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Heinrich Ernemann

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Datei:Robert Sterl - Bildnis Heinrich Ernemann 1919.jpg
Robert Sterl: Bildnis Heinrich Ernemann (1919), Original verschollen

Heinrich Ernemann (* 28. Mai 1850 in Gernrode (Eichsfeld); † 16. Mai 1928 in Kurort Hartha-Hintergersdorf; vollständiger Name: Johann Heinrich Ernemann) war ein deutscher Unternehmer und Erfinder in der Foto- und Kinogeräteindustrie sowie Gründer der Ernemann-Werke AG.

Leben

Ernemanns Vater starb, als seine Mutter erst 15 Jahre alt war. Sie hatte ihren Lebensunterhalt beim Bauern Joseph Brodmann verdienen müssen. Die Mutter heiratete den Witwer Johannes Günther, ein Weber mit drei Kindern. Die Familie lebte im Nebengebäude eines Landwirts an der Wipper. Drei Schwestern und ein Bruder kamen noch hinzu. Der Stiefvater hat Heinrich Ernemann nie adoptiert. Er wuchs in Armut auf, die mit dem Tod seines Stiefvaters 1861 noch schlimmer wurde. Ernemann besuchte die Volksschule. In Carl Joseph Hentrich, einem Helfer der Familie, fand Ernemann einen väterlichen Freund und Wohltäter, der dem elfjährigen ein zweites Zuhause bot. Nach Abschluss der Schule verließ Ernemann das Heimatdorf. Für den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wurde er gemustert, wurde als einziger Sohn einer Witwe aber nicht eingezogen. Er zog nach Essen und nahm eine Stelle als Hilfsarbeiter an. 1873 wechselte er nach Pirna und besuchte die dortige Handelsschule. Anschließend arbeitete er als Handelsvertreter. Zwei Jahre später heiratete er in der Dresdner Kreuzkirche Therese Grafe und wechselte zum lutherischen Glauben. Ihre Mutter betrieb in Dresden ein Kurzwarengeschäft in der Pirnaischen Vorstadt, dass das Paar ab 1876 bewirtschaftete. Sie wohnten in einem Hinterzimmer des Ladens.<ref name="Can">Klaus Hoffmann-Reicker: Der geänderte Canalettoblick. Gründerzeit in Dresden. edition Sächsische Zeitung SAXO'Phon GmbH, Dresden 2013, ISBN 978-3-943444-06-3, S. 114–123.</ref>

Das Geschäft verkaufte Ernemann 1889 und wurde mit dem Erlös Teilhaber der Kameratischlerei von Wilhelm Franz Matthias. Noch im gleichen Jahr ließ er seine erste Firma im Dresdner Handelsregister eintragen: „Dresdner photographische Apparate – Fabrik Ernemann und Matthias“. Bereits 1891 schied Matthias aus. Ernemann suchte neue, größere Produktionsräume und fand diese in einem Hinterhaus auf der Pirnaischen Straße 16. In diesem Jahr tauchten erste amerikanische Amateurkameras aus den Vereinigten Staaten auf. Ernemann brachte erste eine eigene Entwicklung auf den Markt und stellte den Handelsvertreter Ludwig Bode ein. Ab 1890 hielt der Rollfilm Einzug in Ernemanns Kameras.<ref name="Can" /> Er etablierte sich in der noch jungen Fotoindustrie und vergrößerte in vorausschauender Weise das Unternehmen zu einem der bedeutendsten Foto- und kinotechnischen Betriebe des Deutschen Reichs.<ref>50 Jahre Ernemann. In: Schweizer Film = Film Suisse: offizielles Organ der Schweiz. Heft 84, 1. Februar 1940, S. 36, abgerufen am 14. Juni 2020.</ref>

Datei:Heinrich Ernemann Werke 1900.jpg
Anzeige der Heinrich Ernemann AG von der Weltausstellung Paris 1900

1892 erhielt Ernemann sein erstes Patent für eine Kamera, bei der er als erster anstelle einer Glaslinse ein selbstkonstruiertes periskopisches Objektiv setzte, bei dem zwischen beiden Objektivgliedern ein Metallverschluss angebracht war. In den Folgejahren wurden seine Kameras von Fotografenvereinen und Ausstellungen mit zahlreichen Preisen bedacht. Der Betrieb zog auf die Kaulbachstraße 13 auf sein eigenes Grundstück, ausgestattet mit modernen Dampf- und Werkzeugmaschinen. 1898 konnte die auf Spezialapparate für klinische und wissenschaftliche Reproduktionen spezialisierte Görlitzer Firma Herbst & Firl eingegliedert werden. Auch durch die Aufnahme von Atelier- und Reisekameras in das Sortiment wurde ein erneuter Umzug nötig, diesmal in die Schandauer Straße 48.<ref name="Can" />

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Gruppenbildnis der Familie Ernemann (um 1900)

Um die Jahrhundertwende beschäftigte Ernemann etwa 250 Arbeiter.<ref name="Can" /> Sein Sohn Alexander (1878–1956) trat 1904 in das Unternehmen ein. 1910 erhielt Ernemann das Ritterkreuz 1. Klasse des königlich sächsischen Albrechtsordens. Sein Ansehen und Einfluss wuchsen weiter, sodass er 1913 zum königlich sächsischen Kommerzienrat ernannt wurde. Ernemann setzte sich intensiv für die Schaffung eines Lehrstuhls für Photographie an der Technischen Hochschule Dresden unter Leitung von Hermann Krone<ref name="Can" /> ein. Durch die enge Verbindung von Forschung und Produktion konnte Ernemann mit der Konstruktion eine Kinoprojektors bald das Sortiment seiner Firma erweitern. Ab 1903 entwickelt Ernemann den Amateuerfilmapparat „Ernemann-Kino“, mit dem man filmen, projizieren und vervielfältigen konnte. Mit diesem Gerät führte Ernemann den Begriff „Kino“ ein. Ab 1907 stellte die Firma Objektive für Foto- und Kinoapparate her. 1909 kam der „Ernemann Imperator“ heraus, der in kurzer Zeit die bis dahin führenden französischen Vorführgeräte vom Markt verdrängte. Bis 1921 wurden von dem Modell zehntausend Stück gebaut.<ref name="Can" />

Später wurden er und Sohn Alexander Gründungsmitglieder der Gesellschaft der Förderer und Freunde der Technischen Hochschule Dresden e. V. Die Verleihung der Ehrendoktorwürde (als Dr.-Ing. E. h.) der Technischen Hochschule Dresden am 24. Juli 1924 war die Würdigung seines Lebenswerks.

Bedingt durch die Wirtschaftskrisen der 1920er Jahre<ref name="Can" /> fusionierten die Ernemann-Werke AG 1926 mit Carl Zeiss, der Optischen Anstalt C. P. Goerz, der Internationalen Camera Actiengesellschaft (ICA) und der Contessa-Nettel zur Zeiss-Ikon AG. Die Geschichte des Dresdner Familienunternehmens ging damit nach 37 Jahren zu Ende. Heinrich Ernemann gehörte dem Aufsichtsrat des neuen Unternehmens an.<ref>Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 11722, Zeiss Ikon AG, Dresden, 1889–1949</ref>

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Ermemanns Sommer-Villa Heinrichs Eck auf den Fotos Partie im Kurpark und Villenviertel Hartha, 1904
Datei:Heinrich Ernemann.jpg
Grab Heinrich Ernemanns auf dem Johannisfriedhof in Dresden-Tolkewitz

Ernemann starb 1928 in seiner 1900 errichteten Sommervilla Heinrichs Eck (heute: Am Hartheberg 21) im Kurort Hartha. Sein Grab befindet sich auf dem Johannisfriedhof in Dresden-Tolkewitz.

Die 1891 von der Familie Ernemann bezogene Villa Justinenstraße 8 in Dresden-Blasewitz fiel am 13. Februar 1945 dem Luftangriff zum Opfer, die Ruine wurde in der Nachkriegszeit abgerissen. An ihrer Stelle steht heute ein Wohnblock.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Straßen und Plätze in Blasewitz: Justinenstraße (Memento vom 7. Februar 2023 im Internet Archive)</ref> Ernemanns Tochter war die Mutter des AEG-Managers Hans Heyne.

Ehrung

Die Ernemannzeile in Berlin-Staaken wurde 1965 zu seinen Ehren benannt.

Literatur

  • Walter Schulz: Ernemann, Johann Heinrich. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 4. Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
  • Richard Hummel: 150 Jahre Kameras aus Dresden. In: Jenaer Rundschau, ISSN 0368-203X, Jahrgang 1989, Nr. 2, S. 59 ff.
  • Peter Göllner: Ernemann Cameras. Die Geschichte des Dresdner Photo-Kino-Werks. Mit einem Katalog der wichtigsten Produkte. Wittig Fachbuchverlag, Hückelhoven 1995, ISBN 3-930359-29-4.
  • Herbert Blumtritt: Geschichte der Dresdner Fotoindustrie. 2. Auflage, Lindemanns Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-89506-212-X.
  • Jan Abu Kaulfuhs: Dresdner weltweit. Die Ernemann-Enkelin über Flucht und Fernweh. In: Dresdner Neueste Nachrichten vom 11. Juli 1998.
  • Frohmut V. Barsch (Hrsg.): Informationsbroschüre zur Einweihungsfeier der restaurierten Villa Ernemann. Bissendorf / Kurort Hartha, 24. Juli / 26. Juli 1998.
  • André Kaiser: Abschluss der Rekonstruktion der Villa „Heinrichs Eck“. 70. Todestag des kgl. sächs. Kommerzienrates Dr. e.h. Heinrich Ernemann. Begründer der Dresdner Fotoindustrie. In: Harthaer Gemeindeblätt'l vom August 1998.
  • Dorit Oehme: Happy End fürs Sommerhaus. In: Sächsische Zeitung, Freitaler Zeitung vom 4./5. Februar 2012, S. 16.

Weblinks

Commons: Heinrich Ernemann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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