Stramin
Stramin, auch Kanevas, Gitterstoff oder Stickereistoff<ref>Thomas Meyer zur Capellen: Lexikon der Gewebe. 5., grundlegende überarbeitete und erweiterte Auflage. Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 2015, ISBN 978-3-86641-258-3, S. 385.</ref> genannt, ist ein stark appretiertes Gewebe mit regelmäßigen quadratischen Zwischenräumen aus stark gedrehtem Baumwoll-, Leinen- oder Halbleingarn.<ref>Alois Kießling, Max Matthes: Textil - Fachwörterbuch. Fachverlag Schiele & Schön, Berlin 1993, ISBN 3-7949-0546-6, S. 360.</ref> Es wird zum Besticken oder Knüpfen verwendet. Stramingewebe gibt es in unterschiedlichen Stärken von fein und leicht bis grob und schwer.
Man unterscheidet verschiedene Arten von Straminen, die in verschiedenen Stichgrößen angeboten werden:
- weißer Stramin, verwendet zur Kreuzstich- und Gobelinstickerei
- Dreherstramin, weißer einfädiger Stramin für die Gobelin- und Plattstichstickerei, siehe auch Gaze
- Sudanstramin, grober Stramin für Kreuzstiche mit Wolle
- Smyrnastramin, Stramin zum Knüpfen von Teppichen und für Smyrnastickereien
Stramine können mit Mustern oder farbigen Rechtecken bedruckt sein, um das Auszählen bei Stickereien oder Knüpfarbeiten zu erleichtern. Thérèse de Dillmont führte in ihrer 1886 erstmals publizierten Encyklopædie der weiblichen Handarbeiten aus, dass Stramin auch als Hilfsstoff auf Tuch, Samt oder Plüsch gelegt werden kann, um Stickereien aufzutragen. Die Straminfäden werden am Ende dann gezogen.<ref name="Dillmont" details="S. 129.">Thérèse de Dillmont: Encyclopædie der weiblichen Handarbeiten. In: austria-forum.org. 1900, abgerufen am 7. Dezember 2025.</ref>
Begriffsgeschichte
Der Begriff Stramin ist über das Niederländische ins Deutsche gelangt und ist dem altfranzösischen Wort estamin(e) entlehnt. Das französische étamine bedeutet ‚leichter Wollenstoff‘, ‚Siebtuch‘. Es stammt vom lateinischen stamineus ‚Wollfäden‘, ‚wollig‘, zum Nomen stamen ‚Faden‘, ‚Gewebe‘. Im Deutschen ist der Begriff Stramin im 18. Jahrhundert erstmals belegt.<ref name="DWB/stramin">Vorlage:Deutsches Wörterbuch</ref>
Der Begriff Kanevas geht ebenso wie das Gewebe Canvas auf das angelsächsische canevaz des 14. Jahrhunderts und das altfranzösische chanevaz zurück, die sich wiederum aus dem lateinischen cannapaceus „aus Hanf“ und dem griechischen κάνναβις (Kannabis) ableiten.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig The Online Etymology Dictionary.] Etymonline.com, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 5. Mai 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref><ref name="DWB/stramin" />
Geschichte
Das Sticken in quadratisch abgesetzten Mustern, die in Kreuz- oder Petit-point-Stich den gesamten Stickgrund überzogen, kamen in Mitteleuropa gegen Ende des 13. Jahrhunderts auf, als daraus Bezüge für Chorgestühle, Kissen und später Stuhlbezüge gefertigt wurden.<ref name="Meyers/Kanevasstickerei"></ref> Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde diese Art des Stickens Stramin-, Kanevas-, Leinen-, Gobelin- oder Wollstickerei genannt und fand zunehmend Verbreitung, insbesondere in der Gegend um Berlin.<ref name="Meyers/Kanevasstickerei" /><ref name="Ausstellung" details="S. 491.">Amtlicher Bericht über die Allgemeine Deutsche Gewerbe-Ausstellung zu Berlin im Jahre 1844. K. Reimarus, 1845 (google.de/books).</ref> Auch die Bezeichnung Tapisseriearbeit fand sich gelegentlich, da sich diese Art der Stickerei motivisch zunächst an den geknüpften Orientteppichen orientierte.<ref></ref> Um 1900 wurde mit Schafwolle, Seide oder Baumwolle auf Stramin gestickt.<ref name="Dillmont" details="S. 130–131." />
Stramin wurde bis ins späte 19. Jahrhundert per Hand gewebt.<ref name="Enquete">Reichs-Enquete für die Baumwollen- und Leinen-Industrie: (1878). Gedr. bei Julius Sittenfeld (Später: Geheime Ober-Hofdruckerei), 1879, S. 268–270 (google.de/books).</ref> 1845 gab es alleine in Berlin zwölf Manufakturen, die Stramin produzierten. Weitere Fabriken gab es in Wien, am Rhein, in Sachsen, Schlesien und in Bayern.<ref name="Ausstellung" details="S. 340." /> Der Fabrikbesitzer Salin aus Frankfurt am Main berichtete, dass seit etwa den 1870er Jahren mehrere deutsche Fabriken Stramin maschinell webten. Salin exportierte sein Stramin weltweit, insbesondere nach Nordamerika und Indien, jedoch nicht nach Frankreich. Er erläuterte, dass um 1870 Stramin vor allem zur Herstellung von Pantoffeln und Schuhen für die Arbeiterklasse verwendet würde.<ref name="Enquete" /> Kanevas wurde auch als leichtes Unterfutter in Kleidern sowie als Fliegengitter verwendet.<ref name="Ausstellung" details="S. 340." /> Erst später wurde es zum reinen Handarbeitsgrund.<ref></ref>
Weblinks
Einzelnachweise
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