Transportable Raumerweiterungshalle
Die transportable Raumerweiterungshalle war ein in der DDR entwickeltes und hergestelltes flexibles System, um fest überdachte Räume mit einer Höchstlänge von 16 Metern und etwa 128 Quadratmeter Grundfläche temporär bereitzustellen. Sie ist ein Beispiel für mobile Architektur.
Die Idee geht auf Helmuth Both zurück, der 1959 erste Entwürfe vorstellte. Nach einer Weiterentwicklung durch seinen Sohn Klaus Both (1935–2019) ging sie ab 1966 unter dem Namen „Variant“ in Serie.<ref name=":0">Beatrice Härig: Die transportable Raumerweiterungshalle. In: Monumente. Magazin für Denkmalkultur in Deutschland. Deutsche Stiftung Denkmalschutz, 2008, abgerufen am 7. Dezember 2019.</ref>
Die Raumerweiterungshalle, oft abgekürzt als REH benannt, besteht aus maximal acht Raumelementen, Tunnel genannt, die teleskopartig ineinander geschoben werden können. Ihre Außenhülle ist eine Konstruktion aus Aluminiumblech und leichten Stahlträgern, die Innenwände sind mit Hartfaserplatten verkleidet. Der Boden wird separat auf Schienen verlegt.<ref name=":1" /> Ohne großen Aufwand können zwei solcher Systeme zu einer Halle von etwa 32 Metern Länge vergrößert werden. Wegen ihrer Bauweise wurden die transportablen Raumerweiterungshallen im Volksmund als „Ziehharmonika“ bezeichnet. In zusammengeklapptem Zustand hat sie in etwa die Form eines Wohnwagens und wird dadurch transportabel.
Das Raumsystem konnte flexibel nach Bedarf auf Dorfplätzen, in Gärten oder im öffentlichen Raum aufgebaut werden. Es diente zum Beispiel als Kaufhalle und Postamt, Kantine, als Arbeiter- oder Ferienunterkunft, Gaststätte, Eisdiele oder Kino. Für den Aufbau eines 16-Meter-Moduls waren nicht mehr als sechs Personen und keine weiteren Hilfsmittel nötig.<ref name=":0" />
Im Unternehmen des Erfinders Helmuth Both in Boizenburg (später VEB Metallbau Boizenburg) wurden bis 1989 ungefähr 3500 Raumerweiterungshallen hergestellt.<ref name=":1">Anna Pataczek: Die Raumerweiterungshalle: Eine für alles. Der Tagesspiegel, 12. September 2011, abgerufen am 7. Dezember 2019.</ref> Heute existieren nur noch wenige Exemplare.<ref name=":0" /><ref name=":1" />
Rezeption
Film
Der britische Dokumentarfilmer Rory Ryder (* 1968) beschrieb 2025 die Geschichte, die Überbleibsel und das mögliche Potential für die Gegenwart in dem 70-minütigen englischsprachigen Film Lost Silverfish of Berlin.<ref>Homepage zum Dokumentarfilm</ref><ref>Eintrag des Dokumentarfilms auf IMDb</ref>
Modellbau
2022 erschien ein Bastelbogen der Raumerweiterungshalle als April-Motiv des Architekturmodellkalender 2023 „Typenbauten der DDR“.<ref>Martina Jany, Florian Krieg: DDR Typenbauten. Architekturmodellkalender 2023. Verlag Dreiviertelhaus, Berlin / Limburg 2022, ISBN 978-3-96242-400-8.</ref>
Weblinks
Einzelnachweise
<references></references>