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Sumpf-Ziest

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Sumpf-Ziest
Datei:Stachys palustris - soo-nõianõges.jpg

Sumpf-Ziest (Stachys palustris)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Lamioideae
Gattung: Zieste (Stachys)
Art: Sumpf-Ziest
Wissenschaftlicher Name
Stachys palustris
L.

Der Sumpf-Ziest (Stachys palustris), auch Schweinerübe genannt<ref name="HegiGams1964" />, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Zieste (Stachys) innerhalb der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).

Beschreibung

Vorlage:Hinweisbaustein

Datei:Stachys palustris Sturm45.jpg
Illustration
Datei:StachysPalustris.jpg
Habitus, gegenständige Laubblätter und Blütenstand
Datei:Stachys palustris - inflorescence.jpg
Scheinquirl mit zygomorphen Blüte
Datei:Stachys palustris20110630 07.jpg
Kantiger Stängel und Scheinquirl mit zygomorphen Blüte
Datei:Stachys palustris sl10.jpg
Kronenschlund und vier Staubblätter: die Staubbeutelhälften stehen untereinander, die beiden äußeren Staubfäden krümmen sich nach außen.
Datei:Stachys palustris kz15.jpg
Scheinquirl während der Fruchtzeit: Die Kelche überragen die Klausen

Erscheinungsbild und Laubblatt

Der Sumpf-Ziest wächst als sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von meist 30 bis 100 (selten bis zu 120) Zentimetern erreicht. Er bildet unterirdische Ausläufer mit weißlichen Knollen als Überdauerungsorgane und ihr Mark dient als Speichergewebe. Die an den Knoten rosenkranzartig verdickten rhizomartigen Knollen sind wie bei der sehr ähnlich aufgebauten Kartoffel-Knolle Anschwellungen der Enden unterirdischer Ausläufer. Im Herbst sterben die oberirdischen Pflanzenteile ab. Dafür wachsen im Folgejahr achselbürtige Knospen des knolligen Rhizoms, das dabei aufgebraucht wird, zu neuen Pflanzenexemplaren heran. Die Pflanzenteile sind fast geruchlos. Der vierkantige Stängel ist anliegend bis besonders an den Kanten locker abstehend seidig behaart.

Die Laubblätter sind gegenständig angeordnet. Die einfachen Blattspreiten sind ziemlich schmal, lanzettlich oder länglich mit etwas herzförmiger Spreitenbasis. Die unteren Stängelblätter sind sehr kurz gestielt.<ref name="HegiGams1964" /> Die mittleren und oberen Laubblätter sind sitzend und mehr oder weniger stängelumfassend, mattgrün, auf beiden Seiten filzig behaart bis fast kahl.<ref name="HegiGams1964" />

Blütenstand, Blüte und Frucht

Jeweils vier bis zehn Blüten stehen in den meist 10 bis 20 (6 bis 24) Scheinquirlen zusammen.

Die zwittrigen Blüten sind bei einer Länge von bis zu 1,5 Zentimetern zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind zu einem röhrig-glockigen Kelch verwachsen und zur Blütezeit 7 bis 8 lang.<ref name="HegiGams1964" /> Die fünf Kronblätter sind zu einer bis 9 Millimeter langen Kronröhre verwachsen. Die Kronblätter sind trüb rot-violett mit hellerer Schlängelzeichnung, rosa- oder hell-purpurfarben und an der Unterlippe oft rötlich gefleckt. Die Oberlippe ist 4 bis 5 Millimeter lang, schwach gewölbt und außen kurz behaart.<ref name="HegiGams1964" /> Die Unterlippe ist 7 bis 8 Millimeter lang, sie ist herabgeschlagen und besitzt drei gerundete Kronlappen.<ref name="HegiGams1964" />

Der Kelch ist zur Fruchtzeit 8 bis 10 Millimeter und die Kelchzähne überragen die Klausen. Die etwa 2 Millimeter langen Klausen sind glänzend dunkel-braun und sehr fein gestrichelt.<ref name="HegiGams1964" />

Chromosomenzahl

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 64 oder 102.<ref name="Oberdorfer2001" />

Ähnliche Arten

Vorlage:Hinweisbaustein Der ähnliche Wald-Ziest hat deutlich breitere Blätter und dunklere, fast bordeaux-rote Blüten.

Ökologie und Phänologie

Der Sumpf-Ziest ist ein Knollen-Geophyt. Vegetative Vermehrung erfolgt reichlich durch Ausläufer (s. o.). Er wurzelt bis 60 Zentimeter tief.<ref name="Oberdorfer2001" /> Die Ausläufer sind bis 1,2 Meter lang und können sich mehrfach verzweigen.<ref name="HegiGams1964" /> Die 2 bis 4 Zentimeter langen Internodien zwischen den Niederblattschuppen und den Knoten bleiben entweder zylindrisch oder sie schwellen im Herbst zu 5 bis 11 Millimeter dicken, weißlichen und glatten Knollen an. Sie speichern reichlich als Reservestoff Stachyose und werden im Alter meist hohl.<ref name="HegiGams1964" />

Die Blütezeit ist von Juni bis September. Blütenbiologisch handelt es sich um vormännliche „Eigentliche Lippenblumen von Satureja-Typ“. Die Kronröhre besitzt einen Haarring als „Saftdecke“, der den Nektar schützt. Die Oberlippe ist kurz, die Unterlippe mit Strich- und Tüpfelmalen ausgestattet. Wegen der reichen Nektarabsonderung werden die Blüten gerne von Bienen, Schmetterlingen und Schwebfliegen besucht. Vor dem Abblühen ist spontane Selbstbestäubung möglich.

Die Früchte wirken als Tier- und Windstreuer; eventuell aber auch als Austrocknungsstreuer durch den zur Reife waagrecht stehenden, erst vergrößerten, dann aber schrumpfenden Kelch. Auch Schwimmausbreitung und Ausbreitung durch Ackergeräte sind möglich. Fruchtreife tritt ab Juli oder August ein.

Vorkommen

Der Sumpf-Ziest ist in den gemäßigten Gebieten Eurasiens von Europa bis zur Mongolei und zum Himalaja verbreitet. In Euopa kommt er in fast allen Ländern vor und fehlt nur in Island und Moldau.<ref name="POWO" />

Der Sumpf-Ziest wächst an feuchten, nährstoffreichen Standorten wie an Ufern, neben Wassergräben oder neben feuchten Feldern.

Er ist eine Charakterart des Verbands Filipendulion, kommt aber auch als Bodenverschlämmungszeiger in Pflanzengesellschaften des Verbands Polygono-Chenopodion und der Klasse Secalietea vor.<ref name="Oberdorfer2001" /> In den Allgäuer Alpen steigt er bis zu einer Höhenlage von 1100 Metern auf.<ref name="Dörr-Lippert2004" /> Im Engadin und im Kanton Wallis steigt er bis zu einer Höhenlage von 1400 Meter, in Südtirol bis zu einer Höhenlage von 1600 Meter auf.<ref name="HegiGams1964" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+w+ (feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Taxonomie

Der Sumpf-Ziest wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum Band 2 Seite erstbeschrieben. Das Epitheton "palustris", das "aus dem Sumpf" bedeutet, hat er von Caspar Bauhins Pinax (1623) übernommen.

Nutzung

Die Knollen werden als sogenannte Schweinerüben von Schweinen gern gefressen. Sie können auch für Menschen zubereitet werden wie Kartoffeln oder Spargel. Sie sollen in England beliebt gewesen sein und im Dezember und Januar am besten schmecken.<ref name="HegiGams1964" />

Ebenso wie beim Wald-Ziest sind auch Blätter, Stängel und Blüten essbar.<ref>Fabian Kalis: Wald-Ziest & Sumpf-Ziest – Ein essbares Pflanzenpaar mit Heilkräften, In: naturerlebnis-kalis.de</ref>

Der englische Name der Pflanze 'woundwort' bezieht sich auf die Verwendung zur Behandlung von Wunden.

Literatur

Einzelnachweise

<references> <ref name="InfoFlora"> Stachys palustris L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Dörr-Lippert2004"> Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 403. </ref> <ref name="HegiGams1964"> Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 4. Verlag Carl Hanser, München 1964. S. 2416–2420.</ref> <ref name="POWO">Stachys palustris. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew ScienceVorlage:Abrufdatum</ref> </references>

Weblinks

Commons: Sumpf-Ziest (Stachys palustris) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien