Rhodonit
| Rhodonit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
2019 s.p.<ref name="IMA-Liste" /> |
| IMA-Symbol |
Rdn<ref name="Warr"></ref> |
| Andere Namen |
Pajsbergit |
| Chemische Formel |
|
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Silikate und Germanate |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VIII/D.13 VIII/F.27-010 9.DK.05 65.04.01.01 |
| Ähnliche Minerale | Bustamit |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | triklin |
| Kristallklasse; Symbol | triklin-pinakoidal; 1<ref name="Webmineral" /> |
| Raumgruppe | P1 (Nr. 2)<ref name="PeacorNiizeki" /> |
| Gitterparameter | a = 7,682 Å; b = 11,818 Å; c = 6,707 Å α = 92,355°; β = 93,948°; γ = 105,665°<ref name="PeacorNiizeki" /> |
| Formeleinheiten | Z = 10<ref name="PeacorNiizeki" /> |
| Häufige Kristallflächen | {010}, {100}, {001}, {110}, {221}, {221} |
| Zwillingsbildung | Lamellen // {010} |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 5,5 bis 6,5<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 3,57 bis 3,76; berechnet: 3,726<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach {110} und {110}; gut nach {001}<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Bruch; Tenazität | muschelig bis uneben |
| Farbe | rosa bis rot, bräunlichrot, graugelb |
| Strichfarbe | weiß |
| Transparenz | durchsichtig bis durchscheinend |
| Glanz | Glas- bis Perlmuttglanz |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα 1,711 bis 1,738<ref name="Mindat" /> nβ 1,714 bis 1,741<ref name="Mindat" /> nγ 1,724 bis 1,751<ref name="Mindat" /> |
| Doppelbrechung | δ 0,013<ref name="Mindat" /> |
| Optischer Charakter | zweiachsig positiv |
| Achsenwinkel | 2V = 58° bis 73° (gemessen); 58° (berechnet)<ref name="Mindat" /> |
| Pleochroismus | schwach:<ref name="Mindat" /> X= gelblichrot Y= rosarot Z= hellgelblichrot |
| Weitere Eigenschaften | |
| Chemisches Verhalten | von HCl langsam angegriffen; schwer anfärbbar; verwittert zu Manganoxiden |
Das Mineral Rhodonit (auch Pajsbergit<ref name="Lapis" />) ist ein häufig vorkommendes Kettensilikat aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung Mn2+SiO3<ref name="IMA-Liste" /> und damit chemisch gesehen ein Mangan-Silikat.
Rhodonit kristallisiert im triklinen Kristallsystem und entwickelt meist körnige bis massige Mineral-Aggregate von rosa bis roter, bräunlichroter oder graugelber Farbe, die oft von schwarzen Manganoxid-Adern durchzogen sind. Tafelige bis säulige, an den Ecken oft abgerundete Kristalle gehören eher zu den seltenen Ausbildungsvarianten.
Etymologie und Geschichte
Der Name „Rhodonit“ ist abgeleitet aus der altgriechischen Sprache. Das Wort tritt dort im attischen Dialekt als {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) <templatestyles src="IPA/styles.css" /> bzw. im aiolischen Dialekt {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) <templatestyles src="IPA/styles.css" /> „Rose(nduft)“ auf und ist schon im mykenischen Griechisch als [wo-do-we] <templatestyles src="IPA/styles.css" /> „das rosige/rosenduftige“ belegt. Es ist im Armenischen als „vard“ und im Lateinischen als „rosa“ zu finden und über das Lateinische ins deutsche Wort „Rose“ übergegangen.
Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde das Mineral 1819 durch Christoph Friedrich Jasche, der es auch aufgrund seiner Farbe nach dem griechischen Wort für Rose benannte. Als Typlokalität gilt die Mangangrube Schävenholz bei Elbingerode (Harz) im Elbingeröder Komplex in Sachsen-Anhalt.
Klassifikation
Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Rhodonit zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Kettensilikate und Bandsilikate (Inosilikate)“, wo er als Namensgeber die „Rhodonit-Reihe“ mit der System-Nr. VIII/D.13 und den weiteren Mitgliedern Babingtonit und Manganbabingtonit bildete.
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser klassischen Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/F.27-10. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Ketten- und Bandsilikate“, wo Rhodonit zusammen mit Babingtonit, Ferrorhodonit, Fowlerit, Inesit, Lithiomarsturit, Manganbabingtonit, Marsturit, Nambulit, Natronambulit, Santaclarait und Scandiobabingtonit eine unbenannte Gruppe bildet, deren Mitglieder Strukturen mit Fünferketten [Si5O15]10−∞ enthalten.<ref name="Lapis" />
Auch die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) bis 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Rhodonit in die Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Strukturketten, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 5-periodischen Einfachketten, Si5O15“ zu finden ist, wo es ebenfalls zusammen mit Babingtonit, Fowlerit (Q), Lithiomarsturit, Manganbabingtonit, Marsturit, Nambulit, Natronambulit, und Scandiobabingtonit „Rhodonitgruppe“ mit der System-Nr. 9.DK.05 bildet.
Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Rhodonit ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Kettensilikatminerale“ ein. Auch hier ist er in der „Rhodonitgruppe“ mit der System-Nr. 65.04.01 innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Einfache unverzweigte Ketten, W=1 mit Ketten P=5“ zu finden.
Chemismus
Die idealisierte (theoretische) Zusammensetzung von Rhodonit (Mn2+SiO3) besteht aus 41,93 Gew.-% Mangan (Mn), 21,44 Gew.-% Silicium (Si) und 36,63 Gew.-% Sauerstoff (O).<ref name="Mineralienatlas" /> Bei den Analysen von Mineralproben wurden allerdings verschiedene Fremdbeimengungen, wie unter anderem Eisen, Magnesium und Calcium, die das Mangan in der Formel vertreten können, sowie Aluminium als Vertreter für das Silicium gefunden.
Kristallstruktur
Rhodonit kristallisiert triklin in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2) mit den Gitterparametern a = 7,682 Å; b = 11,818 Å; c = 6,707 Å; α = 92,355°; β = 93,948° und γ = 105,665° sowie 10 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="PeacorNiizeki" />
Modifikationen und Varietäten
Die Verbindung ist dimorph<ref name="Mindat" /> und kommt in der Natur neben dem triklin kristallisierenden Rhodonit noch als ebenfalls triklin, jedoch mit anderen Gitterparametern kristallisierender Pyroxmangit vor.<ref name="PinckneyBurnham" />
Bisher sind zwei Varietäten von Rhodonit bekannt:
- Fowlerit ist ein zinkhaltiger Rhodonit<ref name="StrunzTennyson" /> mit einem Farbstich ins Bräunliche oder Gelbliche, wie sie unter anderem in Franklin/New Jersey gefunden wurden.<ref name="Schumann" />
- Hsihusunit ist ein magnesiumhaltiger Rhodonit von rotvioletter Farbe.<ref name="StrunzTennyson" /><ref name="MindatHsihutsunite" />
Bildung und Fundorte
Rhodonit bildet sich hauptsächlich in manganreichen, metamorphen Gesteinen, kann aber auch durch hydrothermale Vorgänge in Erzgängen entstehen. Begleitminerale sind unter anderem Alleghanyit, Calcit, Franklinit, Galaxit, Galenit, Grunerit, Magnetit, verschiedene Manganoxide, Spessartin, Tephroit und Willemit.
Als häufig vorkommende Mineralbildung ist Rhodonit an vielen Fundorten anzutreffen, wobei bisher rund 1000 Fundorte dokumentiert sind (Stand: 2019).<ref name="MindatAnzahl" /> Außer an seiner Typlokalität Schävenholz fand sich das Mineral in Sachsen-Anhalt noch im Sengelbachtal bei Biesenrode im Mansfelder Land. Weitere bisher bekannte Fundorte in Deutschland sind unter anderem der Schacht Heinrich bei Gailbach in Bayern, der Marmor-Steinbruch Dr. Linck bei Hochstädten (Bensheim), sowie die Gruben Ferdinand bei Nanzenbach und Bornberg bei Seelbach (Herborn) in Hessen; in einem Gabbro-Steinbruch (auch Bärensteinbruch) im Radautal nahe Bad Harzburg in Niedersachsen, sowie am Krufter Ofen, im Tagebau In den Dellen (auch Grube Zieglowski), in der Umgebung von Thelenberg und im Tagebau Wingertsberg bei Mendig in Rheinland-Pfalz.
Weitere weltweit bekannte Fundorte liegen unter anderem in Argentinien; in mehreren Countys von New South Wales in Australien; Municipio Todos Santos in Bolivien; Bahia, Paraíba und Minas Gerais in Brasilien; Bulgarien; mehreren Regionen von China; Costa Rica; Vaasa in Finnland; Lothringen und Midi-Pyrénées in Frankreich; Griechenland; England und Wales in Großbritannien; Indien; Indonesien; in mehreren Regionen von Italien; Hokkaidō, Honshū, Kyūshū, Shikoku und auf den Nansei-Inseln in Japan; Kanada; Kirgisistan; Toliara auf Madagaskar; mehreren Regionen von Mexiko; bei Grootfontein in Namibia; {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) in Neuseeland; Nordkorea; Norwegen; mehreren Regionen von Peru; auf der Philippineninsel Luzon; bei Castro Verde in Portugal; an jeweils mehreren Fundpunkten der Regionen Kärnten, Salzburg, Steiermark und Tirol in Österreich; Rumänien; mehreren Regionen von Russland; Saudi-Arabien; mehreren Regionen von Schweden; in den Schweizer Kantonen Graubünden, Kanton Uri und Wallis; Banská Bystrica und Košice in der Slowakei; Südafrika; Andalusien und Katalonien in Spanien; Taiwan; Böhmen in Tschechien; Türkei; sowie in vielen Regionen der USA.<ref name="Fundorte" />
Verwendung als Schmuckstein
Rhodonit wird ausschließlich zu Schmucksteinen verarbeitet und kommt geschliffen in Form von Tafelsteinen, Cabochonen und Perlen für Halsketten oder anderen kunstgewerblichen Gegenständen in den Handel. Durchsichtige Varietäten erhalten auch einen Facettenschliff.<ref name="Schumann" />
Je nach Farbnuance und Qualität in Bezug auf Reinheit und Transparenz besteht Verwechslungsgefahr mit anderen Mineralen wie dem rosafarbenen, jedoch meist weiß gestreiften Rhodochrosit; dem ebenfalls rosa bis roten Thulit, einer manganhaltigen Varietät des Zoisit; dem chemisch gleichen Pyroxmangit; den Granatmineralen wie z. B. Spessartin und Hessonit; den roten Spinell- und Turmalinvarietäten.<ref name="Schumann" />
Esoterik
In der Esoterik gilt Rhodonit als Heilstein mit Einfluss auf das Sakral- und Herzchakra und soll schmerzlindernd und beruhigend wirken. Je nach Quelle ist er dem Tierkreiszeichen Stier<ref name="heilsteine-lexikon" /> oder Krebs<ref name="lexikon-alternativ" /> zugeordnet. Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit liegen jedoch nicht vor.
Siehe auch
Literatur
- Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 244.
- Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 734 (Erstausgabe: 1891).
Weblinks
- Rhodonit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- Rhodonite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Rhodonite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Einzelnachweise
<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Rhodonit beim Mineralienatlas und bei Mindat, abgerufen am 6. Dezember 2020. </ref> <ref name="heilsteine-lexikon"> Der Rhodonit. In: heilsteine-lexikon.info. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 28. Juni 2018; abgerufen am 14. Juli 2019. </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="lexikon-alternativ"> Edelstein Rhodonit. In: lexikon-alternativ-heilen.de. 10. Juli 2018, abgerufen am 14. Juli 2019. </ref> <ref name="Mindat"> Rhodonite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 14. Juli 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Localities for Rhodonite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 15. Juli 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatHsihutsunite"> Hsihutsunite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 14. Juli 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mineralienatlas"> Rhodonit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 6. Dezember 2020. </ref> <ref name="PeacorNiizeki"> </ref> <ref name="PinckneyBurnham"> </ref> <ref name="Schumann"> Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16., überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S. 184. </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="StrunzTennyson"> Karl Hugo Strunz, Christel Tennyson: Mineralogische Tabellen. 8. Auflage. Akademische Verlagsgesellschaft Geest & Portig KG, Leipzig 1982, S. 426. </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Rhodonite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 14. Juli 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>