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Haemophilus influenzae b-Infektion

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Klassifikation nach ICD-10
J14 Pneumonie durch Haemophilus influenzae
P23.6 Angeborene Pneumonie durch sonstige Bakterien
- Haemophilus influenzae
G00.0 Meningitis durch Haemophilus influenzae
A41.3 Sepsis durch Haemophilus influenzae
A49.2 Infektion durch Haemophilus influenzae, nicht näher bezeichnet
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Die invasive Haemophilus-influenzae-b-Infektion ist eine der schwersten bakteriellen Infektionen in den ersten fünf Lebensjahren. Der Erreger kommt nur beim Menschen vor und findet sich vor allem auf den Schleimhäuten der oberen Atemwege.

Erreger ist Haemophilus influenzae vom Typ b (Hib), ein gramnegatives Bakterium, das von Mensch zu Mensch über Tröpfcheninfektion verbreitet wird. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis fünf Tage. Danach können fieberhafte Infektionen des Nasenrachenraums mit Mittelohr-, Nasennebenhöhlen- und Lungenentzündung auftreten. Gefürchtete Komplikationen sind Hirnhautentzündungen oder Entzündungen des Kehldeckels, die mit Erstickungsanfällen einhergehen. Bleibende Schäden und Todesfälle sind möglich.

Solange Keime aus dem Nasenrachenraum isoliert werden können, besteht Ansteckungsgefahr. Sehr selten erfolgt eine erneute Infektion bei Kindern unter zwei Jahren. Ein erhöhtes Infektions- und Komplikationsrisiko besteht bei eingeschränkter Funktion oder nach entfernter Milz.

Krankheitsbild

Bekapselte oder unbekapselte Haemophilus influenzae besiedeln natürlicherweise die Schleimhäute, insbesondere die der oberen Atemwege. Sie können aber dort z. B. infolge eines viralen Infektes zu eitrigen Infektionen führen.

Übertragen werden die Bakterien über Tröpfcheninfektion oder direkten Kontakt, die Inkubationszeit liegt zwischen zwei und fünf Tagen. Sowohl Kranke als auch gesunde Keimträger können ansteckend sein.<ref name="Mikrobiologie-426-428">Herbert Hof, Rüdiger Dörries: Medizinische Mikrobiologie. 5. Auflage. Thieme, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-13-152965-7, S. 426–428.</ref> Die Krankheit beginnt als fieberhafte Infektion des Nasenrachenraums und kann dann Mittelohr- und Nasennebenhöhlenentzündung, akute Bronchitis und Lungenentzündung hervorrufen, überwiegend durch unbekapselte Stämme.<ref name="Heininger-174" /> Bei einer Mittelohrentzündung kann Haemophilus influenzae auch Biofilme ausbilden, die eine Therapie erschweren.<ref name="Haemophilus" />

Bekapselte Stämme wie Haemophilus influenzae Typ b aber auch Stämme des Biotyps I und II können gelegentlich die Schleimhautbarriere (Mukosabarriere) überwinden.<ref name="Heininger-174" /> Das Kapselpolysaccharid vermittelt hierbei die Virulenz, auch das Lipopolysaccharid unterstützt eine invasive Infektion.<ref name="Haemophilus" /> Hierbei gelangen die Bakterien zwischen den Epithelzellen in die Submukosa und können sich vom Nasen-Rachenraum über den Blutweg in andere Organe ausbreiten – mit entsprechendem Krankheitsbild (Sepsis, Arthritis, Osteomyelitis, Phlegmone, Perikarditis).<ref name="Heininger-174">Ulrich Heininger: Haemophilus influenzae Typ b. In: Heinz Spiess, Ulrich Heininger, Wolfgang Jilg (Hrsg.): Impfkompendium. 8. Auflage. Georg Thieme Verlag, 2015, ISBN 978-3-13-498908-3, S. 174.</ref><ref name="Mikrobiologie-426-428" />

Die schwerwiegendste bzw. bedrohlichste Komplikation ist eine eitrige Hirnhautentzündung (Meningitis). Sie kann auch von einer Ohrinfektion ausgehen.<ref name="Haemophilus" /> Klinisch ist sie nicht von einer Meningokokken-Meningitis unterscheidbar.<ref name="Mikrobiologie-426-428" /> Die ersten Symptome sind Reizbarkeit, Schläfrigkeit oder Erbrechen. Nach 12 bis 24 Stunden steigt der Hirndruck mit weiteren Symptomen (Krämpfe, Bewusstlosigkeit, Atemstillstand, Hypothermie, Schock mit Verbrauchskoagulopathie).<ref name="Heininger-174" /> Unbehandelt sterben 20 bis 60 Prozent der Erkrankten, die eine Meningitis entwickeln.<ref name="WHO" /> Auch bei rechtzeitiger Behandlung mit Antibiotika beträgt die Todesrate noch mehr als fünf Prozent.<ref name="WHO" /> Nach überstandener Hirnhautentzündung kommt es oftmals zu Defektheilungen mit dauerhaften Schäden des Nervensystems wie Hörschäden (auch Taubheit), Sehstörungen (auch Blindheit) oder geistigen Störungen (20–40 %).<ref name="WHO" /> Etwa fünf Prozent der Kinder sind nach einer Hib-Hirnhautentzündung körperlich und geistig schwerstbehindert.

Weitere Komplikationen einer Infektion können sehr plötzlich einsetzende Kehldeckelentzündungen (akute Epiglottitis) bzw. eine akute Kehlkopfverengung (Larynxstenose) mit Erstickungsgefahr, Brustfell- oder Gelenkentzündung, Blutvergiftung und Knochenhautentzündung sein. Das Vollbild entwickelt sich innerhalb 2 bis 24 Stunden.<ref name="Heininger-174" /> Sie geht mit einem hohen Fieber einher und kann innerhalb kürzester Zeit in ein fulminantes Stadium gelangen.<ref name="Mikrobiologie-426-428" /> Falls man keine lebensrettende Intubation durchführen kann, versterben die meisten bereits auf dem Weg zum Arzt bzw. zur Klinik.<ref name="Heininger-174" />

Bei Erwachsenen kommt es zu Sekundärinfektionen mit H. influenzae, zum Beispiel nach einer akuten Bronchitis oder einer virusbedingten Lungenentzündung. Bei Rauchern ist die Epithelbarriere der Bronchialschleimhaut aufgrund des Nikotins bereits vorgeschädigt, was eine Invasion auch durch unbekapselte, körpereigene Stämme begünstigt.<ref name="Mikrobiologie-426-428" /> Dies führt zu einer chronischen Bronchitis (Raucherhusten).

Bevor Impfstoffe in Ländern der Dritten Welt zugänglich waren, starben im Jahre 2000 weltweit noch geschätzt 371.000 Kinder unter 5 Jahren an dieser impfpräventablen Infektion, über 8 Millionen Kinder erkrankten.<ref>James P. Watt et al.: Burden of disease caused by Haemophilus influenzae type b in children younger than 5 years: global estimates. In: The Lancet. Band 374, Nr. 9693, 12. September 2009, S. 903–911, doi:10.1016/S0140-6736(09)61203-4, PMID 19748399.</ref><ref name="WHO">Haemophilus influenzae type b Vaccination Position Paper. (PDF) WHO, September 2013, abgerufen am 14. März 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Heute wie damals sind insbesondere Kinder zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 4. Lebensjahr betroffen.<ref name="Mikrobiologie-426-428" /><ref>Ulrich Heininger: Haemophilus influenzae Typ b. In: Heinz Spiess, Ulrich Heininger, Wolfgang Jilg (Hrsg.): Impfkompendium. 8. Auflage. Georg Thieme Verlag, 2015, ISBN 978-3-13-498908-3, S. 173.</ref> Eine Hib-Infektion hinterlässt eine Immunität gegen Hib.<ref name="Haemophilus" />

Therapie

Einer diagnostizierten Infektion wird mit der Gabe von Ampicillin begegnet; die Therapie sollte so früh wie möglich beginnen.<ref name="Mikrobiologie-426-428" /> Eine mögliche Resistenz gegenüber diesem Antibiotikum wird plasmidkodiert übermittelt und wird zunehmend beobachtet. Daher werden alternativ Cephalosporine der 3. Generation (10–15 % intravenös)<ref name="Mikrobiologie-285" /> oder Chinolone bzw. auch Makrolide (z. B. Clarithromycin) empfohlen.<ref name="Mikrobiologie-426-428" />

Falls Kinder infolge der Infektion an einer akuten Mittelohrentzündung erkranken, werden leichte Fälle antibiotisch nicht behandelt, andernfalls mittels Amoxicillin.<ref name="Mikrobiologie-285" /> Die parallele Gabe von Clavulansäure kann der β-Laktamase von Hib entgegenwirken.

Chemoprophylaxe

Im Falle einer durch Haemophilus influenzae verursachten Meningitis (Hirnhautentzündung) erhalten enge Kontaktpersonen des Patienten eine Chemoprophylaxe mit Rifampicin, Schwangere mit 500 mg Ceftriaxon.<ref>Marianne Abele-Horn: Antimikrobielle Therapie. Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten. Unter Mitarbeit von Werner Heinz, Hartwig Klinker, Johann Schurz und August Stich, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Peter Wiehl, Marburg 2009, ISBN 978-3-927219-14-4, S. 320 und 322.</ref>

Bei Wohngemeinschaften oder Familien mit ungeimpften bzw. unzureichend geimpften Kindern unter 4 Jahren bzw. mit Immunsupprimierten kann zur Prophylaxe Rifampicin gegeben werden (tägliche Einzeldosis von 20 mg/kg Körpergewicht über vier Tage).<ref></ref> Erwachsene können alternativ auch eine Einzeldosis von 500 mg Ciprofloxacin erhalten. Kleinkinder unter einem Monat sind durch den Nestschutz geschützt.

Meldepflicht

Wenn der Erreger Haemophilus influenzae direkt via Blut- oder Liquortest nachgewiesen wird, ist dies in Deutschland meldepflichtig gemäß § 7 Absatz 1 Nr. 18 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG). Die Leitung einer Gemeinschaftseinrichtung (z. B. in einem Kindergarten) muss das Gesundheitsamt beim Auftreten einer Hib-Hirnhautentzündung (Meningitis) oder eines Verdachtsfalles gemäß § 34 IfSG informieren.<ref name="Heininger-177" /> Bis zum Ende der Kontagiosität darf diese Einrichtung nicht besucht werden. Schließlich ist auch ein Auftreten oder der Verdacht einer Hib-Meningitis in einer Wohngemeinschaft gemäß § 34 IfSG Absatz 3 zu melden.<ref name="Heininger-177">Ulrich Heininger: Haemophilus influenzae Typ b. In: Heinz Spiess, Ulrich Heininger, Wolfgang Jilg (Hrsg.): Impfkompendium. 8. Auflage. Georg Thieme Verlag, 2015, ISBN 978-3-13-498908-3, S. 177.</ref>

In der Schweiz ist ein laboranalytischer Befund von invasiver Haemo-philus-influenzae-Erkrankung für Ärzte, Spitäler usw. meldepflichtig und zwar nach dem Epidemiengesetz (EpG) in Verbindung mit der Epidemienverordnung und Anhang 1 der Verordnung des EDI über die Meldung von Beobachtungen übertragbarer Krankheiten des Menschen.

In Österreich sind sowohl eine Haemophilus influenzae-Meningitis als auch alle invasiven influenzae-Erkrankungen als invasive bakterielle Erkrankungen (Meningitiden und Sepsis) meldepflichtig.<ref>Rechtliche Grundlagen und Meldung übertragbarer Krankheiten. Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, 7. Oktober 2019, abgerufen am 14. März 2020.</ref><ref>Nationale Referenzzentrale für Haemophilus. AGES, 22. Oktober 2019, abgerufen am 14. März 2020.</ref> Dies bezieht sich nach § 1 Abs. 1 Nummer 2 Epidemiegesetz 1950 auf Erkrankungs- und Todesfälle.

Impfung

Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden. Nach der Einführung der allgemeinen Impfung von Kindern Anfang der 1990er Jahre wurde weltweit ein dramatischer Rückgang der Fallzahlen von Infektionen durch Haemophilus influenzae Typ b beobachtet. So fiel die Inzidenz in den USA bei unter Fünfjährigen von über 80 auf 0,5 pro 100.000.<ref name="Haemophilus">Thiên-Trí Lâm, Ulrich Vogel: Haemophilus. In: Sebastian Suerbaum, Gerd-Dieter Burchard, Stefan H. E. Kaufmann, Thomas F. Schulz (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer-Verlag, 2016, ISBN 978-3-662-48678-8, S. 284, doi:10.1007/978-3-662-48678-8_33.</ref> In der Folge wurden Wiederanstiege unter geimpften Kindern und Heranwachsenden in Großbritannien und den Niederlanden verzeichnet.<ref>Astrid Milde-Busch et al.: Surveillance for rare infectious diseases: is one passive data source enough for Haemophilus influenzae? In: European Journal of Public Health, Band 18, Nr. 4, 2008, S. 371–375; ISSN 1101-1262; eurpub.oxfordjournals.org (PDF; 98 kB)</ref> 2018 wurden 851 Fälle invasiver Infektionen durch Haemophilus influenzae in Deutschland gemeldet, davon 40 bei Kindern im Alter bis 5 Jahren und 646 bei Erwachsenen über 59 Jahre.<ref>Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2018. Robert Koch-Institut, 1. März 2019, S. 98–102, abgerufen am 14. März 2020.</ref> Von den gemeldeten Fällen konnten wiederum 36 eindeutig dem Kapseltyp b zugeordnet werden. Wichtig ist, die Kinder so früh wie möglich entsprechend den offiziellen Empfehlungen zu impfen, denn Säuglinge sind die am meisten gefährdete Gruppe.<ref>STIKO (Hrsg.): Wissenschaftliche Begründung für die Empfehlung zur Grundimmunisierung gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Poliomyelitis, Haemophilus influenzae Typ b und Hepatitis B mit dem 6-fach-Impfstoff im Säuglingsalter nach dem 2+1-Impfschema. 21. Juli 2020, doi:10.25646/6955.2 (rki.de [abgerufen am 3. Juni 2025]).</ref>

Meist werden Kombinationsimpfstoffe eingesetzt, die als einen Anteil die Hib-Komponente beinhalten. Gelegentlich wird über Impfreaktionen wie leichte Temperaturerhöhung oder Rötung und Schwellung an der Einstichstelle berichtet.<ref>Sicherheit von Impfungen. Robert Koch-Institut, 2. Dezember 2010, abgerufen am 23. November 2012.</ref> Im Allgemeinen treten diese Reaktionen nach der zweiten und dritten Impfung etwas häufiger auf. Die Impfung richtet sich gegen Serotyp b, gegen andere Serotypen oder unbekapselte Stämme zeigt er keine Wirkung.<ref name="Mikrobiologie-285">Thiên-Trí Lâm, Ulrich Vogel: Haemophilus. In: Sebastian Suerbaum, Gerd-Dieter Burchard, Stefan H. E. Kaufmann, Thomas F. Schulz (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer-Verlag, 2016, ISBN 978-3-662-48678-8, S. 285, doi:10.1007/978-3-662-48678-8_33.</ref>

Geimpft werden sollten ferner unbedingt alle Patienten ohne Milz (z. B. nach einer Splenektomie) oder mit bestimmten Erkrankungen, die die Funktion der Milz beeinträchtigen (funktionelle Asplenie).<ref>Impfungen bei Asplenie (Entfernung der Milz oder Ausfall der Organfunktion). Robert Koch-Institut, 11. September 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 18. Juni 2012; abgerufen am 23. November 2012.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rki.de</ref>

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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