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Wiesen-Bocksbart

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Wiesen-Bocksbart
Datei:TragopogonPratensisFlowers.jpg

Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis), Habitus

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Cichorioideae
Gattung: Bocksbärte (Tragopogon)
Art: Wiesen-Bocksbart
Wissenschaftlicher Name
Tragopogon pratensis
L.

Der Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis) ist eine formenreiche Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae).

Merkmale

Datei:Tragopogon pratensis flower - Niitvälja.jpg
Korb

Die hapaxanthe<ref>FloraWeb - Biologische Merkmale. Abgerufen am 26. Mai 2022.</ref>, krautige Pflanze wird bis zu 70 cm hoch. Ihre saftigen Pflanzenteile enthalten Milchsaft. Aus der fleischigen Pfahlwurzel wächst der glatte, oben leicht angeschwollene Stängel, der innen hohl ist. Die ihn umgebenden, bis zu 50 cm langen, grasartigen, wechselständigen, bläulich grünen und glattrandigen Blätter sind halb stängelumfassend, schmal linealisch bzw. lanzettlich, kahl und spitz zulaufend. Die Mitte des Blattes durchquert der Länge nach ein weißlicher Streifen. Häufig sind die Blätter ab der Mitte abwärts gebogen oder geknickt.<ref name="Steinbachs Naturführer">Gunter Steinbach (Hrsg.), Bruno P. Kremer u. a.: Wildblumen. Erkennen & bestimmen. Mosaik, München 2001, ISBN 3-576-11456-4, S. 70.</ref>

Die Pflanze blüht von Mai bis August.<ref name="Steinbachs Naturführer" /> Ihre Blütenstände öffnen sich etwa um acht Uhr und schließen sich um die Mittagszeit wieder. Sie werden vor allem von Käfern und Fliegen bestäubt. Die 35–50 mm breiten, flachen<ref name="Steinbachs Naturführer" /> Blütenkörbchen der Pflanze sitzen auf relativ langen, kahlen, beblätterten, blattachselständigen Stielen, die sich zum Köpfchen hin nicht oder nur schwach verdicken. Die je nach Unterart 4 bis 7 cm großen Blütenköpfchen setzen sich aus gelben Zungenblüten zusammen und werden von acht spitzen Hüllblättern eingefasst, die bei der Nominatform Tragopogon pratensis subsp. pratensis etwa so lang sind wie die Zungenblüten und über dem Grund eingeschnürt. Besonders die inneren Hüllblätter sind durch Haare meist rußig-schwärzlich. Charakteristisch sind die an der Spitze braun-violetten Staubblätter, die dem Köpfchen ein gesprenkeltes Aussehen verleihen. Die abgeblühten, welken Zungenblüten aus den zusammengefallenen Hüllblättern ragen wie ein „Ziegenbart“ aus der ehemaligen Blüte. Dies gab der Pflanze ihren Namen.

Die (inklusive Schnabel) 15 bis 25 mm langen, randlich glatten Früchte des Wiesen-Bocksbarts sind lang geschnäbelt. Der fedrige Pappus daran dient als Flugorgan und verleiht der aussamenden Pflanze das für viele Korbblütler typische „Pusteblumen“-Aussehen.

Die Chromosomenzahl beträgt für drei in Mitteleuropa vorkommenden Unterarten (Tragopogon pratensis subsp. pratensis, subsp. minor und subsp. orientalis) 2n = 12.<ref name="Oberdorfer2001" />

Ökologie

Der Wiesen-Bocksbart ist meist eine zweijährige Halbrosettenpflanze, seltener einjährig überwinternd oder ausdauernd (dann eventuell als Rhizom-Geophyt). Er besitzt eine tiefreichende Pfahlwurzel und trägt Milchsaft. Seine Blüten sind „Körbchenblumen vom Leontodon-Typ“. Sie sind nur vormittags und nur bei schönem Wetter geöffnet. Beim Östlichen Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis subsp. orientalis) sind die Blüten bis 11 Uhr geöffnet, beim Gewöhnlichen Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis subsp. pratensis) bis 14 Uhr.<ref name="Oberdorfer2001" /> Je Körbchen sind 20 bis 50 Einzelblüten vorhanden.<ref name="Hegi1987" /> Die Kronröhre der randständigen Blüten ist 6 bis 7 mm lang, die der mittleren 5 mm lang. Als Bestäuber kommen Bienen, Schmetterlinge und Hummelschweber in Frage. Spontane Selbstbestäubung wird dadurch möglich, dass sich die beiden Narbenäste zuletzt spiralig umkrümmen und dabei die Fegehaare berühren, an denen noch Pollen haften können. Die Früchte sind Achänen mit bis zu 4 cm breiten „Fallschirmen“. Sie verbreiten sich als Schirmchenflieger. Der Schirm ist oben durch Verwebung der Pappushaare besonders dicht. Auch eine Ausbreitung als Wasserhafter und als Kletthafter ist möglich, da die fünf Haupt-Pappusstrahlen rau sind. Da der Schirm leicht abbricht, ist auch eine Zufallsverbreitung möglich.

Gallbildungen werden durch Aulax tragopogonis und eine Diplosinarum-Art hervorgerufen.<ref name="Hegi1987" />

Verbreitung

Datei:Tragopogon pratense 2004-05-30 JOF.JPG
Namensgebendes Aussehen im abgeblühten Zustand
Datei:Wiesen-Bocksbart im Naturschutzgebiet Schwarzbachtal bei Obercarsdorf (1).jpg
Fruchtstand
Datei:Tragopogon pratensis, oosterse morgenster bloem omwindsel.jpg
Östlicher Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis subsp. orientalis)

Die auch kurz Bocksbart (von mittelhochdeutsch bockes bart und lateinisch Barba hircina<ref>Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 161.</ref>) genannte Art ist in Europa heimisch, kommt bis in den Ural vor, fehlt jedoch in Nordeuropa weitgehend. Ihre ursprünglichen Vorkommen in Asien liegen in der Türkei, in Kasachstan, in Sibirien und in der Mongolei.<ref name="GRIN" /> In Nordamerika, in Neuseeland, in Argentinien und auf Hispaniola ist der Wiesen-Bocksbart ein Neophyt.<ref>Verbreitungskarte</ref><ref name="GRIN" />

Man findet den Wiesen-Bocksbart verbreitet in Fettwiesen, seltener auch in wegbegleitenden Unkrautfluren und Brachen<ref name="Steinbachs Naturführer" />. Er bevorzugt frische, nährstoff- und basenreiche, mittel- bis tiefgründige Böden. Staunässe meidet er, liebt aber Sommerwärme. Nach Ellenberg ist er eine Halblichtpflanze, ein Schwachsäure- bis Schwachbasenzeiger und eine Verbandscharakterart der Glatthaferwiesen aus dem Verband Arrhenatherion. Die Unterart Tragopogon pratensis subsp. orientalis steigt in den Allgäuer Alpen im Tiroler Teil an der Rotwand bis zu einer Höhenlage von 2000 Metern auf.<ref name="Dörr-Lippert" /> Tragopogon pratensis erreicht im Oberengadin 2200 Meter und kam im Berninagebiet bis 2309 Meter Meereshöhe vor.<ref name="Hegi1987" />

Systematik

Innerhalb der Familie gehört der Wiesen-Bocksbart zur Unterfamilie Cichorioideae, Tribus Lactuceae und Untertribus Scorzonerinae. Zum Wiesen-Bocksbart gehören mehrere Sippen. Diese werden je nach Autor als Unterarten<ref>Schmeil-Fitschen, FloraWeb</ref> oder als eigene Kleinarten<ref name="Fischer">Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.</ref> aufgefasst.

  • Großer Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis subsp. leiocarpus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Trnka) Greuter, Syn.: Tragopogon orientalis subsp. leiocarpus <templatestyles src="Person/styles.css" />Trnka, Tragopogon pratensis subsp. grandiflorus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Saut.) H.P.Fuchs [non <templatestyles src="Person/styles.css" />Döll 1843], Tragopogon grandiflorus <templatestyles src="Person/styles.css" />Saut.): Er kommt in Deutschland, Tschechien, in der Slowakei und in Liechtenstein vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Östlicher Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis subsp. orientalis <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Čelak., Syn.: Tragopogon orientalis <templatestyles src="Person/styles.css" />L.) Der Große Wiesen-Bocksbart und der Östliche Wiesen-Bocksbart werden von Fischer 2005 in eine Art Tragopogon orientalis zusammengefasst. Der Östliche Wiesen-Bocksbart ist in Europa und Vorderasien weit verbreitet, kommt aber in Nordeuropa nicht vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Kleiner Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis subsp. minor <templatestyles src="Person/styles.css" />(Mill.) Wahlenb.): Diese Unterart wird häufig mit Formen der subsp. pratensis verwechselt<ref name="bomble 2013">Wolfgang Bomble: Tragopogon – Bocksbart (Asteraceae) in Nordrhein-Westfalen. Jahrbuch des Bochumer Botanischen Vereins. Bd. 4, 2013, S. 262–269 (PDF 1,6 MB)</ref>. Er kommt in Spanien, Frankreich, Italien, Großbritannien, Irland, Belgien, Luxemburg, der Schweiz, Deutschland, Tschechien, in Norwegen, Schweden und Dänemark vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Gewöhnlicher Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis subsp. pratensis oder Tragopogon pratensis s. str.): Er kommt in Europa und Vorderasien vor.<ref name="Euro+Med" /> Sein Verbreitungsgebiet umfasst ursprünglich die Länder Spanien, Frankreich, Italien, Belgien, Luxemburg, die Niederlande, Deutschland, Österreich, Tschechien, Polen, die Slowakei, die Schweiz, Liechtenstein, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, das Baltikum, Russland, Belarus, Serbien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Albanien, Mazedonien, Montenegro, Bulgarien, Griechenland, die Ukraine, die europäische und die asiatische Türkei.<ref name="Euro+Med" /> Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für diese Unterart: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />
  • Tragopogon pratensis subsp. hayekii <templatestyles src="Person/styles.css" />(Soó) Ciocîrlan (Syn.: Tragopogon transsilvanicus <templatestyles src="Person/styles.css" />Hayek [non <templatestyles src="Person/styles.css" />Schur 1866]): Sie kommt in Griechenland, Makedonien und in Rumänien vor.<ref name="Euro+Med" />

Verwendung

Der Wiesen-Bocksbart ist in allen Teilen essbar. Der Trieb der jungen Pflanze liefert ein Gemüse, das an Spargel erinnert. Die Wurzel kann ähnlich wie Schwarzwurzel zubereitet werden.<ref name="Hegi1987" /> Die Blätter lassen sich roh oder gekocht verwenden. In der Türkei ist er als Yemlik bekannt, er wird dort gerne im Frühjahr gesammelt und entweder roh in Salz getunkt, als Salat oder gekocht gegessen.

Literatur

  • Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv (CD-Rom), Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2001/2002, ISBN 3-494-01327-6
  • Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage, Ulmer-Verlag, 2001, ISBN 3-8001-3131-5
  • Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht. 5., stark veränderte und verbesserte Auflage. Ulmer, Stuttgart 1996, ISBN 3-8001-2696-6.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. 6., völlig neu bearbeitete Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-494-01397-7.
  • Margot Spohn, Marianne Golte-Bechtle: Was blüht denn da? Enzyklopädie, Kosmosverlag, 2005

Weblinks

Commons: Wiesen-Bocksbart – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Euro+Med">Werner Greuter (2006+): Compositae (pro parte majore). – In: W. Greuter & E. von Raab-Straube (ed.): Compositae. Datenblatt Tragopogon pratensis In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.</ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="Dörr-Lippert">Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 666.</ref> <ref name="Hegi1987">Gerhard Wagenitz et al.: Familie Compositae II. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage Band VI, Teil 3, Seite 1048–1053. Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg 1987. ISBN 3-489-86020-9</ref> <ref name="InfoFlora"> Tragopogon pratensis L. subsp. pratensis In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> </references>

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