Peter Borchert
Peter Borchert (* 5. September 1973 in Dortmund) ist ein deutscher rechtsextremer Motorrad-Rocker und ehemaliger NPD-Politiker.
Leben
Borchert lebt seit 1981 in Kiel. Seit 1989 ist Borchert im neonazistischen Spektrum aktiv. Borchert war einer der Macher des Club 88, eines wichtigen Treffpunkts der Neonazi-Szene Norddeutschlands.<ref>Andreas Speit (2005) Wir marschieren bis zum Sieg. In: Andrea Röpke, Andreas Speit (Hrsg.) Braune Kameradschaften: die militanten Neonazis im Schatten der NPD. S. 13–39. Ch. Links Verlag. S. 35f.</ref>
Kriminelle Karriere
Borchert verbrachte bislang etwa zehn Jahre seines Lebens im Gefängnis. Als Jugendlicher wurde er wegen eines Tötungsdeliktes verurteilt.<ref>Andreas Speit: Mehr als Motorradliebe in der Jungle World vom 2. August 2012</ref> 2001 erhielt er eine einjährige Bewährungsstrafe wegen des illegalen Besitzes einer Pistole. In den darauf folgenden Monaten beging er mehrere Körperverletzungen und beteiligte sich an Einbrüchen in Tankstellen.<ref>Gegenwind: Nazi-"Kameradschaften" in Schleswig-Holstein vom September 2004</ref> Am 27. April 2004 wurde er vom Landgericht Kiel wegen mehrerer Verstöße gegen das Waffengesetz im Zusammenhang mit Combat 18 Pinneberg zu drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt.<ref>Combat 18 Pinneberg. Die Zeit, 17. Juli 2003</ref><ref>Andreas Speit: Blut & Ehre & Rock´n´Roll in der Jungle World vom 20. April 2005</ref><ref>Gezänke statt 'Nationale Einheit' - Artikel von Avanti über die NPD Schleswig-Holstein aus 2004 (PDF-Datei; 597 kB)</ref>
Im Oktober 2007 wurde Borchert auf Bewährung entlassen und galt seitdem bei Sicherheitskreisen wieder als strategischer Impulsgeber in der militanten neonazistischen Szene in Norddeutschland. Im August 2008 saß er in Untersuchungshaft in Kiel. Hintergrund war eine Schlägerei mit Mitgliedern der Hells Angels. Borchert selbst ist Mitglied des verfeindeten Outlaw-Motorradclubs Bandidos.<ref>Zeit: Der braune Biker aus der Oberpfalz vom 4. März 2010</ref> Im Januar 2009 wurde ein Zeuge der Schlägerei mit Schusswaffen angegriffen.<ref>André Zand-vakili: Zeuge in Prozess gegen NPD-Funktionär niedergeschossen. In: Welt Online. 31. Januar 2009, abgerufen am 29. Dezember 2013.</ref> Borchert stieg zum Vizepräsidenten des schleswig-holsteinischen Chapters der Gruppe auf.
Borchert und zwei Mitglieder des verbündeten Rockervereins „Contras Neumünster“ wurden am 27. April 2010 festgenommen, nachdem sie am 14. Januar des Jahres in einem Schnellrestaurant in Neumünster zwei Mitglieder der mit der Rockergruppe „Hells Angels“ verbündeten Gruppe „Red Devils“ mit Messern verletzt und beraubt hatten.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, 27. April 2010</ref> Zwei Tage nach der Festnahme verbot der schleswig-holsteinische Innenminister das „Probationary Chapter Neumünster (Schleswig-Holstein)“ der Bandidos. Borchert wurde im April 2011 zu einer Haftstrafe von 3 Jahren und 9 Monaten verurteilt.<ref>"Bandido" Borchert: Spaziergang in Freiheit, Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, 19. Mai 2011</ref>
Nach seiner Haft soll Borchert versucht haben, in Kiel ein Chapter der Bandidos zu gründen. Es ist bekannt das Borchert zumindest als Hintermann mit dem Bandidos-Mitglied Matthias Stutz seit 2018 einen Tattoo Laden in Neumünster betreibt.<ref>[1]</ref>
Im März 2025 wurde Borchert wegen Mittäterschaft bei zwei Einbrüchen in Neumünster und Kronshagen vom Landgericht Kiel zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.<ref>Florian Sötje: Bandidos-Rocker Peter B.: Prozess in Kiel endet mit Bewährungsstrafe. 17. Dezember 2025, abgerufen am 23. Dezember 2025.</ref>
Mitgliedschaft in der NPD
Peter Borchert war Mitglied der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) und wurde im Herbst 2000 zum stellvertretenden Vorsitzenden des NPD-Landesverbandes Schleswig-Holstein gewählt. Vom Frühjahr 2001 bis zum August 2003 leitete er als Vorsitzender den schleswig-holsteinischen Landesverband, welcher zu diesem Zeitpunkt vom Innenministerium als bundesweit radikalster Verband angesehen wurde.<ref>Gezänke statt 'Nationale Einheit' - Artikel von Avanti über die NPD Schleswig-Holstein aus 2004 (PDF-Datei; 662 kB)</ref> Nach offenen Auseinandersetzungen um die Radikalität der politischen Ausrichtung mit dem Bundesvorstand, der sich mit Borchert schlechtere Aussichten im NPD-Verbotsverfahren ausrechnete, verzichtete Borchert auf eine erneute Kandidatur. 2003 wurde er aus der Partei ausgeschlossen. Während des Richtungsstreits erklärten sich nur Hans Günter Eisenecker sowie das ehemalige RAF-Mitglied Horst Mahler mit dem Verband um Borchert offen solidarisch. In diesem Zusammenhang sind auch Borcherts szeneintern umstrittene Haltung und sein mutmaßlicher Kontakt zum Polizistenmörder Kay Diesner zu bewerten. Borchert forderte wiederholt statt einer Distanzierung eine solidarische Haltung der Szene zu Diesner ein.<ref>https://taz.de/Keine-Laeuterung-im-Knast/!469264/</ref> Borchert engagierte sich nach seinem Ausschluss bei der rechtsextremen Kameradschaft „Aktionsgruppe Kiel“.<ref>Zeit: Der braune Biker aus der Oberpfalz vom 4. März 2010</ref>
Weblinks
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Foto von Peter Borchert (Bild 6) ( vom 24. Juni 2013 im Internet Archive)
- Artikel über Peter Borchert in Blick nach Rechts
- Kiel: Neonazi-Gewalt erreicht neue Qualität aus der Zeitschrift Enough is enough vom 26. August 2001
- taz: Der rechte Rand vom 3. April 2008
Einzelnachweise
<references/>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Borchert, Peter |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Neonazi |
| GEBURTSDATUM | 5. September 1973 |
| GEBURTSORT | Dortmund |