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Scott Joplin

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Datei:Scott Joplin.jpg
Scott Joplin (ca. 1903)

Scott Joplin (* zwischen Juni 1867 und Januar 1868 bei Linden, Texas;<ref>vgl. Biografie Scott Joplin - the man and his music. Scott Joplin International Ragtime Foundation, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 19. Mai 2020; abgerufen am 7. März 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.scottjoplin.org sowie Reclams Jazzlexikon; Kunzlers Jazzlexikon gibt jedoch das Geburtsdatum 24. November 1868 an.</ref> † 1. April 1917 in New York City, New York) war ein US-amerikanischer Komponist und Pianist. Schlüssiger als andere Komponisten des Ragtime hat Joplin, der als „Vollender dieses Stils“ angesehen wird, Elemente der romantischen Klaviertradition mit der afroamerikanischen Folklore „zu kraftvollen Miniaturen verbunden, die in ihrer aphoristischen Dichte an Stücke von Erik Satie heranreichen“ (Martin Kunzler). Neben rund 80 Rags hat Joplin auch Bühnenwerke geschrieben.

Leben

Scott Joplin, Sohn eines zur Zeit seiner Geburt befreiten Sklaven, spielte als Kind Violine und erhielt ab dem siebten Lebensjahr systematischen Klavierunterricht bei Julius Weiss. Der aus Deutschland stammende Julius Weiss unterrichtete Joplin in Texarkana unentgeltlich und führte ihn an romantische Klaviermusik heran.<ref name="taz-joplin">Darius Hamidzadeh Hamudi: Scott Joplin: Komponist und Entertainer. In: Zylinderkopf-Dichtung (taz Blogs). 29. Juli 2025, abgerufen am 17. Februar 2026.</ref> In diesem Unterricht begegnete Joplin auch einem starken Opernideal, das Weiss als Inbegriff künstlerischen Anspruchs vermittelte.<ref name="taz-joplin" /> Bereits als Fünfzehnjähriger war er als Kneipen-Pianist in Texas und Louisiana unterwegs. Um 1891 trat Joplin zudem in Minstrel-Shows auf, einer damals populären, zugleich von rassistischen Stereotypen geprägten Theaterform, die afroamerikanischen Künstlern dennoch Bühnenzugang eröffnete.<ref name="taz-swipesy">Darius Hamidzadeh Hamudi: „Swipesy Cakewalk“. In: Zylinderkopf-Dichtung (taz Blogs). 31. August 2025, abgerufen am 17. Februar 2026.</ref> Ein Benefizauftritt dieser Minstrel-Truppe fand im Umfeld eines Südstaaten-Veteranentreffens statt, das Spenden für ein Denkmal zu Ehren Jefferson Davis’ sammelte.<ref name="taz-swipesy" /> Von 1885 bis 1893 lebte Joplin als Musiker in St. Louis, wo er in den Honky-Tonks und Saloons aufspielte. 1893 trat er auf der Weltausstellung in Chicago auf. Bis 1904 lebte Joplin in Sedalia (Missouri), wo auch der Maple Leaf Rag entstand, danach wieder in St. Louis.

In Sedalia gehörte Joplin zu den ersten Mitgliedern des im Dezember 1898 gegründeten Maple Leaf Club, eines afroamerikanischen Gentlemen’s Clubs.<ref name="taz-original">Darius Hamidzadeh Hamudi: „Original Rags“. In: Zylinderkopf-Dichtung (taz Blogs). 31. Dezember 2025, abgerufen am 17. Februar 2026.</ref> Dort spielte er regelmäßig Klavier und wurde in der Selbstdarstellung des Clubs als the entertainer angekündigt.<ref name="taz-original" /> Nach einer Polizeirazzia im Oktober 1899 geriet der Club unter anhaltenden öffentlichen Druck und wurde am 9. Juni 1900 durch Beschluss des Stadtrats von Sedalia geschlossen.<ref name="taz-original" /> Original Rags (1899) gilt als der erste Ragtime, den Joplin veröffentlichte.<ref name="taz-original" /> In Sedalia war Joplin zudem als Klavierlehrer tätig, marschierte mit der Queen City Cornett Band durch die Stadt und besuchte das George R. Smith College.<ref name="taz-maple">Darius Hamidzadeh Hamudi: „Maple Leaf Rag“. In: Zylinderkopf-Dichtung (taz Blogs). 10. Februar 2026, abgerufen am 17. Februar 2026.</ref> In diesem Umfeld entwickelte er den Maple Leaf Rag weiter und gewann John Stillwell Stark als Verleger.<ref name="taz-maple" /> Für die Veröffentlichung des Maple Leaf Rag ließ Joplin einen Vertrag aushandeln, um – anders als bei Original Rags, dessen Rechte er zuvor pauschal verkauft hatte – am Erfolg beteiligt zu sein, was ihm regelmäßige Einkünfte einbrachte.<ref name="taz-maple" />

Spätestens ab 1895 entstanden die meisten seiner Kompositionen, die er für den Eigenbedarf sowie auch für seine Vokalgruppe The Texas Medley Quartet verfasste, die in Vaudeville-Shows auftrat. Mit dem Texas Medley Quartette tourte Joplin Mitte der 1890er-Jahre bis an die Ostküste und hatte im März 1895 ein Gastspiel in New York.<ref name="taz-please">Darius Hamidzadeh Hamudi: „Please Say You Will“. In: Zylinderkopf-Dichtung (taz Blogs). 29. September 2025, abgerufen am 17. Februar 2026.</ref> Der Juwelier und Musikalienhändler Mantell veröffentlichte in diesem Zusammenhang Joplins Lied Please Say You Will als Notendruck; es handelt sich um ein sentimentales Salonstück und noch nicht um Ragtime.<ref name="taz-please" /> Ihm wurde die Anerkennung seiner Zeitgenossen zuteil, und er hatte einen sich immerhin teilweise auszahlenden Verkaufserfolg von Notenblättern seiner Stücke. Zu Joplins frühen Kompositionen gehört der Marsch The Great Crush Collision March (1896), der ein von der Missouri-Kansas-Texas Railroad inszeniertes Zugunglück in der Fantasiestadt Crush in Texas aufgreift, bei dem drei Menschen starben.<ref name="taz-crush">Darius Hamidzadeh Hamudi: „The Great Crush Collision March“. In: Zylinderkopf-Dichtung (taz Blogs). 27. Oktober 2025, abgerufen am 17. Februar 2026.</ref> Das Werk wurde am 15. Oktober 1896 urheberrechtlich geschützt, enthält in der Partitur programmatische Spielanweisungen und ist der Bahngesellschaft gewidmet.<ref name="taz-crush" /> Einige seiner komplexen Werke wie ein Musical, seine erste Oper (A Guest of Honor) und eine Symphonie, wurden nie veröffentlicht und sind verschollen. Seine zweite Oper Treemonisha (1910 fertiggestellt) wurde 1970 wiedergefunden und am 27. Januar 1972 erstmals vollständig aufgeführt. Die Partitur hatte Joplin 1911 im Selbstverlag unter dem Titel Treemonisha, Opera in Three Acts veröffentlicht.<ref name="taz-joplin" />

1903 starb das einzige Kind (eine Tochter) von Joplin und seiner ersten Frau Belle Jones. Im gleichen Jahr zerbrach ihre Ehe. Seine zweite Frau Freddie starb am 10. September 1904, zehn Wochen nach der Hochzeit, nur 20-jährig an den Folgen einer Erkältung.

Joplin zog 1907 nach New York und heiratete 1909 dort Lottie Stokes. Im Dezember 1913 gründete er einen Musikverlag und veröffentlichte dort 1914 den Magnetic Rag. Er litt zunehmend unter den späten Symptomen seiner Syphilis-Erkrankung. Am 2. Februar 1917 kam er in das Manhattan State Hospital, ein psychiatrisches Krankenhaus. Dort starb er am 1. April 1917 an Demenz infolge Syphilis. Er wurde in einem Armengrab bestattet.

Bedeutung

Von Joplins zahlreichen Rags sind The Entertainer und der Maple Leaf Rag die bekanntesten Stücke. Von seinen Bühnenwerken ist nur die Oper Treemonisha (1911; neu instrumentiert durch Gunther Schuller) erhalten. Die zu Ehren Theodore Roosevelts komponierte Oper A Guest of Honor ist ebenso verloren wie sein Ballett The Ragtime Dance. Joplin wandte sich gegen die Reduktion des Ragtime auf bloße Unterhaltung und verfolgte mit großem Ehrgeiz die künstlerische Anerkennung seiner Musik, insbesondere in größeren Bühnenformen wie der Oper.<ref name="taz-joplin" />

Gemeinsam mit James Scott und Joseph Lamb gehört Joplin zu den „Big Three“ des klassischen auskomponierten Ragtime. Seine Kompositionen sind durchgehend pianistisch anspruchsvoll, daher gibt es zahlreiche vereinfachte Ausgaben. Joplin bestand stets darauf, dass seine Stücke „nicht schnell“ zu spielen seien; häufig wird „Slow March Time“ gefordert: „It’s never right to play Ragtime fast“. Damit widersprach er der rasanten Spielpraxis einiger seiner Zeitgenossen, die anhand von einfacher strukturierten Rags eher Schnelligkeit als Musikalität zur Geltung brachten.

Seine im Jahr 1899 herausgebrachte gedruckte Ausgabe des Maple Leaf Rag kann als Meilenstein „populärer Musik“ angesehen werden – das erste Musikstück, das über eine Million Mal verkauft wurde. Hiermit löste Joplins Rag in einer „Ewigen Liste populärer Musik“ die in mehreren hunderttausenden verkauften Kopien des Klavierstücks Gebet einer Jungfrau von Tekla Bądarzewska von 1856 nach fast 50 Jahren dann ab.

Es existiert eine von Joplin selbst eingespielte Aufnahme von Pleasant Moments für die Metro-Art-Serie der Aeolian Company auf Klavierrolle.<ref>History of the Pianola Pianola Institute</ref><ref>Worn Axles: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Pleasant Moments (Memento vom 3. August 2009 im Internet Archive)</ref> Sie vermittelt einen Eindruck der Spielgewohnheiten seiner Zeit. Auch vom Maple Leaf Rag ist eine Klavierrolle mit Joplins eigener Einspielung überliefert.<ref name="taz-maple" /> Viele der weiteren Klavierrollen sind von Editoren gezeichnete Rollen, häufig mit einer von Hand nicht spielbaren Anzahl von Anschlägen pro Takt. Mehrere in den 1970er-Jahren neu herausgegebene Rollen (etwa zu Original Rags oder Swipesy Cakewalk) wurden Joplin zugeschrieben, ihre tatsächliche Einspielung durch ihn gilt jedoch als unsicher.<ref name="taz-original" /><ref name="taz-swipesy" />

Nach dem Tode Joplins verdrängte der Jazz den Ragtime für einige Jahrzehnte aus dem Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit. Knapp 60 Jahre nach seinem Tod genossen Joplin und sein Werk wieder weite Anerkennung. Insbesondere durch den siebenfach mit dem Oscar ausgezeichneten Spielfilm Der Clou (1973) mit Robert Redford, für dessen Filmmusik aus dem Werk Scott Joplins geschöpft wurde, gewann der Ragtime wieder an Beliebtheit. Während die Interpretation seiner Rags durch John Arpin als besonders authentisch angesehen wird, ermöglichte die Einspielung von 1974 durch den Pianisten Joshua Rifkin einen neuen Blick auf diese Musik.

An Scott Joplins ehemaligem Wohnsitz in St. Louis wurde 1984 die Scott Joplin House State Historic Site eingerichtet.

Sein ehrgeizigstes Werk, die Oper Treemonisha über die Lebensumstände der Afroamerikaner der Wiederaufbauepoche, wurde 1913 in Bayonne (New Jersey) uraufgeführt<ref>Barrymore Laurence Scherer: Opera ‘Treemonisha’ as It Was Intended To Be. In: Wall Street Journal, 6. Dezember 2011; abgerufen am 26. April 2015.</ref> sowie 1972 in Atlanta, sodann nahezu vergessen. Die deutsche Erstaufführung fand im August 1984 am Stadttheater Gießen statt.<ref name="Robbins/Marco"></ref> Eine weitere Aufführung auf einer deutschen Bühne brachte am 25. April 2015 das Staatsschauspiel Dresden in der Regie und Choreographie von Massimo Gerardi heraus.<ref>Treemonisha – Oper mit getanzten Szenen, Libretto und Musik von Scott Joplin, arrangiert von Keno Hankel, Felix Klingner und Florian Baum. Staatsschauspiel Dresden; abgerufen am 26. April 2015.</ref>

Werke (Auswahl)

Ragtime Betty
Violinist: João Pedro CunhaDatei:Ragtime Betty.ogg Speichern | Informationen

  • 1895: Please Say You Will (Lied)<ref name="taz-please" />
  • 1896: The Great Crush Collision March, Combination March, Harmony Club Waltz
  • 1899: Original Rags, Maple Leaf Rag
  • 1900: Swipesy Cakewalk (mit Arthur Owen Marshall)
  • 1901: Peacherine Rag, Sunflower Slow Drag, The Easy Winners, Augustan Club Waltzes
  • 1902: A Breeze From Alabama, Cleopha, Elite Syncopations, March Majestic, The Entertainer, The Ragtime Dance, The Strenuous Life, I Am Thinking Of My Pickaninny Days
  • 1903: Palm Leaf Rag, Something Doing, Weeping Willow, Little Black Baby, A Guest of Honor (Oper)<ref>Edward A. Berlin: A Biography of Scott Joplin (c.1867 - 1917). Scott Joplin International Ragtime Foundation, 1998, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 24. Februar 2007; abgerufen am 1. August 2007 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
  • 1904: The Cascades, The Chrysanthemum, The Favorite, The Sycamore
  • 1905: Bethena, Eugenia, Leola, Sarah Dear, The Rosebud March, Bink’s Waltz
  • 1906: Antoinette, Eugenia, The Ragtime Dance, Good-bye Old Gal Good-bye (arrangiert)
  • 1907: Gladiolus Rag, Rose Leaf Rag, When Your Hair Is Like The Snow, Heliotrope Bouquet (mit Louis Chauvin), Lily Queen (mit Arthur Owen Marshall), The Nonpareil, Searchlight Rag, Snoring Sampson (arrangiert)
  • 1908: Fig Leaf Rag, Hooker’s Hooker, Pine Apple Rag, School Of Ragtime, Sugar Cane, Sensation (arrangiert)
  • 1909: Country Club, Euphonic Sounds, Paragon Rag, Pleasant Moments, Solace, Wall Street Rag
  • 1910: Stoptime Rag
  • 1910: Treemonisha, Oper
  • 1911: Felicity Rag, Lovin' Babe
  • 1912: Scott Joplin’s New Rag
  • 1913: Kismet Rag
  • 1914: Magnetic Rag
  • 1916: Ole Miss Rag
  • 1917: Reflection Rag
  • 1917: Silver Swan Rag (posthum)

Siehe auch

Literatur

  • Edward Berlin: King of Ragtime: Scott Joplin and his Era. Oxford University Press, Oxford / New York 1994, ISBN 0-19-508739-9.
  • Wolf Kampmann (Hrsg.), unter Mitarbeit von Ekkehard Jost: Reclams Jazzlexikon. Reclam, Stuttgart 2003, ISBN 3-15-010528-5.
  • Martin Kunzler: Jazz-Lexikon. Band 1: A–L (= rororo-Sachbuch. Bd. 16512). 2. Auflage. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2004, ISBN 3-499-16512-0.
  • Gildo De Stefano: Ragtime, jazz & dintorni. Vorwort von Amiri Baraka. Sugarco, Mailand 2007, ISBN 978-88-7198-532-9.

Weblinks

Commons: Scott Joplin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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