Palazzo Rucellai
Der Palazzo Rucellai ist ein Wohngebäude des 15. Jahrhunderts in Florenz. Ab 1446 entstand es im Auftrag des reichen Textilunternehmers Giovanni Rucellai (1403–1481) aus mehreren einzelnen Häusern und wurde mit einer einheitlichen Fassade zur Via della Vigna Nuova versehen. Als Architekten werden in der Forschung Leon Battista Alberti und Bernardo Rossellino diskutiert; letzterer war nachweislich mit der Bauausführung befasst. Gegenüber vom Palazzo Rucellai befindet sich die von 1462 bis 1463 errichtete Loggia Rucellai.
Lage und Geschichte
Das Gebäude liegt an der Via della Vigna Nuova an der Ecke zur engen Gasse Via dei Palchetti und gegenüber der dreieckigen Piazza Rucellai. Es entstand ab 1446 durch die sukzessive Verbindung einzelner Häuser, denen eine gemeinsame Fassade vorgeblendet wurde. Die nördliche Kante ist anscheinend für eine Fortsetzung des Fassadenprospekts vorbereitet worden.
Auftraggeber war Giovanni di Paolo Rucellai, Mitglied einer wohlhabenden Familie von Textilunternehmern, die mit dem Färben von Stoff zu Reichtum gekommen war. Wegen früherer Beziehungen seiner Familie zu den Medici-feindlichen Strozzi hielt sich Giovanni von politischen Angelegenheiten fern. In den 1460er Jahren bemühte sich Giovanni Rucellai um ein gutes Verhältnis zu den Medici und verheiratete seinen Sohn Bernardo mit Lucrezia, Nannina de’ Medici genannt, Nichte von Cosimo de’ Medici und Tochter von Lorenzo.
Von wem der Entwurf für die für Florenz ungewöhnliche Fassade stammt, ist in der kunstwissenschaftlichen Forschung umstritten. Diskutiert werden die Namen des Architekten und Kunsttheoretikers Leon Battista Alberti und des Bildhauers und Architekten Bernardo Rossellino. Bernardo Rossellino ist für den ganz ähnlichen Fassadenentwurf des Palazzo Piccolomini in der päpstlichen Residenzstadt Pienza verantwortlich.
Der Palazzo gehört bis heute der Familie Rucellai. Bis vor wenigen Jahren befand sich im Erdgeschoss des Palazzo Rucellai das Museum für die Geschichte der Fotografie (Museo di Storia della Fotografia Fratelli Alinari).
Architektur
Fassade
Der Palazzo Rucellai gehört zu den ersten Florentiner Palästen, die an der Fassade ein Gliederungssystem aus Stützen (hier Pilastern) und Gebälk zeigen, hier noch dazu in einer Art Superposition aus verschiedenen Ordnungen. Die Pilasterkapitelle im Erdgeschoss erinnern an die toskanische Ordnung, die in den Geschossen darüber an die korinthische Ordnung. Die Höhe der Geschosse nimmt nach oben hin ab.
Ob der Entwurf das Tabulariumsmotiv bzw. die auch beim Kolosseum zu beobachtende Verbindung aus seitlichen Stützen und Bögen aufnimmt, wie gelegentlich in der älteren Forschung behauptet, ist umstritten. Eine solche Bezugnahme ist im Florentiner Kontext unwahrscheinlich.
Die Fassade ist lediglich vorgeblendet; Pilaster und Gebälke haben keine statische Funktion. Die nur wenig aus der Mauerflucht heraustretenden Pilaster wirken wie glatte Streifen, die von Mauerwerk mit lebhafter Binnenzeichnung umgeben sind.<ref name=":3">Carlo Cresti, Claudio Rendina: Paläste der Toskana. Könemann Verlagsgesellschaft, Köln 2000, ISBN 978-3-8290-6546-7, S. 14–16.</ref> Die vertikalen Strukturen liegen in drei Stufen übereinander und beginnen über dem an ein Opus reticulatum erinnernden Sockel. Ein dreiteiliges Gebälk markiert die Trennung der Stockwerke. Die Fassade schließt nach oben – ähnlich dem etwa gleichzeitig entstehendem Palazzo Medici – ein stark vorkragendes Kranzgesims ab. Oberhalb der Traufkante befindet sich ein Dachaufbau, die Altana.
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Gesamtansicht der Fassade
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Fassadendetail, fotografiert von Paolo Monti, 1972: Erdgeschoss
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Fassadendetail, fotografiert von Paolo Monti, 1972: Obere Fenster
Innenräume
Das Gebäude wird auch einen Korridor (Androne) erschlossen. Der rechteckige Innenhof zeigt heute auf zwei Seiten Loggien, die Arkaden der Nordseite sind vermauert. Die Rundbögen werden von monolithischen Säulen aus lokalem grauen Sandstein (Macigno) mit aufwändigen korinthischen Kapitellen getragen.
Einige Räume sind mit Fresken von Giovanni Domenico Ferretti, Lorenzo del Moro und Pietro Anderlini geschmückt.
Loggia Rucellai
Gegenüber der Palastfassade befindet sich auf der anderen Straßenseite der Via della Vigna Nuova die Loggia Rucellai. Sie wurde zwischen 1462 und 1463 errichtet und schuf zusammen mit dem Platz davor eine wichtige Voraussetzung für die Wirkung der Fassade des Palazzo Rucellai.<ref name=":4">Albertis Palazzo Rucellai. In: arthistoricum.net. Abgerufen am 29. April 2026.</ref> Die 1677 vermauerte Loggia ist bei einer umfangreichen Restaurierung 1963–1964 wieder freigelegt worden.<ref>Jasmin Roth: Objekt des Monats Februar Eine Fotografie der Loggia Rucellai. In: khi.uni-bonn.de. 26. Januar 2024, abgerufen am 27. April 2026 (Mit einer historischen Fotografie von 1932).</ref>
Tempietto di Santo Sepolcro in San Pancrazio
Nordwestlich vom Palast befindet sich in der heute als Museo Mario Marini genutzten Kirche San Pancrazio das wahrscheinlich von Leon Battista Alberti 1467 entworfene Grabmonument für Giovanni Rucellai, das auf das Heilige Grab in Jerusalem Bezug nimmt.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 43° 46′ 16,6″ N, 11° 14′ 58,5″ O
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