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Zehntscheune

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Zehntscheune aus Sechtem im LVR-Freilichtmuseum Kommern
Datei:Zehntscheune Friolzheim von 1563.jpg
Zehntscheune in Friolzheim, Enzkreis

Als Zehntscheune oder Zehntscheuer wurde ein Lagerhaus zur Annahme und Aufbewahrung der Naturalsteuer (Zehnt) bezeichnet.<ref>Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forste, Bayerischer Landesverein für Heimatpflege e. V. (Hrsg.): Bauernhäuser in Bayern. Dokumentation. Band 7: Helmut Gebhard, Hans Frei (Hrsg.): Schwaben. Ries, Mittelschwaben, Allgäu. Hugendubel, Kreuzlingen u. a. 1999, ISBN 3-89631-369-X, S. 386.</ref> In Bayern wird häufig der Begriff Zehntstadel verwendet. In Luxemburg spricht man von Zéintscheier<ref>Zéintscheier Grevenmacher, abgerufen am 16. Dezember 2015.</ref> oder Zéngtscheier.<ref>Zéngtscheier auf Luxemburger Wörterbuch, abgerufen am 16. Dezember 2015.</ref>

Häufig handelt es sich um Klosterscheunen, die ursprünglich im Eigenbetrieb der Klöster oder durch Grangien gebraucht wurden. Das Wort „Grangie“, {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), ist von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) (Getreidespeicher) abgeleitet. Auch herrschaftliche Domänen und adlige Güter bedienten sich derartiger Scheunen. Herrschaftliche Keller zur Lagerung der jährlichen Weinabgaben hießen Zehntkeller.<ref>Vorlage:Deutsches Wörterbuch</ref>

Geschichte

Datei:Wissembourg IMG 3635.jpg
Größenvergleich: Zehntscheuer und Kirche in Wissembourg, Elsass

Zehnt- und Klosterscheunen gab es bereits im Frühmittelalter. Frühe Beispiele findet man auf dem Klosterplan der Fürstabtei St. Gallen im frühen 9. Jahrhundert. Die dreischiffige Scheune wurde erst im 12. oder 13. Jahrhundert entwickelt. Zu ihren Vorläufern gehören die eisenzeitliche Halle, die hochmittelalterliche Fest- und Markthalle sowie das römische horreum.

Dafür ließen die Zehntherren an geeigneten Stellen, wo man die Naturalabgaben am besten und sichersten einsammeln und aufbewahren konnte – in oder bei ihrer Burg, auf einem ihnen gehörigen Gut, Zehnthof oder Pfleghof, in einem zehntpflichtigen Ort, in einer nahen Stadt – spezielle große Scheunen erbauen. Vielfach waren sie nach oder sogar vor der Kirche die größten Bauwerke des Orts, nicht nur weil sie erhebliche Mengen an verschiedenen Naturalabgaben aufnehmen mussten, sondern auch weil sie den Herrschaftsanspruch der Zehntherren vor Ort dokumentierten. In ihrer architektonischen Vielfalt spiegeln Zehntscheunen regionale und epochale Unterschiede in Baustil und -material wider, ebenso wie die unterschiedliche Wirtschaftskraft ihrer Bauherren.

Erhaltene Zehntscheuern stehen inzwischen häufig unter Denkmalschutz. Sofern sie weiterhin unter öffentlicher Trägerschaft stehen, wurde die Nutzung wenn möglich an heutige Bedürfnisse angepasst. Auf diese Weise wurden sie zu Kultur- und Gemeindezentren, Museen und Versammlungsorten.

Verbreitung

Zehntscheunen oder Grangien gab es hauptsächlich in Mitteleuropa. In England gibt es viele;<ref>Zehntscheunen in England – Fotos + Infos</ref> in Schottland oder Irland sowie in Skandinavien, Italien oder Spanien sind sie weitgehend unbekannt. In einigen wenigen Orten Spaniens existierten allerdings städtische Lagerhäuser (pósitos) zur Versorgung der Armen oder für Notzeiten.

Heutige Nutzung

Datei:Herzogskasten Abensberg.JPG
Herzogskasten in Abensberg
Datei:Abdijschuur.jpg
Innenansicht der Zehntscheune im belgischen Kloster Ter Doest
Datei:Jesberg Zehntscheune.jpg
Zehntscheune in Jesberg, Hessen, heute teils Getreidescheune, teils Museum
Datei:Hessenpark Zehntscheune 1.JPG
Zehntscheune von Trendelburg, heute im Freilichtmuseum Hessenpark
Datei:Zehntscheune Jesteburg.JPG
Zehntscheune in Jesteburg, Niedersachsen
Datei:Juliusspital, Zehntscheune Würzburg 20211107 0150.jpg
Zehntscheune Juliusspital in Würzburg

Mehrere noch erhaltene ehemalige Zehntscheuern befinden sich heute in Privatbesitz und werden als Veranstaltungsorte, Restaurants, Verkaufsstellen etc. genutzt. Andere stehen in öffentlichem Eigentum und werden heute für kulturelle Zwecke (Theater, Museum, Bibliothek) genutzt; wieder andere wurden zu Wohnhäusern umgebaut. Beispiele:

Literatur

Weblinks

Commons: Zehntscheunen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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