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Betar

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Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 20. Januar 2026 um 16:57 Uhr durch imported>Babel fish (rechtsextrem (ADL, Haaretz)).
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Datei:PikiWiki Israel 787 Education in Israel זאב זבוטינסקי בחברת מפקדי ביתר.jpg
Betar-Kommandeure mit Wladimir Jabotinsky (Mitte) in Tel Aviv, Aufnahme zwischen 1926 und 1930

Betar oder auch Beitar ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) ist eine rechtsextreme<ref name="Nechin 2026" /> zionistische Jugendorganisation, die im Jahr 1923<ref>James L. Gelvin: The Israel-Palestine Conflict – One Hundred Years of War. 2. Auflage. Cambridge University Press, Cambridge 2007, ISBN 978-0-521-71652-9, S. 72.</ref> in Riga<ref name=":1" /> vom revisionistischen Zionisten Ze'ev Jabotinsky gegründet wurde und als Vorläufer der israelischen Parteien Cherut und Likud betrachtet werden kann. Zudem war „Betar“ der Name der letzten von Aufständischen gehaltenen Festung während des Bar-Kochba-Aufstandes.<ref>Yaacov Shavit: Jabotinsky and the Revisionist Movement 1925–1948. 11. Oktober 2013, doi:10.4324/9781315035253.</ref>

Geschichte

Der Name Betar ist ein Akronym für „Brit HaNoar HaIvri al shem Joseph Trumpeldor“ (deutsch „Hebräischer Jugendbund im Gedenken an Joseph Trumpeldor“).<ref>Shlomo Sand: Deux peuples pour un état? – Relire l’histoire du Sionisme. Traduit de l’Hébreu par Michel Bilis (= Collection La couleur des idées). Éditions du Seuil, Paris 2024, ISBN 978-2-02-154166-3, S. 148.</ref> Joseph Trumpeldor hatte im Ersten Weltkrieg zusammen mit Jabotinsky an der Aufstellung einer jüdischen Einheit (der „Jüdischen Legion“) mitgewirkt, die als Teil der britischen Armee in der Schlacht von Gallipoli und später auch in Palästina kämpfte. Vorbild waren dabei die Polnischen Legionen, die im Ersten Weltkrieg für ein unabhängiges Polen kämpften.<ref>Timothy Snyder: Black Earth. London 2015, S. 64.</ref> 1920 war er bei der Verteidigung der exponierten jüdischen Siedlung Tel Chai gegen arabische Angreifer gefallen. Anders als Trumpeldor, der einen zionistischen Sozialismus verfolgte, gehörte Jabotinsky jedoch dem revisionistischen Flügel der zionistischen Bewegung an.

Betar betrieb einen Personenkult um Jabotinsky. Ihre Hymne enthielt die Aussage: „Der Jordan hat zwei Ufer/Das eine gehört uns, das andere auch.“<ref name=":1" /> 1934 gründete Betar eine Seefahrtsakademie im damals faschistischen Italien. Die Schule im Hafen von Civitavecchia<ref name=":0">Eran Kaplan: Between East and West: Zionist Revisionism as a Mediterranean Ideology. In: Ivan Davidson Kalmar, Derek J. Penslar (Hrsg.): Orientalism and the Jews (= Jehuda Reinharz [Hrsg.]: Tauber Series for the Study of European Jewry at Brandeis University Press). University Press of New England, Hanover/London 2005, ISBN 1-58465-411-2, Kap. 8, S. 125, 136–141.</ref> stand formal unter der Leitung von Nicola Fusco,<ref name=":0" /> eigentlicher Schulleiter war Yirmiyahu Halperin.<ref name=":0" /> Ein wohlhabender Spender in Belgien<ref name=":0" /> stellte das erste Schulschiff zur Verfügung, die Sara 1 (Sara A).<ref name=":0" /> Die Ausbildungsteilnehmer kamen aus Europa, Palästina und Südafrika.<ref name=":0" /> Trotz Ermahnungen der mit den Faschisten sympathisierenden<ref name=":0" /> politischen Verantwortlichen, sich nicht zur italienischen Politik zu äußern, betätigten sich die Betar im Rahmen faschistischer Aktivitäten, so marschierten sie mit italienischen Soldaten an Aufläufen zur Feier des Abessinienkriegs<ref name=":0" /> mit. Im Sommer 1937<ref name=":0" /> lief die Sara 1 zu ihrer ersten Fahrt von Italien nach Palästina aus, dabei lief sie auch im tunesischen La Goulette<ref>Georges Bensoussan: Juifs en pays arabes – Le grand déracinement, 1850–1975. Hrsg.: Denis Maraval (= Collection Texto). 2. Auflage. Éditions Tallandier, Paris 2021, ISBN 979-1-02105090-7, S. 520.</ref> ein, das damals mehrheitlich von Süditalienern bewohnt war.

Nachdem der linke Jischuv-Politiker Chaim Arlosoroff von rechten Aktivisten ermordet worden war, kam es in Palästina vermehrt zu Zusammenstößen linker und rechter jüdischer Jugendorganisationen.<ref name=":1" /> Die Jewish Agency weigerte sich, den Betar Einreisepapiere für die legale Einwanderung nach Palästina auszustellen.<ref name=":1" /> Im April 1938 beteiligte sich der illegal eingereiste ukrainische Betar-Aktivist Shlomo Ben-Yosef<ref name=":1" /> bei einem Angriff auf einen Bus mit arabischen Passagieren. Auch wenn das Attentat keine Opfer zur Folge hatte, wollten die britischen Mandatsbehörden an ihm Härte zeigen und ließen ihn im Juni 1938 im Gefängnis Akkon hängen. Damit hatte Betar seinen Märtyrer. Im September 1938 fand in Warschau der Betar-Weltkongress statt.<ref name=":1" /> Dabei kam es zur Konfrontation zwischen Jabotinsky und dem jüngeren und gewaltbereiteren Menachem Begin, der auch gegen die Briten zuschlagen wollte. Jabotinsky entgegnete ihm, „Wenn ihr glaubt, es gebe keinen anderen Weg, als jenen, den Begin vorschlägt und ihr greift zu den Waffen, begeht ihr Selbstmord“.<ref name=":1">Jean-Pierre Filiu: Comment la Palestine fut perdue – Et pourquoi Israël n’a pas gagné – Histoire d’un conflict (XIXe–XXIe siècle). Éditions du Seuil, Paris 2024, ISBN 978-2-02-153833-5, S. 100–104.</ref> Indes gelang nicht allen Betar die sogenannte Alija nach Palästina. Während des Zweiten Weltkrieges gründeten Mitglieder des Betars den Żydowski Związek Wojskowy (Jüdischer Militärverband), der sich an der Verteidigung des Warschauer Ghettos beteiligte.

Im Juni 2023 wurde ein Ableger von Betar in den USA neu gegründet. Im Sommer 2024 wurde ein Ableger in Deutschland gegründet. Er entwickelt eine an jüdische Jugendliche gerichtete Präsenz im Internet.<ref>Leon Holly: Jung, jüdisch, rechts – Bei Betar Deutschland sammeln sich rechte Juden. Selbst mit der AfD haben sie keinerlei Berührungsängste. Was will die Organisation? In: TAZ. 17. Juni 2025, abgerufen am 19. Juni 2025.</ref>

Die Anti-Defamation League charakterisiert Betar als „extremistische Gruppe“, die „offen Islamfeindlichkeit befürwortet und Muslime schikaniert“.<ref name="Nechin 2026">Etan Nechin: Far-right pro-Israel Betar to Close in New York After State Investigation Into “Campaign of Violence”. In: Haaretz, 14. Januar 2026.</ref>

Im Jahr 2025 wurde im Bundesstaat New York eine Untersuchung eingeleitet. Im Jahr 2026 kam die Staatsanwaltschaft zu dem Schluss, dass die Gruppe eine „Kampagne der Gewalt, Belästigung und Einschüchterung gegen arabische, muslimische und jüdische New Yorker“ durchgeführt hatte. Im Januar 2026 gab die Generalstaatsanwältin Letitia James bekannt, dass Betar für „mehrere Fälle von körperlicher Einschüchterung und Körperverletzung“ verantwortlich sei, und Betar musste sämtliche Aktivitäten im Bundesstaat New York einstellen.<ref name="Nechin 2026" />

Bekannte Mitglieder

Die israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin, Jitzchak Schamir und der Vater von Ehud Olmert waren Mitglieder von Betar, ebenso der frühere Verteidigungsminister Mosche Arens. Der französische Parlamentsabgeordnete Meyer Habib<ref>Alain Gresh: Palestine : Un peuple qui ne veut pas mourir. Éditions Les Liens qui Libèrent, Paris 2024, ISBN 979-1-02092386-8, S. 150.</ref> war ebenfalls bei Betar aktiv. Dem französischen Wissenschaftler Frédéric Encel, der im Fachbereich Geopolitik als Buchautor zum Nahostkonflikt Prominenz erlangte, wird vorgeworfen, dass seine frühere Leitungsfunktion bei Betar seine wissenschaftliche Objektivität beeinträchtigt.<ref>Redaktion: Les bons services d’Encel. In: Politis. 22. Oktober 2009, abgerufen am 15. Juli 2025.</ref>

Sportverband

Der Sportverband wurde 1924 gegründet. Die Vereine dieses Verbandes sind politisch rechts orientiert. Oft tragen sie die Bezeichnung Betar in ihrem Namen, der bekannteste ist Beitar Jerusalem. Die Sportvereine, die dem Verband HaPoel angehören, sind politisch eher links. Neben HaPoel, dem größten Sportverband in Israel, ist auch der Verband Maccabi größer als Betar.

Literatur

  • Hans Jakob Ginsburg: Der Betar. In: Doron Kiesel (Hrsg.): Die jüdische Jugendbewegung. Eine Geschichte von Aufbruch und Erneuerung. Hentrich & Hentrich, Leipzig 2021, ISBN 978-3-95565-467-2, S. 120–135.
  • Wladimir Jabotinsky: Die Idee des Betar. Ein Umriss betarischer Weltanschauung. Aus dem Jiddischen übersetzt von J. Goldstein. Kaulbars, Lyck 1935.

Weblinks

Commons: Betar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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