Zum Inhalt springen

Jubaland

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 27. März 2026 um 17:03 Uhr durch imported>ⵓ (archiveurl-Parameter archivedate-Parameter ; •7 externe Links geändert• 🌐︎).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Map of Jubaland.png
Karte von Jubaland

Als Jubaland (Somali: Jubbaland, arabisch جوبالاند) wird der westlich des Flusses Juba/Jubba an der Grenze zu Kenia gelegene äußerste Südwesten Somalias bezeichnet. Dieses Gebiet umfasst die ehemaligen somalischen Verwaltungsregionen Gedo, Mittel- und Unter-Jubba. Bedeutendste Stadt ist die Hafenstadt Kismaayo. Clans in der Region sind die überwiegend ländlichen und viehzüchtenden Marehan- und Ogadeni-Darod. In der Stadt Kismaayo leben auch Harti-Darod. Am Fluss Juba leben die somalischen Bantu als Ackerbauern.

Im Verlauf des Somalischen Bürgerkriegs haben politischen Führer aus der Region das schwer umkämpfte Gebiet gleich mehrmals zum autonomen Staat Jubaland, im Jahr 2011 auch Azania erklärt. Nach Einführung der neuen föderalen Verfassung Somalias im August 2012 bildete die Interim Jubba Administration (IJA) unter Führung des ehemaligen islamistischen Kommandeurs Ahmed Mohamed Islam „Madobe“ am 28. August 2013 eine von der neuen Bundesregierung Somalias gebilligte Übergangsverwaltung für einen Bundesstaat Jubaland State of Somalia.<ref>Dominik Balthasar: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Somalia’s federal agenda: From Fragility to Fragmentation (Memento vom 13. Dezember 2016 im Internet Archive) (PDF; 930 kB). Brief Issue 17/2014 des Institut der Europäischen Union für Sicherheitsstudien, Juni 2014 (englisch)</ref>

Geschichte

Datei:JubalandPostageStamps.jpg
Briefmarken des italienischen Oltre Giuba 1926

Frühzeit

Die Region spielte über ihre Häfen vermutlich schon in der Antike eine Rolle im Welthandel. Zahlreiche Städte am Juba bestehen zumindest seit dem Mittelalter, wie Bardera oder der Hafen Kismaayo. Bis ins 17. Jahrhundert war die Region ein Teil des Sultanat Ajuuraan, geriet ab 1836 unter den Einfluss des Sultanats Maskat und wurde bei dessen Aufteilung am 19. Oktober 1856 dem Sultanat Sansibar zugeschlagen.

Kolonialzeit

Am 7. November 1890 wurde Sansibar zum britischen Protektorat und trat seine ostafrikanischen Besitzungen am 1. Juli 1895 an Großbritannien ab. Die Gebiete westlich des Flusses Juba gehörten damit zu Britisch-Ostafrika, ehe es 1924 als Trans-Juba oder Oltre Giuba an Italien übertragen und am 30. Juni 1926 in Italienisch-Somaliland eingegliedert wurde. Trans-Juba umfasste zu dieser Zeit 87.000 km² mit einer Bevölkerung von 120.000 Menschen.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebiet von britischen Truppen besetzt und unterstand bis 1947 einer Militärverwaltung. Von 1947 bis zur Unabhängigkeit Somalias am 1. Juli 1960 war Jubaland Teil des Italienischen Treuhandgebietes Somalia.

Bürgerkrieg

Jubaland

Datei:Flag of Jubaland.svg
Flagge Jubalands (1998)

Im somalischen Bürgerkrieg seit 1991 war Jubaland zwischen verschiedenen Kriegsparteien umkämpft. Im Dezember 1993 nahm der Kriegsherr Siad Hersi Morgan Kismaayo ein. Er rief mit seiner SPM-Harti am 3. September 1998 den unabhängigen Staat Jubaland aus, der aber von keinem Staat als solcher anerkannt wurde. Siad Hersi und die SPM-Harti wurden 1999 von der gegnerischen Juba-Tal-Allianz (JVA) entmachtet. Die JVA schloss sich am 18. Juni 2001 der Übergangsregierung Somalias an, so dass Jubaland nun nominell unter deren Kontrolle war. Mit Siad Hersi kam es aber weiterhin zu Kämpfen. 2006 übernahm die Union islamischer Gerichte die Macht in Jubaland und weiten anderen Landesteilen und verdrängte die JVA. Nach der Niederlage der Union gegen internationale Truppen, gruppierten sich im Süden die radikalen islamische Milizen unter al-Shabaab.

Azania State of Somalia

Datei:Flag of Azania.svg
Flagge Azanias (2011)

Ab 2010 begannen sich Bewohner im Süden um eine neue säkulare Verwaltung und Stabilität in der Region zu bemühen. In der kenianischen Hauptstadt Nairobi gründeten somalische Politiker am 3. April 2011 schließlich die Republik Azania.<ref>Somalia creates new state, Azania. In: news.com.au. 4. April 2011, abgerufen am 11. April 2012.</ref> Bei der Gründung nahm man sich die autonomen Republiken im Norden des Landes zum Vorbild, wie Puntland oder Galmudug, die sich zwar eigenständig verwalten, aber im Unterschied zu Somaliland auch weiterhin als Teile eines gemeinsamen Staates Somalia verstehen. Erster Präsident der neuen Republik wurde Mohamed Abdi Gandhi, der ehemalige Verteidigungsminister Somalias.<ref>Welcome to Azania/Jubaland: The world’s newest pseudostate. In: Foreign Policy. 6. April 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 7. September 2014; abgerufen am 11. April 2012.</ref> Der Name Azania wurde laut Gandhi aufgrund seiner historischen Bedeutung gewählt – ursprünglich wurde die somalische Küste von ägyptischen Seglern so genannt, da es hier reichlich an Essensvorräten gab. In seinem Wortursprung bedeutet es "Land des Überflusses".<ref>Abdifitah Ibrahim: Azania President Vows To Defeat Al-Shabaab. In: Somaliareport.com. 4. Juni 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 13. Juni 2012; abgerufen am 5. Januar 2014.</ref>

Bei der Befreiung Jubalands von al-Shabaab profitierte die Region Oktober 2011 von der kenianischen Operation Linda Nchi (deutsch: Verteidigt die Nation), mit der Kenia militärisch in den Bürgerkrieg eingriff. Beobachter vermuteten, dass sich Kenia über die Republik Azania eine Pufferzone einrichten und Einfluss auf die in der Region vermuteten Erdölreserven gewinnen wollte.<ref>Are Kenyans seeking a buffer zone in Somalia? In: BBC News. 20. Oktober 2011, abgerufen am 11. April 2012.</ref>

Jubaland State of Somalia

Datei:Jubaland flag.jpg
Flagge Jubalands (2013)

Delegierte bei einer „Staatskonferenz“ in Kismaayo nahmen am 2. April 2013 eine provisorische Verfassung für Jubaland an.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Somalia: Jubaland conference continues with provisional constitution (Memento vom 5. April 2013 im Internet Archive). Garowe Online (2. April 2013). Aufgerufen am 22. April 2013.</ref> Eine verfassungsgebende Versammlung wählte dann am 15. Mai 2013 Ahmed Mohamed Islam, genannt „Madobe“, zum neuen Präsidenten. Auch wenn Madobe, Führer der Ras Kamboni Miliz erfolgreich gegen militante, angeblich mit Al-Qaida verbundene Kämpfer vorgegangen war, galt der ehemalige Warlord bei der Regierung in Mogadischu als unbeliebt. Nur Stunden später erklärte sich der ehemalige Führer der JVA, Barre Hiirale, zum rechtmäßigen Präsidenten der Region,<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Former Islamist warlord elected president of Somali region.] Reuters, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 5. Januar 2014 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> fand aber außer dem Wohlwollen der Zentralregierung zu wenig Unterstützung.

Am 28. August 2013 unterzeichnete die Autonomieregierung ein nationales Versöhnungsabkommen mit der somalischen Bundesregierung. Das Abkommen war von Äthiopien vermittelt worden und sah vor, dass Jubaland für die kommenden zwei Jahre von einer Interimsregierung unter Ahmed Mohamed Islam regiert wird. Die Kontrolle über den Hafen und Flughafen von Kismaayo soll im Gegenzug Anfang 2014 an die Bundesregierung übertragen werden, wobei Erträge aus diesen für die öffentlichen Dienste und den Aufbau von Institutionen in Jubaland zweckgebunden werden. Das Abkommen sieht auch die Integration der militärischen Kräfte der Region in die somalische Armee vor, während die Interimsregierung Kontrolle über die regionale Polizei behält.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name Vorlage:Cite book/URL In: Garowe Online, 28. August 2013. Abgerufen am 11. September 2013 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Repräsentanten von AU, UNO, EU und IGAD waren ebenfalls bei der Unterzeichnung anwesend.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Vorlage:Cite book/URL In: Ethiopian Herald. Abgerufen am 11. September 2013 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Der damalige UN-Spezialgesandte für Somalia, Nicholas Kay<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Secretary-General Appoints Michael Keating of United Kingdom Special Representative for Somalia.] United Nations, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>, bezeichnete das Abkommen als „Durchbruch, der die Türe für eine bessere Zukunft Somalias öffnet“.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Vorlage:Cite book/URL In: Africa Review, 29. August 2013. Abgerufen am 11. September 2013 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

<templatestyles src="Erweiterte Navigationsleiste/styles legacy.css" />Vorlage:Klappleiste/Anfang

(Vorgänger- und Nachfolger- oder Zerfallsstaaten bzw. Regimes und ihr politisches System)
Kolonialzeit

Datei:Majeerteen sultanate flag.jpg Majerteen-Sultanat (1600–1924) | Datei:Dervish flag.svg Staat der Derwische (1896–1920, Unabhängigkeitsbewegung/Miliz) | Datei:Flag of the German East Africa Company.svg Deutsche Kolonialbestrebungen (1885–1890, Schutzverträge) | Datei:Flag of Italy (1861-1946).svg Italienisch-Somaliland (ab 1888 Protektorat unter Zivilverwaltung durch Kolonialgesellschaften, ab 1905 Kolonie) | Datei:Flag of Italy (1861-1946).svg Oltre Giuba (1924–1926), eigenständige Kolonie bis zur Angliederung an Ital.-Somaliland) | Datei:Flag of Italy (1861-1946).svg Italienisch-Ostafrika (1936–1941, enthielt Somalia als Teilgebiet, ab 1940 inkl. erobertes Britisch-Somaliland) | Britisch-Somaliland (Datei:Flag of the United Kingdom.svg ab 1884 aus Britisch-Indien verwaltet, Datei:Flag of British Somaliland (1903–1950).svg ab 1903 unter Foreign Office, 1905–1940 und ab 1941 Colonial Office)

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Datei:State ensign of Italy.svgDatei:Flag of the United Nations.svg Treuhandgebiet Somalia (1947–1960) | Datei:Flag of British Somaliland (1950–1952).svg Britisch-Somaliland (1941–1960, Kolonie) | Datei:Flag of Somalia.svg Staat Somaliland (26. Juni 1960 – 1. Juli 1960, Übergangsstaat)

Ab Unabhängigkeit
bis zum Bürgerkrieg

SomaliaDatei:Flag of Somalia.svg Republik Somalia (Juli 1960 – Oktober 1969, demokratisches Präsidialsystem)
SomaliaDatei:Flag of Somalia.svg Demokratische Republik Somalia (Oktober 1969 – Januar 1991, sozialistischer Ein-Parteienstaat, Diktatur unter Siad Barre)

Bürgerkriegszeit
Zerfall des Zentralstaats
(Ansprüche auf Anerkennung)
als abgespaltener Staat

Datei:Flag of Somaliland.svg Republik Somaliland (seit 1991, Präsidialsystem)

als Teilstaat Somalias

Datei:Flag of Awdalland.svg Awdalland (1995) bzw. Awdal State of Somalia (2009) | Datei:Flag of Azania.svg Azania State of Somalia (2011–2013) | Datei:Flag of Galmudug (2013-2016).svg Galmudug State of Somalia (seit 2006) | Hiiraan State of Somalia (2010-2015) | Datei:Flag of Himan and Heeb.svg Himan und Heeb State of Somalia (2010–2015) | Datei:Flag of Jubaland.svg Jubaland (1998-2001) bzw. Datei:Jubaland flag.jpg Jubaland State of Somalia (seit 2013) | Datei:KSS flag.svg Khatumo State of Somalia (seit 2012) | Datei:Flag of Maakhir.svg Maakhir State of Somalia (2007–2009) | Ras Aseyr State of Somalia (seit 2011) | Saylac & Lughaya State of Somalia (2011) | Shabelle State of Somalia (seit 2014) | Datei:Flag of Southwestern Somalia.svg Südwestsomalia (1995–2004) bzw. South West State (seit 2014) | PuntlandDatei:Flag of Puntland.svg Puntland (seit 1998)

als Nachfolgeregierung
über Gesamtsomalia

Datei:Flag of the Islamic Courts Union.svg Union islamischer Gerichte (2000–2007, Kritarchie) | Allianz für die Wiederbefreiung Somalias (2006–2009, Zentralkomitee) | Datei:ShababAdmin.svg Islamisches Emirat Somalia (seit 2008, al-Shabaab-Miliz) und mit internationaler Anerkennung: SomaliaDatei:Flag of Somalia.svg Nationale Übergangsregierung (2000–2004) | SomaliaDatei:Flag of Somalia.svg Föderale Übergangsregierung (2004–2012)

Neue Verfassung von 2012
am Bundesstaat
nicht beteiligt

SomalilandDatei:Flag of Somaliland.svg Somaliland (anerkannter Bundesstaat, betrachtet sich selbst aber nicht als Somalia zugehörig)
Datei:KSS flag.svg Khatumo (nicht als Bundesstaat anerkannt)

Zentralregierung

SomaliaDatei:Flag of Somalia.svg Bundesrepublik Somalia (parlamentarische Demokratie)

Vorlage:Klappleiste/Ende