Die Strophanthus-Arten sind verholzende Pflanzen: sie wachsen als Sträucher oder kleine Bäume, meist in Waldgebieten; Sie können jedoch auch als Lianen an Bäumen klettern und so bis zu den Baumwipfeln wachsen.
Die gestielten, gegenständigen oder wirteligen, meist kahlen Laubblätter sind einfach. An den Blattstielen, Sepalen und an den Deckblättern können Colleteren vorhanden sein.<ref name="Been" />
Es werden meist endständige Blütenstände, Zymen gebildet. Die zwittrigen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kronblätter sind röhrig verwachsen. Es können Saftmale in der Kronröhre vorhanden sein. Die fünf Kronzipfel sind bei manchen Arten mit schmalen und teils sehr langen Anhängseln versehen (Schwänzen), woher sich der Name der Gattung ableitet (von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) „Wendung, Schlängelung“ und {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), „Blüte, Blume“). Bei manchen Arten ist eine Nebenkrone vorhanden. Die Kelchblätter sind meist frei.<ref>J. Cullen u. a.: The European Garden Flora. Vol. VI: Dicotyledons Teil IV, Cambridge University Press, 2000, 2004, ISBN 0-521-42097-0, S. 42 f.</ref>
Der Fruchtknoten ist halbunterständig oder seltener oberständig, der Griffel bildet manchmal eine „Clavuncula“ (Griffel-, Narbenkopf) aus. Die Antheren bilden manchmal eine zusammenhängende, geschlossene und kegelige Kappe aus welche die „Clavuncula“ einschließt.<ref name="Been">H. J. Beentje: A monograph on Strophanthus DC. (Apocynaceae). Dissertation, Wageningen, 1982, online (PDF; 13 MB), auf edepot.wur.nl, abgerufen am 8. März 2019.</ref>
Es werden Balgfrüchte gebildet, wobei oft zwei Früchte zusammenhängen (Schizocarp, Mericarp). Die länglichen, spindelförmigen Samen besitzen oft einen behaarten, federigen Fortsatz (auch Schnabel oder Granne genannt, mit einem Haarschopf, Coma).
Systematik und Verbreitung
Die Gattung Strophanthus wurde 1802 durch Augustin Pyrame de Candolle in Bulletin des Sciences, par la Société Philomatique Band 3 Seite 122 Tafel 8 aufgestellt. Synonyme für Strophanthus <templatestyles src="Person/styles.css" />DC. sind: Cercocoma <templatestyles src="Person/styles.css" />Wall. ex G.Don, Christya <templatestyles src="Person/styles.css" />Ward & Harv., Roupellia <templatestyles src="Person/styles.css" />Wall. & Hook. ex Benth., Roupellina <templatestyles src="Person/styles.css" />(Baill.) Pichon, Zygonerion <templatestyles src="Person/styles.css" />Baill.
Die meisten der 38 bis 48 Strophanthus-Arten sind in Afrika zu finden. Einige Arten sind in Asien beheimatet.<ref name="WCSP" />
Es gibt 38 bis 48 Strophanthus-Arten:<ref name="WCSP" />
Strophanthus arnoldianus <templatestyles src="Person/styles.css" />De Wild. & T.Durand: Sie kommt in der Demokratischen Republik Congo vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus bequaertii <templatestyles src="Person/styles.css" />Staner & Michotte: Sie kommt vom südwestlichen Uganda bis zur Demokratischen Republik Congo vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus boivinii <templatestyles src="Person/styles.css" />Baill. (Syn.:Strophanthus arboreus <templatestyles src="Person/styles.css" />Boivin ex Franch., Strophanthus aurantiacus <templatestyles src="Person/styles.css" />Blondel): Sie kommt in Madagaskar vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus bullenianus <templatestyles src="Person/styles.css" />Mast.: Sie kommt vom westlich-zentralen tropischen Afrika bis Kamerun vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus caudatus <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Kurz (Syn.: Strophanthus dichotomus <templatestyles src="Person/styles.css" />DC., Strophanthus cumingii <templatestyles src="Person/styles.css" />A.DC., Strophanthus scandens <templatestyles src="Person/styles.css" />Reinw. & Schult.): Sie kommt von Indochina bis Neuguinea und in China vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus congoensis <templatestyles src="Person/styles.css" />Franch.: Sie kommt in Kamerun, Congo, Gabun und Zaire vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus courmontii <templatestyles src="Person/styles.css" />Sacleux ex Franch.: Sie kommt vom südlichen bis zum östlichen tropischen Afrika vor. Es gibt etwa drei Varietäten:
Strophanthus courmontii <templatestyles src="Person/styles.css" />Sacleux ex Franch. var. courmontii
Strophanthus courmontii var. fallax
Strophanthus courmontii var. kerkii
Strophanthus demeusei <templatestyles src="Person/styles.css" />Dewèvre: Sie kommt in Zaire vor.<ref name="WCSP" />
Geißhornpflanze (Strophanthus divaricatus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Lour.) Hook. & Arn., Syn.: Strophanthus chinensis <templatestyles src="Person/styles.css" />G.Don): Sie kommt vom südlichen China bis zum nördlichen Vietnam vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus eminii <templatestyles src="Person/styles.css" />Asch. ex Pax: Sie kommt von Tansania bis zum nördlichen Sambia vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus gardeniiflorus <templatestyles src="Person/styles.css" />Gilg: Sie kommt im südlichen Zaire, im nördlichen Sambia und im östlichen Angola vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus gerrardii <templatestyles src="Person/styles.css" />Stapf: Sie kommt vom Mosambik bis ins südliche Afrika vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus gracilis <templatestyles src="Person/styles.css" />K.Schum. & Pax: Sie kommt von Nigeria bis Gabun vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus gratus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Wall. & Hook.) Baill. (Syn.: Strophanthus glabra oder Strophanthus glaber <templatestyles src="Person/styles.css" />Cornu ex Holmes, Roupellia grata): Sie kommt im tropischen Westafrika und im westlich-zentralen tropischen Afrika vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus hispidus <templatestyles src="Person/styles.css" />DC.: Sie kommt vom tropischen Westafrika bis Tansania und dem südwestlichen Angola vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus holosericeus <templatestyles src="Person/styles.css" />K.Schum. & Gilg: Sie kommt im nördlichen Sambia und im südöstlichen Zaire vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus hypoleucos <templatestyles src="Person/styles.css" />Stapf: Sie kommt im südlichen Tansania und im nördlichen Mosambik vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus kombe <templatestyles src="Person/styles.css" />Oliv., Kombésamen-Pflanze, Strophanthus-Samen-Pflanze. Sie kommt von Kenia bis ins südliche Afrika vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus ledienii <templatestyles src="Person/styles.css" />Stein: Sie kommt im westlichen Zaire und im nordwestlichen Angola vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus luteolus <templatestyles src="Person/styles.css" />Codd: Sie kommt von Mosambik bis ins südliche Afrika vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus mirabilis <templatestyles src="Person/styles.css" />Gilg: Sie kommt von Somalia bis ins östliche Kenia vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus mortehanii <templatestyles src="Person/styles.css" />De Wild.: Sie kommt im westlich-zentralen tropischen Afrika vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus nicholsonii <templatestyles src="Person/styles.css" />Holmes: Sie kommt im südlichen tropischen Afrika vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus parviflorus <templatestyles src="Person/styles.css" />Franch.: Sie kommt vom westlich-zentralen tropischen Afrika bis zum nordwestlichen Angola vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus perakensis <templatestyles src="Person/styles.css" />Scort. ex King & Gamble (Syn.: Strophanthus annamensis <templatestyles src="Person/styles.css" />Tsiang): Sie kommt von Indochina bis Malaysia vor.<ref name="WCSP" />
Südafrikanische Korkenzieherblume (Strophanthus petersianus <templatestyles src="Person/styles.css" />Klotzsch, Syn.: Strophanthus grandiflorus <templatestyles src="Person/styles.css" />(N.E.Br.) Gilg): Sie kommt von Kenia bis ins südliche Afrika vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus sarmentosus <templatestyles src="Person/styles.css" />DC. (Syn.: Strophanthus glabriflorus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Monach.) Monach., Strophanthus sarmentosus var. glabriflorus <templatestyles src="Person/styles.css" />Monach.): Sie kommt vom tropischen Westafrika bis Uganda und dem nordwestlichen Angola vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus singaporianus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Wall. ex G.Don) Gilg (Syn.: Strophanthus brevicaudatus <templatestyles src="Person/styles.css" />Wight): Sie kommt von Malaysia bis Borneo vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus speciosus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Ward & Harv.) Reber (Syn.: Strophanthus capensis <templatestyles src="Person/styles.css" />A.DC.): Sie kommt vom östlichen Simbabwe bis Südafrika vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus thollonii <templatestyles src="Person/styles.css" />Franch.: Sie kommt in Kamerun, Gabun, Nigeria und früher auch an der Elfenbeinküste vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus vanderijstii <templatestyles src="Person/styles.css" />Staner: Sie kommt vom südwestlichen Zaire bis in das nordöstliche Angola und das nordwestliche Sambia vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus wallichii <templatestyles src="Person/styles.css" />A.DC.: Sie kommt vom nordöstlichen Indien bis Malaysia und dem südlich-zentralen China vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus welwitschii <templatestyles src="Person/styles.css" />(Baill.) K.Schum. (Syn.: Strophanthus ecaudatus <templatestyles src="Person/styles.css" />Rolfe, Zygonerion welwitschii <templatestyles src="Person/styles.css" />Baill.): Sie kommt von Tansania bis Angola vor.<ref name="WCSP" />
Strophanthus wightianus <templatestyles src="Person/styles.css" />Wall. ex Wight: Sie kommt im südwestlichen Indien vor.<ref name="WCSP" />
Nutzung
Geschichte
Die in Zentralafrika heimischen Strophanthus-Arten fanden zunächst nur zur Herstellung von Pfeilgiften Verwendung. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts erkannte der Afrikaforscher David Livingstone die pulsverlangsamende Wirkung dieser Droge. In den Jahren 1887–1890 stellte Sir Thomas Richard Fraser fest, dass es sich beim Wirkstoff der Strophanthus-Arten um ein Glykosid handelt. Die Isolierung des ersten amorphen Strophanthins gelang dem französischen Apotheker Catillon 1888. Im Jahr 1905 setzte Albert Franckel (1864–1938) das aus Strophanthussamen gewonnene k-Strophanthin als intravenöses Therapeutikum ein, das bis heute wegen seines schnellen Wirkungseintritts in der Akutmedizin verwendet wird.<ref name="Müller-Jahncke2005">Wolf-Dieter Müller-Jahncke, Christoph Friedrich, Ulrich Meyer: Arzneimittelgeschichte. 2., überarb. und erw. Auflage. Wiss. Verl.-Ges, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-8047-2113-5, S.73.</ref>
Die Strophanthus-Arten enthalten pharmakologisch wirksame Inhaltsstoffe. Neben dem AlkaloidInoein enthalten mehrere der Arten (Strophanthus eminii, Strophanthus kombe, Strophanthus hispidus und Strophanthus gratus) giftige herzwirksame Glykoside, die Strophanthine, die zu den Herzglykosiden gezählt werden. Sie sind hauptsächlich in den Samen (Strophanthi Semina) oder im Latex zu finden. Unterschieden werden die verschiedenen Strophanthin-Strukturen durch einen vorangestellten Buchstaben, der auf die Art hinweist, in der das jeweilige Glycosid hauptsächlich vorkommt:
Strophanthus kombe enthält k-Strophanthin (außerdem sind Helveticosid (Erysimin) und Cymarin enthalten)
Strophanthus gratus enthält g-Strophanthin (engl. = ouabain)
Strophanthus eminii enthält e-Strophanthin
Strophanthus hispidus enthält h-Strophanthin
Diese Gifte wurden als Pfeilgifte in Afrika benutzt. Etwa 50 µg sind für ein Meerschweinchen tödlich (zirka 250 µg je kg Körpergewicht). Es gibt kein Gegenmittel, und die Giftigkeit ist höher als die von Schlangengiften. Bewohner Ostafrikas gewannen aus der Rinde des Afrikanischen Affenbrotbaumes (Adansonia digitata) jedoch einen bis jetzt unbekannten Wirkstoff, der sie vor der Wirkung der Strophanthus-Pfeilgifte schützen sollte.
g-Strophanthin und k-Strophanthin werden in der Medizin bei Herzschwäche eingesetzt; g-Strophanthin oral und k-Strophanthin intravenös. Außer in Strophanthus gratus kommt g-Strophanthin (Ouabain) auch in Acokanthera ouabaio vor.
Das Aglykon des k-Strophanthins, das ebenfalls sehr giftige k-Strophanthidin, ist in dem auch im europäischen Raum heimischen Sommer-Adonisröschen (Adonis aestivalis) enthalten.
Quellen
Literatur
Bingtao Li, Antony J. M. Leeuwenberg, David J. Middleton: Apocynaceae.: Strophanthus, S. 177–179 – textgleich online wie gedrucktes Werk. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 16: Gentianaceae through Boraginaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 1995, ISBN 0-915279-33-9.