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Fahrraddiebe

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Fahrraddiebe (Originaltitel: Ladri di biciclette) ist ein italienischer Spielfilm von Vittorio De Sica aus dem Jahr 1948 nach einem 1946 erschienenen Roman von Luigi Bartolini, mit dem er aber nur den Titel und das Motiv der Suche nach einem gestohlenen Fahrrad in Rom gemeinsam hat – weder der Protagonist noch die Umstände sind dieselben. Im Italien der Nachkriegszeit versucht ein verarmter Familienvater, sein gestohlenes Fahrrad wiederzufinden, von dem seine gerade erhaltene Arbeitsstelle abhängt.

Nach seiner Premiere wurde der in schwarzweiß gedrehte Film mit vielen, internationalen Preisen, wie dem Oscar als Bester fremdsprachiger Film geehrt und beeinflusste viele spätere Filmemacher. Fahrraddiebe wird heute als einer der Höhepunkte des Italienischen Neorealismus gesehen und in Umfragen unter Filmexperten regelmäßig als einer der besten Filme aller Zeiten benannt.<ref>The 1,000 Greatest Films. #14. Bicycle Thieves. Vittorio De Sica. (Ladri di biciclette) They Shoot Pictures, Don’t They?, abgerufen am 16. Juli 2025</ref>

Als eine von insgesamt fünf Regiearbeiten De Sicas, wurde die Milieustudie 2008 auf die offizielle, vom italienischen Kulturministerium gebilligte Liste „100 erhaltenswerte italienische Filme“ aufgenommen. Die 100 ausgewählten Filme entstanden zwischen 1942 und 1978 und haben das kollektive Gedächtnis Italiens maßgeblich geprägt.<ref>Official list - ITALY - 100 Italian films to be saved. IMDb, abgerufen am 16. Juli 2025</ref>

Handlung

Um seine Familie im Rom der Nachkriegszeit zu ernähren, arbeitet Antonio Ricci als Tagelöhner. Von einem Arbeitsvermittler erhält er endlich eine langersehnte Festanstellung als Plakatkleber. Zur Ausübung ist er allerdings auf den Besitz eines Fahrrades angewiesen, das er aber erst kürzlich aus Geldnot verpfändet hat. Kurzentschlossen bringt Antonios Frau die Bettwäsche zum Pfandleiher, um das Fahrrad wieder auszulösen.

Am nächsten Morgen fährt Antonio los. Als er sein erstes Plakat nach einer Einführung durch einen Kollegen allein klebt, abgelenkt durch die Aufgabe, das Plakat zu glätten, wird sein Fahrrad gestohlen. Er verfolgt den Dieb, kann ihn aber nicht stellen, zumal zwei Komplizen ihn bei der Verfolgung behindern, indem sie ihn aufhalten und falsche Fährten legen.

Er ist entsetzt, außer sich vor Angst. Ohne Fahrrad kann er seine Arbeit nicht fortsetzen. Dabei wäre diese feste Anstellung der Ausweg aus der wirtschaftlichen Not der Familie gewesen. Er macht eine Anzeige bei der Polizei, aber ohne jede Hoffnung, dass ihm jemand helfen will und kann. Als er am Abend seinen Sohn Bruno trifft, der wie verabredet auf ihn wartet, ist er niedergeschlagen. Er mag die Wahrheit des Verlustes des Fahrrades nicht zugeben. Er bringt nur seinen Sohn nach Hause und geht, ohne seine Frau zu treffen, zu einem Kulturhaus, wo er einen Vertrauten trifft, der Vorarbeiter bei der Müllentsorgung ist. Der trommelt Kollegen zusammen, die zusammen mit Antonio und seinem Sohn am nächsten Morgen den zentralen Fahrradmarkt nach dem Fahrrad absuchen. Vergeblich.

Antonio lässt sich mit seinem Sohn zu einem weiteren Markt in einem Vorort der Stadt bringen. Dort sieht er zufällig den Dieb mit seinem Fahrrad einem älteren Mann Geld geben. Doch der Dieb kann wieder entkommen. Sie verfolgen dafür den alten Mann in eine Kirche, wo es nach dem Gottesdienst eine Suppenküche gibt. Aber der alte Mann streitet alles ab und entkommt auch wieder. Aber sie haben eine Adresse von ihm.

Am nächsten Tag sind Antonio und Bruno wieder unterwegs. Tatsächlich treffen sie auf den Dieb und können ihn bis in seine Wohnung verfolgen. Er lebt in einer beinahe noch prekäreren Lage als Antonio. Nachbarn, Bekannte und die Familie beschützen ihn. Ein elegant gekleideter Herr, der überraschend im ärmlichen Viertel auftritt, macht den Eindruck eines Mafiosos, als Schutzpatron der lokalen Kleinkriminellen. Doch Antonio lässt nicht ab. Die Lage eskaliert, als der Dieb einen tatsächlichen oder vorgetäuschten epileptischen Anfall erleidet. Es wäre zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Antonio und einer großen Übermacht an Beschützern des Kleinkriminellen gekommen, wenn nicht Antonios Sohn Bruno einen Polizisten geholt hätte. Der Polizist durchsucht das Zimmer des jungen Mannes, kann aber nichts finden und weist Antonio darauf hin, dass er keinen handfesten Beweis gegen den jungen Mann habe. Antonio muss schließlich abziehen, bedroht von den Männern aus dem Viertel.

Weil Antonio keinen Ausweg mehr sieht, wird er am Ende selbst zum Dieb: Er schwingt sich auf ein Fahrrad und fährt davon. Doch wird er von einer Gruppe Männern, die ihm nachlaufen, eingeholt, zu Boden geworfen und geschlagen. Sein Sohn Bruno beobachtet erschrocken das Geschehen. Die Männer bringen ihn zum Besitzer des Fahrrades, der aber angesichts des weinenden Sohnes auf eine Anzeige verzichtet. Unter Beschimpfungen und Hinweisen, er solle sich doch Arbeit suchen, anstatt zu stehlen, lassen ihn die Männer ziehen. Tief beschämt geht Antonio, sein Sohn neben ihm. Bruno nimmt den Vater an die Hand. Die beiden verschwinden in der Menge der Menschen.

Synchronisation

Die deutsche Synchronfassung entstand bei der RKO Synchron Abteilung in West-Berlin. Ingeborg Grunewald schrieb das Dialogbuch und Conrad von Molo führte Regie.<ref>Fahrraddiebe. In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 15. März 2026.</ref><ref>Fahrraddiebe (ITA). In: synchrondatenbank.de. Abgerufen am 15. März 2026.</ref>

Rolle Darsteller Synchronsprecher
Antonio Ricci Lamberto Maggiorani Carl Raddatz
die Wahrsagerin Elena Altieri Ingeborg Grunewald
Alfredo, der Fahrraddieb Vittorio Antonucci Herbert Stass
die Dame von der Wohlfahrt Emma Druetti Lilli Schönborn-Anspach
Baiocco Gino Saltamerenda Arno Paulsen
Polizist Peppino Spadaro Ernst Konstantin
Lackierer (Stimme) Alberto Sordi Horst Niendorf
Fahrradhändler N. N.
Student Sergio Leone Wolfgang Kieling
Gewerkschafter N. N.
Pfarrer N. N. Knut Hartwig

Hintergrund

Datei:Enzo Staiola in Bicycle Thieves, cropped.jpg
Enzo Staiola, mit sieben Jahren, in seiner ersten Rolle

Gedreht wurde fast ausschließlich an Originalschauplätzen, und auch die meisten Rollen werden von Laiendarstellern in ihrer eigenen Kleidung gespielt. Dieses Streben nach Realismus ist typisch für den italienischen Neorealismus.

Der spätere Star-Regisseur Sergio Leone, damals noch unbekannt, spielte einen der Priesterseminaristen, ohne dafür im Abspann erwähnt zu werden. Er war außerdem als Regieassistent von De Sica beschäftigt.<ref>Scott Anthony: A FILM TO REMEMBER: “BICYCLE THIEVES” (1948). 3. Juni 2019, abgerufen am 11. April 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Kritiken

Fahrraddiebe wird in der Filmkritik allgemein als ein Meisterwerk der Filmgeschichte betrachtet. Auf der Website Rotten Tomatoes, die Besprechungen vor allem englischsprachiger Filmkritiker auswertet, holt der Film eine positive Rate von 99 % (basierend auf 69 Kritiken, Stand: April 2023).<ref>The Bicycle Thief (1949). In: Rotten Tomatoes. Fandango, abgerufen am 18. April 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Der Filmdienst urteilt: „Lebendige Erzählweise, Sensibilität, menschliche Wärme und eine soziale Aussage ohne Sentimentalität machen den mit Laien an Originalschauplätzen gedrehten Film zum Meisterwerk des italienischen Neorealismus, das das internationale Kino der 50er Jahre nachhaltig beeinflusste.“<ref>Fahrraddiebe. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 1. April 2021.</ref> Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz schrieben 1990 in ihrem Lexikon „Filme im Fernsehen“: „[…] Film des Neorealismus, in dem Alltag nüchtern und ungeschminkt wiedergegeben wird; mit romantischen Obertönen, klar komponiert, sozialkritisch; Filmklassiker […]“ (Wertung: 3½ Sterne = außergewöhnlich).<ref>Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz in Lexikon „Filme im Fernsehen“ (erweiterte Neuausgabe). Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-392-3, S. 212</ref>

Auszeichnungen

Der Film gewann bei der Oscarverleihung 1950 einen Ehrenpreis als Bester fremdsprachiger Film. Zugleich war er in der Kategorie Bestes Drehbuch nominiert. Den Golden Globe Award erhielt der Film als Bester ausländischer Film, den British Film Academy Award als Bester internationaler Film, den New York Film Critics Circle Award als Bester fremdsprachiger Film, den japanischen Kinema Junpo Award ebenfalls als Bester fremdsprachiger Film und die dänische Bodil als Bester europäischer Film. Das National Board of Review zeichnete ihn in den Kategorien Beste Regie und Bester Film (jede Sprache) aus.

Auf dem Filmfestival von Locarno wurde der Film mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet. Das Sindacato Nazionale Giornalisti Cinematografici Italiani ehrte Fahrraddiebe in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Beste Geschichte, Beste Kamera und Beste Musik.

Bei der ersten von der renommierten Filmfachzeitschrift Sight & Sound im Jahr 1952 unter Filmkritikern durchgeführten Umfrage nach den besten Filmen aller Zeiten belegte Fahrraddiebe den ersten Platz.<ref>Sight & Sound Poll 2012: Bicycle Thieves. Abgerufen am 11. April 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die prestigeträchtige Sight & Sound-Umfrage findet alle zehn Jahre statt und in späteren Umfragen verlor Fahrraddiebe zwar die Spitzenposition an Citizen Kane, blieb aber stark vertreten – zuletzt im Jahr 2012 belegte der Film Platz 10 bei den Regisseuren und Platz 33 bei den Kritikern.<ref>Votes for Bicycle Thieves (1948) | BFI. Abgerufen am 11. April 2021.</ref> Auf der Website They Shoot Pictures, Don't They?, die über 9000 Filmkritiken und Kritikerumfragen miteinander verrechnet, war Fahrraddiebe 2021 auf Platz 13 der besten Filme aller Zeiten gelistet.<ref>TSPDT - 1,000 Greatest Films (Full List). Abgerufen am 11. April 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Fahrraddiebe wird als einer von 45 Filmen auf der Filmliste des Vatikans geführt, auf der von der katholischen Kirche empfohlene Filme gelistet sind.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />United States Conference of Catholic Bishops (Memento des Vorlage:IconExternal vom 23. Juli 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.usccb.org website, 2008. Last accessed: 20. Mai 2008.</ref>

Neuverfilmungen

2001 wurde der Film durch den chinesischen Filmemacher Wang Xiaoshuai in einer zeitgemäßen Version unter dem Titel Beijing Bicycle neuinterpretiert.

Eine satirische Verfremdung des Stoffes findet sich in dem Streifen Die Seifendiebe von Maurizio Nichetti (Italien, 1988). Zahlreiche Filmzitate erinnern an Fahrraddiebe. Zugleich entsteht durch ständige Unterbrechungen der Handlung mit heutigen Werbespots eine zweite Handlungsebene.

Matt Chambers verlegte bei The Bike Thief mit Alec Secăreanu in der Hauptrolle den Schauplatz von Rom nach London.

Literatur

  • Hans-Jürgen Kubiak: Die Oscar-Filme. Die besten Filme der Jahre 1927/28 bis 2004. Die besten nicht-englischsprachigen Filme der Jahre 1947 bis 2004. Die besten Animationsfilme der Jahre 2001 bis 2004. Schüren, Marburg 2005, ISBN 3-89472-386-6

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

<templatestyles src="BoxenVerschmelzen/styles.css" />

Vorlage:Klappleiste/Anfang Rose scarlatte | Maddalena, ein Mädchen mit Pfiff | Verliebte Unschuld | Un garibaldino al convento | I bambini ci guardano | La porta del cielo | Schuhputzer | Cuore | Fahrraddiebe | Das Wunder von Mailand | Umberto D. | Rom, Station Termini | Römischer Reigen | Das Gold von Neapel | Das Dach | Anna von Brooklyn | Und dennoch leben sie | Das Jüngste Gericht findet nicht statt | Boccaccio 70 | Die Eingeschlossenen | Il boom | Gestern, heute und morgen | Hochzeit auf italienisch | Eine junge Welt | Jagt den Fuchs! | Hexen von heute | Siebenmal lockt das Weib | Der Duft deiner Haut | Sonnenblumen | Der Garten der Finzi Contini | Le coppie | Lo chiameremo Andrea | Ein kurzer Urlaub | Die Reise nach Palermo Vorlage:Klappleiste/Ende<templatestyles src="Erweiterte Navigationsleiste/styles legacy.css" />Vorlage:Klappleiste/Anfang

Religion

La vie et la passion de Jésus Christ (1905) • Die Passion der Jungfrau von Orléans (1928) • Monsieur Vincent (1947) • Franziskus, der Gaukler Gottes (1950) • Das Wort (1955) • Ben Hur (1959) • Nazarin (1959) • Das 1. Evangelium – Matthäus (1964) • Ein Mann zu jeder Jahreszeit (1966) • Andrej Rubljow (1969) • Mission (1986) • Opfer (1986) • Thérèse (1986) • Babettes Fest (1987) • Franziskus (1988)

Werte

Intoleranz (1916) • Rom, offene Stadt (1945) • Ist das Leben nicht schön? (1946) • Fahrraddiebe (1948) • Die Faust im Nacken (1954) • Freunde bis zum letzten (1956) • Das siebente Siegel (1957) • Wilde Erdbeeren (1957) • Dersu Usala (1975) • Der Holzschuhbaum (1978) • Die Stunde des Siegers (1981) • Gandhi (1982) • Auf Wiedersehen, Kinder (1987) • Dekalog (1988–1989) • Schindlers Liste (1993)

Kunst

Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens (1922) • Metropolis (1927) • Napoleon (1927) • Vier Schwestern (1933) • Moderne Zeiten (1936) • Die große Illusion (1937) • Der Zauberer von Oz (1939) • Ringo (1939) • Fantasia (1940) • Citizen Kane (1941) • Das Glück kam über Nacht (1951) • La Strada – Das Lied der Straße (1954) • Achteinhalb (1963) • Der Leopard (1963) • 2001: Odyssee im Weltraum (1968)

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