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Carl Krauch

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Datei:Carl Krauch in einem Labor bei Bayer 1942.jpg
Krauch in einem Labor bei Bayer 1942
Datei:Karl Krauch.jpg
Krauch während der Nürnberger Prozesse; Das „von“ und das „K.“ im Namensschild sind inkorrekt.

Carl<ref>Bis 1914 publizierte er als Karl Krauch, ab 1931 als Carl Krauch.</ref> Albert Krauch (* 7. April 1887 in Darmstadt; † 3. Februar 1968 in Bühl) war ein deutscher Chemiker, Manager der Chemieindustrie, Wehrwirtschaftsführer im nationalsozialistischen Deutschen Reich und im I.G.-Farben-Prozess von einem US-amerikanischen Militärgericht verurteilter Kriegsverbrecher.

Leben

Der Sohn des Chemikers Carl Krauch senior studierte ab 1906 Chemie sowie Botanik an der Ludwigs-Universität Gießen und an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Während seines Studiums wurde er 1906 Mitglied der Burschenschaft Alemannia Gießen. Nach der 1911 bei Robert Stollé erfolgten Promotion war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ludwigs-Universität Gießen tätig. Ab 1912 war er bei der BASF beschäftigt.<ref name="Weiß276f">Hermann Weiß (Hrsg.): Biographisches Lexikon zum Dritten Reich. 1998, S. 276 f.</ref> Krauch war nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs Soldat, kehrte jedoch 1915 als „unabkömmlich“ zur BASF zurück und wurde in den Werken Oppau und Leuna tätig.<ref name="WM">Wollheim Memorial: Biografie Carl Krauch</ref> 1919 erhielt er Prokura und wurde 1922 Geschäftsführer der Ammoniakfabrik in Merseburg.<ref name="Weiß276f"/> Als Karrieresprung erwies sich sein erfolgreiches Management beim Wiederaufbau nach der Explosion des Oppauer Stickstoffwerkes 1921. Die für den Aufbau erforderlichen rund 10.000 Arbeiter holte er durch Vereinbarungen mit Unternehmen in ganz Deutschland, und nach der sehr kurzen Zeit von drei Monaten konnte wieder produziert werden. Als Dank stieg er in den Vorstand der BASF auf.<ref>Joseph Borkin: The crime and punishment of I.G. Farben. André Deutsch, 1979.</ref>

Nach Bildung der I.G. Farben 1925 war er zunächst stellvertretendes und ab 1933 ordentliches Vorstandsmitglied. Dieses Amt hatte er bis 1940 inne, als er als Nachfolger von Carl Bosch Aufsichtsratsvorsitzender der I.G. Farben wurde. Er leitete ab 1929 die neu geschaffene Sparte Hochdruck-Chemie und war an der 1930 erfolgten Gründung der Joint American Study Company (Jasco) beteiligt.<ref name="WM"/>

Bei der I.G. Farben in Berlin leitete er ab 1935 die Vermittlungsstelle W und war somit für die Koordination zwischen der I.G. Farben und den zuständigen Rüstungsbehörden verantwortlich. Krauch war von 1936 bis 1938 Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung des Amts für deutsche Roh- und Werkstoffe. Am 18. Mai 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.353.462).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/22861485</ref><ref name="Klee335f">Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. 2. aktualisierte Auflage, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2007, S. 335 f.</ref> Ab 1939 war er Präsident des Reichsamts für Wirtschaftsausbau im Vierjahresplan und bereits seit 1938 Wehrwirtschaftsführer und Generalbevollmächtigter für Sonderfragen der chemischen Erzeugung im Vierjahresplan.<ref name="Weiß276f"/> In diesen Positionen arbeitete er maßgeblich den Schnellplan aus, mit dem Deutschland für den Herbst 1939 kriegsbereit gemacht wurde. Seit 1939 war er Mitglied des Präsidiums des Reichsforschungsrats und Mitglied des Aufsichtsrats der Kontinentale Öl-AG. 1939 verlieh ihm Adolf Hitler das Eiserne Kreuz wegen seiner „Siege auf dem Schlachtfeld der deutschen Industrie“.<ref>Zitat bei Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. 2. aktualisierte Auflage, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2005, S. 336.</ref> Am 5. Juni 1943 wurde Krauch das Ritterkreuz des Kriegsverdienstkreuzes überreicht.

Krauch forcierte ab 1937 maßgeblich die deutsche Aufrüstung, insbesondere mit Pulver- und Sprengstoffen<ref name="WM"/> (Firma Eibia G.m.b.H. für chemische Produkte)<ref>Martin Guse: Die Pulverfabrik Liebenau 1938 bis 1945. Ein Überblick. (PDF; 128 kB)</ref> und war so „Schlüsselfigur der Verflechtung von NS-Staat und I.G. Farben“.<ref name="Weiß276f"/> In mehreren ausführlichen Denkschriften und Berechnungen forderte er eine massive Umstellung der deutschen Rüstung auf den Gas-Luftkrieg.<ref>Rolf-Dieter Müller: Der Bombenkrieg 1939-1945. Berlin 2004, S. 50.</ref>

Die Universität Heidelberg verlieh ihm die Ehrendoktorwürde und die Universität Berlin ernannte ihn zum Ehrenprofessor.<ref name="WM"/> Zudem war er Senator der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und Mitglied der Deutschen Akademie für Luftfahrtforschung<ref name="Klee335f"/> sowie seit 1942 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.<ref>Mitglieder der HAdW seit ihrer Gründung im Jahr 1909. Carl Krauch. Heidelberger Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 29. Juni 2016.</ref>

Seit 1941 war Krauch Mitherausgeber der Zeitschrift „Raumforschung und Raumordnung“ der Reichsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung.<ref>Heinz Rieter: Ökonomen im Dienste der nationalsozialistischen Raumplanung und „Raumforschung“. In: Hans-Michael Trautwein (Hrsg.): Studien zur Entwicklung der ökonomischen Theorie XXIX. Die Entwicklung der Raumwirtschaftslehre von ihren Anfängen bis in die Gegenwart. Berlin 2014, S. 260.</ref>

Edmund Geilenberg, der Organisator des Mineralölsicherungsplans, arbeitete mit Carl Krauch zusammen, der für die Chemie zur Herstellung von synthetischem Benzin im Juni 1944 als „Generalbevollmächtigter für Sonderfragen der chemischen Erzeugung“ eingesetzt wurde. Das Konzept, das auch Geilenberg-Programm genannt wurde, sollte die Grundversorgung Deutschlands mit Treibstoff für Kriegszwecke, während der Alliierten Luftoffensive auf die deutsche Treibstoffindustrie, sichern helfen.

Nach Kriegsende wurde Krauch durch die US-Army unter Hausarrest gestellt. Im I.G.-Farben-Prozess wurde er 1948 wegen Versklavung von KZ-Häftlingen zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt.<ref name="Weiß276f"/> Er wurde 1950 vorzeitig aus dem Kriegsverbrechergefängnis Landsberg entlassen und war anschließend Aufsichtsratsmitglied der I.G.-Nachfolgegesellschaft Chemische Werke Hüls AG.<ref name="Klee335f"/> Krauch war Zeuge im ersten Frankfurter Auschwitzprozess.<ref name="WM"/> Er wohnte in den 1960er Jahren in Falken-Gesäß bei Beerfelden.<ref>Tonbandmitschnitt des 1. Frankfurter Auschwitz-Prozesses. Abgerufen am 16. November 2023.</ref>

Krauch war verheiratet und Vater von fünf Kindern.<ref name="WM"/> Sein Sohn Carl Heinrich Krauch (1931–2004) übernahm später die Leitung der Chemische Werke Hüls AG. Ein weiterer Sohn war der Systemanalytiker und Konzeptkünstler Helmut Krauch (1927–2010).

Literarische Figur

Der Dramatiker Friedrich Wolf schuf 1950 im Drehbuch für den Spielfilm Der Rat der Götter die Figur des Geheimrats Mauch nach dem Vorbild von Krauch.

Im Film Väter und Söhne (1986) spielt Bruno Ganz die Figur Heinrich Beck, in der die Persönlichkeiten von Carl Bosch und Carl Krauch vereint sind und somit auf deren besondere Beziehung eingeht.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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