Joachim Hermann Luger
Joachim Hermann Luger (* 2. Oktober 1943 in Schömbach, Landkreis Altenburg, Thüringen) ist ein deutscher Schauspieler.
Leben
Luger wuchs in Berlin auf. Nach der mittleren Reife absolvierte er eine Ausbildung zum Chemielaboranten. Von 1966 bis 1969 besuchte er die private Schauspielschule Schneider-Wienecke in Stuttgart.<ref>Joachim Hermann Luger bei Filmmakers, abgerufen am 4. Oktober 2023</ref> Es folgte ein mehrjähriges Engagement am Stadttheater Lübeck. Er gastierte wiederholt am Westfälischen und Rheinischen Landestheater, bei den Ruhrfestspielen und den Festspielen in Bad Hersfeld.<ref>2017-2025 DGTL ONE Stuttgart: Joachim H. Luger. Abgerufen am 2. Oktober 2025.</ref> Über Engagements am Grillo-Theater Essen sowie am Schauspielhaus Bochum unter der Intendanz von Claus Peymann kam er in den 1970er-Jahren nach Bochum, wo er bis heute lebt.<ref>Joachim Hermann Luger bei den Schauspielbühnen in Stuttgart, abgerufen am 4. Oktober 2023</ref> Er ist verheiratet und hat zwei Söhne.
Bekannt wurde Luger vor allem in der Rolle des Sozialarbeiters und später an Parkinson erkrankten Hausmannes Hans Beimer (genannt Hansemann) in der Fernsehserie Lindenstraße.<ref>Hans Beimer. Abgerufen am 2. Oktober 2025.</ref> Luger war seit Beginn der Serie im Dezember 1985 (Folge 1) festes Mitglied des Ensembles.<ref>Joachim H. Luger spielte "Hans Beimer". 2. April 2013, abgerufen am 2. Oktober 2025.</ref> In der am 2. September 2018 ausgestrahlten 1685. Folge starb er den Serientod.<ref> "Lindenstraße": Joachim Luger lässt Vater Beimer den TV-Tod sterben, rp-online.de, 7. Mai 2018</ref><ref>Die Ruhe nach dem Sturm. 22. August 2018, abgerufen am 2. Oktober 2025.</ref> In der am 1. März 2020 ausgestrahlten 1754. Folge hatte er einen Auftritt als Geist.<ref>Folge 1754: Die Geister, di... - Lindenstraße - ARD | Das Erste. Abgerufen am 2. Oktober 2025.</ref>
Luger spielte zudem in der Serie Eine ganz gewöhnliche Geschichte und war neben Tana Schanzara in dem Film Ihr habt meine Seele gebogen wie einen schönen Tänzer unter der Regie von Roland Reber zu sehen.<ref>Joachim Hermann Luger | filmportal.de. Abgerufen am 2. Oktober 2025.</ref> Auch in Episoden bekannter Fernsehserien wie Unser Lehrer Doktor Specht, Liebling Kreuzberg sowie der Reihe Tatort war er zu sehen.<ref>imfernsehen GmbH & Co KG: Filmografie Joachim Hermann Luger. 27. März 2020, abgerufen am 2. Oktober 2025.</ref>
Neben seiner Fernsehtätigkeit arbeitet Luger vornehmlich als Bühnenschauspieler an verschiedenen Theatern des Ruhrgebiets. Ab 1995 gestaltete er gemeinsam mit seiner Kollegin Petra Afonin musikalisch-literarische Programme am Bochumer Prinzregenttheater.
Luger war auch in dem Einpersonenstück Klamms Krieg von Kai Hensel zu sehen.<ref>Klamms Krieg beim Theater Kohlenpott, abgerufen am 4. Oktober 2023</ref> Mit dem Stück, das wegen seiner Handlung für die Aufführung in Klassenzimmern ausgelegt ist, trat er auch in Schulen vor Klassen ab der 10. Jahrgangsstufe auf: Der Deutschlehrer Klamm hat einem Schüler einen notwendigen Punkt für die Zulassung zum Abitur verweigert, worauf sich dieser erhängt. Sein Leistungskurs will Klamm dafür zur Verantwortung ziehen und erklärt ihm brieflich den Krieg. Luger, der das Solo-Drama nach eigener Aussage für „einen der besten Texte“ hält, die er in jüngster Zeit gelesen habe, äußerte sich in einem Interview kritisch zum deutschen Schulsystem: „Die Grundschule absolvieren die meisten noch mit Spaß. Aber an den weiterführenden Schulen fangen alle an zu stöhnen. Da muss doch etwas falsch sein.“ (Luger im Gespräch mit Ulrike Drebs im Westfalenspiegel). Viele Schüler, mit denen der Schauspieler nach den sogenannten „mobilen Klassenzimmerinszenierungen“ diskutiert, hätten in Zügen des Neurotikers Klamm real existierende Pädagogen wiedererkannt.
Luger präsentiert ferner im WDR Fernsehen regelmäßig die Kochsendung Lecker essen innerhalb der Lokalzeit, in der er sich in die heimischen Küchen von Hobbyköchinnen und -köchen einlädt, die ihre Lieblingsrezepte vorstellen.
Luger engagiert sich privat für Menschen mit Down-Syndrom (Trisomie 21). So ist er Pate des seit 2003 jährlich in Frankfurt am Main und seit 2005 zusätzlich in Magdeburg stattfindenden Deutschen Down-Sportlerfestivals<ref>Down-Sportlerfestival bricht alle Rekorde in der Ärztezeitung vom 9. Mai 2012, abgerufen am 4. Oktober 2023</ref> und er nahm an einer Posterkampagne teil. Auf den Postern und Postkarten, die im Oktober 2005 veröffentlicht wurden, ist er gemeinsam mit seiner Lindenstraßen-Kollegin Irene Fischer und Albin Jonathan, einem Teenager mit Down-Syndrom, zu sehen.
Filmografie
- 1971: Überlebensgroß Herr Krott – Requiem für einen Unsterblichen (Fernsehfilm)
- 1975–1976: Eine ganz gewöhnliche Geschichte (Fernsehserie)
- 1980: Ihr habt meine Seele gebogen wie einen schönen Tänzer (Fernsehfilm)
- 1984: Tatort: Kielwasser (Fernsehreihe)
- 1984: Werbung macht’s möglich (4 Folgen, WDR Schulfernsehen)
- 1985–2018, 2020: Lindenstraße (Fernsehserie, 887 Folgen)
- 1986: Detektivbüro Roth (Fernsehserie, 1 Folge)
- 1987: Gegen die Regel (Fernsehfilm)
- 1990: Die Beimers (Fernsehfilm)
- 1992: Unser Lehrer Doktor Specht (Fernsehserie, 3 Folgen)
- 1992: Tatort: Blindekuh
- 1993: Sechs Richtige (Miniserie)
- 1995: Entführung aus der Lindenstraße (Fernsehfilm)
- 1997: Ein Bayer auf Rügen (Fernsehserie, 1 Folge)
- 1997: Liebling Kreuzberg (Fernsehserie, 1 Folge)
- 2006: Lindenstraße: Finstere Weihnacht (Fernsehfilm)
- 2012: Theater am Dom: Achtung Deutsch! (Theater)
- 2016: SOKO Köln (Fernsehserie, 1 Folge)
Hörspiele (Auswahl)
- 1968: Günter Bruno Fuchs: Straße des Eulenspiegel – Regie: Fritz Schröder-Jahn (SDR)
- 1998: Gerhard Herm: Adieu mein armes Negerlein (Herr Magenau), mit Günter Schoß, Oliver Brod, Klaus Herm, Dirk Galuba, Horst Mendroch u. a. – Regie: Klaus Dieter Pittrich (WDR)
Literatur
- Peter Ortmann: Das System frisst sich selbst. Rezension zu Klamms Krieg. In: TAZ NRW vom 3. September 2005, S. 4.
- Ulrike Drebs: Man sieht sich auch gern mal in der Heldenrolle. Porträt Joachim Hermann Lugers. In: Westfalenspiegel (1/2006), S. 26 f.
- Joachim Luger: Lecker Essen: mit Joachim Luger, Schlütersche Verlag 2007, ISBN 978-3-89993-734-3
- Werner Streletz: Der Beifahrer. Ein Selbstgespräch. Mit einem Hörbuch (gelesen von Joachim Hermann Luger), illustriert von Zarko Radic. 2. Aufl., Projektverlag Bochum 2021, ISBN 978-3-89733-523-3
Weblinks
- Vorlage:IMDb/1
- Werner Streletz und Joachim Hermann Luger: Der Beifahrer. Ein Roadmovie in Versen. Rezension im Deutschlandfunk
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Luger, Joachim Hermann |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Schauspieler |
| GEBURTSDATUM | 2. Oktober 1943 |
| GEBURTSORT | Schömbach, Landkreis Altenburg, Thüringen |