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Blinder Passagier

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Ein blinder Passagier ist ein Passagier, der illegal mit einem Flugzeug, Schiff, Zug oder Bus reist und sich, im Gegensatz zum Schwarzfahrer, versteckt hält.

Begriffsherkunft

Im deutschen Sprachraum ist der Begriff mindestens seit 1827 bekannt. Im Buch der Lieder schrieb Heinrich Heine:

<poem> Wir fuhren allein im dunkeln Postwagen die ganze Nacht; Wir ruhten einander am Herzen, Wir haben gescherzt und gelacht. Doch als es Morgens tagte, Mein Kind, wie staunten wir! Denn zwischen uns saß Amor, Der blinde Passagier. </poem>

Verbreitet ist der Begriff mind. seit 1907. In diesem Jahr veröffentlichte Jack London seinen Roman Abenteurer des Schienenstranges, in dem der Begriff verwendet und so erklärt wird: Anfang des 20. Jahrhunderts gab es bei den Bahnen Wagenmodelle, bei denen man während der Fahrt nicht vom Wageninneren auf die stirnseitigen Plattformen gelangen konnte, die auch nicht einsehbar waren. Diese Wagen werden im Roman „Blinde Wagen“ genannt und Personen, welche – so wie der Protagonist des Romans – unentdeckt mitfahren wollten, konnten versuchen, unmittelbar vor der Abfahrt unentdeckt auf diese Plattform zu gelangen. Der Begriff stammt sehr wahrscheinlich aber aus dem Postkutschenverkehr und bezeichnet auch dort den Reisenden, der nicht gesehen wird, weil er sich wegen nicht gezahlten Beförderungsentgeltes versteckt hält.

Datei:Bundesarchiv Bild 102-06783, Reichsverkehrsminister mit blindem Passagier.jpg
Clarence Terhune, dem es als Erstem gelang, als blinder Passagier in einem Zeppelin den Ozean zu überfliegen, nach seiner Freilassung mit dem Reichsverkehrsminister Theodor von Guérard auf dem Balkon des Kurgarten-Hotels in Friedrichshafen; 1928

Motive und Risiken

Die Gründe, als blinde Passagiere zu reisen, können ökonomisch und politisch sein. Blinde Passagiere reisen mit hohem Risiko. Da sie unerlaubt an Bord sind, müssen sie zuweilen tagelang ohne Wasser oder Nahrung auskommen und riskieren so den Tod. Lebensgefährlich ist die Reise als blinder Passagier auch in Fahrwerkschächten oder Frachträumen von Flugzeugen wegen ungesicherten Druckverhältnissen, Sauerstoffmangel und niedrigen Temperaturen in großen Höhen. Seit den Terroranschlägen am 11. September 2001 in den USA wurde die Möglichkeit, blinder Passagier zu werden, weiter erschwert, indem Kontrollen an Flughäfen verschärft wurden. Auf Schiffen ist wegen der längeren Reisedauer die Gefahr zu verhungern oder zu verdursten größer, auch kommen Erstickungen durch Treibstoffdämpfe vor, oder es kann zu tödlichen Verletzungen durch mechanische Kräfte, zum Beispiel beim Aufrollen der Ankerkette kommen. Auch sind Fälle von Schiffsbesatzungen aus den letzten Jahren dokumentiert, die aus Angst vor Bestrafung im Zielhafen und vor Zusatzkosten blinde Passagiere über Bord warfen oder sie auf hoher See aussetzten.<ref name="NYT170715" />

Blinde Passagiere unterliegen juristischer Verfolgung; ihr Eindringen in Häfen, Flughäfen und Verkehrsmittel ist illegal und wird bestraft. Außerdem begehen sie Beförderungserschleichung. Blinde Passagiere, die beim Überschreiten von Grenzen entdeckt werden und kein Aufenthaltsrecht besitzen, werden aus den meisten Ländern der Erde auf Kosten des Reeders bzw. der Luftfahrtgesellschaft zurückgebracht. Solche Rückführungskosten können nach Recherchen der New York Times von 2015 bis zu 50.000 US-Dollar pro illegal Eingereisten betragen, im Fall von Verzögerungen im Terminplan von Schiffen können sich diese Kosten noch deutlich erhöhen.<ref name="NYT170715" />

Beispiele

Mit Wasserfahrzeugen als Transportmittel:

  • 1914 schlich sich der walisische Seemann Perce Blackborow in Buenos Aires an Bord der Endurance, bevor diese zu ihrer transantarktischen Expedition aufbrach. Blackborow wurde entdeckt und vom Expeditionsleiter Ernest Shackleton als Steward angeheuert – unter der Bedingung, dass man ihn als ersten verspeisen würde, falls die Nahrung ausginge. Die Endurance wurde vom antarktischen Packeis eingeschlossen und zerdrückt. Zusammen mit der Besatzung musste Blackborow unter erbärmlichsten Bedingungen zweimal in der Antarktis überwintern und überlebte nur mit knapper Not.
  • 1996 wurden drei Rumänen auf dem taiwanischen Frachtschiff Mærsk Dubai über Bord geworfen und sind seitdem verschollen. Ein vierter Rumäne wurde von der Besatzung versteckt gehalten. Der Kapitän wurde in Kanada und Taiwan vor Gericht gestellt, letztlich aber freigesprochen.
  • Im Mai 2011 setzte die Besatzung des Frachters Dona Liberta zwei blinde Passagiere im Atlantik auf einem improvisierten Floß aus, das man aus Ölfässern und einer Tischplatte zusammengebaut hatte. Ermittlungen gegen den Kapitän wurden aus Mangel an Beweisen eingestellt.<ref name="NYT170715">Ian Urbina: „Stowaways and Crimes Aboard a Scofflaw Ship“, NYT vom 17. Juli 2015.</ref>
  • Auf dem Autofährschiff Euroferry Olympia wurden, nachdem am 18. Februar 2022 ein Brand ausgebrochen war, zumindest auch zwei Migranten von Bord geholt, die sich versteckt gehalten hatten.
  • Im November 2022 überlebten drei Menschen eine elftägige Überfahrt von Lagos nach Gran Canaria auf dem Ruderblatt eines Öltankers.<ref>tagesschau.de: Überfahrt nach Spanien: Elf Tage auf einem Ruderblatt. 29. November 2022, abgerufen am 30. November 2022.</ref>

Mit Luftfahrzeugen als Transportmittel:

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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