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Tetanospasmin

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Tetanospasmin
[[Datei:|250x200px|Tetanospasmin]]
Tetanospasmin
Masse/Länge Primärstruktur 1314 = 456+858 Aminosäuren
Kofaktor Zn2+
Präkursor (1315 aa)
Bezeichner
Gen-Name(n)
Externe IDs
Transporter-Klassifikation
TCDB
Bezeichnung Tetanustoxin Familie
Enzymklassifikation
EC, Kategorie
MEROPS
Reaktionsart Hydrolyse
Substrat 76-Gln-+-Phe-77 in Synaptobrevin 2
Produkte Spaltprodukte
Vorkommen
Homologie-Familie Botulinumtoxin
Übergeordnetes Taxon Clostridium
Sicherheitshinweise
CAS-Nummer

Vorlage:CASRN

GHS-Gefahrstoffkennzeichnung <ref name="SIGMA">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei Sigma-AldrichVorlage:Abrufdatum (PDF).</ref>
Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 300+330​‐​311
P: 260​‐​280​‐​302+352+312​‐​304+340+310​‐​403+233 <ref name="SIGMA" />

Das Tetanustoxin oder Tetanospasmin ist das wichtigste der von Clostridium tetani gebildeten Exotoxine.<ref>R. Pellizzari et al.: Tetanus and botulinum neurotoxins: mechanism of action and therapeutic uses. In: Philosophical Transactions of the Royal Society of London. Series B, Biological Sciences. Band 354, Nr. 1381, 28. Februar 1999, S. 259–268, doi:10.1098/rstb.1999.0377, PMID 10212474, PMC 1692495 (freier Volltext).</ref><ref>Thomas Binz et al.: Clostridial neurotoxins: mechanism of SNARE cleavage and outlook on potential substrate specificity reengineering. In: Toxins. Band 2, Nr. 4, April 2010, S. 665–682, doi:10.3390/toxins2040665, PMID 22069605, PMC 3153214 (freier Volltext).</ref> Es ist ein 150 kDa schweres Protein und wird sowohl aktiv von den Bakterien sezerniert als auch bei Lyse von Bakterien freigesetzt. Es wirkt direkt neurotoxisch durch Proteolyse der SNARE-Proteine.

Aufbau

Datei:Mechanism of action of tetanospasmin Deutsch.gif
Wirkungsweise des Tetanospasmins nach Arnab K. Rana

Das Toxin besteht aus zwei Untereinheiten und wird aus einem Proto-Polypeptid während der logarithmischen Wachstumsphase intrazellulär gebildet. Nach Autolyse wird das Prototoxin durch Proteasen in seine aktive Form überführt.<ref name=":0">Tetanus Toxoid: Martha H. Roper et al. In: Stanley A. Plotkin et al. (Hrsg.): Plotkin’s Vaccines. 7. Auflage. Elsevier, Philadelphia 2017, ISBN 978-0-323-35761-6, S. 1052 ff., doi:10.1016/B978-0-323-35761-6.00058-4.</ref> Die schwere Proteinkette (100 kDa mit zwei Domänen) ist verantwortlich für die Bindung des Toxins an Ganglioside von Nervenzellen (also Bindung an die Membran und Translokation durch die Membran), während die leichte Kette (50 kDa) die Neurotoxizität vermittelt. Die leichte und schwere Kette sowie die beiden Domänen der schweren Proteinkette sind jeweils durch eine Disulfidbrücke miteinander verbunden.

Der C-Terminus der schweren Kette bindet an Rezeptoren für eine Endozytose notwendig.<ref name=":0" /> Der N-Terminus vermittelt den intra-axonalen Transport und in zentralen Interneuron auch die Translokation des Toxins in das Cytosol des Neurons. Die leichte Kette ist für die toxinspezifischen Eigenschaften nötig.

Die Gene für das Toxin sind hochkonserviert und sein Regulatorgen befindet sich auf einem Plasmid.<ref name=":0" />

Wirkung

Das Tetanustoxin wird entlang des Nervs zum Zellkörper (retrograder axonaler Transport) in das Zentralnervensystem transportiert. Dort spaltet es das für die Vesikelfusion notwendige Protein Synaptobrevin; die Vesikelfusion ist für die Freisetzung von Botenstoffen aus Nervenzellen erforderlich.

Dadurch wird die Freisetzung der inhibitorischen Neurotransmitter γ-Aminobuttersäure (GABA) und Glycin aus Interneuronen des Rückenmarks gehemmt. Dies führt zu einer Enthemmung der Motoneurone und klinisch zu einer spastischen Paralyse.<ref>Duale Reihe Biochemie. 5. vollständig überarbeitete Auflage. Thieme, Stuttgart 2022, ISBN 978-3-13-220013-5, S. 848.</ref>

Ähnliche Toxine

Es ist nach dem Botulinum-Toxin das zweitstärkste bakterielle Toxin. Man schätzt, dass die minimale tödliche Dosis für Menschen weniger als 2,5 ng pro kg Körpergewicht beträgt.<ref>Nutzendokumentation von Standardimpfstoffen: Tetanus. Arznei-Telegramm, 19. Februar 2016, S. 17–20, abgerufen am 10. Dezember 2019.</ref> Es spaltet wie dieses das Vesikel-Membranprotein Synaptobrevin. Außerdem wirkt Tetanospasmin ähnlich wie das Pflanzengift Strychnin, das ebenfalls die Wirkung von Glycin verhindert.

Sonstiges

Der Nachweis von Tetanospasmin erfolgt bei dringendem Verdacht im Tierversuch. Mäuse zeigen typischerweise eine Robbenstellung. Bereits 0,1 ng/kg Körpergewicht Tetanospasmin töten eine Maus, 0,3 ng/kg KW ein Meerschweinchen.<ref name=":0" /> Während Mäuse, Meerschweinchen, Affen, Schafe und Ziegen sehr empfindlich auf das Toxin reagieren, sind Katzen, Hunde, Vögel und auch wechselwarme Tiere resistenter.

Tetanospasmin lässt sich durch Formalin inaktivieren, man erhält so den Toxoidimpfstoff, der als wirksamer Bestandteil eines Tetanusimpfstoffs bei der aktiven Tetanus-Impfung eingesetzt wird.

Der deutsche Toxikologe Ernst Habermann leistete Pionierarbeit bei der Aufklärung von Struktur und Wirkungsweise des Tetanospasmins.

Einzelnachweise

<references />