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Bauschheim

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Bauschheim
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Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(6078)&title=Bauschheim 49° 58′ N, 8° 23′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(6078) 49° 57′ 35″ N, 8° 22′ 36″ O
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Höhe: 89 m ü. NHN
Fläche: 7,07 km²<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Stadtgebietsfläche laut Statistischem Bericht 2013 (Memento vom 24. September 2017 im Internet Archive) Seite 13 der PDF-Datei</ref>
Einwohner: 6078 (31. Dez. 2017)<ref name="Statistischer Bericht 2018">Statistischer Bericht 2018. (pdf) In: www.ruesselsheim.de. Magistrat der Stadt Rüsselsheim am Main, Fachbereich Finanzen, S. 35, abgerufen am 29. November 2018.

</ref>

Bevölkerungsdichte: 860 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Mai 1970
Postleitzahl: 65428
Vorwahl: 06142
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Datei:Bauschheim Fachwerkhäuser 20110407.jpg
Restaurierte Fachwerkhäuser in der Brunnenstraße

Bauschheim ist ein Stadtteil von Rüsselsheim am Main südwestlich des Stadtzentrums im südhessischen Landkreis Groß-Gerau.

Geschichte

Ortsgeschichte

Bauschheim wurde urkundlich erstmals als Biuuinesheim im Lorscher Reichsurbar dem Lorscher Codex um (834–850) erwähnt, ist aber älter und als Siedlung während der fränkischen Landnahme entstanden. Im Hochmittelalter schweigen die Quellen über die Geschichte des Ortes und erst seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts sind genauere schriftliche Nachrichten über die Grundbesitzverhältnisse und Hoheitsrechte in Bauschheim überliefert. In den historischen Unterlagen findet Bauschheim in den folgenden Jahrhunderten unter anderem mit diesen Ortsnamen Erwähnung: Buensheim im Jahr 1258, Buesheim 1392, Buwesheim 1428, Bißheym 1497, Biffesheym 1515, Bischeim 1527, Bawßheim 1540 und Bauschheim ab 1680.<ref name="lagis">Bauschheim, Landkreis Groß-Gerau. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).</ref>

1269 verkaufte Johannes de Meti die Hälfte des Dorfes an den Mainzer Richter Humbert zum Widder, der seinen Besitz einige Jahre später den Mainzer Nonnen von St. Klara zum Geschenk machte. Das Klarakloster war bis zur Säkularisation seiner Güter im Jahr 1781, neben dem geistlichen Institut in Mainz, dem Deutschordenhaus und der Pfarrkirche Sankt Quintin einer der bedeutendsten Gutsherren des Ortes. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts gelang es den Grafen von Katzenelnbogen, wichtige Hoheitsrechte und ausgedehnten Grundbesitz in ihre Verfügung zu bringen; diese gingen 1479 an die Landgrafen von Hessen über, welche 1571 u. a. den Zehnt erhoben und die Gerichtsbarkeit ausübten und damit als eigentliche Herren des Ortes angesehen werden können. 1771 ging der Zehnthof in den Besitz der Grafen von Isenburg über.<ref name="lagis" />

Verwaltungsmäßig gehörte Bauschheim bis 1820 zum Amt Rüsselsheim, das ab 1816 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen (Hessen-Darmstadt) gehörte. 1821 werden im Großherzogtum Landratsbezirke eingeführt und Bauschheim dem Landratsbezirk Dornberg zugeteilt.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Bauschheim:

„Bauschheim (L. Bez. Dornberg) luth. Pfarrdorf; liegt 214 St. von Dornberg, und hat 72 Häuser und 404 Einw., die bis auf 6 Kath. und 13 Juden alle lutherisch sind. Der Ort kommt früher unter dem Namen Biewinesheim auch Buwesheim vor, in welchem das Kloster Lorsch begütert war. Da dieses Dorf ein Filial von dem ursprünglich Münzenbergischen Orte Ginsheim war, so scheint solches gleichfalls den Herrn von Münzenberg gehört zu haben. Die Grafen von Katzenellenbogen haben Bauschheim wahrscheinlich von den Münzenbergischen Erben erworben. Der Ort war, wie bemerkt, ein Filial von Ginsheim, hatte aber seine eigene mit zwei Altären und wurde 1591 zur Mutterkirche erhoben.“<ref name="GW">Vorlage:BibOCLC</ref>

1832 wurden im Großherzogtum Hessen (Hessen-Darmstadt) Kreise geschaffen und Bauschheim kam in den Kreis Groß-Gerau. Die Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums wurden am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch Regierungsbezirke ersetzt, was jedoch bereits am 12. Mai 1852 in der Reaktionsära nach dem Ende der Revolution von 1848 wieder rückgängig gemacht wurde. Dadurch gehört Bauschheim zwischen 1848 und 1852 zum Regierungsbezirk Darmstadt, bevor wieder der Kreis Groß-Gerau für die übergeordnete Verwaltung zuständig wurde. Dort verbleibt der Ort durch alle weiteren Verwaltungsreformen bis heute.<ref name="lagis" />

Bauschheim war im Mittelalter kein eigener Pfarrort, sondern der Mutterkirche in Ginsheim zugeordnet. Für kurze Zeit (um 1530) wird die Bauschheimer Kirche auch als Filial von Trebur erwähnt. In der Reformation traten die Bewohner des Dorfes zum protestantischen Glauben über. Nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg wurde die Bauschheimer Kirche 1669 wieder aufgebaut und, nach ihrem Abbruch, im Jahr 1712 als walmbedachter Saalbau an der Brunnenstraße neu errichtet. Die heute noch das Ortsbild prägenden Hofreiten belegen die bäuerliche Tradition der Gemeinde.

Der allmähliche Niedergang der Landwirtschaft führte zu einer grundlegenden Veränderung der Erwerbsstruktur, da viele Bewohner nun ihren Lebensunterhalt in der nahe gelegenen Industrie verdienten. Als Konsequenz der Orientierung nach Rüsselsheim erfolgte im Zuge der Gebietsreform in Hessen 1970 die freiwillige Eingemeindung Bauschheims mit zu diesem Zeitpunkt rund 2800 Einwohnern.<ref>Eingliederungen der Gemeinde Bauschheim in die Stadt Rüsselsheim, Landkreis Groß-Gerau vom 27. April 1970. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1970 Nr. 20, S. 13, Punkt 808 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 5,8 MB]).</ref>

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,<ref group="Anm.">Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan.</ref> denen Bauschheim angehört(e):<ref name="lagis" /><ref>Vorlage:BibOCLC</ref>

Bevölkerung

Einwohnerentwicklung

• 1629: 42 Hausgesesse<ref name="lagis" />
• 1806: 365 Einwohner, 71 Häuser<ref name="EW1806">Verzeichnis der Ämter, Orte, Häuser, Einwohnerzahl. (1806)HStAD Bestand E 8 A Nr. 352/4. In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen), Stand: 6. Februar 1806.</ref>
• 1829: 404 Einwohner, 72 Häuser<ref name="GW" />
• 1867: 542 Einwohner, 88 Häuser<ref name="WP">Vorlage:BibOCLC</ref>
Bauschheim: Einwohnerzahlen von 1791 bis 1970
Jahr  Einwohner
1791
  
312
1800
  
322
1806
  
365
1829
  
404
1834
  
454
1840
  
445
1846
  
490
1852
  
512
1858
  
504
1864
  
536
1871
  
543
1875
  
539
1885
  
606
1895
  
616
1905
  
716
1910
  
777
1925
  
771
1939
  
993
1946
  
1.341
1950
  
1.463
1956
  
1.636
1961
  
1.914
1967
  
2.491
1970
  
2.822
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS<ref name="lagis" />; 1791<ref name="Adr-LG-HD" />; 1800<ref name="Adr-LG-HD-1800" />

Historische Religionszugehörigkeit

• 1829: 385 Luthertum (= 95,30 %), 13 jüdische (= 3,22 %) und 6 katholische (= 1,49 %) Einwohner<ref name="GW" />
• 1961: 1319 evangelische (= 68,91 %), 496 römisch-katholische (= 25,91 %) Einwohner<ref name="lagis" />

Politik

Für Bauschheim besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Bauschheim) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung.<ref>Hauptsatzung. (PDF; 15 kB) § 4. In: Webauftritt. Stadt Rüsselsheim, abgerufen im April 2019.</ref> Der Ortsbeirat besteht aus neun Mitgliedern. Seit den Kommunalwahlen 2016 gehören ihm vier Mitglieder der CDU, zwei Mitglieder der SPD und drei Mitglieder der „Bauschheimer freie Liste“ an. Ortsvorsteher ist Werner Stahl (CDU).<ref>Ortsbeirat Bauschheim. In: Webauftritt. Stadt Rüsselsheim, abgerufen im Oktober 2019.</ref>

Wappen

Datei:Wappen Bauschheim.png
Blasonierung: „In Rot ein aufrechter silberner Spaten.“<ref name="Wappen">Klemens Stadler: Deutsche Wappen Bundesrepublik Deutschland. Die Gemeindewappen des Landes Hessen. Band 3. Angelsachsen-Verlag, Bremen 1967, S. 21.</ref>
Wappenbegründung: Das Wappen beruht auf dem im Schild stehenden Bild in einem Siegel des Dorfgerichts mit Abdruck von 1622. Ähnlich wie andere dörfliche Siegel zeigt es ein der bäuerlichen Vorstellungswelt entnommenes einfaches Gerät, das sich vielleicht aus einer alten Dorfmarke entwickelt hat. In linearer, gemerkeartiger Form erscheint der Spaten auch auf Grenzsteinen des 17. Jahrhunderts sowohl in der jetzigen Stellung als auch umgekehrt. Die von W. H. Diehl empfohlenen Farben sollen auf die hessische Landesherrschaft seit 1479 und die engen grundherrschaftlichen Beziehungen des Ortes zu Mainz seit 1269 anspielen; seit 1781 besaß die Universität Mainz die Hälfte des Dorfs.

Das Wappen wurde 1926 durch das Ministerium des Innern des Volksstaats Hessen verliehen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Datei:Bauschheim evangelische Kirche 20110407.jpg
Die evangelische Kirche und der zur Osterzeit geschmückte Dorfbrunnen

Neben etlichen Lokalen wird das Bürgerhaus als zentraler Veranstaltungsort rege frequentiert. Vereine decken fast alle Interessengebiete ab – von Musik bis zum Motorsport, vom Karneval der „Bauschheimer Narrenzunft“ bis zur Kerb. Außerdem gibt es im Stadtteil Bauschheim eine Bücherei.

Sehenswert ist ebenfalls der Bauschheimer Dorfbrunnen vor der im Jahre 1712 als Saalkirche erbauten evangelischen Kirche. Das Original des Brunnens steht im Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim.

Naturdenkmäler

Der Bauschheimer Kalkhügel ist mit 96,4 Metern die höchste natürliche Erhebung im Kreis Groß-Gerau. Entstanden ist der Hügel vor etwa 15 Millionen Jahren. Der Kalkhügel besteht aus Muschelkalkablagerungen die nach oben gepresst wurden.<ref>Detlef Volk: Höchste natürliche Erhebung im Kreis. In: Main-Spitze. Genios Deutsche Wirtschaftsdatenbank GmbH, kostenpflichtiges Pressearchiv, 8. Juli 2011, abgerufen am 22. Februar 2021.</ref>

Vereine

Der größte ortsansässige Verein ist die SKG Bauschheim. Neben ausgeprägten sportlichen Angeboten wie Handball, Fußball, Tischtennis, Radsport, Wandern und weiteren Sportarten hat der Verein auch einen Musikzug, sowie mehrere Chöre. Der Verein entstand 1946 durch die – durch die Amerikanische Militärregierung initialisierte – Zusammenführung des damaligen Turnvereins und anderer kleiner Vereine.<ref name="SKG Chronik">Olaf Werner: Chronik. Der Vereinsname SKG Bauschheim. In: Internetpräsenz. SKG Bauschheim e. V., Rüsselsheim am Main, abgerufen am 3. Mai 2025.</ref>

Sport

Eine Besonderheit unter den Sportstätten ist die Niedrigenergie-Sporthalle; ein preisgekrönter Bau mit Solarnutzung und Wasserrückgewinnung.

In unmittelbarer Nähe der Sporthalle befinden sich ein Kletterturm sowie ein Freigelände für Bogenschützen. Umsäumt sind die Sportanlagen vom Bauschheimer Wäldchen. Auf 15 Hektar lädt ein Trimm-Dich-Pfad mit 20 Stationen neben Spaziergängern auch Jogger und Walker in den Wald ein. Den Wald durchquert auch der Bauschheimer Rundweg, der auf sechs Kilometern Länge durch und um Bauschheim führt. Für Radfahrer gibt es die ausgeschilderten Wege zur Regionalparkroute, die über die Mainspitze bis nach Mainz und bis nach Aschaffenburg führt.

Regelmäßige Veranstaltungen

Am 27. Mai 2018 war der Kerbeplatz in Bauschheim wieder, wie 2014, der Startpunkt der Fahrradroute der alle 2 Jahre stattfindenden Aktion „Der Kreis rollt“.<ref>Aktionstag – Radfahrer erobern die Straßen in Bauschheim. FNP, 18. Mai 2018, abgerufen am 4. Dezember 2018.</ref>

Literatur

Weblinks

Commons: Bauschheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

Anmerkungen <references group="Anm." />

Einzelnachweise <references> <ref name="Adr-LG-HD"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 123 (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="Adr-LG-HD-1800"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 129 (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="RB1937"> Gesetz über die Aufhebung der Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen vom 1. April 1937. In: Der Reichsstatthalter in Hessen Sprengler (Hrsg.): Hessisches Regierungsblatt. 1937 Nr. 8, S. 121 ff. (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 11,2 MB]). </ref> </references>

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