Hoodia gordonii
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| Hoodia gordonii | ||||||||||||
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| Datei:Hoodia gordonii P1010383.JPG
Hoodia gordonii | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Hoodia gordonii | ||||||||||||
| (Masson) Sweet ex Decne. |
Hoodia gordonii ist eine Pflanzenart der Gattung Hoodia aus der Familie der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae).
Beschreibung
Hoodia gordonii ist eine mehrjährige, dornige und blattlose Sukkulente. Unter idealen Bedingungen können alte Exemplare – bis zu 15 Jahre in der Wildnis – einen Meter groß werden, in der Regel sind sie aber deutlich kleiner. Zu Beginn wird nur ein Stamm gebildet, in der Folge können aber bis zu 50 Äste, die sich am Boden verzweigen, gebildet werden. Die zylindrischen Äste haben einen Durchmesser von bis zu 5 cm.
Im August und September werden terminal, oder nahezu terminal, sehr kurz gestielte Blütenstände gebildet, die aus ein bis vier Blüten bestehen. Die fünflappigen Blüten, mit einem Durchmesser von 75 mm, erinnern an Petunien. Die ersten Blüten werden nach ungefähr 5 Jahren gebildet.
Die bis zu 250 mm langen Kapselfrüchte werden im Oktober und November gebildet und die Samen werden durch den Wind verbreitet.<ref>Ian Oliver (Karoo Desert National Botanical Gardens): Hoodia gordonii (Masson) Sweet ex Decne. Auf: plantzafrica.com von Juli 2005; zuletzt abgerufen am 25. November 2015.</ref>
Systematik und Verbreitung
Die Erstbeschreibung als Stapelia gordonii durch Francis Masson wurde 1797 veröffentlicht ("Gordoni").<ref>Francis Masson: Stapeliae novae: or, a collection of several new species of that genus; discovered in the interior parts of Africa. W. Bulmer and Co., London 1796–1797, S. 24, Tafel 40.</ref> Joseph Decaisne stellte die Art 1844 in die Gattung Hoodia.<ref>In: Augustin Pyrame de Candolle (Hrsg.) Prodromus systematis naturalis regni vegetabilis. Band 8, 1844, S. 665 (online).</ref> Für den Gattungsnamen verwies er dabei auf die dritte Auflage von Robert Sweets Hortus Britannicus von 1839.<ref>George Don (Hrsg.): Sweet’s Hortus Britannicus, Or, A Catalogue of All the Plants Indigenous Or Cultivated in the Gardens of Great Britain, Arranged According to the Natural System. 3. Auflage. James Ridgway, London 1839, S. 463 (online).</ref>
Hoodia gordonii wächst zerstreut und fragmentiert in den Halbwüsten im südlichen Afrika; vor allem in Südafrika (Nordkap und Westkap) und in Namibia (Kalahari-Wüste), einzelne Vorkommen gibt es auch in Angola und Botswana. Die Pflanze toleriert Temperaturen zwischen −3 °C und 40 °C und wächst sowohl auf sandigem als auch auf steinigem Untergrund.<ref>Elsabe Swart: Hoodia gordonii in South Africa. (= NDF Workshop in Cancun; WG3–Succulents and Cycads, Case Study. Band 6). 2008 (Volltext als PDF; abgerufen am 23. November 2015).</ref>
Ökologie
Die Blütezeit von Hoodia gordonii am Standort erstreckt sich vom November bis in den April.<ref>Peter Vincent Bruyns: The Apocynaceae of Namibia. In: Strelitzia. Nr. 34, 2014, S. 101 (online).</ref>
Artenschutz
Hoodia gordonii steht in Südafrika unter gesetzlichem Naturschutz; die ganze Gattung Hoodia wurde 2004 auch international unter Artenschutz gestellt (13. Vertragsstaatenkonferenz zum Washingtoner Artenschutzübereinkommen). Damit dürfen sowohl ganze Pflanzen als auch Teile und Erzeugnisse daraus (z. B. pharmazeutischen Produkte / Nahrungsergänzungsmittel) nur gehandelt werden, wenn eine naturverträgliche Herkunft nachgewiesen wird. Verstöße gegen die bestehende Aus- bzw. Einfuhrgenehmigungspflicht können Bußgeld- und sogar Strafverfahren nach sich ziehen. Selbst im innereuropäischen Handel muss sowohl der Verkäufer als auch der Käufer belegen können, dass das Produkt oder die verarbeitete Pflanze mit den genannten Genehmigungen in die EU gelangt ist. Dies gilt auch bei Einkäufen über das Internet, insbesondere wenn die Sendung aus einem Nicht-EU-Staat kommt. Produkte, die Hoodia gordonii enthalten, gehören in Österreich zu den Artenschutzobjekten die am häufigsten vom Zoll beschlagnahmt werden.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Statistik: Jahresdaten über die Einfuhr, Ausfuhr und Wiederausfuhr von CITES-gelisteten Exemplaren. (Beschlagnahmungen in Österreich) Auf: bmlfuw.gv.at vom 1. Juni 2015 ( vom 23. November 2015 im Internet Archive)</ref>
Medizinische Nutzung
Hoodia gordonii wurde durch eine Werbekampagne bekannt, die der Pflanze eine appetithemmende Wirkung nachgesagte. In wissenschaftlichen Studien konnte der Effekt nicht gezeigt werden<ref name="Wendy u. a. In: Am J Clin Nutr. 2011">A. M. Wendy u. a.: Effects of 15-d repeated consumption of Hoodia gordonii purified extract on safety, ad libitum energy intake, and body weight in healthy, overweight women: a randomized controlled trial. In: The American Journal of Clinical Nutrition. November 2011, Band 94, Nr. 5, S. 1171–1181, doi:10.3945/ajcn.111.020321 (Volltext als PDF; abgerufen am 23. November 2015).</ref> und Verbraucherorganisationen raten dringend von der Einnahme ab.<ref>Verbraucherzentrale NRW: Hoodia: Gefahr für Gesundheit und Umwelt. - Stand: 12.01.2017 ; abgerufen am 10. Juli 2018.</ref>
Traditionelle Nutzung
Die Khoisan im südlichen Afrika nennen die Pflanze „Kowa“. Sie nutzten Hoodia gordonii wegen ihrer hungerstillenden Wirkung. In Notzeiten und während langer Jagdausflüge, auf denen die Jäger das erlegte Wild nicht selbst verzehrten, sondern traditionsgemäß in ihr Dorf zurückbrachten, sollen die Khoisan Hunger und Durst tagelang mit den leicht bitteren Spross-Stücken der Hoodia gestillt haben.
Erforschung und Patentierung
1977 wurde von Wissenschaftlern des Südafrikanischen Forschungsbeirates für Wissenschaft und Industrie (CSIR) ein Wirkstoff von Hoodia gordonii extrahiert der heute als P57 bekannt ist. Dieser Wirkstoff ist ein Steroidglykosid, 3-O-[β-D-thevetopyranosyl-(1→4)-β-D-cymaropyranosyl-(1→4)-β-D-cymaropyranosyl]-12β-O-tigloyloxy-14-hydroxy-14β-pregn-5-en-20-on.<ref>D. B. MacLean, L. G. Luo: Increased ATP content/production in the hypothalamus may be a signal for energy-sensing of satiety: studies of the anorectic mechanism of a plant steroidal glycoside. In: Brain research. Band 1020, Nr. 1–2, September 2004, S. 1–11, ISSN 0006-8993, doi:10.1016/j.brainres.2004.04.041, PMID 15312781.</ref> Der Wirkstoff wurde 1996 patentiert. Im darauffolgenden Jahr erwarb die englische Pharmafirma Phytopharm die Lizenz.<ref name="dixon">Robyn Dixon: Hoodia fever takes a toll on rare plant. In: Los Angeles Times. vom 26. Dezember 2006; zuletzt abgerufen am 25. November 2015.</ref> Phytopharm kooperierte mit Pfizer, um den Extrakt weiter zu analysieren und zu synthetisieren. 2002 zog sich Pfizer zurück, da die Synthetisierung zu aufwendig war und Komponenten des Wirkstoffes offensichtlich schädigende Nebenwirkung auf die Leber aufwiesen, die nicht entfernt werden konnten.<ref>Joan Morris: Little research behind claims that hoodia is safe, effective for losing weight. In: Seattle Times. vom 9. März 2006; abgerufen am 23. November 2015.</ref><ref name="bindra">Jasjit Bindra: A Popular Pill's Hidden Danger. In: The New York Times. vom 26. April 2005; abgerufen am 23. November 2015.</ref>
Ebenfalls 2002 gelang den afrikanischen Khoisan unter Mithilfe des terre-des-hommes-Partners WIMSA (Arbeitsgruppe für einheimische Minderheiten im südlichen Afrika) sowie des südafrikanischen WIMSA-Menschenrechtsanwalts Roger Chennels, Gewinnanteile (0,003 % des Nettogewinns) an der Vermarktung der Hoodia von Pfizer / Phytopharm einzuklagen.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />zu Patentfragen - Carolina Lasén Díaz: Intellectual Property Rights and Biological Resources: An Overview of Key Issues and Current Debates. In: Wuppertal Papers. Nr. 151, Februar 2005 Auf: wupperinst.org ( vom 27. September 2007 im Internet Archive; PDF) (englisch).</ref> Das Ziel war, die etwa 100.000 Khoi-San am Gewinn zu beteiligen, sobald der Wirkstoff „P 57“ auf den Markt kommt.
Im Dezember 2004 hat Phytopharm einen Lizenzvertrag und einen Vertrag zur gemeinsamen Erforschung der Pflanze mit dem niederländisch-britischen Konsumgüterkonzern Unilever abgeschlossen. 2008 löste Unilever die Verträge auf, nachdem die Firma bereits 20 Millionen Euro in die Erforschung investiert hatte und 2010 gab Phytopharm die Patentrechte an Südafrika ab.<ref>Shane Starling: Why Unilever canned €20m hoodia project: Newly published study disappoints. Auf: nutraingredients.com vom 18. Oktober 2011; abgerufen am 23. November 2015.</ref> 2011 wurde die klinische Studie veröffentlicht die zu der Entscheidung geführt hat. Diese belegt, dass der Wirkstoff die gleiche Wirkung wie ein Placebo besitzt.<ref name="Wendy u. a. In: Am J Clin Nutr. 2011" />
Vermarktung als Nahrungsergänzungsmittel
Schon seit der Patentierung 1996 gab es vereinzelte Berichte über Hoodia gordonii und seine angebliche Wirkung.<ref>Tom Mangold (BBC Correspondent): Sampling the Kalahari Hoodia diet. Auf: bbc.co.uk vom 30. Mai 2003; zuletzt abgerufen am 25. November 2015.</ref> Am 21. November 2004 wurde die Pflanze aber einer breiten amerikanischen Öffentlichkeit, durch einen Fernsehbeitrag, bekannt.<ref>Lesley Stahl: African Plant May Help Fight Fat. CBS News 60 Minutes Auf: cbsnews.com von 2004; zuletzt abgerufen am 25. November 2015.</ref> In der Folge produzierten eine Vielzahl von Firmen Nahrungsergänzungsmittel, die die Pflanze enthielten. Nahrungsergänzungsmittel wurden sie deshalb genannt, da diese einer geringeren Kontrolle unterliegen und keine klinischen Studien zur Wirksamkeit vorgelegt werden müssen.<ref name="Hawaleshka"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Danylo Hawaleshka: Hoodia love: An appetite suppressant used by Bushmen is the diet world's newest fad. Auf: macleans.ca vom 3. August 2005. ( vom 10. Oktober 2007 im Internet Archive)</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Lick Away Weight with Power Pops ( vom 20. November 2006 im Internet Archive). Auf: extratv.warnerbros.com vom 30. Mai 2006; abgerufen am 25. November 2015.</ref> Durch die plötzlich starke Nachfrage ging der Bestand der Art stark zurück und die Verfügbarkeit der Pflanze war nicht immer gegeben. In 50 % der angebotenen Produkte konnte daher der Inhaltsstoff nicht nachgewiesen werden.<ref name="inquirer"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Erika Engelhaupt: But do Hoodia diet pills actually work? Diet miracle from an African plant is a spam special. In: The Philadelphia Inquirer vom 9. Juli, 2006. ( vom 13. Juli 2006 im Internet Archive)</ref> Das Marketing ist zwar nicht mehr so intensiv wie vor einigen Jahren, Nahrungsergänzungsmittel mit Hoodia gordonii werden aber nach wie vor, und trotz wissenschaftlicher Widerlegung, als Diätpillen beworben und verkauft. Verbraucherorganisationen raten dringend von der Einnahme ab.<ref>Verbraucherzentrale NRW: Hoodia: Gefahr für Gesundheit und Umwelt - Stand: 12.01.2017 (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Februar 2023. Suche im Internet Archive )</ref>
Weblinks
- EU-Artenschutz-Verordnung. (PDF)Vorlage:Abrufdatum vom 9. Dezember 1996 (Hoodia auf S. 92 gelistet)
- Eintrag im EU NovelFood Katalog Auf: ec.europa.eu
Einzelnachweise
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