Charoit
| Charoit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
1977-019<ref name="IMA-Liste" /> |
| IMA-Symbol |
Cha<ref name="Warr"></ref> |
| Andere Namen |
|
| Chemische Formel |
|
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Silikate und Germanate – Kettensilikate und Bandsilikate (Inosilikate) |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VIII/F.35-050 9.DG.92 70.01.02.03 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | monoklin |
| Kristallklasse; Symbol | monoklin-prismatisch; 2/m<ref name="Webmineral" /> |
| Raumgruppe | P21/m (Nr. 11)<ref name="AMCSD" /> |
| Gitterparameter | a = 32,11 Å; b = 19,77 Å; c = 7,23 Å β = 95,85°<ref name="AMCSD" /><ref name="Mindat" /> |
| Formeleinheiten | Z = 2<ref name="AMCSD" /><ref name="Mindat" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 5 bis 6<ref name="Mineralienatlas" /><ref name="Mindat" /> (VHN50 = 412 ± 6 kg/mm2)<ref name="Fleischer-1978" /> |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 2,54; berechnet: [2,77]<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Spaltbarkeit | nach (001) gut |
| Bruch; Tenazität | uneben |
| Farbe | violett (fliederfarben) und weiß gestreift, hellbraun |
| Strichfarbe | weiß |
| Transparenz | durchscheinend bis undurchsichtig |
| Glanz | Glasglanz bis matt |
| Radioaktivität | kaum messbar |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα 1,550<ref name="Mindat" /> nβ 1,553<ref name="Mindat" /> nγ 1,559<ref name="Mindat" /> |
| Doppelbrechung | δ 0,009<ref name="Mindat" /> |
| Optischer Charakter | zweiachsig positiv |
| Achsenwinkel | 2V = 28 bis 30° (gemessen); 72° (berechnet)<ref name="Mindat" /> |
| Pleochroismus | farblos |
Das Mineral Charoit (auch Tscharoit oder Čaroit<ref name="Rösler" />) ist ein selten vorkommendes Kettensilikat aus der Mineralklasse der Silicate. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der allgemeinen, chemischen Zusammensetzung (K,Na)5(Ca,Ba,Sr)8[(OH,F)|Si6O16|(Si6O15)2] · n H2O<ref name="StrunzNickel" />. Die in den runden Klammern angegebenen Elemente Kalium, Natrium, Calcium, Barium und Strontium sowie innerhalb der eckigen Klammer das Hydroxidion und Fluor können sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals.
Charoit entwickelt durchscheinende bis undurchsichtige, massige oder faserige Aggregate in violetter und weißer Streifung, wobei die Streifen ineinander verwirbelt sind und mitunter dunkle Einschlüsse enthalten kann. Charoit ist als Schmuckstein hoch begehrt.
Etymologie und Geschichte
Violette Gesteine in Form von Blöcken wurden im Gebiet des Flusses Tschara erstmals 1948 entdeckt und irrtümlicherweise als Cummingtonit-Schiefer beschrieben (Cummingtonit ist ein Magnesium-Eisen-Silikat; Charoit und die begleitenden Minerale enthalten jedoch kein Magnesium).
In den 1960er Jahren entdeckte das Irkutsker Geologenehepaar Rogow die eigentliche Lagerstätte im Bereich der Wasserscheide zwischen der Tschara und ihrem Nebenfluss Tokko. In den 1970er Jahren wurde die Lagerstätte detailliert untersucht und 1976 das Mineral beschrieben. Die Erstbeschreibung erfolgte durch W. P. Rogowa, Ju. G. Rogow, W. A. Driz und N. N. Kusnezowa, die das Mineral nach dessen Typlokalität Tschara ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), englisch Chara) benannten. Das Mineralogenteam reichte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1977 zur Prüfung bei der International Mineralogical Association ein (interne Eingangs-Nr. der IMA: 1977-019<ref name="IMA-Liste" />), die den Charoit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Publikation der Erstbeschreibung sowie der Mineral-Anerkennung folgten im Jahr darauf im russischen Fachmagazin Записки Всесоюзного Минералогического Общества [Sapiski Wsessojusnogo Mineralogitscheskogo Obschtschestwa] und im englischen Fachmagazin American Mineralogist.<ref name="Rogova-et-al" /><ref name="Fleischer-1978" />
Klassifikation
Da der Charoit erst 1977 als eigenständiges Mineral anerkannt und dies erst 1978 publiziert wurde, ist er in der ebenfalls 1977 letztmals aktualisierten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet. Einzig im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/F.35-50. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort der Abteilung „Kettensilikate und Bandsilikate“, wo Charoit zusammen mit Canasit, Eveslogit, Fluorcanasit, Frankamenit, Miserit und Yuksporit eine eigenständige, aber unbenannte Gruppe bildet.<ref name="Lapis" />
Die seit 2001 gültige und von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Charoit ebenfalls in die Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Kettenbildung, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 3-periodischen Einfach- und Mehrfachketten“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 9.DG.92 bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Charoit in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die Abteilung der „Kettensilikate: Säulen- oder Röhren-Strukturen“ ein. Hier ist er zusammen mit Narsarsukit und Caysichit-(Y) in der Gruppe „Doppelt gekröpfte Ketten“ mit der System-Nr. 70.01.02 innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Säulen- oder Röhren-Strukturen mit säulenartigen Silikateinheiten“ zu finden.
Bildung und Fundorte
Charoit bildet sich hydrothermal in vulkanischen Gesteinen. Begleitet wird es von verschiedensten Mineralen wie Aegirin, Feldspaten, Nephelin, Quarz und anderen.
Typlokalität ist das Gebiet des bis 1452 Meter hohen Murunmassivs (Lage
{{#coordinates:58,373055555556|118,92361111111|
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}}) an der Grenze zwischen den russischen Verwaltungseinheiten Oblast Irkutsk, Republik Sacha (Jakutien) und Region Transbaikalien. Es erstreckt sich etwa 70 Kilometer südöstlich des an der Mündung der Schuja in die Tschara gelegenen Dorfes Tschara (auch Ust-Schuja) bzw. 40 Kilometer westlich der Siedlung städtischen Typs Torgo, am gleichnamigen Nebenfluss des Tokko im Rajon Oljokminsk gelegen.
Dies ist praktisch der einzige Fundort, insbesondere im östlichen Teil des Massivs. Auf der Sirenewy Kamen (Fliederfarbener Fels) genannten Lagerstätte ist die jährliche Förderung von 100 Tonnen zugelassen. Der Export aus Russland ist theoretisch nur in bearbeiteter Form erlaubt.
Kristallstruktur
Charoit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/m (Raumgruppen-Nr. 11) mit den Gitterparametern a = 32,11 Å; b = 19,77 Å; c = 7,23 Å und β = 95,85°<ref name="AMCSD" /> sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle<ref name="Mindat" />.
Verwendung
Charoit findet ausschließlich Verwendung als Schmuckstein, entweder für Schmuckstücke oder Skulpturen. Es besteht Verwechslungsmöglichkeit mit Amethyst.
Das Mineral diente im Jahr 2000 zudem als Vorlage für eine russische Briefmarke in der Serie „300. Jahrestag des Bergbau- und Geologischen Dienstes Russlands. Mineralien“ im Wert von einem Rubel.
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Becher aus Charoit
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Schale und Perlenkette aus Charoit
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Russische Briefmarke mit Charoit-Abbildung
Siehe auch
Literatur
- Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 841 (Erstausgabe: 1891).
- Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 243.
Weblinks
- Charoit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- Charoite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Charoite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Einzelnachweise
<references> <ref name="AMCSD"> American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Charoite (2011) </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Fleischer-1978"> </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Charoite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 29. Juni 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mineralienatlas"> Charoit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 9. September 2024. </ref> <ref name="Rogova-et-al"> </ref> <ref name="Rösler"> Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 580. </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Charoite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 29. Juni 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>