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Gleinalmtunnel

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Gleinalmtunnel
Gleinalmtunnel
Gleinalmtunnel
Südportal des Gleinalmtunnels (Nov. 2023) nach dem Ausbau auf 2 Röhren
Nutzung Autobahntunnel
Verkehrsverbindung Pyhrnautobahn
Ort Gleinalpe
Länge 8.320 m<ref name="trid">Der Gleinalmtunnel: Die Bauweise und die Kosten. Abgerufen am 10. November 2011.</ref>dep1
Anzahl der Röhren 2
Querschnitt Vollausbau
Größte Überdeckung 1000 m
Fahrzeuge pro Tag 22.000–40.000
Bau
Bauherr 1971 Gleinalm Autobahn AG
Baukosten Neubau der 2. Tunnelröhre und Sanierung der 1. Röhre: 243 Mio. € (2013–2019)
Baubeginn 1973<ref name="trid" />
Fertigstellung 1978<ref name="trid" />
Planer ?
Betrieb
Betreiber ASFINAG
Maut Sondermaut für Pkw:
12,00 €
Freigabe 1. Röhre 1978
2. Röhre 2017
Lagekarte
Koordinaten
Nordportal 47° 17′ 39,8″ N, 15° 4′ 40,4″ O
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Südportal 47° 14′ 54,3″ N, 15° 9′ 32,9″ O
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Der Gleinalmtunnel ist ein Autobahntunnel in Österreich auf der Pyhrnautobahn A 9 mit einer Länge von 8.320 Metern. Er verbindet die Bezirke Leoben und Graz-Umgebung in der Steiermark und wurde am 11. August 1978 eröffnet. Am 20. Dezember 2019 wurde die erste Röhre nach der Sanierung wieder freigegeben, nachdem im Juli 2017 die zweite Röhre eröffnet worden war.<ref>https://www.asfinag.at/ueber-uns/newsroom/pressemeldungen/2019/eroeffnung-gleinalmtunnel/</ref> Von Ende Juli 2023 bis September 2024 wurde die Mautstelle von Grund auf erneuert.<ref>Abriss der Mautstelle Gleinalm hat begonnen orf.at, 24. Juli 2023, abgerufen am 25. Juli 2023.</ref><ref>Fanny Gasser: Mautstelle Gleinalm fertig, neue Baustelle startet. 30. September 2024, abgerufen am 6. Januar 2026.</ref>

Gründe für den Tunnelbau

Datei:Übelbach, Gleinalmtunnel Südportal von Nordwesten.jpg
Blick von einem Ausläufer des Eiblkogels nach Südosten durch das Kleintal bzw. Übelbachtal mit der A9, rechts unten das Südportal des Gleinalmtunnels. Der Höhenzug des Schöckls im Bildhintergrund liegt bereits jenseits der Mur.

Die Gleinalpe (auch: Gleinalm) ist ein von Südwest nach Nordost verlaufender Gebirgszug, der die Obersteiermark von den südlicheren Landesteilen trennt. Der althergebrachte Verkehrsweg zwischen diesen Landesteilen verläuft entlang des Flusses Mur, der die Gleinalpe jedoch in einem Bogen bei der Stadt Bruck an der Mur umfließt und sich erst dann über ein Durchbruchstal der Landeshauptstadt Graz nähert. Bis zum Tunnelbau konnten Kraftfahrzeuge die Gleinalpe nur über das Gaberl überqueren, diese kurvenreiche Passstraße liegt jedoch in beträchtlicher Entfernung zu den Wirtschaftsräumen um Graz und Leoben. Die historisch bedeutende Verbindung zwischen Frohnleiten nördlich von Graz und Göss bei Leoben (der sogenannte Diebsweg) liegt auf Privatgrund, ebenso der Weg über den Eisenpass (Verbindung Pernegg – Göss via Utschgraben), der aufgrund seiner Lage näher am Murdurchbruch auch weniger Strecke im Vergleich zum Weg entlang des Flusses abkürzt. Andere Querungen der Gleinalpe bestehen nur als alte Saumpfade. Vor dem Tunnelbau wurde auch erwogen, den Weg über den Gleinalmsattel (Verbindung ÜbelbachKnittelfeld) für den Kraftverkehr auszubauen.<ref>Exemplarisch: Antrag der Abgeordneten Josef Hegenbarth, Karl Brunner, Josef Stöffler und Gottfried Brandl, betreffend Ausbau einer Straßenverbindung Peggau-Übelbach-Gleinalmsattel-Knittelfeld. In: Stenographischer Bericht. 4. Sitzung des Steiermärkischen Landtages, V. Periode. Graz 4. Juli 1961 (steiermark.at [PDF; 3,0 MB]).</ref>

Der Tunnel und die anschließenden Abschnitte der A 9 verbinden den Lainsachgraben, der von St. Michael in Obersteiermark nach Südosten in die Gleinalm führt mit dem Kleintal bzw. Übelbachgraben, die von Deutschfeistritz nach Nordwesten führt. Der untertunnelte Berg, der die beiden Täler trennt, ist der Eiblkogel. Die beschriebene Strecke stellt mit einer Länge von etwa 30 km eine wesentliche Abkürzung gegenüber der rund 60 km langen Strecke via Bruck dar, die dennoch bis etwa 2015 vierspurig ausgebaut wurde (Semmering Schnellstraße S 6 bzw. Brucker Schnellstraße S 35). Die Fahrt durch den Tunnel bietet eine Ersparnis von 20–30 Minuten Fahrzeit, bei Mautkosten von 12,00 Euro (für einen Pkw, Einzelfahrt, Stand 2026).<ref name="Mautkosten">Streckenmauttarife. In: Asfinag.at. Abgerufen am 27. Dezember 2024.</ref>

Bevor die Strecke Bruck–Deutschfeistritz als Schnellstraße ausgebaut war, floss der Pkw-Verkehr über weite Strecken auf zweispuriger Straße nur so schnell wie Lkw-Verkehr. Bevor 2004 für Lkw auch die Schnellstraße mit Streckenmaut belegt wurde, fuhren Lkw, um Tunnelmaut zu sparen, nicht selten den Umweg über Bruck. Umgekehrt fallen bei wöchentlichen oder noch häufigeren Fahrten mit einer Jahreskarte die Pkw-Tunnelmautkosten nicht ins Gewicht und ist auch eine Fahrt von Graz nach Leoben (7 km flussabwärts von St. Michael) über die Tunnelstrecke deutlich näher, komfortabler und kostengünstiger als über das Murtal. Die Relation ist international bedeutsam für den Verkehr zwischen Deutschland und Slowenien oder Ungarn sowie innerösterreichisch zwischen einerseits Linz (nördlich von St. Michael) oder dem oberen Murtal (oberhalb Leoben) und Graz.

Zweiröhriger Ausbau

Seit seiner Eröffnung 1978 bis 2017 war der Tunnel nur einröhrig ausgeführt und wurde im Gegenverkehr bei einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h betrieben. Auf Grund von mehrfachen tödlichen Unfällen im Tunnel wurde der Neubau einer zweiten Röhre notwendig. Im September 2013 wurde mit dem Vollausbau begonnen, Projektkosten von 243 Mio. Euro wurden kalkuliert. Die zweite Tunnelröhre wurde am 21. Juli 2017 eröffnet.<ref>Gleinalmtunnel: Zweite Röhre eröffnet, Meldung auf ORF-online vom 21. Juli 2017</ref> Nach einer 2-jährigen Generalsanierung der alten Röhre wurde diese am 20. Dezember 2019 für den Verkehr freigegeben. Nun sind beide Tunnel befahrbar und mit moderner Sicherheitstechnik nach EU-Vorschrift ausgestattet. Die beiden Röhren sind über 34 Querschläge miteinander verbunden, von denen acht für Einsatzfahrzeuge befahrbar sind. Sie verfügen über acht Pannenbuchten mit Notruf- und Löschwassereinrichtung. Alle 125 Meter befinden sich Notrufnischen mit Telefon, Notruf- und Brandmeldetaste sowie zwei Feuerlöschern. Beide Röhren werden per Video und mit Luftgütesensoren überwacht, im Vorportalbereich kontrollieren Thermoscanner und Höhenkontrolle einfahrende Fahrzeuge, in den Parkbuchten erkennen Sensoren abgestellte Fahrzeuge. Die Entlüftung des Tunnels wird durch zwei Schächte unterstützt, die von Punkten ca. 2,4 Straßenkilometer innerhalb des Nordportals bzw. ca. 3 Straßenkilometer innerhalb des Südportals senkrecht nach oben führen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />A 9 Pyhrn Autobahn Vollausbau Gleinalmtunnel (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)</ref>

Mautstrecke

Der Gleinalmtunnel wird als Sondermautstrecke betrieben, das heißt anstelle der allgemeinen österreichischen Autobahnmaut (Vignette) wird eine Benutzungsgebühr in der Höhe von 12,00 Euro pro Fahrt für alle Kfz bis 3,5 t höchstzulässiges Gesamtgewicht (hzG) eingehoben. Jahreskarten, die die Passage durch den zweiten Sondermaut-Tunnel Bosruck beinhalten, werden für 80,00 Euro angeboten (Stand 2026).<ref>Streckenmaut. Abgerufen am 25. August 2025.</ref> Schwerere Kfz – Wohnmobile, Busse, Lkw – jeweils über 3,5 t hzG zahlen keinen Aufpreis für die Tunnelnutzung, sondern nur die von Anzahl der Achsen und Abgaskategorie abhängige Autobahn-Kilometermaut.<ref>Maut für Lkw und Bus Asfinag.at, abgerufen am 27. April 2018.</ref>

Die Mautstelle liegt fünf Kilometer nördlich des Nordportals. Es besteht hier kein Kfz-Anschluss an die südwestseitig tangierende Gemeindestraße. Am 17. Juli 2023 begann der Abriss der Mautgebäude, die bis Sommer 2024 neu mit Fußgängerüberführung zu den Mautkabinen und Photovoltaik-Dach errichtet werden sollen.<ref>Mautstelle wird abgerissen. Kronenzeitung, Print, 18. Juli 2023, S. 21.</ref>

An der Mautstelle des Gleinalmtunnels gibt es wie auch am Bosrucktunnel seit grob etwa 2010 eine Videomautspur. Nach Vorausbezahlung der Maut (Einzel- und Dauerkarten) bleibt das Kennzeichen ein Jahr gespeichert. In der Videomautspur wird bei reduzierter Fahrtgeschwindigkeit das Kennzeichen gescannt und die Gültigkeit angezeigt, die Durchfahrt ist ohne Schranken oder Ampel und ohne Wartezeiten möglich. Alternativ kann man auch ein Flex-Abo abschließen, bei dem die Einzelfahrten zum Normaltarif im Nachhinein abgerechnet werden.<ref>Häufig gestellte Fragen zur Streckenmaut auf asfinag.at, abgerufen am 18. Juli 2023</ref>

Ereignisse

Zwischenfälle

Am 6. August 2001 ereignete sich im Gleinalmtunnel ein Autounfall, der einen folgenschweren Brand verursachte und fünf Menschen das Leben kostete.<ref>Deutscher verursachte Unfall im Gleinalmtunnel Handelsblatt online, 7. August 2001, abgerufen am 6. Juli 2014.</ref>

In den Abendstunden des 4. August 2016 geriet etwa zwei Kilometer nach der Tunneleinfahrt ein zu einem Wohnmobil umgebauter Reisebus aus Dänemark in Brand. Die sieben Insassen konnten sich retten, mussten aber mit Rauchgasvergiftungen in Krankenhäuser gebracht werden. Zur Behebung der entstandenen Schäden am Tunnel blieb dieser drei Wochen gesperrt. Der Verkehr wurde in der Zwischenzeit lokal über Bruck an der Mur gelotst, der Transitverkehr wurde weiträumig über die Tauern Autobahn A 10 im Westen und über die Süd Autobahn A 2 im Osten umgeleitet.<ref>Gleinalmtunnel nach Brand bis Montag gesperrt orf.at, 5. August 2016, abgerufen am 5. August 2016.</ref><ref>Kleine Zeitung vom 5. August 2016: Tunnel bleibt noch ein bis eineinhalb Monate gesperrt (abgerufen am 5. August 2016)</ref><ref>Gleinalmtunnel: Sanierung schneller als geplant orf.at, 17. August 2016, abgerufen am 17. August 2016.</ref> Die Sanierungskosten wurden von der Asfinag mit 500.000 Euro angegeben. Der Einnahmenentfall aus der Sondermaut des Tunnels wurde von der Asfinag mit 2,5 Mio. Euro, etwa 120.000 Euro pro Tag, angegeben. Dieser Betrag ergibt sich einerseits durch den Einnahmenentfall bei Einzelfahrten, außerdem wurde die Gültigkeit von laufenden Jahreskarten um einen Monat verlängert. Die Asfinag hatte rund 3 Mio. Euro von der Haftpflichtversicherung des Buslenkers eingefordert, erhielt aber nur rund 1,2 Mio. Euro.<ref>Thomas Rossacher: Gleinalmtunnel ist morgen ab 14 Uhr wieder offen, Kleine Zeitung, Print, 24. August 2016, S. 18 f.</ref><ref>Grünes Licht am Ende des Tunnels, Kleine Zeitung, Print, 25. August 2016, S. 22 f.</ref><ref>Gleinalmtunnel wieder frei: Ermittlungen laufen orf.at, 25. August 2016, abgerufen am 25. August 2016.</ref><ref>[1] Kleine Zeitung, 8. Oktober 2018, abgerufen am 8. Oktober 2018.</ref>

Am 5. Oktober 2018 geriet kurz vor 13 Uhr ein Schwertransport, ein 7-achsiger Autokran mit etwa 80 Tonnen Masse, ca. einen Kilometer nach der Einfahrt in das Südportal der Oströhre in Vollbrand. Alle 83 im Tunnel befindlichen Personen konnten flüchten, in erster Linie durch die Weströhre, welche zu diesem Zeitpunkt wegen Sanierungsarbeiten geschlossen war. Drei Personen erlitten Rauchgasvergiftungen. Die hohen Temperaturen beim Brand führten zu einer Verzögerung der Löscharbeiten, diese konnten gegen 15 Uhr abgeschlossen werden. Da beim Brand die Zwischendecke des Tunnels stark beschädigt wurde, wurde der Tunnel für mehrere Wochen geschlossen. Der gesamte Verkehr wurde über das Murtal (Semmering Schnellstraße S6 und Brucker Schnellstraße S35) umgeleitet.<ref>Gleinalmtunnel bleibt nach Brand mehrere Wochen gesperrt - derStandard.at. Abgerufen am 6. Oktober 2018.</ref><ref>83 Personen flüchteten: Brand in Gleinalmtunnel gelöscht: Sperre dauert sicher Wochen. In: www.kleinezeitung.at. (kleinezeitung.at [abgerufen am 6. Oktober 2018]).</ref><ref>Gleinalmtunnel-Brand. Abgerufen am 6. Oktober 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> In einem 300 m langen Abschnitt wurde die Tunnelröhre zerstört, weshalb vor der Fahrzeugbergung hier mit 100 Deckenstützen gepölzt wurde. Der zerstörte Mobilkran hatte laut Eigentümer einen Wert von über 1 Mio. Euro. Gebrochene Achsen wurden geschweißt und mit Ketten gesichert, die Lenkung nur der vorderen drei Achsen konnte gängig gemacht werden. Mit einer 1000-PS-Sattelzugmaschine wurde bis zum Scheitelpunkt etwa in der Mitte des Tunnels gezogen und danach gebremst. Am Abend des 10. Oktobers konnte das Wrack so aus dem Nordportal gebracht und auf einem eingerichteten Parkplatz zur Begutachtung abgestellt werden.<ref>Ausgebrannter Lkw aus Gleinalmtunnel geborgen orf.at, 11. Oktober 2018, abgerufen am 11. Oktober 2018.</ref> Die Sanierungskosten werden von der Asfinag mit mehr als 2,5 Mio. Euro angegeben.<ref>Zwei Monate nach Kranwagen-Brand wieder „grünes Licht“ für Gleinalmtunnel Pressemeldung der Asfinag vom 7. Dezember 2018, abgerufen am 7. Dezember 2018.</ref> Die Gültigkeit von laufenden Jahreskarten wurde um die Dauer der Sperre verlängert. Der Tunnel wurde am 7. Dezember 2018 wieder für den Verkehr freigegeben.<ref>Gleinalmtunnel nach Brand wieder offen orf.at, 7. Dezember 2018, abgerufen am 7. Dezember 2018.</ref>

Andere Vorfälle

Am 15. März 2022 hielt ein Pkw auf dem Weg in eine Grazer Privatklinik im Tunnel, um einer Frau die spontane Geburt ihres Kindes zu ermöglichen. Der Tunnel wurde dafür gesperrt.<ref>Geburt im Gleinalmtunnel, Kleine Zeitung, Print, 17. März 2022, S. 22.</ref>

Weblinks

Commons: Gleinalmtunnel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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