Zum Inhalt springen

Bengalisches Feuer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 27. März 2026 um 16:43 Uhr durch imported>ⵓ (; •3 externe Links geändert• 🌐︎).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Feuerwerk Ullrichshusen IMG 3134.jpg-2.jpg
Bengalisches Feuer am Schloss Ulrichshusen

Bengalisches Feuer (bengalisches Licht, bengalische Flamme oder kurz Bengalo) ist ein Effekt der Pyrotechnik unter Benutzung eines weißen oder farbigen pyrotechnischen Satzes. Die Flammenfärbung ist abhängig von dem verwendeten Metall, das dem Brennstoff zugemengt ist. Charakteristisch für bengalisches Feuer sind ein greller Lichtschein und eine intensive Rauchentwicklung, wobei es auch möglich ist, Flammen mit wenig Rauchentwicklung zu erzeugen.

Eine Miniaturversion dieses Effekts ist das bengalische Streichholz. Es gehört zum Kleinstfeuerwerk und ist besonders in Deutschland beliebt.<ref>Alexander P. Hardt: Pyrotechnics, Pyrotechnica Publications, Post Falls Idaho USA 2001, ISBN 0-929388-06-2, S. 74 ff.</ref>

Begriffsgeschichte

Der Begriff bengalisch ist abgeleitet von dem Namen der historischen Region Bengalen (heute Bangladesch und der indische Bundesstaat Westbengalen). Die dortigen Fürstenhöfe wurden durch bunte Lichter beleuchtet, die durch chemische Reaktionen erzeugt wurden. Ursprünglich verstand man unter dem Begriff bengalisches Feuer nur das Licht zur glänzenden Beleuchtung eines Gegenstandes. Zur Erzeugung des Lichts wurden Schwefel, das Nitrat Salpeter und das Mineral Realgar verwendet.

Gefährdungspotenzial

Datei:Bengalfackel.svg
Schematischer Aufbau einer bengalischen Fackel

Bei der Verwendung von Handfackeln wird unter anderem Magnesium verbrannt; dabei entsteht eine Flamme mit einer Temperatur zwischen 1600 und 2500 °C. Verletzungen durch Verbrennung können auch hervorgerufen werden, wenn ein direkter Kontakt mit dem Feuer gar nicht zustande kommt. Die intensive Lichterscheinung kann bei direktem Blickkontakt zu massiven Blendwirkungen führen.

Ersticken der Flamme mit Sand, Löschen mit Wasser oder Feuerlöschern ist oft nicht möglich.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Pyrotechnik in Fußballstadien – eine heiße Kiste (Memento vom 25. Juni 2021 im Internet Archive)</ref> Brandschutzhersteller bezeichnen als sicherste Methode die Verwendung eines Löschmittels auf Gelbasis, das durch eine starke Abkühlung Weiterentzündung verhindert.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vortrag Fachkonferenz Nürnberg 2013 (Memento vom 17. Mai 2014 im Internet Archive)</ref> Das Kartongehäuse und die Schlacke – bei Fackeln meist tropfend – sind noch lange Zeit so heiß, dass sie auch bei kurzer Berührung erhebliche Verbrennungen verursachen können.<ref>Zeitungsartikel in der (RP) mit Bilderstrecke zu einer Vorführung von bengalischem Feuer und sogenannten „Polenböllern“.</ref>

Die Fackeln entwickeln sehr dichten und intensiven Rauch, der zu Sichtbehinderungen und innerhalb großer Menschenmengen zu panikartigem Verhalten führen kann. Das Einatmen des Rauchs sollte aus Gesundheitsgründen vermieden werden. Jedoch gibt es (Stand 2014) keine belastbaren Studien zur Gesundheitsgefährdung durch den Rauch.<ref>Osnabrück-Ultra vor Gericht: Pyro-Rauch nicht gesundheitsschädlich. In: t-online.de. 17. Februar 2016, abgerufen am 24. Februar 2024.</ref>

Verwendung

Datei:Flare 0.jpg
Bengalisches Feuer (Starklicht-Handfackeln) als Warnsignale

Bengalische Feuer werden meist in Form von Fackeln – zum Teil in Kombination mit Rauchsätzen – im Barockfeuerwerk, für Lichterbilder, bei pyrotechnischen Beleuchtungen, in Fußballstadien, bei Freiluftkonzerten oder auch als Warnsignal und (See-)Notsignal verwendet.

Bengalische Feuer beim Fußball

Datei:Bengalo2.png
Bengalisches Feuer beim UEFA-Pokal-Spiel FC Parma–VfB Stuttgart 2005

Etwa seit den 1980er-Jahren werden bengalische Feuer von Fußballfans als optisches Stilmittel in Stadien entzündet.<ref>Am Anfang war das Feuer! 11freunde.de, 4. November 2012, abgerufen am 3. Januar 2013.</ref> Wegen der Verletzungsgefahren<ref>Verletzte beim Türkei-Derby. rp-online.de, 22. Juli 2010, abgerufen am 12. Februar 2013.</ref> hat es in vielen Ländern Verschärfungen der Rechtslage gegeben. Viele Fußballverbände, darunter auch der Weltfußballverband FIFA und der europäische Fußballverband UEFA, verhängen für das Entzünden von Pyrotechnik hohe Geldstrafen gegen die beteiligten Vereine, die etwa in Deutschland auch auf die Verursacher umgelegt werden können.<ref>Wer knallt, muss zahlen. Spiegel Online, 22. September 2016, abgerufen am 20. Mai 2018.</ref>

In Norwegen und den USA gab es mitunter schon 2005 einzelne Bereiche in Stadien, in welchen nach vorheriger Anmeldung bestimmte Arten von Pyrotechnik kontrolliert abgebrannt werden durften.<ref>Edgar Lopez: Das kalte Feuer. In: Zeit Online. 20. Juli 2017, abgerufen am 1. April 2019.</ref><ref>Wollen Fans die sichere Pyro-Fackel überhaupt? Abgerufen am 1. April 2019.</ref><ref>EFFC 2017: Different approaches to legal pyrotechnics. Abgerufen am 1. April 2019.</ref>

Vorschrift

Nach dem UN-Nummernsystem werden pyrotechnische Fackeln als Explosivstoffe der Klasse 1.4 eingestuft.<ref>History of Pyrotechnic Marine Flares. Abgerufen am 4. Oktober 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Elektronischer Bengalo

Die Tübinger Firma ColdFlare entwickelte eine elektrische Version des bengalischen Feuers.<ref>Tobias Baumann: Elektronischer Bengalo aus Tübingen: ColdFlare soll Pyrotechnik revolutionieren – doch Ultras werden skeptisch bleiben, insidebw.de, 24. November 2025</ref> Das taschenlampenartige Gerät bläst aus einer Düse Dampf, der von einem Ring farbiger Leuchtdioden angestrahlt wird. Dadurch entsteht die Illusion einer bengalischen Fackel. Das Gerät kann nach Gebrauch wieder aufgeladen und neu befüllt werden. Da von ihm weder eine Brandgefahr ausgeht noch giftiger Rauch entsteht, soll sein Einsatz auch in sicherheitskritischen Bereichen wie Stadien möglich sein.

Literatur

  • Bengalisches Feuer. In: Robert Blum (Hrsg.): Allgemeines Theater-Lexikon oder Encyclopädie alles Wissenswerthen für Bühnenkünstler, Dilettanten und Theaterfreunde. DirectMedia Publ., Berlin 2008, ISBN 978-3-89853-622-6 (1 CD-ROM; Nachdr. d. Ausg. Leipzig 1846).
  • Bengalisches Feuer. In: Friedrich R. Kreißl, Otto Krätz (Hrsg.): Feuer und Flamme, Schall und Rauch. Schauexperimente und Chemiehistorisches; Ernst Otto Fischer zum 80. Geburtstag gewidmet. Wiley-VCH, Weinheim 2008, ISBN 978-3-527-32276-3, S. 92 f.

Weblinks

Commons: Bengalisches Feuer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein