 Sie versteckte in ihrer Wohnung untergetauchte Juden und verhalf ihnen zur Flucht. Sie wurde von der Nazi-Justiz zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Berlin, im April 1997 </poem>

In Berlin-Schmargendorf bekam im April 2020 die U-förmig das Neubaugebiet „Maximilians-Quartier“ umschließende Helene-Jacobs-Straße ihren Namen.

Literatur

  • Beate Kosmala: Zivilcourage in extremer Situation: Retterinnen und Retter von Juden im „Dritten Reich“ (1941–1945). In: Gerd Meyer, Ulrich Dovermann, Siegfried Frech, Günther Gugel (Hrsg.): Zivilcourage lernen: Analysen – Modelle – Arbeitshilfen. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2004, ISBN 3-89331-537-3, S. 106–115, hier: S. 110; bpb.de (PDF; 360 kB).
  • Katrin Rudolph: Hilfe beim Sprung ins Nichts: Franz Kaufmann und die Rettung von Juden und „nichtarischen“ Christen. Metropol, Berlin 2005, ISBN 3-936411-77-8.
  • Ulrich Werner Grimm: Die Berliner Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Geschichte(n) im Spiegel ihrer Quellen. In: Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e. V. (Hrsg.): Im Gespräch. 50 Jahre Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e. V. – Eine Festschrift, Konzeption/Redaktion: Ulrich Werner Grimm. Berlin 1999.
  • Ursula Henseler: Helene Jacobs. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 14, Bautz, Herzberg 1998, ISBN 3-88309-073-5, Sp. 1105–1108.
  • Christiane Kruse: Helene Jacobs. In: Frauen gegen Hitler. Weiblicher Widerstand im „Dritten Reich“. BeBra Verlag, 2024, ISBN 978-3-89809-252-4, S. 113–114.

Weblinks

Commons: Helene Jacobs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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