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Diphenyldiselenid

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Strukturformel
Strukturformel von Diphenyldiselenid
Allgemeines
Name Diphenyldiselenid
Andere Namen

Phenyldiselenid

Summenformel C12H10Se2
Kurzbeschreibung

gelbe Kristalle<ref name="S0365110X52001349">R. E. Marsh: The crystal structure of diphenyl diselenide. In: Acta Crystallographica. Band 5, Nr. 4, 2. Juli 1952, S. 458–462, doi:10.1107/S0365110X52001349.</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 216-780-2
ECHA-InfoCard 100.015.256
PubChem 15460
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 312,13 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,557 g·cm−3<ref name="Römpp">Eintrag zu Diphenyldiselenid. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>

Schmelzpunkt

63 °C<ref name="Römpp" />

Löslichkeit

löslich in vielen organischen Lösemitteln, unlöslich in Wasser<ref name="Römpp" />

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),<ref name="CLP_100.240.771">Nicht explizit in Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP) gelistet, fällt aber mit der angegebenen Kennzeichnung unter den Gruppeneintrag Vorlage:Linktext-Check in der Datenbank ECHA CHEM der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA)Vorlage:Abrufdatum Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.</ref> ggf. erweitert<ref name="Sigma">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei Sigma-AldrichVorlage:Abrufdatum (PDF).</ref>
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 301​‐​331​‐​373​‐​410
P: 261​‐​273​‐​301+310​‐​311​‐​501<ref name="Sigma" />
Toxikologische Daten

28 mg·kg−1 (LD50Mausi.v.)<ref name="Sigma" />

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Diphenyldiselenid ist eine chemische Verbindung mit der Summenformel (C6H5)2Se2, abgekürzt auch als Ph2Se2. Der orangefarbene Feststoff ist ein oxidiertes Derivat des Selenophenols. Es wird in der organischen Synthese zum Einführen von PhSe-Einheiten benutzt.

Darstellung

Datei:Ph2Se2.jpg
Eine Probe des Diphenyldiselenid

Diphenyldiselenid wird gewonnen durch Umsetzung des Grignard-Reagenzes Phenylmagnesiumbromid (PhMgBr) mit Selen unter Erhitzen sowie anschließender Oxidation durch Brom (Br):<ref>Hans J. Reich, Martin L. Cohen, Peter S. Clark: Vorlage:Linktext-Check In: Organic Syntheses. 59, 1979, S. 141, doi:10.15227/orgsyn.059.0141; Coll. Vol. 6, 1988, S. 533 (PDF).</ref>

<math> \mathrm{PhMgBr + Se \longrightarrow PhSeMgBr} </math>
<math> \mathrm{2 \, PhSeMgBr + Br_2 \longrightarrow Ph_2Se_2 + 2 \, MgBr_2} </math>

Eigenschaften

Diphenyldiselenid besitzt eine zentrosymmetrische Struktur mit einer Se-Se-Bindungslänge von 2,29 A.<ref name="S0365110X52001349" />

Reaktionen

Charakteristische Reaktionen von Diphenyldiselenid sind Reduktion und Chlorierung:

<math> \mathrm{Ph_2Se_2 + 2 \, Na \longrightarrow 2 \, PhSeNa} </math>
<math> \mathrm{Ph_2Se_2 + Cl_2 \longrightarrow 2 \, PhSeCl} </math>

Phenylnatriumselenid (PhSeNa) ist ein nützliches Nukleophil, das benutzt werden kann, um durch nukleophile Substitution eines Alkylhalogenids, einer Mesylgruppe, einer Tosylgruppe oder eines Epoxids eine Phenylselenylgruppe einzuführen. Das nachfolgende Beispiel stammt aus der Morphinsynthese:<ref>Douglass F. Taber, Timothy D. Neubert, Arnold L. Rheingold: Synthesis of (−)-Morphine. In: Journal of the American Chemical Society. Band 124, Nr. 42, Oktober 2002, S. 12416–12417, doi:10.1021/ja027882h.</ref>

Datei:NaSePh-Epoxide1.svg

Phenylselenchlorid (PhSeCl) ist ein wirkungsvolles Elektrophil, mit dem Phenylselenylgruppen in zahlreiche Nukleophile wie Enolate, Silylenolether, Grignard-Verbindungen, Lithiumorganische Verbindungen, Alkene und Amine eingeführt werden können. In der nachfolgend gezeigten Reaktion (frühe Reaktionsschritte der Synthese von Strychnofolin) wird eine Phenylselenylgruppe durch die Reaktion von PhSeCl mit einem Lactam-Enolat eingeführt.<ref>Lerchner, A.; Carreira, E. M.: First Total Synthesis of (±)-Strychnofoline via a Highly Selective Ring-Expansion Reaction. In: Journal of the American Chemical Society. Vol. 124, Nr. 50, 2002, S. 14826–14827, doi:10.1021/ja027906k.</ref> Die Reaktionssequenz ist eine wirkungsvolle Methode zur Umwandlung von Carbonylverbindungen in ihre α,β-ungesättigen Analoga.<ref>Reich, H. J.; Wollowitz, S.: Preparation of α,β-Unsaturated Carbonyl Compounds and Nitriles by Selenoxide Elimination. In: Organic Reactions. Vol. 44, 1993, S. 1–296, doi:10.1002/0471264180.or044.01.</ref>

Datei:ClSePh-enone1.svg

Diphenyldiselenid selbst ist ebenfalls eine Quelle für die schwach elektrophile Phenylselenylgruppe, es kann allerdings nur in Reaktion mit starken Nukleophilen wie Grignard-Reagenzien, Lithiumverbindungen und Enolestern benutzt werden. PhSeCl ist sowohl reaktiver wie auch effizienter, da mit Ph2Se2 die Hälfte des Selens verschwendet wird.

<math> \mathrm{Ph_2Se_2 + Nu^- \longrightarrow PhSeNu + PhSe^-} </math>

N-Phenylselenphthalimid (N-PSP) kann benutzt werden, falls PhSeCl zu stark und Diphenyldiselenid zu verschwenderisch ist.<ref>A. F. Barrero, Alvarez-Manzaneda, E. J.; Chahboun, R.; Corttés, M.; Armstrong, V.: Synthesis and Antitumor Activity of Puupehedione and Related Compounds. In: Tetrahedron. Vol. 55, Nr. 52, 1999, S. 15181–15208, doi:10.1016/S0040-4020(99)00992-8.</ref>

Einzelnachweise

<references />