Mitrochin-Archiv
Das Mitrochin-Archiv ist eine Sammlung handschriftlicher Notizen, die der KGB-Oberst Wassili Nikititsch Mitrochin während seiner 30-jährigen Dienstzeit beim Auslandsgeheimdienst der Sowjetunion anfertigte.
Als Mitrochin 1992 in das Vereinigte Königreich überlief, brachte er dieses Archiv mit und veröffentlichte in der Folge zwei Bücher, gemeinsam mit dem britischen Militärhistoriker Christopher Andrew. Das Material dokumentiert Desinformationskampagnen (J. Edgar Hoover sei homosexuell, HIV ein Produkt der US-Armee etc.), Verschwörungen zu Attentaten, Installation kommunistischer Regime, Unterwanderung von Kirchen, Unterstützung internationaler Terroristen, Vorbereitung von Sabotageakten.
Die Veröffentlichung sowjetischer Geheimdienstpraktiken hatte parlamentarische Untersuchungen zur Folge, so etwa im Vereinigten Königreich, Indien und Italien (Berlusconis Mitrochin-Kommission 2002).
Das FBI bezeichnete das Mitrochin-Archiv als „the most complete and extensive intelligence ever received from any source.“Vorlage:": Ungültiger Wert: ref= Der Historiker Joseph Persico beschrieb die Enthüllungen als „far more sensational even than the story dismissed as impossible by the SVR.“Vorlage:": Ungültiger Wert: ref=
Enthüllte KGB-Operationen
- Abhören von Henry Kissinger, als dieser US-Außenminister war<ref>Andrew: The KGB in Europe, S. 451–453.</ref>
- Versuche, in den USA Rassenhass zu schüren, indem gefälschte Hassbriefe an militante Gruppen verschickt wurden<ref>Andrew, Mitrokhin: The Mitrokhin Archive: The KGB in Europe and the West. London 1999, S. 310–311.</ref>
- Erpressung des Tom Driberg (Codename Lepage), britischer Abgeordneter und Mitglied des Vorstands der Labour Party. Driberg hatte in den 1930er Jahren für den MI5 die Kommunistische Partei Großbritanniens ausspioniert<ref>Andrew: Mitrokhin Archive, S. 522–526.</ref>
- Verwanzen von MI6-Stützpunkten im Nahen Osten<ref>Andrew: The KGB in Europe, S. 443.</ref>
- Unterlagen von Rüstungsunternehmen wie Boeing, Fairchild, General Dynamics, IBM und Lockheed Corporation, wodurch die Sowjetunion detaillierte Informationen über die Raketensysteme Trident, Peacekeeper und Tomahawk erlangte<ref>Andrew: The KGB in Europe, S. 454.</ref>
- Unterstützung der Sandinisten<ref>KGB in Europe, S. 503–505</ref>
In den Unterlagen erwähnte KGB-Spione
- Melita Norwood (Codename Hola), eine britische Sekretärin mit Zugang zu Nukleargeheimnissen<ref>UK House of Commons, Hansard Debates, 21. Okt. 1999, Columns 587–594</ref>
- John Symonds (Codename Scot),<ref>Andrew, Mitrokhin: The Mitrokhin Archive: The KGB in Europe and the West. London 1999, S. 559–563.</ref> ein ehemaliger Detective Sergeant beim New Scotland Yard
- Raymond Fletcher (Codename Peter), ein britischer Journalist und späterer Abgeordneter<ref>Andrew: Mitrokhin Archive, S. 526–527.</ref>
- Josef Romualdowitsch Grigulewitsch, ein NKWD-Killer, der unter der falschen Identität Teodoro B. Castro 1952–1954 als Botschafter für Italien und Jugoslawien in Costa Rica diente
- Robert Lipka, ehemaliger Mitarbeiter der US-amerikanischen National Security Agency<ref>New York Times, 25. September 1997.</ref>
- Salaad Gabeyre Kediye, ehemaliges Mitglied des Somalischen Revolutionsrates
- Philippe Grumbach, (Codename Brok), politisch und gesellschaftlich gut vernetzter, einflussreicher französischer Journalist<ref>Laura Gozzi: KGB spy who rubbed shoulders with French elite for decades. In: BBC News. 16. Februar 2024, abgerufen am 3. April 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Einzelnachweise
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