Zum Inhalt springen

Russifizierung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 27. April 2026 um 05:55 Uhr durch imported>Invisigoth67 (form).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Kyrillisch (Russisch)
русификация
Transl.: rusifikacija
Transkr.: russifikazija

Als Russifizierung werden in der russischen und später sowjetischen Innenpolitik alle Maßnahmen bezeichnet, den Einflussbereich der russischen Sprache und der russischen Kultur zulasten der anderen Sprachen und Kulturen im Sinne eines Transkulturationsprozesses oder eines Ethnozids auszuweiten. Sie ist damit ein wesentlicher Bestandteil des Russischen Imperialismus.

Geschichte

Im Russischen Reich gab es Sprach- und Schulgesetze, mit deren Hilfe andere Sprachen verdrängt werden sollten. In der Sowjetunion gab es eine sanftere, aber nachhaltigere Russifizierungspolitik.

Im Russischen Kaiserreich

Im Russischen Reich stand die Russifizierung in Verbindung mit dem Panslawismus, der den slawischen Charakter Russlands betonte und dessen Führungsrolle in der slawischsprachigen Welt bekräftigte. Diese Bemühungen sind im gesamten 19. Jahrhundert zu beobachten, intensivierten sich aber etwa um 1890 parallel zum Nationalismus in Südost-, Mittel- und Westeuropa. Unter den Zaren Alexander III. und Nikolaus II. stützte sich die Russifizierung wirksam auf Militär und Verwaltung.

Besonders betroffen waren die Gegenden am westlichen und südlichen Rand des Reiches: die Ostseegouvernements (Estland, Livland, Kurland) und Litauen, der Osten Finnlands, große Teile Polens („Kongresspolen“, wo diese Bemühungen schon nach der Niederschlagung des Aufstandes von 1831 einsetzten), Bessarabien, Ukraine, Belarus (Gouvernements Minsk, Witebsk und Mogiljow), sowie die im Kaukasus eroberten Gebiete (Georgien, Aserbaidschan, Armenien) und in Zentralasien.

Als frühe konkrete Maßnahme der Russifizierung kann das Verbot des öffentlichen Gebrauchs der polnischen, litauischen und ukrainischen Sprache im Jahre 1863 genannt werden. In den deutschen Kolonistendörfern im Wolga- und Schwarzmeergebiet wurde 1871 das Russische zur Amtssprache. Die russische Sprache ersetzte 1887 im Baltikum die deutsche als Unterrichtssprache in den höheren Lehranstalten und an der Universität Dorpat (Tartu), die wie die Stadt in Kaiserliche Universität Jurjew umbenannt wurde. Im Großfürstentum Finnland begann die aktive Russifizierungspolitik 1881 mit dem Regierungsantritt von Zar Alexander III. und verstärkte sich ab 1894 unter Zar Nikolaus II., wo sie in den Jahren 1899/1900 mit dem Februarmanifest, dem Sprachenpatent und dem Konskriptionsgesetz, das die jungen Finnen in die russische Armee eingliederte, einen Höhepunkt erreichte. Der ostentative Bau monumentaler orthodoxer Kathedralen in mehrheitlich katholischen oder lutherischen Städten wie jener der Alexander-Newski-Kathedrale in Warschau (1894–1912) oder der gleichnamigen Kathedrale in Tallinn (1894–1900) belegte in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg die Verknüpfung von orthodoxem Staatskirchentum und Russifizierung.

Eine Folge war auch die Umgestaltung nichtrussischer Namen in russisch klingende, zum Beispiel Sankt Petersburg in „Petrograd“ während des Ersten Weltkrieges. Sie erfasste auch viele Familiennamen, wie bis heute in der Namensstatistik von Kasachstan oder Usbekistan zu bemerken ist, sowie unzählige Straßennamen.

In der Sowjetunion

In der Sowjetunion war Russisch Amtssprache. Außerdem wurden russische Wörter über Kinofilme, Fernsehen und Rundfunk verbreitet und fanden oft Eingang in die Umgangssprache.

1940 wurden die drei baltischen Länder Estland, Lettland und Litauen nach zwanzig Jahren Unabhängigkeit durch die Sowjetunion völkerrechtswidrig annektiert. Massendeportationen und Hinrichtungen schwächten in der Folge die lokalen wirtschaftlichen und kulturellen Eliten.

Ferner wurde die Ansiedlung ethnischer Russen dazu genutzt, kulturelle Autonomieforderungen und Nationalbewusstsein zu brechen. So sank in der Estnischen SSR die Zahl der Esten von 88 % vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges auf 61,5 % im Jahre 1989, während die Zahl der Bürger mit ostslawischem kulturellen Hintergrund im gleichen Zeitraum von 8,2 % auf 35,2 % stieg.<ref>Ralph Tuchtenhagen: Geschichte der baltischen Länder. C.H. Beck, München 2005.</ref>

1945 hatte die Rote Armee das nördliche Ostpreußen erobert. Es wurde von der Sowjetunion annektiert. Während die nicht geflüchteten Einwohner bis 1949 vertrieben oder zu Tausenden zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert wurden, erfolgte eine systematische Besiedlung der Oblast Kaliningrad mit Russen. Nahezu alle an die Deutschen erinnernden Kulturgüter (z. B. Kirchen, Burgen, Schlösser, Denkmäler, Bestände von Bibliotheken, Be- und Entwässerungssysteme usw.) wurden beseitigt oder dem Verfall preisgegeben und sämtliche Orte, Gewässer und Wälder erhielten Namen in russischer Sprache. Das nördliche Ostpreußen wurde vollständig russifiziert.<ref>Zum Prozess der Sowjetisierung/Russifizierung siehe Andreas Kossert: Ostpreußen: Geschichte und Mythos. Siedler, München 2005, ISBN 3-88680-808-4, S. 331–348.</ref>

Vorlage:Hinweisbaustein Eine erhebliche, folgenreiche Akkulturation bzw. Assimilation bewirkte die Russifizierung bei den indigenen Völkern. Kulturelle Eigenarten – wie zum Beispiel der Schamanismus – wurden verboten und verfolgt. Die Wirkung auf die Indigenen kann bereits als Ethnozid gewertet werden.

Ein klassisches Beispiel sind die Sámi der russischen Kola-Halbinsel: Ab 1868 siedelte die zaristische russische Regierung bereits russifizierte Komi und Nenzen aus Westsibirien in dem bislang ausschließlich von Samen bewohnten Gebiet an. Dies bewirkte eine soziale Überlagerung, sich verändernde Gewohnheiten und eine Annäherung an die Kultur der Russen. Dies ist heute noch in der Folklore der russischen Samen erkennbar. In den 1920er Jahren wurden im Samen-Gebiet erstmals Schulen durch die Sowjetmacht eingerichtet. Die samische Sprache wurde verschriftlicht und eine Kampagne gegen den Analphabetismus geführt. Die Schule war ein bedeutendes „Vehikel“ für die Russifizierung.<ref>Wolf-Dieter Seiwert (Hrsg.): Die Saami. Indigenes Volk am Anfang Europas. Deutsch-Russisches Zentrum, Leipzig 2000.</ref>

In Zentralasien war der Hirtennomadismus seit der Zarenzeit durch die Bauernkolonisation gefährdet, sein völliger Niedergang in den ehemaligen Sowjetrepubliken wurde durch die sozialistische Zwangskollektivierung unter Stalin bewirkt. Die Nomadengemeinschaften wurden enteignet, zwangsweise sesshaft gemacht, die Herden den Kolchosen zugeschlagen und die Menschen zu russifizierten, abhängigen Hirten gemacht.<ref>Fred Scholz: Nomadismus ist tot. In: Geographische Rundschau. Heft 5, 1999, S. 248–255.</ref>

Russifizierung der Ukraine

Datei:Saint Basil's Church, Volodymyr. Russification.png
Eine der ukrainischen Kirchen vor und nach dem Wiederaufbau

Die Russifizierung ist eine langfristige Politik aller russischen Regime, die zu Zeiten des Russischen Reiches entstand, dann zu Zeiten der Sowjetunion ihre Existenz wieder aufnahm und sich in den von Russland während der Herrschaft Wladimir Putins besetzten Gebieten verstärkte. Dies zeigte sich nicht nur in der Unterdrückung der Muttersprache und deren Ersetzung durch Russisch, sondern auch in der Änderung von Nachnamen (in Dokumenten wurden ukrainischen Nachnamen üblicherweise russische Endungen und Akzente hinzugefügt) sowie in der Rekonstruktion der lokalen Architektur, und Zerstörung sakraler Gebäude.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Як боролися з українською мовою: хронологія подій (Memento vom 12. November 2013 im Internet Archive), auf narodna.pravda.com.ua</ref><ref>Тернистий шлях українства, auf litopys.org.ua</ref>

Chronologie

Russifizierung von Belarus

Datei:Маскалізацыя (русіфікацыя). Полацак.jpg
Polozk, die älteste Stadt des Staates, in den Jahren 1812, 1912 und 2006. Die Folgen der Zerstörung der Baudenkmäler der Stadt

Die Russifizierung des Landes begann Ende des 18. Jahrhunderts und dauert bis heute unter dem Regime des prorussischen Präsidenten Aljaksandr Lukaschenka fortgesetzt. Insgesamt ist Belarus das Land, das von dieser Politik am stärksten betroffen ist.<ref name="Daskievic-25-02-2022">Дашкевіч З. «Беларусь паўстала, і цяпер беларусы самі пад акупацыяй», Новы час, 25 лютага 2022 г.</ref>

Chronologie

  • 1772. Nach der Ersten Teilung Polens wurde ein Teil der belarussischen ethnischen Gebiete Teil des Russischen Reiches, woraufhin Katharinas II. ein Dekret unterzeichnete, dass alle Gouverneure der annektierten Gebiete Urteile, Dekrete und Befehle nur auf Russisch erlassen sollten. Auch die Konsolidierung der lokalen Bevölkerung begann: Etwa eine halbe Million zuvor freie Weißrussen gingen in den Besitz russischer Adliger über.<ref>Арлоў У. Краіна Беларусь. Вялікае Княства Літоўскае. — KALLIGRAM, 2012. С. 330.</ref><ref>Гістарычны шлях беларускай нацыі і дзяржавы. — Менск, 2005. S. 39.</ref><ref name="ref_auto_1">Дакументы і матэрыялы па гісторыі Беларусі. Т. 2. — Менск, 1940.</ref>
  • 1773. Katharina II. unterzeichnet einen weiteren Erlass „Über die Errichtung örtlicher Gerichte“, der wiederum die obligatorische Verwendung der russischen Sprache vorsieht.
  • Im Jahr 1787 erließ Katharina II. ein Dekret, wonach religiöse Bücher im Russischen Reich nur in Verlagen gedruckt werden durften, die ausschließlich der Synode der Russisch-Orthodoxen Kirche unterstellt waren. Daher wurde die Tätigkeit griechisch-katholischer Druckereien verboten.<ref>Філатава А. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Нацыянальнае пытанне і палітыка царскага ўраду ў Беларусі (канец XVIII — першая палова ХIХ ст.) (Memento vom 2. Januar 2023 im Internet Archive) // Беларускі Гістарычны Агляд. Т. 7, Сш. 1, 2000.</ref>
  • 1794. Alexander Suworow schlug den Kościuszko-Aufstand nieder und erhielt als Belohnung 25.000 belarussische Leibeigene.<ref name="sved">Швед В. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Эвалюцыя расейскай урадавай палітыкі адносна земляў Беларусі (1772—1863 г.) (Memento vom 20. Oktober 2015 im Internet Archive) // Гістарычны Альманах. Том 7, 2002.</ref>
  • 1795. Russland bestreitet offiziell die Existenz der belarussischen Nation und der unabhängigen belarussischen Sprache. Es kam zu Massenverhaftungen lokaler belarussischer Politiker und deren Ersetzung durch russische.<ref name="nv">Крыжаноўскі М. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Жывая крыніца ты, родная мова (Memento vom 15. August 2009 im Internet Archive) // Народная Воля. Nr. 65—66, 1 траўня 2008 г.</ref>
  • 1825. Nach der Machtübernahme Kaiser Nikolaus I wurde der Novemberaufstand von 1830–1831 niedergeschlagen.<ref>Миллер А. И. Планы властей по усилению русского ассимиляторского потенциала в Западном крае // «Украинский вопрос» в политике властей и русском общественном мнении (вторая половина XIХ века). — СПб: Алетейя, 2000.</ref>
  • 1831. Bildung eines Sonderausschusses, dessen Aufgabe darin bestand, „die gesamte nordwestliche Region mit den inneren Provinzen Russlands gleichzusetzen“. Der Innenminister des Russischen Reiches, Pjotr Walujew verfasste für die genannte Kommission einen „Sonderaufsatz über Mittel zur Russifizierung des Nordwestterritoriums“. Es kam auch zu einer Massenauflösung griechisch-katholischer und Basilianischer Schulen, die die belarussische Sprache und Kultur begünstigten. Die Kontrolle über die Bildung seitens der Russisch-Orthodoxen Kirche wurde gestärkt.<ref name="Arlou-1993">Арлоў У. Як беларусы змагаліся супраць расейскага панавання? // 100 пытанняў і адказаў з гісторыі Беларусі. — Менск, 1993. S. 51–52.</ref><ref>Арлоў У. Дзесяць вякоў беларускай гісторыі (862―1918): Падзеі. Даты. Ілюстрацыі. / У. Арлоў, Г. Сагановіч. ― Вільня: «Наша Будучыня», 1999.</ref><ref name="hb237">Гісторыя Беларусі (у кантэксце сусветных цывілізацый). — Менск, 2005. С. 237.</ref>
  • 1840. Im Jahr 1840 erließ Nikolaus I. ein Dekret, wonach es verboten war, die Wörter „Belarus“, „Weißrussen“ in offiziellen Dokumenten zu verwenden. In der offiziellen Dokumentation erhielt das Land den Namen „Nordwestterritorium“ (russisch. „Северо-Западный край“).<ref name="historyja228">Гісторыя Беларусі (у кантэксце сусветных цывілізацый). — Менск, 2005. С. 228.</ref>
  • 1852. Mit der Auflösung der griechisch-katholischen Kirche begann die Massenvernichtung der belarussischen religiösen Literatur. Ja, Yosyp Semaschko war Zeuge der Verbrennung von 1.295 in belarussischen Kirchen gefundenen Büchern, zwei Jahre später verkündete er stolz, dass weitere 2.000 Bände belarussischer Literatur auf seinen Befehl hin vernichtet worden seien.<ref name="kalubovic">Калубовіч А. Мова ў гісторыі беларускага пісьменства. Клыўлэнд, 1978. pawet.net</ref>
  • 1864. Michail Murawjow-Wilenski, bekannt für seine Misshandlungen gegen die belarussische Bevölkerung, wird Generalgouverneur der „Nordwestregion“. Nachdem er den Januaraufstand niedergeschlagen hatte, widmete er der Bildung besondere Aufmerksamkeit, Murawjows Motto wurde bekannt: „Was das russische Bajonett nicht vollendet hat, werden die russische Schule und Kirche zu Ende bringen“.<ref>У менскім праваслаўным храме маліліся за Мураўёва-вешальніка — упершыню за сто гадоў, Радыё Свабода, 23 лістапада 2016 г.</ref><ref name="hb237" /><ref name="hb291">Гісторыя Беларусі (у кантэксце сусветных цывілізацый). — Менск, 2005. С. 291.</ref>
  • 1900. Im Jahr 1900 stellte das Bildungsministerium des Russischen Reiches allen Schulen des Landes die folgende Aufgabe: „Kinder verschiedener Nationalitäten erhalten eine rein russische Orientierung und bereiten sich auf die völlige Verschmelzung mit der russischen Nation vor.“<ref name="bielarus-vkl-327">Арлоў У. Краіна Беларусь. Вялікае Княства Літоўскае. — KALLIGRAM, 2012. С. 327.</ref>
  • 1914. Das belarussische Volk wurde in den Resolutionen des Ersten Allrussischen Kongresses für nationale Bildung nicht erwähnt, in denen eine große Anzahl von Völkern des Russischen Reiches aufgeführt wurde, deren Kindern Bildung in ihrer Muttersprache angeboten wurde. Im Allgemeinen erlaubten die Behörden des Russischen Reiches während der gesamten Zeit seiner Herrschaft in Belarus nicht die Eröffnung einer einzigen belarussischen Schule.<ref>Лыч Л. Русіфікацыя: царская, савецкая, прэзідэнцкая. — Львоў, 2010. С. 19.</ref>
  • 1921. Nach der Oktoberrevolution wird kurzzeitig eine – beschränkte – „Weißrussifizierung“ (auch als „Weißrusslandisierung“ bezeichnet) möglich: die öffentliche Erinnerung an die Eigenständigkeit der belarussischen Kultur.<ref>Rainer Lindner: Weißrußland im Geschichtsbild seiner Historiker. In: Dietrich Beyrau, Rainer Lindner (Hrsg.): Handbuch der Geschichte Weißrußlands. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-36255-2, S. 25–48, hier S. 32.</ref>
  • 1929. Das Ende der „Weißrusslandisierung“,<ref>Rainer Lindner: Weißrußland im Geschichtsbild seiner Historiker. In: Dietrich Beyrau, Rainer Lindner (Hrsg.): Handbuch der Geschichte Weißrußlands. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2001, S. 25–48, hier S. 33.</ref> der Beginn massenhafter politischer Repressionen.<ref name="Katlarcuk-2009">Катлярчук А. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Прадмова да «літоўскага» нумару (Memento vom 2. Dezember 2009 im Internet Archive) // arche.by Nr. 9, 2009.</ref><ref>Маракоў Л.У. Рэпрэсаваныя літаратары, навукоўцы, работнікі асветы, грамадскія і культурныя дзеячы Беларусі, 1794—1991. Энц. даведнік. У 10 т. Т. 1. — Мн:, 2003. ISBN 985-6374-04-9.</ref>
  • 1930. In der UdSSR beginnt unter dem Vorwand des „Kampfes gegen die Religion“ die Massenvernichtung einzigartiger Baudenkmäler. Auf Befehl der sowjetischen Behörden wurden die alten Klöster Witebsk, Orscha und Polozk zerstört.<ref>Пацюпа Ю. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Занядбаная старонка правапісу: прапановы пісаньня прыназоўніка у/ў перад словамі, што пачынаюцца з галоснай (Memento vom 20. Oktober 2015 im Internet Archive) // arche.byG. № 6 (29), 2003.</ref><ref>Бекус Н. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Тэрапія альтэрнатывай, або Беларусь, уяўленая інакш (Memento vom 20. Oktober 2015 im Internet Archive) // arche.by. Nr. 2 (31), 2004.</ref><ref>Клімчук Ф. Старадаўняя пісьменнасць і палескія гаворкі // Беларуская лінгвістыка. Вып. 50., 2001. С. 19—24.</ref>
  • 1937. Auf Befehl der Sowjetregierung wurden die meisten Vertreter der damaligen belarussischen Intelligenz erschossen.<ref>Нельга забі(ы)ць</ref>
  • 1942. Janka Kupala, ein Klassiker der belarussischen Literatur, wurde in Moskau von sowjetischen Sonderdiensten getötet.
  • 1948. Eine Aktivistin der nationalen Befreiungsbewegung, Alesia Furs, wurde zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie das nationale Emblem Weißrusslands „Pagonia“ trug.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Памерла беларуская патрыётка Алеся Фурс. У маладосці яна атрымала 25 гадоў лагера за "Пагоню"281 (Memento vom 5. September 2017 im Internet Archive)</ref>
  • 1960. Nach dem Zweiten Weltkrieg geht die Zerstörung von Baudenkmälern unter dem Deckmantel allgemeiner Pläne zur Wiederherstellung und zum Wiederaufbau von Städten weiter. Die größten Verluste an architektonischem Erbe erlitten die Belarussen in den 1960er und 1970er Jahren. [42]<ref>Касперович Л. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Местные бабушки плакали: “Оставьте нам церковь”. Деревянные храмы Беларуси, которые нужно увидеть (Memento vom 13. März 2018 im Internet Archive), TUT.BY, 12 сакавіка 2018 г.</ref>
  • 1995. Nach der Machtübernahme von Aljaksandr Lukaschenka wurden die Staatssymbole von Belarus – die weiß-rot-weiße Flagge und das historische Wappen Pahonia – durch modifizierte sowjetische Symbole ersetzt, ebenso die Nationalhymne. Darüber hinaus erhielt die russische Sprache den Status der zweiten Staatssprache (die russische Sprache wird in allen Bildungseinrichtungen und Massenmedien verwendet), laut UNESCO ist die belarussische Sprache vom Verschwinden bedroht.<ref>Сяргей Навумчык|Навумчык С. Дзевяноста пяты. — Радыё Свабода, 2015. S. 10.</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Zaur Gasimov (Hrsg.): Kampf um Wort und Schrift. Russifizierung in Osteuropa im 19.-20. Jahrhundert. Göttingen 2012.
  • Michael H. Haltzel: Der Abbau der deutschen ständischen Selbstverwaltung in den Ostseeprovinzen Russlands. Ein Beitrag zur Geschichte der russischen Unifizierungspolitik 1855–1905. Marburg 1977.
  • Gert von Pistohlkors: Ritterschaftliche Reformpolitik zwischen Russifizierung und Revolution: historische Studien zum Problem der politischen Selbsteinschäetzung der deutschen Oberschicht in den Ostseeprovinzen Rußlands im Krisenjahr 1905. (= Göttinger Bausteine zur Geschichtswissenschaft. Band 48). Musterschmidt, Göttingen/Frankfurt am Main / Zürich 1978, ISBN 3-7881-1050-3.
  • Darius Staliunas: Making Russians. Meaning and Practice of Russification in Lithuania and Belarus After 1863. Rodopi, Amsterdam 2007, ISBN 978-90-420-2267-6.
  • Edward C. Thaden (Hrsg.): Russification in the Baltic Provinces and Finland, 1855–1914. Princeton University Press, Princeton 1981, ISBN 0-691-05314-6.
  • Theodore R. Weeks: Nation and state in late Imperial Russia: nationalism and Russification on the western frontier, 1863–1914. Northern Illinois University Press, DeKalb 1996, ISBN 0-87580-216-8.
  • Theodore R. Weeks: Russifizierung / Sowjetisierung. In: Europäische Geschichte Online. hrsg. vom Institut für Europäische Geschichte (Mainz). 2011, Zugriff am: 11. November 2011.
  • Paul Robert Magocsi: A History of Ukraine. University of Toronto Press, Toronto 1996, ISBN 0-8020-0830-5, S. 369–370. (contain a translation)
  • Ulrich Hofmeister: Civilization and Russification in Tsarist Central Asia, 1860–1917. In: Journal of World History 27/3 (2016), S. 411–442.

Weblinks

Wiktionary: Russifizierung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references />