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Human Brain Project

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Das Human Brain Project (HBP) war ein Forschungsprojekt, das über das Forschungsrahmenprogramm Future and Emerging Technologies (FET) der Europäischen Kommission finanziert wurde und von 2013 bis Ende September 2023 lief.<ref name="Projektende">The Human Brain Project ends: What has been achieved. In: www.humanbrainproject.eu. 28. September 2023, abgerufen am 3. Oktober 2023.</ref> Sein Ziel war, das gesamte Wissen über das menschliche Gehirn zusammenzufassen und mittels computerbasierten Modellen und Simulationen nachzubilden. Als Ergebnis wurden neue Erkenntnisse über das menschliche Hirn und seine Erkrankungen sowie neue Computer- und Robotertechnologien erwartet. Vorarbeiten lieferte das Blue-Brain-Projekt.

Im Januar 2018 stellte die École polytechnique fédérale de Lausanne ihre Datenplattform „Blue Brain Nexus“ als Open-Source-Software vor. Blue Brain Nexus dient der Integration aller Daten des Schweizer Blue-Brain-Projektes.<ref>Blue Brain Nexus: An Open-Source Tool for Data-Driven Science, 11. Januar 2018.</ref>

Projektorganisation

Am Projekt waren mehr als 100 Partnerinstitutionen und mehr als 500 Personen beteiligt.<ref>Project structure. In: www.humanbrainproject.eu. Abgerufen am 3. Oktober 2023.</ref>

Zu Beginn leitete Henry Markram das Projekt, wobei wichtige Entscheidungen durch das dreiköpfige Exekutiv-Komitee um Markram erfolgten. Allerdings kritisierten zahlreiche teilnehmende Forscher von Anfang an Markram wegen undemokratischer Führungsstrukturen.<ref name="Hummel" /> Das HBP war Stand 2015 in 13 Subprojekte (SP) aufgeteilt, die meist von zwei Persönlichkeiten als „Co-Leaders“ geführt wurden. Das SP3 (Cognitive Architectures) wurde von Stanislas Dehaene geleitet, das SP9 (Neuromorphic Computing) und SP10 (Applications) von Karlheinz Meier von der Universität Heidelberg und das SP13 (Management) von Philippe Gillet von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL). Henry Markram brachte als Co-Leader im SP6 (The Brain Simulation Platform) seine Erfahrungen aus dem Blue-Brain-Projekt ein.<ref name="sda-ats swissinfo">Forscher veröffentlichen erste Simulation eines Stück Gehirns. swissinfo.ch, 8. Oktober 2015, abgerufen am 14. Dezember 2015.</ref><ref>Reconstruction and Simulation of Neocortical Microcircuitry. cell.com, 8. Oktober 2015, abgerufen am 11. Oktober 2015.</ref><ref name="Fischer_spektrum">Lars Fischer: Rattenhirn im Computer befeuert Streit um Hirnprojekt. spektrum.de, 9. Oktober 2015, abgerufen am 11. Oktober 2015.</ref>

Mit Datum vom 7. Juli 2014 äußerten 154 Wissenschaftler in einem offenen Brief an die Europäische Kommission Kritik am Management des Projekts und forderten unter anderem eine transparentere Vergabe von Forschungsgeldern.<ref>Robert Gast: Hirn-Boykott. In: Süddeutsche Zeitung. 8. Juli 2014, abgerufen am 8. Juli 2014.</ref> Bis zum 10. September 2014 unterschrieben weitere 620 Unterstützer den offenen Brief.<ref>Open message to the European Commission. 7. Juli 2014, abgerufen am 8. Juli 2014 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die daraufhin eingeleitete Mediation wurde von Wolfgang Marquardt geleitet und erbrachte im März 2015 neue Führungsstrukturen.<ref name="Hummel">Philipp Hummel: Harte Landung auf dem Weg zur Weltspitze. In: Süddeutsche Zeitung. 10. März 2015, abgerufen am 22. März 2015.</ref>

Nach einer Umorganisation wurde das Projekt stattdessen in Arbeitspakete (Work Packages) gegliedert. Stand 2023 gab es neun Work Packages, drei für Wissenschaft, drei für die Infrastruktur EBRAINS und drei für übergreifende Aktivitäten.<ref>Work Packages. In: www.humanbrainproject.eu. Abgerufen am 3. Oktober 2023.</ref> Von 2016 bis zum Projektende 2023 wurde das HBP von Katrin Amunts geleitet.<ref>Joachim Müller-Jung: Europas Gehirn-Großprojekt: „Wir sind den USA und China einen Schritt voraus“. In: www.faz.net. 29. September 2023, abgerufen am 3. Oktober 2023.</ref> Im Stakeholder Board war jedes der 16 beteiligten Länder durch ein Mitglied vertreten.<ref>The Stakeholder Board. In: www.humanbrainproject.eu. Abgerufen am 3. Oktober 2023.</ref>

Projektziele

Vorlage:Hinweisbaustein Das Human Brain Project soll neue Instrumente zur Verfügung stellen, um das Gehirn und seine grundlegenden Mechanismen besser zu verstehen und dieses Wissen in der Medizin und in der Informatik der Zukunft anzuwenden.

Informations- und Kommunikationstechnologien werden im Projekt eine zentrale Rolle spielen. Es sollen geeignete Supercomputing-Plattformen entwickelt werden, um neurowissenschaftliche Daten aus aller Welt für Modelle und Simulationen des Gehirns aufzubereiten. Für die Neurowissenschaft entsteht somit eine gemeinsame Basis, um Informationen auf der Ebene Gene, Moleküle und Zellen mit dem Denken und Verhalten des Menschen zu verbinden.

In ähnlicher Weise soll eine neuartige Medizininformatikplattform klinische Informationen aus aller Welt für Computermodelle von Erkrankungen nutzbar machen, um damit Techniken für die objektive Diagnose von Gehirnerkrankungen zu entwickeln, die ihnen zugrunde liegenden Mechanismen zu erforschen und die Entwicklung neuer Therapien zu beschleunigen.

Ein weiteres Projektziel ist die Nutzung eines besseren Verständnisses der Arbeitsweise des Gehirns zur Weiterentwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien. Hier stehen verbesserte Energieeffizienz und Zuverlässigkeit sowie die bessere Beherrschung der Programmierung komplexer Rechnersysteme im Vordergrund.

BigBrain als Referenzgehirn

Der Datensatz BigBrain<ref>Amunts, K., C. Lepage, L. Borgeat, H. Mohlberg, T. Dickscheid, M.-E. Rousseau, S. Bludau et al. 2013. “BigBrain: An Ultrahigh-Resolution 3D Human Brain Model.” Science 340 (6139): 1472–75. https://doi.org/10.1126/science.1235381.</ref> ist integrierter Bestandteil des EBRAINS Human Brain Atlas<ref>Human Brain Atlas - Tools. Abgerufen am 27. Mai 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und stellt einen 1 Terabyte großen Datensatz als Referenzgehirn zur Verfügung.<ref>Der Datensatz ist unter bigbrain.loris.ca als Download verfügbar</ref><ref>Der Datensatz kann im EBRAINS siibra explorer online visualisiert werden.</ref> Dieses 3D-Modell/Atlas basiert auf 7404 digitalisierten histologischen Schnitten eines Gehirns. Die Schnittbreite beträgt 20 μm.<ref>Details unter bigbrainproject.org (eingesehen am 27. Mai 2025)</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Ulrich Schnabel: „Human Brain Project“: Hirnforschers Mondfahrt. In: Die Zeit. Online, 27. November 2019 (zeit.de).

Weblinks

Einzelnachweise

<references />