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Rathebur

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Rathebur
Gemeinde Ducherow
Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(163)&title=Rathebur 53° 44′ N, 13° 47′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(163) 53° 44′ 28″ N, 13° 47′ 4″ O
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Höhe: 7 m ü. NN
Fläche: 9,14 km²
Einwohner: 163 (31. Dez. 2007)[Ohne Beleg]Vorlage:Infobox Ortsteil einer Gemeinde in Deutschland/Wartung/NoEinwQuelle
Eingemeindung: 7. Juni 2009
Postleitzahl: 17398
Vorwahl: 039726

Rathebur ist seit dem 7. Juni 2009 ein Ortsteil der Gemeinde Ducherow im Landkreis Vorpommern-Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland.

Geografie und Verkehr

Rathebur liegt an der Bundesstraße 109. Anklam liegt etwa 21 Kilometer nordwestlich und Ueckermünde etwa 18 Kilometer östlich der Ortschaft. Die Bahnstrecke Angermünde–Stralsund kreuzt die Gemarkung. Der Ort befindet sich am Westrand der Ueckermünder Heide.

Ortsteile der ehemaligen Gemeinde Rathebur waren Marienthal und Rathebur.

Geschichte

Rathebur wurde erstmals im Jahr 1271 als „Ratebur“ urkundlich erwähnt. Der slawische Name bedeutet wohl „Der Kampfes-frohe“.<ref>Manfred Niemeyer: Ostvorpommern. Quellen- und Literatursammlung zu den Ortsnamen. Bd. 2: Festland. (=Greifswalder Beiträge zur Ortsnamenkunde. Bd. 2), Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Institut für Slawistik, Greifswald 2001, ISBN 3-86006-149-6. S. 111/112</ref> Der frühdeutsche (ab 1230) Turmhügel auf dem nahegelegenen „Hausberg“ war die Grundlage für das spätere Gut. Im August 1657 wurde das sich entwickelnde Dorf samt Kirche und Pfarrgebäuden von einer polnischen Soldateska eingeäschert. Später wurde es neu aufgebaut.<ref>F. von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht. 1827. 4. Kreis Anklam, 7. Rathebur. Nicolaischen Buchhandlung, Berlin, Stettin 1827, S. 131 (google.de [abgerufen am 29. März 2022]).</ref>

Bereits zu Beginn des 15. Jahrhunderts, beginnend mit der Belehnung des Claus von Köppern<ref>Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Deutscher Uradel). 1917. In: "Der Gotha" - Hofkalender. 18. Auflage. Köppern. Justus Perthes, Gotha 22. November 1916, S. 466–469 (google.de [abgerufen am 29. März 2022]).</ref> durch Herzog Swantibor I. (III.), war Gut Rathebur eines der Hauptsitze der pommerschen Adelsfamilie von Koeppern, auch von Köppern genannt.<ref>Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. In: Ernst Heinrich Kneschke im Verein mit mehreren Historikern (Hrsg.): NadAL. 5. (Kalb - Loewenthal), Köppern. Friedrich Voigt, Leipzig 1864, S. 207–208 (uni-duesseldorf.de [abgerufen am 29. März 2022]).</ref> Innerhalb der Familie wechselte das Gut mehrfach den Besitz, zunächst bei Philipp Gustav von Köppern, dann sein Sohn Hauptmann Hans Dietrich Ludwig und ab 1750 dessen jüngerer Bruder Curt Gustav von Köppern. Zu Zeiten des Kavallerie-Offiziers Adolf Friedrich Ludwig von Köppern gehörte auch das mit königlichen Gnadengeldern 1776 erbaute Vorwerk Marienthal zu Rathebur.<ref>Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV. bis in das XIX. Jahrhundert. In: Robert Klempin, Gustav Kratz (Hrsg.): GAB-Vorgänger. V. Uebersichten des Personal- und Besitzstandes der Preussisch-Pommerschen Ritterschaft, von Köppern. In Commission bei A. Bath (Mittler’s Sortimentsbuchhandlung), Berlin 1863, S. 347–448 (uni-duesseldorf.de [abgerufen am 29. März 2022]).</ref> Im Jahre 1817 lebten 140 Einwohner im Ort.<ref>Ortschafts-Verzeichniß des Regierungs-Bezirks Stettin nach neuen Kreis-Eintheilung vom Jahre 1817 nebst alphabetischem Register. In: Öffentliche Bekanntmachungen. II. Anklamsche Kreis, Nr. 103. Carl Wilhelm Struck, Stettin 1817, S. 4–6 (google.de [abgerufen am 29. März 2022]).</ref>

1569 übernahm der Großhofmeister von Pommern Ulrich von Schwerin die Anwartschaft mehrerer Rittergüter in der Region, die vormals die alte Familie von Lindstedt-Altwigshagen besaß.<ref>Geschichte des Geschlechts von Schwerin. In: L. Gollmert, Wilhelm Graf von Schwerin, Leonhard Graf von Schwerin (Hrsg.): Familien-Chronik. Theil 3. Urkundenbuch zur Geschichte des Geschlechts von Schwerin, II. Urkunden betreffend Die Pommerschen Linien des Geschlechts von Schwerin. Wilhelm Gronau, Berlin 1878, S. 370–371 (uni-duesseldorf.de [abgerufen am 29. März 2022]).</ref> Dazu gehörte formell, vermutlich durch alte Erbansprüche über die vormalige Einheiratung der Dorothee von Lindstedt mit Melchior von Köppern-Schmuggerow (1577–1644), auch Rathebur. Die Familie von Köppern blieb wohl aber nach den genealogischen Angaben des Gothaischen Hofkalenders im Besitz. Mindestens bis 1843 konnten die von Köppern Gut Rathebur nach Angaben von Julius Theodor Bagmihl und seinem Pommerschen Wappenbuch halten, andere Familienmitglieder gingen unbegütert in dänische Militär-Dienste.<ref>Julius Theodor Bagmihl: Pommersches Wappenbuch gezeichnet und mit Beschreibung der Wappen und historischen Nachweisen versehen. 1843. In: PWB. Band 1, von Köppern. Eigenthum des Herausgebers. Gedruckt bei H. G. Essenharts Erben (G. Eichner), Stettin 1843, S. 187–189 (google.de [abgerufen am 29. März 2022]).</ref> Schon in den Familien-Generationen zuvor wurde dies zur Tradition, ebenso bei Regimentern in Bayern und Braunschweig.<ref>Ludewig-Wilhelm Brüggemann (Hrsg.): Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. 1779. Erster Theil. Zehntes Hauptstück, Vorpommersche Vasallentabelle. 34., 35., 36. H. G. Essenhart, Stettin 1779, S. CXXVII (google.de [abgerufen am 29. März 2022]).</ref>

1854 war Gut Rathebur mit Marienthal bereits in bürgerlicher Hand, der Eigentümer war Hr. Stein.<ref>Hand-Matrikel der in sämmtlichen Kreisen des Preussischen Staats auf Kreis- und Landtagen vertretenen Rittergüter. In: Karl Friedrich Rauer (Hrsg.): GAB-Vorgänger. 1. Auflage. Provinz Pommern. XVIII, Anklam. Selbstverlag, Berlin 1857, S. 172 (uni-duesseldorf.de [abgerufen am 29. März 2022]).</ref> Um 1865 hatte die Dorfgemeinde eine Mutterkirche, mehrere Pfarrgebäude, 17 Wohnhäuser, 30 Haushaltungen, 20 Wirtschaftsgebäude, eine Schmiede, einen Gasthof und insgesamt 177 Einwohner.<ref>Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen. Teil II, Band 1, Anklam 1865, S. 350–352 online</ref>

Das vorhandene Gut dominierte um 1880 weiter den Ort. 1914 war Günther Brandt der Eigentümer. Die Gutsgröße wurde mit 200 ha angegeben. 1921 war Heinz Heiden der Gutsherr auf Rathebur.<ref>Julius Ernst: Niekammer’s Güter-Adreßbücher. I. 1921. Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter und Güter der Provinz Pommern einschl. der neu zugeteilten Kreise Westpreußens. Mit Unterstützung vieler Behörden nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: GAB Reihe Paul Niekammer. 6. Auflage. Regierungsbezirk Stettin, Kreis Anklam. Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1921, S. 6–7 (martin-opitz-bibliothek.de [abgerufen am 29. März 2022]).</ref> Der Gemeinde gehörte zeitgleich ein 67 ha Gut auf der eigenen Gemarkung. Nach dem 1939 letztmals amtlich publizierten Pommerschen Güter-Adressbuch war Marie Brügge die Gutsherrin, Verwalter Heinz Brügge. Davon ist aber nur das unscheinbare Gutshaus und ein Wirtschaftsgebäude (Stallspeicher) übrig geblieben. Letzteres ist aber ein interessanter Bau, eine Kombination von Feldstein-, Backstein- und Fachwerkbau. Im Ort gab es vor der Bodenreform acht weitere Erbhöfe mit der durchschnittlichen Größe um die 30 ha.<ref>Landwirtschaftliches Adreßbuch der Provinz Pommern 1939. Verzeichnis von ca. 20000 landwirtschaftlichen Betrieben von 20 ha aufwärts mit Angabe der Besitzer, Pächter und Verwalter, der Gesamtgröße des Betriebes und Flächeninhalt der einzelnen Kulturen; nach amtlichen Quellen. In: H. Seeliger (Hrsg.): Letzte Ausgabe Paul Niekammer. 9. Auflage. Band I f. Ausgabe Pommern, Kreis Anklam. Verlag von Niekammer’s Adreßbüchern G.m.b.H., Leipzig 1939, S. 8 (google.de [abgerufen am 29. März 2022]).</ref>

Zeitgleich mit den Kommunalwahlen am 7. Juni 2009 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Rathebur und Löwitz nach Ducherow eingemeindet.<ref>StBA: Gebietsänderungen vom 02. Januar bis 31. Dezember 2009</ref>

Sehenswürdigkeiten

Persönlichkeiten

  • Elfi Zinn (* 24. August 1953), Leichtathletin

Literatur

  • Manfred Niemeyer: Ostvorpommern. Quellen- und Literatursammlung zu den Ortsnamen. Bd. 2: Festland. (=Greifswalder Beiträge zur Ortsnamenkunde. Bd. 2), Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Institut für Slawistik, Greifswald 2001, ISBN 3-86006-149-6.

Einzelnachweise

<references />