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Anosognosie

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Klassifikation nach ICD-10
R41.8 Sonstige und nicht näher bezeichnete Symptome, die das Erkennungsvermögen und das Bewusstsein betreffen: Anosognosie
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Vorlage:Infobox International Classification of Diseases 11

Anosognosie ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) Verneinungspartikel, {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) ‚Krankheit‘ und {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) ‚Erkenntnis‘) bezeichnet entweder die Beeinträchtigung der Wahrnehmung einer Erkrankung und/oder der Folgen einer Erkrankung oder eines Unfalls. Weitere Bezeichnungen sind fehlende Krankheitseinsicht, mangelndes Störungsbewusstsein oder gestörte Selbstwahrnehmung. Dabei muss die Krankheitseinsicht nicht vollständig gestört sein, sondern kann sich auf einzelne kognitive Fähigkeiten beziehen, die mit bestimmten Hirnregionen korrelieren.<ref name = Dorsch>Dorsch. Lexikon der Psychologie. Anosognosie. Hogrefe Verlag, abgerufen am 28. August 2025</ref>

Ursachen und Komorbidität

Die Störung ist an eine Schädigung bestimmter Areale des Gehirns gebunden und kann als Folge einer Hirnverletzung – z. B. durch einen Schlaganfall, eine Hirnblutung oder ein Schädel-Hirn-Trauma – auftreten.<ref name="Karnath">Karnath, HO. (2003). Anosognosie. In: Karnath, HO., Thier, P. (eds) Neuropsychologie. Springer-Lehrbuch. Springer, Berlin, Heidelberg. doi:10.1007/978-3-662-08957-6_51</ref>

Typisch ist in diesem Zusammenhang das krankhafte Nichterkennen, Leugnen oder Herunterspielen einer offensichtlichen Halbseitenlähmung (siehe hierzu: Neglect) oder Gedächtnisstörung. Weitere mit Anosognosie assoziierte Krankheitsbilder sind das Anton-Syndrom, Hemianopsie, kortikale Blindheit oder Taubheit.<ref name="Karnath"/><ref name =Pschyrembel>Anosognosie. Pschyrembel (Medizinisches Wörterbuch), abgerufen am 28. August 2025</ref>

Außerdem findet der Begriff auch in der Psychiatrie Verwendung, um einen erheblichen Mangel an Krankheitseinsicht bei Patienten zu beschreiben, die beispielsweise von manischen Erkrankungen oder Krankheitsbildern aus dem schizophrenen Formenkreis betroffen sind.<ref name = Dorsch/> Auch Patienten mit Anorexia nervosa oder Dysmorphophobie leiden häufig an Anosognosie.

Merkmale

Patienten mit einer Anosognosie verhalten sich so, als existiere die Schädigung nicht. Auf die Störung angesprochen erfolgen seitens des Patienten Konfabulationen, Entschuldigungen und Rationalisierungen. Typischerweise lassen Betroffene sich nicht durch logische Argumente überzeugen und verdrängen auch Demonstrationen ihrer eingeschränkten Fähigkeiten zeitnah. Hinzu kommt oft eine Überschätzung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Wenn Betroffene in der Lage sind, Probleme einzuräumen, begründen sie ihre Schwierigkeiten häufig mit anderen Ursachen oder situativen Umständen.<ref name = Dorsch/>

Auf andere wirken Betroffene häufig ungewöhnlich unbeteiligt und unbesorgt, was oft im Kontrast zu einer schwierigen Krankheitssituation steht. Der Hauptunterschied zwischen Hirngeschädigten, die von Anosognosie betroffen sind, und Patienten, die ein ähnliches Krankheitsbild ohne begleitende Anosognosie aufweisen, besteht darin, dass die gleichen körperlichen Symptome von beiden Patienten unterschiedlich interpretiert werden.<ref name = Dorsch/>

Die Störung kann bei Patienten auftreten, die eine rechtshemisphärische Störung haben und deren Sprachzentrum linkshemisphärisch sitzt. Da die Patienten mit Anosognosie von der rechten Hemisphäre keine ihrem bisherigen Weltbild entsprechenden Informationen erhalten, hält die linke Hemisphäre am bisherigen Körperschema fest und die Störungen werden wegerklärt. In diesem Zusammenhang erscheinen dabei auch häufiger auftretende Phantomschmerzen gelähmter Extremitäten erklärbar.

Anosognosie im psychiatrischen Kontext

Der Begriff hat sich inzwischen auch durchgesetzt, um den Mangel an Einsicht unter Psychose leidender Menschen zu kennzeichnen, dass sie unter der diagnostizierten psychischen Krankheit überhaupt leiden. Es wird diskutiert, dass die Anosognosie des Schizophrenen das Ergebnis einer Frontallappenschädigung sein könnte.<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Empirische Studien an schwer psychisch erkrankten Personen belegen, dass anosognosiebedingt fehlende Krankheitseinsicht signifikant mit der Nichteinhaltung antipsychotischer Medikation zusammenfällt.<ref name="Insight&Psychosis">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Fünfzehn Prozent psychisch schwer erkrankter Personen, die die Medikation anosognosiebedingt verweigerten, erforderten zur Medikamenteneinnahme irgendeine Form der Zwangsanwendung.<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Eine Studie mit freiwilligen und zwangseingewiesenen stationären Patienten kam zu dem Ergebnis, dass behandlungspflichtige Patienten Zwangsmaßnahmen bedürften, weil sie ihren eigenen Pflegebedarf nicht anerkennen könnten. Logischerweise wiesen zwangseingewiesene Patienten eine deutlich niedrigere Krankheitseinsicht auf als freiwillig eingewiesene Patienten.<ref name="pmid2564330">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Schizophrene Anosognosie hängt eng mit weiteren kognitiven Dysfunktionen zusammen, die eine kontinuierliche Medikamenteneinnahme beeinträchtigen.<ref name="pmid2564330" /> Weitere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Einstellung zur Medikation nach einer unfreiwilligen Behandlung verbessern kann. Die zuvor zwangseingewiesenen Patienten ersuchen zu einem späteren Zeitpunkt dann freiwillig die Behandlung.<ref name="pmid6838317">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>

Patienten, die unter Anorexia nervosa leiden, erkennen oft nicht die Ernsthaftigkeit des niedrigen Körpergewichts und der restriktiven Ernährung, weshalb Patienten häufig eine Beurteilung verweigern oder sich einer Behandlung trotz lebensbedrohlicher Symptome widersetzen.<ref>Herpertz S, Fichter M, Herpertz-Dahlmann B, Hilbert A, Tuschen-Caffier B, Vocks S, Zeeck A (Hrsg.): S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung der Essstörungen. Springer, 2019, ISBN 978-3-662-59606-7, S. 65 (awmf.org [PDF; abgerufen am 27. Januar 2023]).</ref><ref>Wals BT, Attia E: Anorexia nervosa - Psychische Störungen. Abgerufen am 27. Januar 2023.</ref> Studien mit bildgebenden Verfahren legen nahe, dass fehlende Krankheitseinsicht auch eine Folge der Unterernährung des Gehirns ist und sich mit steigendem Gewicht nach Wiederernährung in der Regel verbessert.<ref>Guido K.W. Frank, Megan E. Shott, Marisa C. DeGuzman: The Neurobiology of Eating Disorders. In: Child and Adolescent Psychiatric Clinics of North America. Band 28, Nr. 4, Oktober 2019, S. 629–640, doi:10.1016/j.chc.2019.05.007 (elsevier.com [abgerufen am 27. Januar 2023]).</ref>

Formen der Anosognosie

Peters unterscheidet zwei Formen:

  1. i. e. S. Nichterkennenkönnen, z. B. einer Lähmung einer Körperhälfte;
  2. i. w. S. Nichterkennenwollen von Körperstörungen, allgemein.

Bei der Störung im weitesten Sinne handelt es sich um ein psychopathologisches Phänomen, bei dem Nichterkennenkönnen im engen Sinne um eine eher neurologische, vorwiegend organisch bedingte Störung.<ref>Peters, Uwe Henrik: Wörterbuch der Psychiatrie und medizinischen Psychologie. Urban & Schwarzenberg, München 3. Auflage 1984, Seite 38.</ref> Beim Neglect handelt es sich um eine solche Störung, die sich durch cerebrale Läsionen der nicht-sprachdominanten (meist rechten) Hirnhälfte auszeichnet. Häufigster Sitz dieser Schädigungen ist der zum Parietallappen gehörende Lobulus parietalis inferior.<ref>Poeck, Klaus: Neurologie. Springer-Verlag – 8. Auflage 1992, Berlin, ISBN 3-540-53810-0, Seite 140.</ref>

Unterarten:

Literatur

Einzelnachweise

<references />