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Stephen Balzer

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Stephen Marius Balzer (* 1864(?) in der Bronx, New York City; † 1940 in Andover, New Jersey) war ein US-amerikanischer Unternehmer, Erfinder, Techniker, Motorenkonstrukteur und Automobil- und Luftfahrtpionier. Balzers Familie emigrierte in den 1870er-Jahren aus Ungarn (Kaiserreich Österreich-Ungarn) in die USA. Stephen Balzer schloss eine Lehre als Uhrmacher bei Tiffany’s ab.

Motoren und Fahrzeuge

Als sich Balzer 1894 mit einer mechanischen Werkstätte selbständig machte, hielt er bereits mehrere Patente, darunter auch auf einen Umlaufmotor. Er arbeitete tagsüber im Maschinenbaugeschäft; in der Nacht baute er einen Wagen („Buggy“) mit seinem mit Benzin betriebenen Verbrennungsmotor. Das Balzer-Auto hat einen luftgekühlten Viertakt-Umlaufmotor mit drei Zylindern. Das Triebwerk wird luftgekühlt durch die Drehbewegung der Kolben.<ref name="Kimes(1996)_103">Kimes/Clark: Standard Catalogue of American Cars 1805–1942. 1996, S. 103.</ref>

Das winzige, einsitzige Fahrzeug ist ähnlich aufgebaut wie ein Quadricycle. Die Konstruktion des nur etwa 180 cm langen Fahrzeugs besteht aus Stahlrohren; je zwei vorn gekröpfte Rohre bilden das Fahrgestell. Der einfache Sitz ruht erhöht auf einem Rohrgestell. Darunter ist der Umlaufmotor aufgehängt. Die Kurbelwelle ist horizontal quer im Fahrzeug montiert, sodass der Motor senkrecht in Fahrtrichtung dreht. In Balzers Patentzeichnung<ref name="BalzerPatUS573174">Patent US573174A: Motor or engine. Angemeldet am 23. Januar 1896, veröffentlicht am 15. Dezember 1896, Erfinder: Stephen M. Balzer.</ref> sitzt der Motor auf einer Querstrebe.<ref name="Kimes(1996)_103" />

Anders als andere Autos dieser Zeit sind die Hinterräder des Balzer-Wagens viel größer als die Vorderräder – sie haben einen Durchmesser von 28 Inch (71 cm) hinten und 18 Inch (46 cm) vorn. Dieses Design soll dem Auto eine gute Traktion und Manövrierbarkeit geben. Die vorderen Räder sind am vorderen Ende jedes Fahrgestellträgers einzeln mit einer Fahrradgabel aufgehängt und durch eine Spurstange miteinander verbunden. Gelenkt wird mit einem Hebel, der auf die Spurstange einwirkt. Es gibt ein Dreiganggetriebe ohne Rückwärtsgang; ein Hebel dient gleichzeitig zum Einlegen des Gangs und als Kupplung.<ref name="Kimes(1996)_103" />

Das Fahrzeug ist oben und an den Seiten offen. Zwischen den Fahrgestellträgern angebrachte Bretter dienen als Fahrzeugboden.

Am 15. Dezember 1896 erhielt Balzer ein Patent mit der Nummer 573174 für das Motorfahrzeug, das er zwei Jahre früher gebaut hatte.<ref name="BalzerPatUS573174" /> Sein experimentelles Fahrzeug war eines der ersten funktionierenden Automobile, die in den USA gebaut wurden. Das Balzer-Auto von 1894 ist in der Smithsonian Institution in Washington, D.C. ausgestellt. Es war das erste benzingetriebene Auto in der Sammlung dieses Museums.

Balzer gründete 1900 die Balzer Motor Carriage Company mit Sitz an der Grand Avenue in der Bronx,<ref name="Kimes(1996)_254">Kimes/Clark: Standard Catalogue of American Cars 1805–1942. 1996, S. 254.</ref> aber er war mehr am Erfinden und am Basteln an Maschinen interessiert als an der geschäftlichen Seite der Autoherstellung, und so verdiente die Firma nie Geld. Balzer baute seine Fahrzeuge nie in Serie oder Massenfertigung. Immerhin entwickelte er auch größere Versionen des Motors mit 5 Zylindern. Ein Abnehmer dafür war die Carey Motor Company, die an derselben Straße ihre Produktionsstätte hatte. Dieser Hersteller montierte den Motor vorn, quer zur Fahrtrichtung stehend.<ref name="Kimes(1996)_254" /> In der zeitgenössischen Presse (Automobile and Cycle Trade Journal) wird der Motor des Carey wie folgt beschrieben: „Dieser Motor enthält viele neuartige Elemente. Die Kurbelwelle ist seitlich am Fahrgestell solide befestigt und dreht sich nicht, während sich fast der ganze übrige Motor vertikal um die Kurbelwelle dreht. Die Zylinder, fünf an der Zahl in diesem Motor, bestehen aus Grauguß mit je 10 Kühlrippen. Die Zylinderköpfe sind separat hergestellt und bestehen ebenfalls aus Grauguß. Sie enthalten den Brennraum. Sowohl die Köpfe wie die Brennräume sind ausreichend mit Kühlrippen versehen. Ein- und Auslassventil werden über Kipphebel gesteuert, die aus dem Kurbelgehäuse geführt werden. Eine kurze Leitung führt zum Vergaser, der links direkt hinter dem Motor angebracht ist.“<ref name="EAA8a">earlyamericanautomobiles.com: History of Early American Automobile Industry 1891–1929; Chapter 13 (Carey)</ref>

Danach arbeitete Balzer mit Charles M. Manly beim Entwurf des Motors (dem „Manly-Balzer-Triebwerk“) in Samuel Pierpont Langleys „Aerodrome“-Fluggerät von 1903 mit.<ref name="SI_Langley's Flight">Smithsonian Institute Contributions: Annals of Flight; Langley's Aero Engine of 1903 (Edited by Robert B. Meyer, Jr.), Smithsonian Press (1971)</ref>

Später entwarf er chirurgische Ausrüstung und stellte sie her.<ref name="graceguide">gracesguide.co.uk: Stephen M. Balzer</ref>

Balzer-Patente (Auswahl)

Balzers Tüfteleien führten zu einer Reihe von Patenten:

  • Vorrichtung zur Herstellung von Schneidemessern
Patentnummer: US535127<ref>Patent US535127A: Device for Making Cutters. Angemeldet am 14. Mai 1894, veröffentlicht am 5. März 1895, Erfinder: Stephen M. Balzer.</ref>
Eingetragen: 14. Mai 1894
Ausgestellt: 5. März 1895
  • Fahrgeldzähler
Patentnummer: US544081<ref>Patent US544081A: Care Fare Register. Angemeldet am 14. August 1894, veröffentlicht am 6. August 1895, Erfinder: Stephen M. Balzer.</ref>
Eingetragen: 14. August 1894
Ausgestellt: 6. August 1895
  • Fahrgeldzähler
Patentnummer: US556955<ref>Patent US556955A: Fare-Register. Angemeldet am 22. März 1894, veröffentlicht am 24. März 1896, Erfinder: Stephen M. Balzer.</ref>
Eingetragen: 22. März 1894
Ausgestellt: 24. März 1896
  • Maschinenzähler
Patentnummer: US545034<ref>Patent US545034A: Register for counting operations of machines. Angemeldet am 3. März 1893, veröffentlicht am 20. August 1895, Anmelder: William H. Humphrey, Erfinder: Stephen M. Balzer.</ref>
Eingetragen: 3. März 1893
Ausgestellt: 20. August 1895
  • Fahrzeug mit Umlaufmotor samt Motor
Patentnummer: US573174<ref name="BalzerPatUS573174" />
Eingetragen: 23. Januar 1896
Ausgestellt: 15. Dezember 1896
  • Schreibmaschine
Patentnummer: 608634<ref>Patent US608634: Type writing machine. Angemeldet am 5. April 1893, veröffentlicht am 9. August 1898, Erfinder: Stephen M. Balzer.</ref>
Eingetragen: 5. April 1893
Ausgestellt: 9. August 1898
  • Variables Getriebe
Patentnummer: US730597<ref>Patent US730597A: Variable driving-gear. Angemeldet am 17. Dezember 1897, veröffentlicht am 9. Juni 1903, Anmelder: William H. Humphrey, Erfinder: Stephen M. Balzer.</ref>
Eingetragen: 22. Juli 1898
Ausgestellt: 9. Juni 1903

Literatur

  • James J. Flink: America Adopts the Automobile – 1895–1910. MIT (Massachusetts Institute of Technology), 1970, ISBN 0-262-06036-1. (englisch)
  • David Beecroft: History of the American Automobile Industry. Nachdruck einer Artikelserie in der Zeitschrift The Automobile. erstmals erschienen zwischen Oktober 1915 und August 1916. Verlag: lulu.com, 2009, ISBN 978-0-557-05575-3. (englisch)
  • Beverly Rae Kimes (Hrsg.), Henry Austin Clark jr.: Standard Catalogue of American Cars 1805–1942. 3. Auflage. Krause Publications, Iola WI 1996, ISBN 0-87341-428-4. (englisch)
  • Beverly Rae Kimes: Pioneers, Engineers, and Scoundrels: The Dawn of the Automobile in America. Herausgeber SAE (Society of Automotive Engineers) Permissions, Warrendale PA 2005, ISBN 0-7680-1431-X. (englisch)
  • G. N. Georgano (Hrsg.): Complete Encyclopedia of Motorcars, 1885 to the Present. 2. Auflage. Dutton Press, New York 1973, ISBN 0-525-08351-0. (englisch)

Weblinks

Einzelnachweise

<references />