Dach der Welt
Dach der Welt ist heute eine metaphorische Bezeichnung für die höchstgelegenen Regionen Innerasiens, die in ihrer Gesamtheit Hochasien genannt werden und die ausgedehnteste, im tibetischen Hochland durchschnittlich über 4.500 m in die Atmosphäre aufragende Landmasse der Welt darstellen.
Häufig wird diese Bezeichnung jedoch für kleinere bzw. Teilgebiete dieser Großregion benutzt, so für
- den Pamir,
- Tibet bzw. das tibetische Hochland
- und das Himalaya-Gebirge.
In älteren Nachschlagewerken wird der Begriff ausschließlich für das Pamir-Hochland verwendet, so der Große Brockhaus von 1928 ff.: „Dach der Welt, Bezeichnung für das Hochland von → Pamir“<ref>Der Große Brockhaus in 20 Bänden. Leipzig 1928–1935, Band 4, S. 319.</ref> oder The Columbia Encyclopedia von 1942.<ref>The Columbia Encyclopedia, 1942 ed., S. 1335.</ref> Letztere erklärt das Wort „Pamir“ selbst als persisches Wort mit der Bedeutung „Dach der Welt“,<ref>Columbia Encyclopedia „Pamir – the Pamirs (Persian =roof of the world)“</ref> ebenso die Encyclopaedia Britannica („Bam-i-dunya = Roof of the World“)<ref> “Pamirs, a mountainous region of central Asia…the Bam-i-dunya (‘The Roof of the World’)”</ref> – und auch auf englischen Homepages von Pamir wird dieses Wort als das „Dach der Welt“ interpretiert.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />The Pamirs ( vom 16. Dezember 2008 im Internet Archive), a region they know as POMIR – „the roof of the world“.</ref> Die Bezeichnung geht auf John Wood (1812–1871) zurück, einen schottischen Forschungsreisenden, der als Marineoffizier im Auftrag der Englischen Ostindien-Kompanie das Indusgebiet und die Pamir-Täler erforschte. 1838 berichtete er, dass der „einheimische Ausdruck“ Bam-i-Duniah oder „Roof of the World“ (wahrscheinlich aus dem iranischen Wachi-Dialekt) für den Pamir üblich sei.<ref>John Keay: When Men and Mountains Meet: The Explorers of the Western Himalayas, 1820–1875. Oxford University Press, Oxford/London 1983, ISBN 0-19-577465-5, ISBN 0-7126-0196-1, S. 153.</ref>
Laut Großem Brockhaus hingegen ist das Wort „Pamir“ türkisch und bedeute „kalte Steppenweide.“<ref>siehe auch: Rudolf Köster: Eigennamen im deutschen Wortschatz: Ein Lexikon. De Gruyter 2002, ISBN 978-3-11-017702-2, S. 132.</ref><ref name="Große Brockhaus">Der Große Brockhaus in 20 Bänden. 15. Auflage. Leipzig 1928–1935, Band 14 (1933), S. 96 (online)</ref> Das Pamir-Hochland sei „Knotenpunkt der Gebirgssysteme des Tianshan, Kun-lun, Karakorum, Himalaja und Hindukusch, daher das Dach der Welt genannt.“<ref name="Große Brockhaus" /> In jüngeren Brockhaus-Ausgaben ist allerdings „daher“ durch „auch“ ersetzt und der Pamir als „Knoten großer Gebirgssysteme“ wird etwas anders definiert: „Tian Shan, Alai-Gebirge, Trans-Alai, Kunlun, Karakorum und Hindukusch“.<ref>Der Neue Brockhaus. Wiesbaden 1975, Band 4, S. 121.</ref>
Seit dem Erwachen des öffentlichen Interesses an Tibet ist indes das Pamir-Hochland als die zu Beginn des 20. Jahrhunderts „am besten erforschte Region Hochasiens“<ref>Übersetzt aus: </ref> aus dem Rampenlicht getreten, und die Bezeichnung „Dach der Welt“ wurde in wachsendem Ausmaß auf Tibet übertragen.
Auch der Gipfel des Mount Everest, der höchste Punkt der Erde, wird – vor allem im Französischen – als „Dach der Welt“ („Toît du monde“) bezeichnet.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />z. B. Encyclopédié et Dictionaires Larousse ( des Vorlage:IconExternal vom 17. Juni 2008 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis..</ref>
Einzelnachweise
<references />