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Benjamin von Blomberg

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Benjamin von Blomberg (* 1978) ist ein deutscher Dramaturg.

Leben und Arbeiten

Von Blomberg studierte Historische Musikwissenschaften, Germanistik und Betriebswirtschaftslehre in Hamburg. Noch zu Studienzeiten gründete er gemeinsam mit dem befreundeten Regisseur Benedikt von Peter die freie Operngruppe „evviva la diva“. Mit der Gruppe arbeitete er u. a. in Berlin, Düsseldorf und Hamburg Produktionen als Dramaturg und Produktionsleiter.<ref>Deutsches Theater Berlin: Deutsches Theater Berlin - Benjamin von Blomberg. In: www.deutschestheater.de. Abgerufen am 10. August 2015.</ref> 2005 gastierte er am Thalia Theater Hamburg erstmals bei Dea Lohers „Quixote in der Stadt“ (Regie: Andreas Kriegenburg), von 2006 bis 2010 war er dort unter Intendant Ulrich Khuon und schließlich unter Joachim Lux als Dramaturg tätig.<ref>Benjamin von Blomberg. In: Thalia Theater. Abgerufen am 10. August 2015.</ref> Daneben war er immer wieder auch an Opernprojekten beteiligt, so bspw. 2007 bei Cesare von Georg Friedrich Händel (Theater an der Wien, Regie: Christof Loy).<ref>Theater an der Wien - Spielplan - Giulio Cesare in Egitto - Besetzung. In: www.theater-wien.at. Abgerufen am 10. August 2015.</ref> Von 2010 an arbeitete Benjamin von Blomberg als freischaffender Dramaturg u. a. in Berlin, Hamburg, in Hannover, bei den Salzburger Festspielen<ref>Salzburger Festspiele > INSTITUTION > ARCHIV > Archivdetail. In: www.salzburgerfestspiele.at. Abgerufen am 10. August 2015.</ref> und in Zürich zumal mit Nicolas Stemann, Stefan Pucher, Benedikt von Peter und Frank Abt.

Vor seiner Tätigkeit als Dramaturg begann von Blomberg über die Rolle der Musik im Werk von Elfriede Jelinek bei Peter Petersen zu promovieren. Gemeinsam mit Nicolas Stemann erarbeitete er in der Folge mehrere Uraufführungen ihrer Texte, darunter „Ulrike Maria Stuart“<ref>Interuniversitäres Seminarprojekt 2007. In: www.elfriede-jelinek-forschungszentrum.com. Abgerufen am 10. August 2015.</ref>, das Sekundärdrama auf LessingsNathan der Weise“ „Abraumhalde“, „Die Kontrakte des Kaufmanns“<ref>Susanne Berthold: Wo kommt das ganze Nichts auf einmal her? (PDF) In: Diplomarbeit. 2011, abgerufen am 10. August 2015.</ref>,„Rein Gold“<ref>Georg Kasch: Held und Geld. In: Nachtkritik.de. 9. März 2014, abgerufen am 10. August 2015.</ref> an der Staatsoper Berlin und „Wut“ an den Münchner Kammerspielen ebenfalls mit Nicolas Stemann, mit dem ihm eine kontinuierliche Zusammenarbeit verbindet und deren Inszenierungen wiederholt zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurden. „Die Kontrakte des Kaufmanns“ (Thalia Theater/Schauspiel Köln 2010) war 2012 auch beim Festival d’Avignon zu sehen, 2013 folgte eine Einladung von „Faust“.

2012 wurde Benjamin von Blomberg von der Fachzeitschrift „Theater heute“ zum Dramaturgen des Jahres gewählt.<ref>Theater heute - kultiversum. In: www.kultiversum.de. Abgerufen am 10. August 2015.</ref><ref>Dietmar Kanthak: Ehemaliger Bonner Ako-Schüler : Benjamin von Blomberg ist "Dramaturg des Jahres" | GA-Bonn. In: www.general-anzeiger-bonn.de. Abgerufen am 10. August 2015.</ref>

Ebenfalls 2012 ging Benjamin von Blomberg als Chefdramaturg und Leiter der Sparte Schauspiel zusammen mit Michael Börgerding ans Theater Bremen. Sie öffneten das Haus für künstlerischen Nachwuchs. Felix Rothenhäusler und Alexander Riemenschneider wurden Hausregisseure im Schauspiel, Alexander Giesche Artists in Resident. Benedikt von Peter und der Dramaturg Ingo Gerlach übernahmen zusammen die Leitung im Musiktheater, Anna-Sophie Mahler inszenierte regelmäßig, Samir Akkia (Unusual Symptoms) wurde Leiter im Tanz. Mit Projekten u. a. von Gintersdorfer/Klaßen, Lola Arias oder Christopher Roth setzten sie einen spartenübergreifenden Akzent. Insgesamt ging es um „einen unbedingten Gegenwartsbezug“, der sich auch in der Arbeit mit der für die Bremer Jahre zentralen Regisseurin Alize Zandwijk und ihren Inszenierungen bspw. von Dea Lohers und Wajdi Mouawads Stücken niederschlug.<ref>Iris Hetscher: Börgerding setzt auf zeitgenössisches Theater. 12. August 2010, abgerufen am 10. April 2026.</ref> Für diese Bremer Dramaturgie arbeitete von Blomberg eng mit den Dramaturginnen Katinka Deecke, Ingo Gerlach, Tarun Kade, Viktorie Knotková, Sylvia Roth und Regula Schröter zusammen.<ref>Hendrik Werner: "Die Zuschauer haben Sehnsucht nach Tiefe". 12. April 2014, abgerufen am 10. April 2026.</ref>

2015 wechselte von Blomberg als Chefdramaturg mit Matthias Lilienthal an die Münchner Kammerspiele. Mit dem Anspruch, die Produktionsformen am Stadttheater zu hybridisieren, sollten „freie Gruppen bzw. bestimmte Ästhetiken der freien Szene ins Stadttheater“ einbezogen werden.<ref>Landeshauptstadt München, Redaktion: Landeshauptstadt München - Matthias Lilienthal wird Intendant der Münchner Kammerspiele ab 2015. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 16. Februar 2014; abgerufen am 10. April 2026.</ref><ref>Kuchen für alle. 7. Mai 2015, abgerufen am 10. April 2026.</ref> Von Blomberg knüpfte zudem an Arbeitsbeziehungen zu Christopher Rüping und Nicolas Stemann als Hausregisseuren sowie Leonie Böhm, Anna-Sophie Mahler, Alexander Giesche und Trajal Harrell an und band sie ans Haus. Auch die Dramaturginnen Katinka Deecke und Tarun Kade waren wieder Teil des Teams. In der Folge wurden die Kammerspiele 2 Mal zum „Theater des Jahres“ gewählt.<ref>München: Kammerspiele sind erneut Theater des Jahres. 27. August 2020, abgerufen am 10. April 2026.</ref>

Von 2019 bis 2024 war von Blomberg zusammen mit dem Regisseur Nicolas Stemann Co-Intendant am Schauspielhaus Zürich, Katinka Deecke wurde Leitende Dramaturgin. Sie traten an, das Haus zusammen mit Hausregisseurinnen und langfristigen Arbeitsperspektiven zu leiten und das Stadttheater international zu vernetzen.<ref>sd: Nicolas Stemann und Benjamin von Blomberg werden Intendanten des Zürcher Schauspielhauses. 21. Juni 2017, abgerufen am 10. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Zu dem Team der festen Haus-Künstlern zählten Leonie Böhm, Alexander Giesche, Suna Gürler, Trajal Harrell (Schauspielhaus Zürich Dance Company), Yana Ross, Christopher Rüping und Wu Tsang (Moved by the Motion). Daneben inszenierten Christiane Jatahy, Christoph Marthaler, Milo Rau und Joana Tischkau am Haus.

Mit all dem verbunden war eine Öffnung der Institution hinsichtlich einer Erweiterung der Ästhetiken hin zum Partizipativen gerade auch in der Arbeit mit jungen, nicht professionalisierten Menschen, hin zum Tanz und zur Bildenden Kunst sowie einer heterogenen Repräsentation von Herkunftsgeschichten auf und hinter der Bühne.<ref>Andreas Klaeui: Schauspielhaus Zürich – Das Intendantenduo Nicolas Stemann & Benjamin von Blomberg stellt die erste Spielzeit vor. 6. Juni 2019, abgerufen am 10. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Eine Vielzahl an Preisen und Auszeichnungen folgten (u.v.a.m. Maja Beckmann, Benjamin Lilie und Wiebke Mollenhauer drei Schauspielerinnen bzw. Schauspieler des Jahres<ref>Kritiker-Umfrage zum Theater-Jahr: Maja Beckmann ist "Schauspielerin", Benjamin Lillie "Schauspieler des Jahres". In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 10. April 2026]).</ref><ref>Auf der Bühne zeigt sie Gewalteskalationen, privat kümmert sie sich um Hunde. 20. Oktober 2023, abgerufen am 10. April 2026.</ref> in der Jahresumfrage von Theater Heute, "Inszenierung des Jahres" 2021 für Christopher Rüpings "Einfach das Ende der Welt"<ref>szenik: Christopher Rüping gewinnt "Inszenierung des Jahres" I szenik. In: szenik. 30. August 2021, abgerufen am 10. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>, 3sat-Preis des Berliner Theatertreffen für Alexander Giesches "Der Mensch erscheint im Holozän"<ref>Janis El-Bira: 3sat-Preis an Regisseur Alexander Giesche. Abgerufen am 10. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>). Auch international war das Schauspielhaus Zürich stark präsent. U.a. war Nicolas Stemann 2022 "associate artist" beim Holland Festival und präsentierte eine Vielzahl eigener Inszenierungen und Arbeiten aus dem Kontext des Schauspielhauses,<ref>Holland Festival | Kein Licht. (2011/2012/2017). Abgerufen am 10. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> das Festival d'Automne widmete den Choreographien von Trajal Harrell eine Retrospektive<ref>Trajal Harrell | Festival d'Automne. Abgerufen am 10. April 2026.</ref>, die Arbeit "The Romeo" der Schauspielhaus Zürich Dance Company eröffnete 2023 Cour d'honneur du palais des Papes beim Festival d'Avignon<ref>FTA: FTA | Interview with Trajal Harrell | 2026 - News FTA. Abgerufen am 10. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und nicht nur die New York Times berichteten mehrfach über die Zürcher Arbeiten.<ref>Thomas Rogers: An Artist’s Queer Take on ‘Moby-Dick’. In: The New York Times. 20. Februar 2023, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 10. April 2026]).</ref><ref>Laura Cappelle: Trajal Harrell’s Dance Card Is Full. In: The New York Times. 20. September 2023, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 10. April 2026]).</ref>

In Zürich entbrannte eine Debatte um die Zukunft des Stadttheaters (“House of wokeness”), vor allem die NZZ und die Politkerinnen der Züricher FDP griffen den neuen Kurs des Hauses scharf an.<ref>Benedict Neff: Schauspielhaus Zürich: Schuld bist Du! 5. November 2022, abgerufen am 10. April 2026.</ref> Leitungen und Direktionen international wie jene von namhaften Kulturhäusern in Zürich unterstützten den Kurs und nannten ein potentielles Endes der Intendanz ein «fatales Zeichen»<ref>Zürcher Kulturszene sieht Abgang am Schauspielhaus als «fatales Zeichen». 23. Februar 2023, abgerufen am 10. April 2026.</ref>. Ein Memorandum wurde verfasst, das u. a. Mithu Sanyal, Elfriede Jelinek, Lara Stoll und Milo Rau unterzeichneten<ref>Elfriede Jelinek und weitere Kulturgrössen fordern Verbleib umstrittener Intendanten. 27. Februar 2023, abgerufen am 10. April 2026.</ref>, ein Aufruf „Schauspielhaus Zürich bleibt“ unter theaterfueralle.ch lanciert.

Im Oktober 2022 stellte der Verwaltungsrat zusammen mit der Intendanz des Schauspielhaus Zürich einen Antrag auf Subventionserhöhung zur Kompensation eines strukturellen Defizits im Budget, der in Wahlkampfzeiten nicht unterstützt wurde.<ref>Stadt Zürich: Ihr Browser akzeptiert keine Cookies. Abgerufen am 10. April 2026.</ref> 2024 endete der Vertrag.<ref>Caspar Shaller: Theaterdebatte in der Deutschschweiz: Neuer Zürcher Schnitzer. In: Die Tageszeitung: taz. 9. Februar 2023, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 10. April 2026]).</ref>

Anschließend Elternzeit und freischaffender Dramaturg in ausgewählten Produktionen mit ihm verbundenen Theaterschaffenden. Etwa für Alize Zandwijk und Michael Börgerding<ref>Iris Hetscher: Theater Bremen in Trauer: Intendant Michael Börgerding tot. 13. Januar 2025, abgerufen am 10. April 2026.</ref> bei der Uraufführung von David Safiers Roman Adaption „Solange wir leben“ am Theater Bremen 2025 (die Schauspielerin Shirin Eissa wurde für ihre Darstellung der „Waltraut“ in dieser Produktion für den deutschen Theaterpreis DER FAUST nominiert<ref>Iris Hetscher: Theater Bremen: Shirin Eissa als Waltraut für "Faust"-Preis nominiert. 24. Juni 2025, abgerufen am 10. April 2026.</ref>). Oder für Nicolas Stemann, Elfriede Jelinek und die Salzburger Festspiele. Bei den Salzburger Festspielen war von Blomberg bereits für „Die Räuber“ 2008 und „Faust 1&2“ 2011 als Dramaturg tätig. Im Sommer 2026 wird ebendort Jelineks neuestes Stück „Unter Tieren“ – gewissermaßen der zweite Teil zu ihrer Wirtschaftskomödie „Die Kontrakte des Kaufmanns“ – uraufgeführt.

Darüber hinaus Veröffentlichungen in Fachmagazinen und Jury- und Vortragstätigkeiten u. a. für das Körber Studio Junge Regie<ref>Körber Studio Junge Regie 2011: Interview mit Benjamin von Blomberg. In: www.kultiversum.de. Abgerufen am 10. August 2015.</ref><ref>Körber-Stiftung Hamburg: Gernot Grünewald gewinnt beim Körber Studio Junge Regie 2011. In: www.koerber-stiftung.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 20. August 2016; abgerufen am 10. August 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.koerber-stiftung.de</ref> und die Mülheimer Theatertage oder in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Amsterdam und Seoul, Korea.<ref>50 Regisseure im deutschsprachigen Theater - S - Z - Stemann, Nicolas - Goethe-Institut. In: www.goethe.de. Abgerufen am 10. August 2015.</ref><ref>Being Faust - Enter Mephisto - Goethe-Institut Korea. In: www.goethe.de. Abgerufen am 10. August 2015.</ref>

Von Blomberg ist Vater und lebt zusammen mit seiner Familie in Hannover.

Einzelnachweise

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