Zum Inhalt springen

Martin Weitzman

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 17. Juli 2025 um 21:14 Uhr durch imported>Aka (Weblinks: Commons hinzugefügt).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Max Weber Lecture Martin Weitzman on 21 October 2015 - Badia Fiesolana (6) (22194060719).jpg
Martin Weitzman 2015

Martin Lawrence Weitzman (* 1. April 1942 in New York City; † 27. August 2019 in Newton (Massachusetts)) war ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler und zuletzt Professor an der Harvard University.

Leben

Weitzman wurde als Meyer Levinger geboren.<ref name="NYT">Sam Roberts: Martin Weitzman, Virtuoso Climate Change Economist, Dies at 77. New York Times, 4. September 2019, abgerufen am 5. September 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Seine leibliche Mutter starb vor seinem ersten Geburtstag, sein Vater gab ihn daraufhin in ein Waisenhaus. Er wurde von Samuel und Fannie Weitzman adoptiert und bekam den neuen Namen Martin Lawrence Weitzman.

Weitzman erhielt 1963 einen B.A. in Mathematik und Physik vom Swarthmore College und ein Jahr später einen M.Sc. in Statistik und Operations Research von der Stanford University. Er promovierte 1967 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Wirtschaftswissenschaften. Anschließend lehrte Weitzman Ökonomik an der Yale University.<ref name="stavins2019">Robert Stavins: A gift that keeps on giving: The contributions of Martin Weitzman to environmental economics. In: VOX CEPR Policy Portal. 9. September 2019, abgerufen am 18. September 2019.</ref> Von 1974 bis 1989 war er Professor am MIT, seit 1989 Professor an der Harvard University. 2018 wurde er offiziell emeritiert.

Am 27. August 2019 beging Weitzman Suizid.<ref name="NYT"/>

Forschung

In seiner wissenschaftlichen Karriere war Weitzman auf zahlreichen Forschungsfeldern aktiv; er arbeitete in der Regel allein.<ref name="gollier">Christian Gollier: A Personal Biography of Marty Weitzman. In: Environmental and Resource Economics. Band 74, S. 943–947, doi:10.1007/s10640-019-00378-z.</ref> Er wurde vor allem durch seine zahlreichen Beiträge zur Umweltökonomik, insbesondere zu den wirtschaftlichen Folgen der globalen Erwärmung, bekannt. Auch prägte er den Begriff der Share Economy, mit dem er eine Beteiligung der Belegschaft an den Gewinnen eines Unternehmens meinte. 2018 wurde er als möglicher Träger des Alfred-Nobel-Gedächtnispreises für Wirtschaftswissenschaften gehandelt, den aber im Bereich der Klimaökonomik letztlich William Nordhaus erhielt.<ref name="NYT"/>

Umweltökonomik und -politik

Zu Beginn seiner Karriere beschäftigte sich Weitzman mit der Zentralplanwirtschaft und dem Vergleich von Wirtschaftssystemen. Sein bekannter und bahnbrechender Beitrag Prices vs. Quantities<ref>Martin L. Weitzman: Prices vs. Quantities. In: The Review of Economic Studies. Band 41, Nr. 4, Oktober 1974, S. 477–491, doi:10.2307/2296698.</ref> zum Vergleich von preis- und mengenbasierten Instrumenten der Umweltpolitik war ein Nebenprodukt dieser frühen Arbeiten.<ref name="stavins2019"/> Mit diesem 1974 veröffentlichten Aufsatz begründete er in der Umweltökonomik die komparative Analyse marktorientierter Instrumente der Emissionsminderung.<ref>Xiang-Yu Wang und Bao-Jun Tang: Review of comparative studies on market mechanisms for carbon emission reduction: a bibliometric analysis. In: Natural Hazards. 2018, doi:10.1007/s11069-018-3445-2.</ref>

In den 1990er Jahren wandte sich Weitzman erneut verstärkt der Umweltökonomik zu. Seine Arbeiten dieser Zeit befassten sich zunächst mit der Frage, wie sich „Diversität“ quantifizieren und bewerten lässt, und mit dem Gegenwartswert künftiger Umweltschäden (→ sozialen Diskontrate).<ref name="stavins2019"/> Er zeigte, dass die Unsicherheit bezüglich künftiger Umweltschäden (bzw. allgemein bezüglich der künftigen Konsummöglichkeiten) bedeutet, dass die soziale Diskontrate hyperbolisch abnehmen sollte.<ref name="gollier" />

Weitzman-Plan

Der Weitzman-Plan ist ein Plan zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Ansatzpunkt ist hierbei eine zu geringe Lohnflexibilität. Kern des Konzeptes ist die Aufspaltung des Arbeitnehmereinkommens in einen fixen (Tarifverhandlungen) und einen variablen Teil (Gewinnabhängigkeit).<ref>Olaf Hübler: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Weitzman-Plan (Memento vom 12. August 2007 im Internet Archive). In: Wirtschaftswissenschaftliches Studium (WiSt), 18. Jahrgang, Heft 4 (April 1999), S. 189.</ref> Die Veröffentlichung des Buchs Share Economy (1986), in dem Weitzman seine Idee präsentierte, führte zu einer regen Debatte, an der u. a. Lawrence Summers, William Nordhaus und James Tobin teilnahmen.<ref name="gollier" />

Klimaökonomik

Im Zuge der wissenschaftlichen Debatte um den Stern-Report von 2006 entwickelte Weitzman ein neuartiges Konzept, das er The Economics of Catastrophic Climate Change nannte.<ref>Martin Weitzman: On Modelling and Interpreting the Economics of Catastrophic Climate Change. In: The Review of Economics and Statistics. XCI, Nr. 1, 2009, S. 1–19 (Online verfügbar [PDF]).</ref> Er baute auf die Erkenntnisse der Klimaforschung bezüglich der Klimasensitivität, einer entscheidenden Variable bei der Modellierung des Klimawandels, auf und argumentierte, dass das Risiko eines katastrophalen Klimawandels, wenn auch gering, nicht als vernachlässigbar angenommen werden kann. Dies führt in einem von Weitzman entwickelten Modell zu der Erkenntnis, dass eine Kosten-Nutzen-Analyse unabhängig von den anderen Parametern, allein aufgrund der Möglichkeit einer Klimakatastrophe immer zugunsten rapider Reduktionen von Treibhausgas-Emissionen ausfallen wird (Dismal Theorem).

Auszeichnungen

Werke

Aufsätze (Auswahl)

  • Martin L. Weitzman: Prices vs. Quantities. In: The Review of Economic Studies. Band 41, Nr. 4, Oktober 1974, S. 477–491, doi:10.2307/2296698.
  • Martin L. Weitzman: On Diversity. In: Quarterly Journal of Economics. Mai 1992, doi:10.2307/2118476.
  • Martin L. Weitzman: On the ‘Environmental’ Discount Rate. In: Journal of Environmental Economics and Management. März 1994, doi:10.1006/jeem.1994.1012.
  • Martin L. Weitzman: The Noah's Ark Problem. In: Econometrica. November 1998, doi:10.2307/2999617.
  • Martin L. Weitzman: Gamma Discounting. In: American Economic Review. März 2001, doi:10.1257/aer.91.1.260.
  • Martin L. Weitzman: On Modeling and Interpreting the Economics of Catastrophic Climate Change. In: Review of Economics and Statistics. Februar 2009, doi:10.1162/rest.91.1.1.
  • Martin L. Weitzman: Fat Tails and the Social Cost of Carbon. In: American Economic Review. Mai 2014, doi:10.1257/aer.104.5.544.

Monografien

  • Martin Weitzman: The share economy. Conquering stagflation. Harvard University Press, Cambridge/Massachusetts 1984, ISBN 0-674-80582-8; deutsche Übersetzung: Das Beteiligungsmodell. Vollbeschäftigung durch flexible Löhne. Campus-Verlag, Frankfurt/Main 1987, ISBN 3-593-33847-5.
  • Martin Weitzman: Income, wealth, and the maximum principle. Harvard University Press, Cambridge/Massachusetts 2003, ISBN 0-674-01044-2.
  • <ref>Review: William D. Nordhaus: A New Solution: The Climate Club. In: The New York Review of Books. 4. Juni 2015 (html).</ref>

Weblinks

Commons: Martin Weitzman – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein