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Vermiculit

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Vermiculit
Datei:Vermiculite-362652.jpg
Glimmerartiger, tafeliger Vermiculit aus Paakkila, Tuusniemi, Ost-Finnland (Sichtfeld ca. 1,5 cm  ×1,5 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Vrm<ref name="Warr"></ref>

Andere Namen

Vorlage:INCI

Chemische Formel
  • Mg0,7(Mg,Fe,Al)6(Si,Al)8O20(OH)4·8H2O<ref name="IMA-Liste" />
  • (Mg0,5,Ca0,5,Na,K)0,7(Mg,Fe,Al)3[(OH)2|(Al,Si)2Si2O10]·4H2O
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Schichtsilikate (Phyllosilikate)
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/E.08 – Anhang
VIII/H.21-010

9.EC.50
71.02.02d.03
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m<ref name="Webmineral" />
(nach Schoenflies: C2h)
Raumgruppe C2/c (Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 5,35 Å; b = 9,26 Å; c = 28,89 Å
β = 97,1°<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 1,5 bis 2
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,2 bis 2,6; berechnet: 2,26<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit vollkommen nach {001}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität uneben
Farbe farblos, grauweiß, gelbbraun, graugrün, grün
Strichfarbe grünlich-weiß
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig
Glanz Fettglanz, manchmal erdig
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,525 bis 1,561<ref name="Mindat" />
nβ 1,545 bis 1,581<ref name="Mindat" />
nγ 1,545 bis 1,581<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,020<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Pleochroismus farblos-gelbgrün bis braungrün-gelbgrün bis braungrün<ref name="Webmineral" />

Das Mineral Vermiculit ist ein eher selten vorkommendes Schichtsilikat aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der allgemeinen chemischen Zusammensetzung (Mg0,5,Ca0,5,Na,K)0,7(Mg,Fe,Al)3[(OH)2|(Al,Si)2Si2O10]·4H2O <ref name="Lapis" /> oder etwas vereinfacht Mg0,7(Mg,Fe,Al)6(Si,Al)8O20(OH)4·8H2O<ref name="IMA-Liste" />. Die in Klammern angegebenen Elemente können sich jeweils gegenseitig vertreten, stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals (Substitution).

Vermiculit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt ausschließlich blättrige, schuppige oder massige Aggregate, die entweder farblos sind oder durch Fremdbeimengungen grauweiß, gelbbraun, graugrün bzw. grün eingefärbt sein können.

Vermiculit gehört zu den Tonmineralen, die durch ihre Ionenaustauschfähigkeit maßgeblich zur Bodenfruchtbarkeit beitragen. Sie ähneln sowohl strukturell als auch von der Erscheinungsform den Glimmermineralen und bilden wie diese flockige Kristalle.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Vermiculit bei Millbury im Worcester County des US-Bundesstaates Massachusetts und beschrieben 1824 durch Thomas H. Webb. Aufgrund der Eigenschaft des Minerals, sich beim Erhitzen auf 200 bis 300 °C in Richtung der kristallographischen c-Achse zu wurmförmigen Gebilden aufzublähen, benannte Webb es nach dem lateinischen Wort vermiculor für „Wurmbrüter“<ref name="Webb" /> (auch vermis für „Wurm“<ref name="Hartmann" /> oder vermiculus für „Würmchen“<ref name="Lüschen" />). Anlässlich des 195. Jubiläums seiner Entdeckung und aufgrund seiner großen Bedeutung als Industriemineral wurde Vermiculit 2019 zum „Mineral des Jahres“ in Österreich gewählt.<ref name="MdJ" />

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Vermiculit zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“, wo er als einziger Vertreter im Anhang zur „Montmorillonit-Saponit-Gruppe“ mit der Systemnummer VIII/E.08 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/H.21-010. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Schichtsilikate“, wo Vermiculit als einziges Mineral eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/H.21 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Vermiculit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Schichtsilikate (Phyllosilikate) mit Glimmertafeln, zusammengesetzt aus tetraedrischen und oktaedrischen Netzen“ zu finden, wo es als einziges Mitglied die „Vermiculitgruppe“ mit der Systemnummer 9.EC.50 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Vermiculit die System- und Mineralnummer 71.02.02d.03. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Schichtsilikatminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Schichtsilikate: Schichten von sechsgliedrigen Ringen mit 2:1-Lagen“ in der „Glimmergruppe (Hydroglimmer-Untergruppe)“, in der auch Hydrobiotit, Illit und Brammallit eingeordnet sind.

Kristallstruktur

Vermiculit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe C2/c (Raumgruppen-Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15 mit den Gitterparametern a = 5,35 Å; b = 9,26 Å; c = 28,89 Å und β = 97,1° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Strukturell lässt sich Vermiculit als di- und trioktaedrisches 2:1-Schichtsilikat beschreiben:

Jeweils zwei Lagen tetraedrisch koordinierter Kationen bilden mit einer dazwischenliegenden Lage oktaedrisch koordinierter Kationen eine solche 2:1-Silikatschicht. In trioktaedrischen Vermiculiten findet man in der Oktaederlage hauptsächlich Magnesiumionen, die für eine fast vollständige Besetzung der oktaedrisch koordinierten Kationenplätze sorgen. Die Tetraederlage besitzt ein Si4+:Al3+-Verhältnis von 1:2 bis 1:3. Durch diesen isomorphen Ersatz in den Tetraederlagen (Al3+ für Si4+) ergibt sich eine negative Überschussladung der Silikatschicht, die durch isomorphen Ersatz in den Oktaederlagen (z. B. Fe3+ für Mg2+) verringert werden kann.

In der Summe tragen Vermiculite eine negative Überschussladung von 1,2 bis 1,8 Elementarladungen pro Elementarzelle. Diese negative Überschussladung wird durch hydratisierte Kationen in der Zwischenschicht ausgeglichen. Abhängig von der Art des Zwischenschichtions und der chemischen Zusammensetzung der 2:1-Silikatschicht und abhängig von Wasserdampfpartialdruck und der Temperatur der das Mineral umgebenden Atmosphäre, befinden sich unterschiedlich große Wassermengen in der Zwischenschicht der Vermiculite.

Die Wassermenge und der entsprechende Basisebenenabstand d001 variieren in Abhängigkeit von Wasserdampfpartialdruck und Temperatur nicht kontinuierlich, sondern es sind diskrete Hydratationszustände mit scharfen Übergängen dieser Zustände zu beobachten. Mit zunehmender Temperatur oder abnehmendem Wasserdampfpartialdruck gehen die Vermiculite stufenweise in Hydratationszustände mit immer weniger Zwischenschichtwasser und damit kleineren d001-Basisebenenabständen über.

Modifikationen und Varietäten

Als Batavit wird eine eisenarme Varietät von Vermiculit bezeichnet.<ref name="Lapis" />

Bildung und Fundorte

Die bedeutendsten Vermiculit-Lagerstätten werden hauptsächlich hydrothermal oder durch Verwitterung von Phlogopit/Biotit, Chlorit und Pyroxen in basischen bis ultrabasischen Gesteinen gebildet. Natürliche dioktaedrische Vermiculite sind außer in der Tonfraktion von Böden, aus denen sie jedoch nicht rein abgetrennt werden können, bisher allerdings nicht gefunden worden.

Als eher seltene Mineralbildung kann Vermiculit an verschiedenen Fundorten zum Teil reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Als bekannt gelten derzeit (Stand 2014) rund 550 Fundorte.<ref name="MindatAnzahl" /> Neben seiner Typlokalität Millbury und dem nahe gelegenen Steinbruch Ballard bei Worcester trat das Mineral in Massachusetts noch bei Tyringham im Berkshire County, in der Pyrit-Mine Davis bei Rowe im Franklin County und der Asbest-Mine bei Pelham im Hampshire County auf.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Kanada, Madagaskar, Österreich, Russland, der Schweiz und in weiteren Bundesstaaten der USA.<ref name="Fundorte" /> Südafrika und China sind die führenden Hersteller bei grobkörnigem „Premium“-Vermiculit (über 5 mm Partikelgröße), während es beim feinkörnigen Vermiculit die USA und Brasilien sind. Da beim feinkörnigen Vermiculit seit Jahren ein Überangebot und somit niedrige Preise bestehen, arbeiten viele Firmen daran grobkörnigen Vermiculit durch feinkörnigen zu ersetzen.<ref>U.S. Geological Survey, Mineral Commodity Summaries 2022: VERMICULITE.</ref> Die globale Jahresproduktion von Vermiculit wird auf ungefähr 400.000 Tonnen geschätzt. Einen Überblick gibt die folgende Tabelle:

Globaler Abbau von Vermiculit<ref name="BMLRT"> Vermiculite. Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus World Mining Data 2022, Seiten 146–147, abgerufen am 1. September 2022. </ref>
Land 2016 2017 2018 2019 2020
(in Tonnen)
ArgentinienDatei:Flag of Argentina.svg Argentinien<templatestyles src="FN/styles.css" /> 1<templatestyles src="FN/styles.css" /> e 60 0 0 0 0
BrasilienDatei:Flag of Brazil.svg Brasilien<templatestyles src="FN/styles.css" /> 1<templatestyles src="FN/styles.css" /> e 53.330 50.050 56.708 47.581 58.821
China VolksrepublikDatei:Flag of the People's Republic of China.svg Volksrepublik China<templatestyles src="FN/styles.css" /> 2<templatestyles src="FN/styles.css" /> n 50.000 50.000 50.000 50.000 50.000
IndienDatei:Flag of India.svg Indien<templatestyles src="FN/styles.css" /> 1<templatestyles src="FN/styles.css" /> e 9.042 6.054 2.992 2.774 1.260
IranDatei:Flag of Iran.svg Iran<templatestyles src="FN/styles.css" /> 1<templatestyles src="FN/styles.css" /> a 1.000 0 0 0 0
KeniaDatei:Flag of Kenya.svg Kenia<templatestyles src="FN/styles.css" /> 2<templatestyles src="FN/styles.css" /> n 100 0 0 100 0
MexikoDatei:Flag of Mexico.svg Mexiko<templatestyles src="FN/styles.css" /> 1<templatestyles src="FN/styles.css" /> e 310 464 244 148 104
RusslandDatei:Flag of Russia.svg Russland<templatestyles src="FN/styles.css" /> 1<templatestyles src="FN/styles.css" /> e 20.000 14.400 25.904 29.237 28.442
SudafrikaDatei:Flag of South Africa.svg Südafrika<templatestyles src="FN/styles.css" /> 1<templatestyles src="FN/styles.css" /> e 166.483 166.084 141.346 158.013 118.223
TurkeiDatei:Flag of Turkey.svg Türkei<templatestyles src="FN/styles.css" /> 1<templatestyles src="FN/styles.css" /> e 1.050 1.618 18.183 1.370 19.230
UgandaDatei:Flag of Uganda.svg Uganda<templatestyles src="FN/styles.css" /> 1<templatestyles src="FN/styles.css" /> e 3.295 4.119 10.413 9.674 14.170
Vereinigte StaatenDatei:Flag of the United States.svg Vereinigte Staaten<templatestyles src="FN/styles.css" /> 1<templatestyles src="FN/styles.css" /> e 100.000 100.000 100.000 100.000 100.000
SimbabweDatei:Flag of Zimbabwe.svg Simbabwe<templatestyles src="FN/styles.css" /> 1<templatestyles src="FN/styles.css" /> e 29.312 23.302 33.161 25.524 26.388
Gesamt 433.982 416.091 438.951 424.421 416.638

<templatestyles src="FN/styles.css" />

<templatestyles src="FN/styles.css" />
1 
berichtete Zahl
<templatestyles src="FN/styles.css" />
2 
geschätzte Zahl
<templatestyles src="FN/styles.css" />
a 
aus Fragebogen
<templatestyles src="FN/styles.css" />
e 
aus nationaler Statistik
<templatestyles src="FN/styles.css" />
n 
aus anderen Quellen (z. B. Geschäftsberichte)

Verwendung

Vermiculit wird industriell unter anderem in Katzenstreu, zur Produktion von Karnevalsartikeln (Feuerwerkskörper) sowie in geringem Umfang in Hautpflegeprodukten eingesetzt.<ref>Eintrag zu Vermiculite in der CosIng-Datenbank der EU-Kommission, abgerufen am 17. September 2021</ref>

In der Pilzzucht wird Vermiculit zur Herstellung von Nährsubstraten verwendet, da die Kristallstruktur ein Zusammenkleben der Nährstoffe verhindert, und Wasser für lange Zeiträume gespeichert werden kann.<ref>Pilzzucht. In: Original Vermiculite. Abgerufen am 10. April 2026.</ref>

Zur Verwendung in verschiedenen Bereichen, in denen es auf Saugfähigkeit und gute Wärmedämmung ankommt, wird Vermiculit durch trockenes Erhitzen vorbehandelt. Bei Temperaturen zwischen 700 und 1000 °C wird das enthaltene Kristallwasser verdampft und drückt dabei die Kristallblättchen auseinander. Das Volumen und die Saugfähigkeit steigen deutlich an, während die Schüttdichte abnimmt. Dieses Material wird in der Industrie als expandiertes Vermiculite bezeichnet.<ref name="vermiculite.de" />

Vermiculit wird zudem in der Gemüsebranche als Deckmaterial von Setzlingen nach der Saat verwendet. Es ist leicht und hat die Fähigkeit, Licht zu reflektieren und Feuchtigkeit zu speichern. Dies verhindert eine übermäßige Erwärmung der Setzlinge und sorgt für ausgeglichenere Substratfeuchtigkeit.

Auch bei der Reptilienzucht und Reptilienhaltung, bei der die konstante Luftfeuchtigkeit im Terrarium, den Wet-Boxen und im Inkubator lebensnotwendig für die Tiere sind, wird häufig Vermiculit benutzt, da es überschüssige Feuchtigkeit, auch aus der Luft, aufnimmt, und bei Bedarf wieder abgibt. In Verbindung mit Eisenpulver, Wasser, Cellulose (oder Polypropylen), Salz und Aktivkohle wird Vermiculit zu Handwärmern verarbeitet. Beim Auspacken des Handwärmers (wenn also Luft an das Päckchen gelangt) wird ein extrem schneller Oxidationsprozess (in diesem Fall das Rosten des Eisens) ausgelöst. Das Salz dient dabei als Katalysator und die Aktivkohle hilft, die Wärme gleichmäßig im Handwärmer zu verteilen. Vermiculit fungiert als Isolator und Cellulose (oder PP) unterstützt die Verteilung der Luft zwischen den Bestandteilen, falls man die Handwärmer in feuchter Umgebung verwendet. Die dabei entstehenden Temperaturen erreichen bis zu 75 °C. Die Wärme wird je nach Außentemperatur bis zu zwanzig Stunden gehalten. Diese Art Handwärmer sind jedoch nicht wiederverwendbar. Sie werden über den normalen Hausmüll entsorgt, weil sie nicht umweltschädlich sind.

Da Vermiculit – auch nach dem Expandieren – unbrennbar, aber in gewissem Maße saugfähig ist, wird er oftmals zur Verpackung flüssigen Gefahrgutes eingesetzt. Zum Beispiel werden in Glasflaschen abgefüllte Gefahrstoffe in Kartons oder Blechdosen gepackt und der Zwischenraum zwischen Glas und Umverpackung vollständig mit Vermiculit ausgefüllt. Auf diese Weise werden einerseits eventuell auslaufende Chemikalien absorbiert, andererseits wird schon im Vorfeld Glasbruch vermieden, da die umgebende Vermiculit-Schicht auch gut vor mechanischen Stößen gegen die Verpackung schützt. Abfallsammler verwenden für die sichere Sammlung und Lagerung von Lithium-Ionen-Akkumulatoren ebenfalls gerne Vermiculit als Füllstoff.<ref name="MerkblattBrandschutz" />

Wärmedämmung und Brandschutz

Da Vermiculit porös und feuerbeständig, im Gegensatz zu Asbest aber nicht lungenschädlich ist, findet es bei der Schall- und Wärmedämmung sowie im Brandschutz Anwendung.

Aus Vermiculit und Zement lässt sich ein thermisch gut isolierender und temperaturbeständiger Beton (Vermiculitbeton) herstellen.<ref name="Petzold" />

Vermiculit findet aufgrund seiner geringen Wärmeleitfähigkeit (λ = 0,06…0,07 W/(m·K)) als Wärmedämmplatte oder nichtbrennbarer Plattenwerkstoff (A1 bzw. A2 nach DIN 4102) im Schiffsinnenausbau und auch im Hochbau seine Verwendung. Weltweit wird dieses Produkt unter den Markennamen „Fipro“, „Miprotec“, „bro-TECT“, „Vermilite 2000“ und „Thermax“ angeboten.

Da Vermiculit einen hohen Schmelzpunkt hat (1315 °C)<ref name="klein-daemmstoffe" />, elektrisch nicht leitend ist und beim Gefrieren keine Schichtung auftritt, wird es als Kernmaterial bei Infrarotheizungen verwendet.

Als preiswerter Ersatz für Schamottesteine werden Platten aus Vermiculit zur Auskleidung der Brennkammer von Kaminöfen eingesetzt. Da sie eine geringere Wärmeleitfähigkeit als Schamotte besitzen, können höhere Verbrennungstemperaturen erreicht werden. Von Nachteil ist, dass Vermiculit weniger abriebfest ist und die Wärme schlechter speichert.<ref>Schamotte oder Vermiculite: Was ist besser?, Cerberus Kaminhaus Gmbh, 2020. In: Kaminofen.de. Abgerufen im September 2020</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Springer, Berlin [u. a.] 2005, ISBN 3-540-23812-3, S. 108.
  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 255.

Weblinks

Wiktionary: Vermiculit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Vermiculit beim Mineralienatlas und bei Mindat </ref> <ref name="Hartmann"> </ref> <ref name="Petzold"> Armin Petzold, Manfred Röhrs: Beton für hohe Temperaturen. Beton-Verlag, Düsseldorf 1965, DNB 453751849, S. 173. </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="klein-daemmstoffe"> Vermiculit / Vermiculite. In: www.klein-daemmstoffe.de. Klein Dämmstoffe, abgerufen am 14. Juni 2019. </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Lüschen"> Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 339. </ref> <ref name="MerkblattBrandschutz"> (Richard Feischl, Albert Brix, Franz Schneeflock, Markus Fellner, Alexander Dippelreiter): Merkblatt Brandschutzanforderungen an die Lagerung von Lithium Ionen Batterien in Altstoffsammelzentren. (PDF) In: www.noe122.at. Niederösterreichischer Landesfeuerwehrverband, abgerufen am 14. Juni 2019. </ref> <ref name="Mindat"> Vermiculite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 14. Juni 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Localities for Vermiculite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 14. Juni 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="vermiculite.de"> Produktbeschreibung Vermiculite. In: vermiculite.de. Isola Vermiculite, abgerufen am 14. Juni 2019. </ref> <ref name="Webb"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Vermiculite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 14. Juni 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MdJ"> Mineral des Jahres in Österreich. In: www.mineraldesjahres.at. Abgerufen am 3. Oktober 2019. </ref> </references>