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Phonetisches Komplement

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Ein phonetisches Komplement, auch als phonetische Ergänzung bezeichnet, ist ein Zeichen, das in Kombination mit einem Logogramm auftritt, um auf dessen Aussprache hinzuweisen. Das Phänomen tritt vor allem in Schriftsystemen auf, die sowohl phonographische als auch logographische Zeichen verwenden. In Fällen, in denen ein Logogramm verschiedene Lautungen haben kann, trägt das phonetische Komplement zu mehr Eindeutigkeit bei und erleichtert das Lesen des betreffenden Schriftzeichens.<ref>Wort-, Silben- und Buchstabenschriften - Rechtsanwälte und Fachanwälte in Jena. Abgerufen am 20. Februar 2026.</ref>

In Sprachen wie dem Deutschen oder Englischen, die das lateinische Alphabet verwenden, sind phonetische Komplemente selten. Es lassen sich aber durchaus Beispiele finden: Die Zahl 3 wird im Regelfall als drei gelesen (im Englischen respektive three). Ergänzt man im Deutschen einen Punkt (3.) oder im Englischen -rd, um die Ordnungszahl auszudrücken, erhält das Logogramm eine andere Lautung: dritte(r/s/ns), third. Sowohl der Punkt als auch die Endung -rd fungieren in der jeweiligen Sprache somit als phonetisches Komplement.

Ägyptische Hieroglyphen

In den Ägyptischen Hieroglyphen kann eine Hieroglyphe in manchen Fällen mehrere Lautbestände repräsentieren. An ein solches Mehrkonsonantenzeichen können Einkonsonantenzeichen, seltener auch zwei Konsonantenzeichen angehängt werden, mit denen Konsonanten, die eigentlich bereits Teil der Lautung des Mehrkonsonantenzeichens sind, noch einmal wiederholt werden. Diese Konsonanten sind dennoch nicht doppelt zu lesen: Die komplementierenden Schriftzeichen dienen nur dazu, die richtige Lesung des zentralen Zeichens sicherzustellen.<ref name=":0">§12 – Hieroglyphisch-Ägyptische Grammatik. Abgerufen am 20. Februar 2026.</ref>

Die Komplementierung tritt meistens hinter dem zentralen Mehrkonsonantenzeichen auf, ist aber in eher seltenen Fällen auch davor oder sowohl vor als auch hinter dem Zeichen möglich.<ref name=":0" />

Beispiele sind:

<hiero>Ab-b</hiero> 3b-b für 3b (das erste Zeichen könnte ohne Komplement auch mḥr gelesen werden); <hiero>mn:nw*nw*nw</hiero> mn-nw für mn.w "Denkmäler".

Die phonetische Komplementierung ist in keiner Weise Pflicht und kann bei Platzmangel auf dem Schriftträger auch entfallen. Manche hieroglyphische Schreibungen können darum nur in ihrem Kontext gelesen und verstanden werden.

Japanisch

Das Japanische verwendet eine Kombination aus verschiedenen Schriftsystemen, unter anderem die aus dem Chinesischen entlehnten Kanji. Die Okurigana werden häufig als phonetische Komplemente genutzt, um zwischen verschiedenen Lesungen eines Kanjis zu differenzieren.

Einzelnachweise

<references />