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Harry Meyen

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Datei:Bundesarchiv B 145 Bild-F034157-0013, Bonn, Bundeskanzler Brandt empfängt Schauspieler.jpg
Harry Meyen, Romy Schneider und Rut Brandt (1971)

Harry Meyen (* 31. August 1924 als Harald Haubenstock in Hamburg; † 14. April 1979 ebenda) war ein deutscher Schauspieler und Regisseur. Ab 1945 wirkte er in zahlreichen Filmproduktionen wie zum Beispiel Des Teufels General (1955) mit und arbeitete an verschiedenen Theaterbühnen. Einem größeren Publikum wurde er vor allem durch seine Ehe mit Romy Schneider (1966–1975) bekannt.

Herkunft

Meyen wurde 1924 in Hamburg geboren.<ref>Hamburger Einwohnermeldekartei, Eintrag zu Harry Haubenstock, Vermerk über die Eltern ohne weitere Angaben über deren Geburts- oder Heiratsdaten (vgl. Krenn, S. 195).</ref><ref>Geburtsanzeige aus der Privatklinik Dr. Hölscher in der Klopstockstraße (heute Warburgstraße) 23 in Hamburg-Rotherbaum. In: Hamburger Fremdenblatt. Nr. 246, 4. September 1924, S. 4.</ref> Seine Mutter wurde 1896 in Hamburg als Hedwig Bertha Timm, Tochter des Finanzbeamten Albert Timm, geboren.<ref>Archivgut: Zivilstandsregister Hamburg 21. Bestand: Geburtenbuch, Jg. 1896. Dokument: Urkundennummer 386. Staatsarchiv Hamburg. 3. Februar 1896. Signatur: 332-5, 6350. </ref> Albert Timm war ein uneheliches Kind, nach der Heirat seiner Mutter führte er später den Namen Hogetop-Timm. Alle in dieser Familie waren evangelisch.

Seine väterliche jüdische Familie Haubenstock stammt ursprünglich aus Kobylany bei Krakau. Meyens Großvater Salomon Haubenstock war Fleischer und 1892 nach Karwin im damaligen Österreichisch-Schlesien gekommen. Dort wurde 1892 Meyens Vater geboren.<ref>Archivgut: Ergänzungskarten für Angaben über Abstammung und Vorbildung aus der Volkszählung vom 17. Mai 1939. Bestand: Leipzig, hier: Flörsheim, O. – Huth, K.. Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde. 17. Mai 1939. Signatur: R 1509 (Reichssippenamt). </ref> Seine Eltern trennten sich vor 1931. Sein Vater war technischer Leiter, lebte Anfang 1933 in Leipzig,<ref>Michael Schönemann: Januar 1933. Das jüdische Leipzig, eine Rekonstruktion. Berlin 2025, ISBN 978-3-11-162467-9, S. 420.</ref> kehrte später nach Karwin zurück und nannte sich dort meist Bernard Hromek. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er zusammen mit seiner zweiten Ehefrau von den Behörden als „Verfolgter jüdischer Abstammung“ im tschechischen Teil der Stadt Teschen registriert.<ref>Archivgut: Durchführung der Alliiertenbefehle zur Erfassung von Ausländern und deutschen Verfolgten sowie verwandte Dokumente. Bestand: Liste der Juden und Opfer rassistischer Verfolgung in Böhmen und Mähren bis zum 31. Oktober 1945. Dokument: Seite 811. Arolsen Archives. Signatur: DE ITS 2.1.7, 12302. </ref> Später emigrierte er nach Israel, wo er 1968 in der Nähe von Tel Aviv starb.

Jugend

Datei:Grabstätte Harry Meyen 2020.jpg
Grabstätte von Harry Meyen, seiner Mutter und anderen auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Ab 1931 wohnte Meyen zusammen mit seiner Mutter beim Großvater Albert Hogetop-Timm in Hamburg. Bei der landesweiten Volkszählung 1939 wurde er dort als „Mischling 2. Grades“ eingestuft.<ref>Archivgut: Ergänzungskarten für Angaben über Abstammung und Vorbildung aus der Volkszählung vom 17. Mai 1939. Bestand: Hamburg, hier: G – Hauwitz, M. Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde. 17. Mai 1939. Signatur: R 1509 (Reichssippenamt). </ref> Meyens Mutter, Hedi Haubenstock, wurde von der Hamburger Gestapo kurzzeitig inhaftiert,<ref>Archivgut: Kartei Gestapo Hamburg. Bestand: Dokumente mit Namen ab Frederiksen, Knud. Arolsen Archiv. Signatur: DE ITS 01020302 004. </ref> lässt sich bis 1939/40 in Hamburg nachweisen<ref>Hamburger Adressbücher.</ref> und zog dann nach Berlin. Dort heiratete sie im Oktober 1940 den Schauspieler, späteren Regisseur und Pressechef der Berliner Scala, Wilhelm Heinrich Otto Meyer (1901–1967, Künstlername Will Meyen) und starb im September 1960.<ref>Archivgut: Zivilstandsregister Wilmersdorf von Berlin. Bestand: Sterbebuch, Jg. 1960. Dokument: Urkundennummer 2326. Landesarchiv Berlin. 20. September 1960. Signatur: P Rep. 570, 3365. </ref> Sie wurde auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg beigesetzt. Harry Meyen hatte Will Meyen mehrfach als seinen Adoptivvater bezeichnet.<ref>Krenn, S. 194.</ref>

Meyen wurde in Hamburg von der Gestapo verhaftet und war zwischen Juli und September 1942 im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel inhaftiert.<ref>Archivgut: Polizeiwesen. Bestand: Tägliche Zu- und Abgänge der Schutzhaftgefangenen im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel, Band 2. Dokument: Seite 1461 von 4792. Staatsarchiv Hamburg. Signatur: 331-1 II (Polizeibehörde II), 7253. </ref> Der offizielle Grund dieser Verhaftung ist nicht bekannt.<ref>Krenn, S. 194.</ref> Im November 1945 wurde er in der Britischen Besatzungszone in Hamburg als „Verfolgter deutscher Abstammung“ registriert.<ref>Britische Militärverwaltung (Control Commission for Germany, CCG/BE): Registrierungen von Ausländern und deutschen Verfolgten durch öffentliche Einrichtungen, Versicherungen und Firmen (1939–1947). Arolsen Archiv, 15. November 1945, abgerufen am 9. Dezember 2025.</ref>

Karriere und Ehen

Sein Adoptivvater hatte ihn der Schauspielerei nähergebracht, und so begann seine Karriere 1945 bei Willy Maertens am Hamburger Thalia Theater, dem er sieben Jahre angehörte. Danach spielte er drei Jahre am Aachener Stadttheater und ab 1955 an Berliner Bühnen. Er wirkte auch in zahlreichen Kinoproduktionen mit, in denen er meist als junger Mann aus gutem Hause besetzt wurde, und drehte mit renommierten Regisseuren wie Helmut Käutner, Falk Harnack und Wolfgang Staudte. In der Zuckmayer-Verfilmung Des Teufels General spielte er 1955 einen jungen Fliegeroffizier, dem Curd Jürgens als General Harras ins Gewissen redet. Meyen nahm im Laufe seiner Karriere immer wieder Filmrollen in Nazi-Uniform an.

Ab Mitte der sechziger Jahre wandte er sich wieder verstärkt der Bühne zu und er erwarb sich den Ruf eines bekannten und versierten Boulevard-Schauspielers und -Regisseurs.<ref>@1@2Vorlage:Toter Link/www.austria.infoSchneider, Romy (1938–1982) (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Oktober 2022. Suche im Internet Archive )</ref> Gegen Ende seiner Karriere war Meyen häufiger in Fernsehspielen zu sehen. Als Synchronsprecher lieh er seine Stimme u. a. Dirk Bogarde (Verbrechen ohne Schuld), Robert Mitchum (Dick und Doof – Die Tanzmeister; erste Synchronfassung), Michel Piccoli (Trio Infernal), Peter Sellers (Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben – jedoch nur in der Rolle als Präsident) und Jean-Louis Trintignant (Le Train).

Meyen war von 1953 bis zur Scheidung 1966 mit der Schauspielerin Anneliese Römer verheiratet. 1965 lernte er Romy Schneider kennen und heiratete sie 1966 in Saint-Jean-Cap-Ferrat. Im Dezember 1966 kam ihr gemeinsamer Sohn David Christopher zur Welt. Meyen verlangte von Schneiders Stiefvater Hans Herbert Blatzheim, dass die Verwaltung des Vermögens seiner Frau auf ihn übertragen würde. Die Familie lebte anfangs in Berlin, später in Hamburg. Schneider verhalf ihrem Ehemann bei einigen ihrer Filme zu Gastrollen sowie zu Arbeiten als Synchronregisseur. Bei den Salzburger Festspielen vermittelte sie ihrem Mann die Inszenierung eines Stückes von Thomas Bernhard, die allerdings zum Misserfolg geriet. Auch bei zwei Operninszenierungen, Richard Wagners Tannhäuser und Rossinis Der Barbier von Sevilla, konnte Meyen die in ihn gesetzten Erwartungen als Regisseur nicht erfüllen.<ref>Harry Meyen. In: derrick-fanclub.de. Ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 11. Oktober 2022.@1@2Vorlage:Toter Link/www.derrick-fanclub.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> 1973 trennten sich Schneider und Meyen; 1975 erfolgte die Scheidung. Schneider zahlte Meyen eine Abfindung von ca. 1,4 Mio. DM.<ref>Matthias Matussek, Lars-Olav Beier: Die Königin der Schmerzen. In: Der Spiegel. Nr. 21, 2007, S. 163 (online21. Mai 2007).</ref> Danach zog sie mit dem gemeinsamen Sohn nach Frankreich.

Meyen litt sehr unter der Trennung. Engagements blieben aus, und seine Alkohol- und Tablettensucht bewirkte Depressionen. Sein Leben lang litt Meyen unter starker Migräne und nahm dagegen unter anderem Optalidon und Staurodorm. Verbunden mit Alkohol führen diese Medikamente häufig zu Benommenheit, Müdigkeit, Lichtempfindlichkeit, Angst und Suizidgefährdung. Meyens Rauschmittelkonsum steigerte sich im Laufe der Jahre. Am Ostersonntag 1979 wurde er von seiner Lebensgefährtin, der Schauspielerin Anita Lochner, tot aufgefunden: Er hatte sich in seinem Haus in Hamburg-Harvestehude selbst getötet.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., Hamburger Abendblatt vom 17. April 1979. Abgerufen am 1. September 2010.</ref> Er wurde im Familiengrab auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg beigesetzt.<ref>Personen der Zeitgeschichte und Prominente. In: friedhof-hamburg.de. Abgerufen am 11. Oktober 2022.</ref><ref>Klaus Nerger: Das Grab von Harry Meyen. In: knerger.de. Abgerufen am 11. Oktober 2022.</ref>

Filmografie

Literatur

  • Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 5: L – N. Rudolf Lettinger – Lloyd Nolan. Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 420.
  • Philipp Cavert: Harry Meyen. Die Biografie, Gifkendorf 2026, ISBN 978-3-87536-356-2
  • Günter Krenn: Romy Schneider. Die Biographie. Berlin 2008, ISBN 3-351-02662-5.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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