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Diatretglas

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Datei:Diatreta from Komini II Pljevlja - Montenegro - 4th century.png
Diatretglas aus Pljevlja, Montenegro

Ein Diatretglas ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) „durchbrochen, durchbohrt“) ist ein meist glockenförmiges, prunkvolles doppelwandiges Gefäß mit durchbrochenem Glas, das in der Römischen Kaiserzeit und insbesondere in der Spätantike verwendet wurde. Gemeint ist damit, dass der Gefäßkörper von einem durchbrochenen Glasnetz umfangen wird. Die Gefäße werden daher auch als Netzbecher<ref>Anton Kisa: Das Glas im Altertume. Hiersemann, Leipzig 1908, S. ?.</ref> und im Englischen auch als {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) („Käfiggläser“) bezeichnet.

Herstellungstechnik

Datei:Cologne Diatreta detail.jpg
Die geschliffene Netzhülle ist durch einzelne, teilweise ungeschliffene Verbindungsstege mit dem Gefäßkörper verbunden. Detail des Braunsfelder Diatretglases in Köln

In der nachrömischen Zeit wurde das erste derartige Glas 1680 in Norditalien wiederentdeckt.<ref>Zur Forschungsgeschichte etwa David Whitehouse: Cage Cups. Late Roman Luxury Glasses. Corning, New York 2015, ISBN 978-0-87290-200-8, S. 33–37.</ref> Seit der Zeit versucht man, die Herstellungsweise zu ergründen und sie nachzubilden. Es gibt zwei Theorien, wie ein Diatretglas hergestellt wurde: Die seit den 1880er Jahren für Replikate<ref>Anton Kisa: Vasa diatreta. In: Zeitschrift für christliche Kunst. Band 12, 1899, Spalte 40ff. (doi:10.11588/diglit.3944#0036), hier Spalte 40..</ref> genutzte Schleifmethode ist Grundlage der Schleiftheorie. Sie kann allerdings nicht wie die Presstheorie die ungeschliffenen Zwischenstege<ref>Anton Kisa: Vasa diatreta. In: Zeitschrift für christliche Kunst. Band 12, 1899, Spalte 40ff. (doi:10.11588/diglit.3944#0036), hier Spalte 41–42.</ref> antiker Diatrete erklären.

  • Schleiftheorie: Zuerst wurde das Motiv als Relief aus einem geblasenen Rohling herausgeschliffen und anschließend das Material dahinter, bis auf einige Glasstege, entfernt. Diese Theorie scheint auch in der Praxis zu funktionieren, wie in dieser Technik hergestellte Diatretglas-Repliken von Josef Welzel zeigen.<ref>Josef Welzel: Becher aus Flechtwerk von Kristall – Diatretgläser, ihre Geschichte und Schleiftechnik. (Ausstellung in: Glasmuseum Rheinbach, Fürstenschloß Hadamar, Landesmuseum Mainz, Kestner-Museum Hannover, Museum G. M. Kam Nijmegen, Glasmuseum Wertheim, Glasmuseum Frauenau), Staatliche Glasfachschule Hadamar / Glasmuseum Wertheim, 1994, ISBN 3-922000-04-5.</ref> Die Schleiftheorie nimmt den Ausschliff aus einem massiven Glasstück an, erklärt aber nicht den Befund der vollständig erhaltenen Diatreta wie zum Beispiel des Braunsfelder Diatretglases in Köln (siehe Abbildung rechts). Die Schleiftheorie greift eine 1930 veröffentlichte Deutung von Fritz Fremersdorf auf.<ref>Fritz Fremersdorf: Die Herstellung der Diatreta. In: Festschrift zum 70. Geburtstag Karl Schumachers. Mainz 1930, S. 295–300.</ref> Erst Otto Doppelfeld sah die Schleiftheorie dann aufgrund der Schleifversuche der Ichendorfer Glashütte bei Köln unter der Leitung von R. Penkert und der Übergänge vom farblosen zum farbigen Glas gerade an den Verbindungsstegen skeptisch.<ref>Otto Doppelfeld: Der Muschelpokal und das neue Diatretglas von Köln. In: Glastechnische Berichte. Band 34, 1961, Heft 12, S. 566.</ref> Dementsprechend zeigen die von Doppelfeld 1961 veröffentlichten Makroaufnahmen den Farbwechsel in den nur im Bereich des Gefäßrandes beschliffenen Glasflussstegen. Diesen auch an den übrigen Diatreten zu beobachtenden Befund sucht die Presstheorie zu erklären.
  • Presstheorie: Mit einem perforierten Zwischenbecher aus Gips oder einer Mischung aus Gips und Quarzmehl könnte möglicherweise ein zweischaliger Glasrohling hergestellt werden, der dann aufgeschliffen wurde.<ref>Rosemarie Lierke: Diatretglas. In: Antike Glastechnologie. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 24. Januar 2016; (10 Fragen an einen Vertreter der Schleiftheorie).</ref> Die erfolgreiche Umsetzung dieser Theorie in die Praxis fehlt bislang.

Funktion

Datei:2329 - Milano - Museo archeologico - Diatreta Trivulzio - Foto Giovanni Dall'Orto, 30-Oct-2008.jpg
Das sogenannte Trivulzio-Diatret im Museo Archeologico di Milano mit bläulicher Inschrift „BIVE VIVAS MULTIS ANNIS“ („Trinke, auf dass Du viele Jahre lebest“)

Die Diatrete werden meist als Trinkgefäße angesehen, weil sie oft die Form von Trinkbechern haben. Bei manchen Diatreten weisen die enthaltenen Inschriften mit Trinksprüchen auf die Nutzung beim Festessen oder Gelage (convivium) hin.<ref>Friederike Naumann-Steckner: Glas im römischen Köln. In: Marcus Trier, Friederike Naumann-Steckner (Hrsg.): Zerbrechlicher Luxus. Köln – ein Zentrum antiker Glaskunst. Schnell & Steiner, Regensburg 2016, ISBN 978-3-7954-3144-0, S. 33–149, hier S. 131.</ref> Die Verwendung als Trinkbecher ist auch in einem Gedicht Martials überliefert.<ref>Martial, Epigramme 12,70,9 (lateinische Wikisource); deutsche Übersetzung: Alexander Berg, 1865 (Digitalisat – Internet Archive).</ref> Demgegenüber weist eine Diatret-Schale im Corning Museum of Glass eine Aufhängevorrichtung aus Metall auf und wurde demnach möglicherweise als Lampe verwendet.<ref>cage-cup 87.1.1, Objektinformationen auf der Website des Corning Museum of Glass, abgerufen am 21. September 2025.</ref>

Ob eine Nutzung als Trinkgefäß oder als Lampe für Diatrete wahrscheinlicher ist, wird unterschiedlich beurteilt. Die für Diatrete typische abgesetzte Lippe macht eine Nutzung als Trinkgefäß tendenziell unpraktisch, wäre bei einer Nutzung als Lampe dagegen sinnvoll.<ref>Cornelius Steckner: Pharokantharoi und Kylikeia. Dionysische Lichtgefässe in architektonischem Kontext. In: Annales du 11e Congrès de l’Association internationale pour l’histoire du Verre: Bâle, 29 août-3 septembre 1988. Association internationale pour l’histoire du verre, Amsterdam 1990, S. 257–270; Lux und Luxus. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, 12. Mai 2001, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 13. Oktober 2010;.</ref> Auch lassen sich die meisten Stücke nicht abstellen, wie man es von einem Trinkglas erwarten würde, weil sie keinen geeigneten flachen Boden oder Fuß haben. Allerdings ist anzunehmen, dass diese wertvollen, fragilen Gefäße bei einem Festmahl ohnehin nicht direkt auf dem Tisch abgestellt werden sollten, sondern in einem Ständer positioniert wurden.<ref>Axel von Saldern: Antikes Glas (= Handbuch der Archäologie). C. H. Beck, München 2004, ISBN 978-3-406-51994-9, S. 390.</ref> Der Einwand, dass Gefäße wegen ihrer zarten Dekoration gar nicht hätten gefüllt werden können, ist ebenfalls nicht zwingend, da man Weingläser ja nicht zwingend bis zum Rand füllen muss. Auch dass neben den Diatretbechern andere Gefäßformen wie Eimer, Krug und Griffschale in derselben Technik vorkommen, passt zu einem Zusammenhang mit dem Weinkonsum.<ref>Andrea Rottloff: Geformt mit göttlichem Atem. Römisches Glas. Nünnerich-Asmus, Mainz 2015, ISBN 978-3-943904-76-5, S. 105.</ref> Zudem sind beispielsweise die aus Kölner Gräbern des 4. Jahrhunderts bekannten Exemplare in einer Zeit in die Erde gelangt, als im Rheinland die Beigabe von Lampen längst unüblich geworden war. Eine eindeutige, einheitliche Deutung der Funktion der Diatretgläser ist daher wohl nicht möglich.

Verbreitung

Datei:Munich Cup Diatretum 22102016 1.jpg
Die geschliffene Hülle verbinden einzelne Stege mit dem Gefäßkörper. Netzbecher in München.

Diatretglas war ein wertvolles Prunkglas der römischen Zeit; es gab sogar antike Gesetze zur Regelung der Schadenshaftung für Diatretglasschleifer. Die ersten derartigen Gläser sind aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. bekannt. Die wenigen bekannten frühen Exemplare sind noch nicht mit dem charakteristischen Netzwerk, sondern mit unterschiedlichen Motiven verziert.<ref>Zusammenstellung bei Whitehouse 2015, S. 21–31.</ref> Im 3. und 4. Jahrhundert war die Glasschleifkunst auf ihrem Höhepunkt. Bis heute sind über 70 Exemplare bekannt, die häufig nur noch als Scherben überliefert sind.<ref>Vergleiche den Katalog bei Whitehouse 2015.</ref> Um ein größeres Publikum zu bedienen, wurden auch preiswerte Imitationen angefertigt. Eines dieser Gläser wurde beispielsweise an dem spätrömischen, in valentinianischer Zeit erbauten Burgus Budakalász-Luppa csárda am Donaulimes in Ungarn gefunden.<ref>Lajos Nagy: L’imitation d’un vase diatrete, retrouvee au burgus de Budakalász. In: Budapest Régiségei 15, 1950, S. 535–539.</ref>

Bekannte Diatretgläser

Mit figürlichem Dekor

Datei:Lycurgus Cup red BM MME1958.12-2.1.jpg
Lykurgos-Becher
  • Lykurgos-Becher aus dem 4. Jahrhundert, seit 1945 im Besitz des British Museum. 16,5 cm hoch, 13,2 cm Durchmesser. Goldrubinglas, welches im Gegenlicht rot und im Auflicht opak-gelbgrün erscheint. Dieser Effekt entsteht, weil in das Glas kleinste Gold- und Silberpartikel (etwa 70 nm) im Verhältnis von drei zu sieben eingearbeitet wurden. Damit ist es das einzige vollständig erhaltene Glas mit einem solchen Effekt. Einmalig ist auch seine figurative Gestaltung mit einer mythologischen Szene: Die in einen Weinstock verwandelte Mänade Ambrosia hält König Lykurgos gefangen, der von Dionysos gezüchtigt wird.<ref>drinking-cup. British Museum, abgerufen am 19. Mai 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
  • Das Cagnola-Diatret im Museo civico archeologico di Villa Mirabello in Varese
  • Ein fragmentarisch erhaltenes Diatret aus dem Schatz von Begram mit der Darstellung eines Leuchtturms, der gewöhnlich mit dem Pharos von Alexandria identifiziert wird

Mit ornamentalem Dekor

Datei:Exhibition- Fragile Luxury - Cologne a glass-making centre in Antiquity, Romano-Germanic Museum, Cologne (25384849659).jpg
Das Braunsfelder Diatretglas des Römisch-Germanischen Museums in Köln
Datei:Rheinisches Landesmuseum Trier, Germany (31312760795).jpg
Diatretglas aus Niederemmel im Rheinischen Landesmuseum Trier
  • Das Köln-Braunsfelder Diatretglas im Römisch-Germanischen Museum in Köln<ref>T. Nagel: Ein gläsernes Meisterwerk. Bild der Woche, Woche 28/2013, Museen der Stadt Köln, abgerufen am 22. Mai 2016.</ref> wurde 1960 im Gräberbezirk des römischen Gutshofs im Kölner Stadtteil Braunsfeld ausgegraben. Es wird auf 330 bis 340 n. Chr. datiert. Der griechische Schriftzug {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) lässt sich als „Trinke, lebe schön immerdar“ übersetzen.
  • Netzbecher aus Daruvar (Kroatien), Kunsthistorisches Museum Wien, Fragment, 4. Jahrhundert. Höhe 9,5 cm. Die Inschrift ist zu {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) (etwa: „denen, die wohlgesinnt sind“) zu ergänzen.<ref>Netzbecher aus Daruvar. Kunsthistorisches Museum, abgerufen am 7. September 2025.</ref>
  • Coppa diatreta Trivulzio (coppa Trivulziana Inv. A 0.9.2840), Museo Archeologico in Mailand.<ref>Coppa Diatreta. Museo Archeologico di Milano, Comune di Milano, abgerufen am 7. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), automatische deutsche Übersetzung verfügbar).</ref> Inschrift {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), „Trinke, auf dass du viele Jahre lebest!“ 4. Jahrhundert, im 17. Jahrhundert in einem Sarkophag in Castellazzo Novarese aufgefunden, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von Carlo Trivulzio (auch bekannt als Abate Trivulzio, Bruder des 1763 verstorbenen Marchese Alessandro Theodoro Trivulzio) für sein Museum in Mailand erworben und 1935 von der Stadt Mailand.<ref>Siehe auch Göttingische Gelehrte Anzeigen, 13. Januar 1781, S. 21, Punkt 8 (DigitalisatSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. – Google Books), sowie Tobias Biehler: Über Gemmenkunde. Wien 1860, S. 12 Fußnote (Fortsetzung auf S. 13 unten; DigitalisatSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. – Google Books).</ref>
  • Netzbecher, 300–350 n. Chr., Herkunft Köln, Umschrift: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) „Trinke viele Jahre lang!“. Staatliche Antikensammlungen München.<ref>Sammlung – Das ganze Spektrum antiker „Kleinkunst“. Staatliche Antikensammlungen München, abgerufen am 7. September 2025.</ref>
  • Cage Cup aus dem Corning Museum of Glass, Durchmesser 12,2 cm, Höhe 7,4 cm, mit dreihenkeligem Bronzering.<ref>cage-cup. Corning Museum of Glass, abgerufen am 7. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
  • Diatretglas von Niederemmel.<ref>Lothar Schwinden: Das Diatretglas von Niederemmel, Kreis Bernkastel-Wittlich. In: Funde und Ausgrabungen im Bezirk Trier 47, 2015, S. 80–89 (Digitalisat, PDF-Download, 275 kB); Diatretglas im Gemeindewappen (Niederemmel, Gemeinde Piesport ). Eintrag in der Datenbank der Kulturgüter in der Region TrierVorlage:Abrufdatum.</ref> Bei Ausschachtungsarbeiten im Jahre 1950 in Niederemmel (Mosel) wurden drei Sandsteinsarkophage circa 35 cm unter der Erdoberfläche gefunden. In einem dieser Sarkophage befand sich neben Skelettresten, einem Tongefäß und einer 38 cm langen Glasphiole auch ein außerordentlich gut erhaltenes 18 cm hohes Diatretglas. Es wird heute im Rheinischen Landesmuseum Trier ausgestellt.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references />