Emil Wachter
Emil Wachter (* 29. April 1921 in Neuburgweier; † 12. Januar 2012 in Karlsruhe<ref>Personendatenbank der Landesbibliographie Baden-Württemberg. Abgerufen am 13. Dezember 2021.</ref>) war ein deutscher Bildender Künstler. Er wirkte vor allem als Maler, Bildhauer und Hochschullehrer.
Leben und Wirken
Emil Wachter, Sohn von Anna Wachter, geborene Schindele, und dem Landwirt Gottfried Wachter, war katholisch, studierte nach dem Abitur auf dem Bismarck-Gymnasium in Karlsruhe,<ref>Emil Wachter: Begegnungen. Nürnberg 2000, ISBN 978-3-9805236-4-6, S. 10 und 135.</ref> nach eigenen Angaben unterbrochen durch Kriegsdienst (1941–1944) und Gefangenschaft (Oktober 1944–1946<ref>Emil Wachter: Begegnungen. 2000, S. 21 und 26.</ref>), von 1940<ref>Emil Wachter: Begegnungen. 2000, S. 12.</ref> bis 1948 Theologie und Philosophie an der Universität Freiburg. Dann entschied er sich für Malerei und Bildhauerei, die er von 1948 bis 1952 an der Kunstakademie München und der Akademie Karlsruhe, unter anderem bei Karl Hubbuch und Erich Heckel, studierte.
Ab 1954 war Wachter als frei schaffender Künstler tätig und lehrte von 1958 bis 1963 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, wo er von 1958 bis 1962 eine Malklasse leitete.<ref>Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 1985, 1293.</ref> Bis 1963 hatte er ein Atelier in der Karlsruher Amalienstraße. Seine Lehrtätigkeit an der Karlsruher Kunstakademie gab er aufgrund zunehmender Differenzen mit Georg Meistermann auf.<ref>Emil Wachter: Begegnungen. 2000. S. 70 und 136.</ref>
Wachters Werke wurden in über hundert Einzelausstellungen gezeigt. Seine Themen sind teilweise der christlich-jüdischen Tradition entnommen. Viele Werke Wachters sind in Sakralbauten zu sehen, insbesondere seine vielen Kirchenfenster und die Glockenzier von Kirchenglocken. Auch ganze Kirchengebäude hat Wachter gestaltet. Dabei scheute er den Umgang mit modernen Baustoffen nicht, was sich in seinen Reliefs aus Beton zeigt. Neben den vielfältigen Werken in Sakralbauten schuf Emil Wachter ein immenses Epos weltlicher Malerei, das Tuschen und Aquarelle mit fernöstlicher Anmut und Poesie ebenso umfasst, wie Ölbilder (etliche großformatige Triptychen), die in Farbigkeit und Vielschichtigkeit Landschaften, Menschen und skurrile Tiergestalten zeigen.
Sein Schwager war der Freiburger Studentenpfarrer Wolfgang Ruf, dessen Schwester Pia er im Dezember 1956 heiratete.<ref>Emil Wachter: Begegnungen. 2000, S. 21 und 136.</ref> 1953 veranstaltete Ruf in Freiburg die erste Ausstellung mit Werken von Wachter.<ref>Emil Wachter: Begegnungen. 2000, S. 79.</ref>
Seit 1968 war Wachter mit Friedrich Weinreb befreundet.<ref>Emil Wachter: Begegnungen. 2000, S. 124 und 137.</ref>
1979 wurde er in das Zentralkomitee der deutschen Katholiken gewählt.<ref>Emil Wachter: Begegnungen. 2000, S. 138.</ref>
Er hat neben seinen leiblichen Kindern, einem Sohn (Felix) und drei Töchtern (Angela, Dorothee und Simone; geb. 1958–1964), auch einen Pflegesohn (* 1948), um den er sich mit seiner Frau gekümmert hatte, da die Eltern bei einem Busunglück ums Leben kamen, als er zwei Jahre alt war.<ref>Emil Wachter: Begegnungen. 2000, S. 136–137.</ref>
Preise und Ehrungen
- 1954 und 1955: Kunstpreis der Jugend Baden-Württemberg
- 1956: Kunstpreis der Stadt Karlsruhe
- 1966: Hans-Thoma-Preis (Staatspreis Baden-Württemberg)
- 1975 und 1977: Staatspreis Kunst am Bau des Landes Rheinland-Pfalz
- 1978: Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg
- 1978: Staatspreis für Architektur und Bildende Kunst des Landes Rheinland-Pfalz
- 1983: Ernennung zum Professor honoris causa
- 1996: Bundesverdienstkreuz I. Klasse
- 1996: Komtur des Päpstlichen Silvesterordens
- 1996: Ehrenbürger von Rheinstetten
- 2001: Kunstpreis der Stiftung Bibel und Kultur, Stuttgart
- 2008: Komtur mit Stern des Päpstlichen Ritterordens des heiligen Gregors des Großen<ref>AAS 100 (2008), n. 9, S. 666.</ref>
- 2011: Ehrenmedaille der Stadt Karlsruhe
- 2011: Großes Bundesverdienstkreuz
Posthume Ehrungen
- 2017: Der Karlsruher Stadtteil Waldstadt, in dem Wachter ab 1963 lebte, benennt einen Weg nach ihm.<ref>Neues aus der Waldstadt: Emil-Wachter-Weg. In: bv-waldstadt.de. Bürgerverein Waldstadt, Oktober 2017, abgerufen am 6. Juni 2024.</ref>
Werke (Auswahl)
Glasfenster
- Kreuzigungsgruppe im Chorfenster der Hl.-Kreuz-Kirche Bietigheim, heute in der Leichenhalle (1952)
- figürliche Darstellung in den Sakristeifenstern der Hl.-Kreuz-Kirche Bietigheim (1954)
- St. Peter-und-Paul-Kirche, Karlsruhe (1955)
- 9 Gleichnisse vom Himmelreich, im Hauptportalfenster der Hl.-Kreuz-Kirche Bietigheim (1956)
- St. Christophorus, Westerland/Sylt (1956) (inzwischen abgerissen, im Neubau teilweise wiederverwendet)
- Melanchthon-Kirche, Malsch bei Ettlingen (1956)
- St. Bartholomäus, Heidelberg-Wieblingen (1956)
- Katholische Kirche St. Oswald, Buchen (Odenwald) (1959)
- St. Bernhard, Mannheim (1961)<ref>Kirche. Abgerufen am 21. Oktober 2022.</ref>
- Christkönig-Kirche Eppelheim (1961)
- Katholische Kirche St. Peter, Walldorf (Baden) (1962, drei zusätzliche Fenster an der Südseite 2010)<ref name=":0">Emil Wachter St. Peter. (PDF) Abgerufen am 19. Januar 2022.</ref>
- St. Bernhard, Malsch bei Ettlingen (1964)
- St. Johannes (Heidelberg-Rohrbach) (1964)
- Abteikirche Lichtenthal, Baden-Baden (1964)
- Heilige Familie, Lörrach (1966)
- Herz-Jesu-Kirche (Ettlingen) (1966)
- Konviktskirche, Freiburg (1966)
- St. Hedwig (Karlsruhe) (1967)
- St. Bonifatius, Tauberbischofsheim (1967)
- Erzbischöfliches Seminar St. Pirmin, Sasbach (1967)
- St. Laurentius, Bobenheim-Roxheim (1968)
- Miramont de Guyenne (1968)
- St. Andreas, Freiburg (1969)
- St. Ludwigkirche, Ludwigswinkel (1970)<ref>St. Ludwig Kirche Ludwigswinkel. Abgerufen am 5. Februar 2023.</ref>
- Kapelle St. Michael am Mummelsee (1971)
- Zwölf Apostel, Rastatt (1972/1973)
- Kath. Filialkirche St. Joseph in Mudau-Donebach (1975)<ref>Suche nach dem Geläut einer Kirche oder Kapelle. Abgerufen am 15. März 2021.</ref>
- Kapelle des Vincentius-Krankenhauses, Konstanz (1975; 2019 zerstört)<ref>Kirsten Astor: Konstanz: Wertvolle Kirchenfenster der Konstanzer Klinikkapelle sind zerstört, aber keiner will‘s gewesen sein: Der SÜDKURIER geht auf Spurensuche. 15. Mai 2019, abgerufen am 13. Dezember 2021.</ref>
- Ökumenisches Gemeindezentrum Pilgerpfad, Frankenthal (Pfalz) (1977)
- Katholische Pfarrkirche St. Katharina, Langerwehe-Wenau (1981)
- St. Marien, Neuss (1984/1992) (großer Zyklus mit 21 Fenstern)
- St. Gordian und St. Epimach, Rickenbach/Südschwarzwald (1986)
- Haus der Abgeordneten, Stuttgart (1986)
- Pater-Delp-Gemeindehaus, Hemsbach/Bergstr. (1986/87)
- St. Raphael, List auf Sylt (1988)
- Johanneskirche Speyer (1989–1991)
- Philippusstift Essen, Krankenhauskapelle (1993–1995)
Betonreliefs
- St. Gallus, Konstanz (1973)
- St. Elisabeth, Landau in der Pfalz (1973)<ref>Karsten Geeck: Landau St. Elisabeth. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 13. Dezember 2021; abgerufen am 13. Dezember 2021.</ref>
- St. Kilian, Osterburken (1971–1974)
- St. Barbara, Herbitzheim, Saarland (1975)
- Ökumenisches Gemeindezentrum Pilgerpfad, Frankenthal/Pfalz (1977)
- Autobahnkirche St. Christophorus, Baden-Baden (1976–1978)
- Schlossbergsteg Freiburg im Breisgau (1979)
- St. Ludwig, Ludwigshafen (1980)
- Westkrypta des Essener Münsters (1981–1983, seit Dezember 2000: „Adveniat-Krypta“)
- Grabmal für Anton Fränznick in Rohrbach am Gießhübel
Weitere Werke
Brunnen
- Marienbrunnen, Karlsruhe (1981)<ref>Marienbrunnen. In: Datenbank der Kulturdenkmale Karlsruhe. Abgerufen am 6. März 2025.</ref>
- Kauzbrunnen, Karlsruhe-Waldstadt (1996)<ref>Kauzbrunnen. In: Datenbank der Kulturdenkmale Karlsruhe. Abgerufen am 6. März 2025.</ref>
Steinmosaike
- Pfarrkirche St. Bartholomäus (Heidelberg-Wieblingen) (1956)
- Kath. Kirche St. Peter, Walldorf (Baden) (1962)<ref name=":0"/>
Deckengemälde
- St. Martin, Ettlingen (1987)
Altarbilder
- St. Philippus, München-Laim (1991)
- St. Peter und Paul, Weil am Rhein (1994)
Glocken
- Ornamente auf den Glocken der Kirche St. Josef in Freiburg-Stühlinger<ref>Badische Zeitung: Die Kirche St. Josef in Freiburg-Stühlinger wird abgerissen. 5. März 2025, abgerufen am 18. Dezember 2025.</ref>
Buchveröffentlichungen
- Genesis, 101 Lithographien. 1970.
- Eine schöne Welt, 1976.
- Höri. Porträt einer Landschaft, 1977.
- Autobahnkirche Baden-Baden, 1980.
- Biblische Porträts, 1982.
Emil-Wachter-Radrundweg
Der Bickesheimer Pilgerpfad, auch Emil-Wachter-Rundweg genannt, führt als Radrundweg im Rahmen des Pamina-Radwanderweges an bedeutenden Werken von Emil Wachter vorbei. Der Radweg führt durch die Gemeinden Durmersheim mit Würmersheim, Au am Rhein und Neuburgweier. Die frühen Werke Wachters im nahen Bietigheim sind dabei ausgenommen.<ref>Bickesheimer Pilgerpfad. Abgerufen am 13. Dezember 2021.</ref>
Literatur (Auswahl)
- Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1293.
- Nadya Badr: Emil Wachter. Frühe Arbeiten 1942–1955. Karlsruhe 1996.
- Emil Wachter. Malerei und Zeichnungen 1955–1995. Karlsruhe 1996.
- Nadya Badr: Emil Wachter. Leben gemalt. Künzelsau 2001.
- Hermann Schade: Emil Wachter. In: Geist und Leben. 1978.
- Michael Schlagheck, Günter Berghaus (Hrsg.): Dem Leben auf den Grund gehen. Emil Wachters Adveniat-Krypta in der Essener Münsterkirche. Mit Photos von Felix Wachter. Klartext Verlag, Essen 2002, ISBN 3-89861-156-6.
Weblinks
- Literatur von und über Emil Wachter im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- emilwachterstiftung.de – Umfangreiche Werkschau, Biographie und Bibliographie. Dazu Verzeichnis öffentlich zugänglicher Werke
- Christine Süß-Demuth: Das Kreuz ist der Schlüssel. Zum 90. Geburtstag von Emil Wachter. Badische Zeitung
- Autobahnkirche St. Christophorus mit 3d-Panoramen
- Emil Wachter im Stadtwiki Karlsruhe
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wachter, Emil |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Bildender Künstler |
| GEBURTSDATUM | 29. April 1921 |
| GEBURTSORT | Neuburgweier |
| STERBEDATUM | 12. Januar 2012 |
| STERBEORT | Karlsruhe |
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Maler (Deutschland)
- Bildhauer (Deutschland)
- Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes
- Träger des Gregoriusordens (Komtur mit Stern)
- Träger des Verdienstordens des Landes Baden-Württemberg
- Ehrenprofessor des Landes Baden-Württemberg
- Träger des Silvesterordens (Komtur)
- Hochschullehrer (Kunstakademie Karlsruhe)
- Person (Rheinstetten)
- Deutscher
- Geboren 1921
- Gestorben 2012
- Mann