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Berg-Gamander

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Berg-Gamander
Datei:Teucrium montanum.jpg

Berg-Gamander (Teucrium montanum) in Oberösterreich

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Ajugoideae
Gattung: Gamander (Teucrium)
Art: Berg-Gamander
Wissenschaftlicher Name
Teucrium montanum
L.

Der Berg-Gamander (Teucrium montanum) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Gamander (Teucrium) innerhalb der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).

Beschreibung

Datei:Teucrium montanum - Flora Graeca - vol. 6 - t. 534.jpg
Illustration aus Flora Graeca, Volume 6, Tafel 534
Datei:Teucrium montanum chaumeSouberac 16-Fr.jpg
Blütenstand
Datei:Teucrium montanum 220707a.jpg
Berg-Gamander in den Allgäuer Alpen
Datei:Teucrium montanum RF.jpg
Berg-Gamander am Gardasee

Vegetative Merkmale

Der Berg-Gamander ist ein aromatisch duftender Spalierstrauch mit niederliegendem, unten verholzendem Stängel. Er erreicht Wuchshöhen von etwa 10 bis 25 Zentimeter. Er ist am Grund stark verzweigt mit dünnen, stielrunden Ästen.<ref name="HegiGams1964" /> Er wurzelt bis 150 Zentimeter tief.<ref name="Oberdorfer2001" /> Seine Pfahlwurzel wird bis zu einem Zentimeter dick.<ref name="HegiGams1964" />

Die einfachen Laubblätter sind schmal lanzettlich bis fast lineal und ganzrandig mit einem deutlichen Mittelnerv und besitzen einen umgerollten Rand. Die Blattunterseite ist filzig behaart. Sie sind allmählich in einem sehr kurzen Blattstiel verschmälert, 5 bis 20 Millimeter lang und 2 bis 5 Millimeter breit.<ref name="HegiGams1964" /> Sie sind immergrün.<ref name="HegiGams1964" />

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Juni bis September. Die Blüten stehen gehäuft in einem endständigen, köpfchenförmigen Blütenstand. Sie stehen in 1- bis 3-blütigen Zymen in den Achseln der obersten Laubblätter.<ref name="HegiGams1964" /> Die Blüten sind 12 bis 15 Millimeter lang und kurz gestielt.<ref name="HegiGams1964" /> Die zwittrigen Blüten sind zygomorph mit doppelter Blütenhülle. Der Kelch ist röhrig-glockig, fast regelmäßig; seine Zähne sind kürzer als die Röhre.<ref name="HegiGams1964" /> Die hellgelbe bis cremeweiße Krone ist bis 10 Millimeter lang und besitzt keine Oberlippe. Die Unterlippe ist fünfteilig mit großem, herabgeschlagenem Mittellappen. Der Mittellappen ist ungeteilt oder schwach ausgerandet und gezähnelt; er ist viel größer als die ebenfalls herabgeschlagenen vorderen Seitenlappen.<ref name="HegiGams1964" /> Die hinteren Seitenlappen sind oft grünlich und violett geadert.<ref name="HegiGams1964" /> Die Staubbeutel sind gelb bis violett-braun. Die Klausen sind etwa 2 Millimeter lang.<ref name="HegiGams1964" />

Chromosomenzahl

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 26 oder 30.<ref name="Oberdorfer2001" />

Vorkommen

Der Berg-Gamander (auch „Bergpolei“<ref>Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 217 (Polium).</ref>) ist von Mitteleuropa über Südosteuropa bis in den Mittelmeerraum verbreitet.<ref name="WCSP" /> Es gibt Fundortangaben für das nördliche Algerien, Spanien, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Deutschland, Österreich, die Schweiz, Italien (inklusive Sardinien, Sizilien), Polen, Tschechoslowakei, Ungarn, das ehemalige Jugoslawien, Bulgarien, Rumänien, Albanien, Moldawien, Griechenland, die Türkei, die südliche Ukraine, und die Krim.<ref name="GRIN" /> Der Berg-Gamander kommt in Mitteleuropa in den Alpen, im Jura, in den süddeutschen Mittelgebirgen und im Mitteldeutschen Trockengebiet vor. Die Art wanderte im Zuge der Klimaerwärmung der Nacheiszeit nach Mitteleuropa ein.<ref name="Rothmaler"/> Seit etwa 2500 v. Chr. führte jedoch eine feuchtkühle Periode zur Ausbildung geschlossener Wälder.<ref name="Rothmaler"/> Der Berg-Gamander wurde auf Fels-Standorte mit wenig Beschattung zurückgedrängt.<ref name="Rothmaler"/> Die heutigen Reliktvorkommen (sog. Xerothermrelikte) in Deutschland sind zum Teil auch untereinander isoliert.<ref name="FloraWeb"/>

Der kalkliebende Berg-Gamander gedeiht meist auf Trockenrasen, Schutt, steinige Böden und Felsfluren. Er ist von den Tallagen bis in 2400 m ü. NN verbreitet. Der Berg-Gamander verträgt sehr gut Hitze und Trockenheit. Er ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Verbands Xerobromion, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften der Verbände Mesobromion, Stipion calamagrostis, Seslerion oder Erico-Pinion vor.<ref name="Oberdorfer2001" /> Er steigt in Vorarlberg bis 1800 Meter, im Kanton Wallis und in den Dolomiten bis 2200 Meter und in Graubünden im Val Ftur im Schweizerischen Nationalpark bis 2350 Meter Meereshöhe auf.<ref name="HegiGams1964" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt & al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 1+w+ (trocken aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 5 (basisch), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Systematik

Die Erstveröffentlichung von Teucrium montanum erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus 2, S. 565.

Seit 1991 gibt es von Teucrium montanum zwei Unterarten:<ref name="WCSP" />

  • Teucrium montanum subsp. helianthemoides <templatestyles src="Person/styles.css" />(Adamovic) Baden (Syn.: Teucrium helianthemoides <templatestyles src="Person/styles.css" />Adamovic): Sie hat 1991 den Rang einer Unterart erhalten und kommt nur in Griechenland vor.<ref name="WCSP" />
  • Teucrium montanum <templatestyles src="Person/styles.css" />L. subsp. montanum: Sie kommt von Mitteleuropa über Südosteuropa bis zum Mittelmeerraum vor.<ref name="WCSP" />

Ökologie

Die Art erreicht meist nur ein Alter von 14 Jahren, in Ausnahmefällen wurde auch ein Alter von 33 Jahren beobachtet.<ref name="HegiGams1964" />

Literatur

Einzelnachweise

<references> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="WCSP"> Vorlage:WCSP </ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Rothmaler">Eckehart J. Jäger (Hrsg.): Rothmaler – Exkursionsflora von Deutschland, Gefäßpflanzen: Grundband. 21. Auflage. Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 2017, ISBN 3662497077, S. 30. </ref> <ref name="FloraWeb"> Berg-Gamander. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Teucrium montanum L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="HegiGams1964">Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 4. Verlag Carl Hanser, München 1964. S. 2525–2527.</ref> </references>

Weblinks

Commons: Berg-Gamander (Teucrium montanum) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien