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Ernestina Orlandini

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Datei:Ernestina Orlandini (1869–1965).png

Ernestina Orlandini (auch Ernestine Schultze-Naumburg und Ernestina Orlandini Mack, geborene Mack, * 1869<ref>Ulrike Wolff-Thomsen: Ernestine Schultze-Naumburg/Ernestina Orlandini. […], S. 84. Unter dem Namen Ernestina Orlandini Mack geben verschiedene Kunsthandels-Webseiten (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Beispiel (Memento vom 3. März 2014 im Internet Archive)) als Geburtsjahr 1887 an. Das kann nicht stimmen, da sie bereits 1892 an Ausstellungen teilnahm und bereits 1893 heiratete.</ref> in Hanau; † 1965 in Florenz<ref>Sehr wahrscheinlich fälschlich, gibt die Künstlerdatenbank des Allgemeinen Künstlerlexikons online (AKL) als Geburtsdaten das Jahr 1867 und als Ort Frankfurt am Main an sowie als Sterbedatum den 24. Januar 1958 (siehe: Orlandini, Ernestine in: Allgemeines Künstlerlexikon - Internationale Künstlerdatenbank, de Gruyter, ISSN 1865-0511; Lizenz erforderlich, abgerufen am 19. Januar 2013). In der gedruckten Ausgabe des AKL hat sie keinen Artikel.</ref>) war eine deutsch-italienische Malerin und Mitbegründerin der Berliner Secession. Sie war die erste Ehefrau des Architekten, Kunsttheoretikers, Malers, Publizisten und späteren NSDAP-Politikers Paul Schultze-Naumburg. Bekannt war die Malerin vor allem unter ihrem späteren Namen Ernestina Orlandini,<ref>Nikolaus Bernau: Ausstellung. Der Märchen-Schrecken. In: Berliner Zeitung, 6. Januar 2013.</ref> unter dem sie auch in heutigen Auktionskatalogen geführt wird.

Leben

Die Künstlerin wurde 1869 als Ernestine Mack im hessischen Hanau geboren; ihr Vater war Friedrick Mack.<ref name="WT84">Ulrike Wolff-Thomsen: Ernestine Schultze-Naumburg/Ernestina Orlandini. […], S. 84.</ref>

Ausbildung und Zeit in Deutschland

Eine erste künstlerische Ausbildung erhielt Ernestine Mack in Karlsruhe. Die Ausbildung setzte sie in München fort, wo der Porträtmaler und Münchner Malerfürst Franz von Lenbach großen Einfluss auf ihren künstlerischen Werdegang genommen haben soll. Seit 1892 mit Porträts und Stillleben an Ausstellungen in München beteiligt, stellte sie auf der Frühjahrsausstellung der Münchener Secession 1894 ein Damenbildnis aus.<ref name="WT84" /> Die Münchener Secession hatte sich zwei Jahre zuvor von der Münchner Künstlergenossenschaft abgespalten, um sich gegen die Bevormundung durch den staatlichen Kunstbetrieb und dessen konservative Ausstellungspolitik sowie dessen stark durch von Lenbach geprägte traditionelle Kunstauffassung zu wehren. Zum Damenbildnis schrieb Fritz von Ostini unter dem Pseudonym F. Fabricius in Die Kunst unserer Zeit 1894:

„Von Ernestine Mack-Schultze treffen wir ein weibliches Bildniss an, gewiss nicht arm an malerischen Vorzügen, aber doch nicht ganz so feintönig wie manche früher hier gesehene Arbeit der talentirten Künstlerin.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />F. Fabricius: Die Frühjahrs-Ausstellung der Münchener Secession. 1894.<ref>F. Fabricius (Fritz von Ostini): Die Frühjahrs-Ausstellung der Münchener Secession. In: Die Kunst unserer Zeit. Eine Chronik des modernen Kunstlebens. II. Halbband. Verlag Franz Hanfstaengl, Mühlthalers Königliche Hof-, Buch und Kunstdruckerei, München 1894, S. 14.</ref>

1893 heiratete Ernestine Mack Paul Schultze-Naumburg, der zu dieser Zeit noch zur künstlerischen Avantgarde und Moderne gehörte, bevor er sich Mitte der 1920er-Jahre zunehmend der nationalsozialistischen Ideologie zuwandte. Im Januar 1894 eröffneten Ernestine und Paul Schultze-Naumburg in der Münchener Theresienstraße 75 eine gemeinsame Mal- und Zeichenschule.<ref name="WT84" /> 1897 zog das Künstlerpaar nach Berlin und betrieb auch hier – in der Potsdamer Straße 52 – seit November 1897 eine private Malschule. Beide schlossen sich der am 2. Mai 1898 gegründeten Berliner Secession an; Ernestine Schultze-Naumburg gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Vereinigung, die als erste große Künstlervereinigung überhaupt Frauen als Mitglieder zuließ. Gleichfalls 1898 war sie auf einer Ausstellung des Vereins Berliner Künstlerinnen vertreten.<ref name="WT85">Ulrike Wolff-Thomsen: Ernestine Schultze-Naumburg/Ernestina Orlandini. […], S. 85.</ref><ref>Ulrike Wolff-Thomsen: Käthe Kollwitz und ihre 106 Kolleginnen in der Berliner Secession (1898/99–1913). […], S. 13f, 30.</ref> Die Ehe wurde 1900 geschieden;<ref>Ulrike Wolff-Thomsen: Käthe Kollwitz und ihre 106 Kolleginnen in der Berliner Secession (1898/99–1913). […], S. 20.</ref> bereits 1901 heiratete Paul Schultze-Naumburg erneut.<ref>Christian Welzbacher: Schultze-Naumburg, Paul Eduard. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 23. Duncker & Humblot, Berlin 2007, ISBN 978-3-428-11204-3, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).</ref>

Zeit in Italien

Nach der Trennung von Paul Schultze-Naumburg übersiedelte Ernestine nach Italien. 1901 stellte sie auf der vierten Esposizione internazionale d’arte della Città di Venezia aus. Wahrscheinlich 1902 oder 1903 heiratete sie Alfredo Orlandini (1877–1943); die Berliner Secessionskataloge führten sie nunmehr als Ernestina Orlandini mit Wohnsitz in Florenz, Via Ricasoli 63, später Via Pergola 39.<ref name="WT85" /> 1906 trat sie aus der Berliner Secession aus.<ref>Ulrike Wolff-Thomsen: Käthe Kollwitz und ihre 106 Kolleginnen in der Berliner Secession (1898/99–1913). […], S. 31, Anm. 10.</ref> Aus der folgenden Zeit lassen sich folgende Ausstellungsbeteiligungen nachweisen:

  • 1907, 1909, 1910: Società delle Belle Arti, Florenz; dabei 1910 mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.
  • 1907: Venedig.
  • 1910: Die Kunst der Frau, Wiener Secession; vertreten mit lebensgroßen Frauenporträts.
  • 1911: Barcelona; mit einer Medaille ausgezeichnet.
  • 1911: Montecatini Terme.
  • 1920, 1924, 1934, 1936, 1939, 1941, 1942: Florenz.<ref name="WT85" />

Neben ihrer Malerei soll sie zeitweise im Turiner Museum für Moderne Kunst (Galleria civica d’arte moderna e contemporanea (GAM Torino)) gearbeitet haben.<ref>Artfact. Ernestina Orlandini, Floral Oil. Dargate Auction Galleries Antiques, Collectables, 2004 USA, Lot 1762</ref> Ernestina Orlandini starb vermutlich 1965 in Florenz.<ref name="WT85" />

Werke

Über den Umfang und den Verbleib der Werke der weitgehend in Vergessenheit geratenen Künstlerin – erst 2012 stellte die Kunsthistorikerin und Professorin Ulrike Wolff-Thomsen die Identität von Ernestine Schultze-Naumburg und Ernestina Orlandini heraus – ist wenig bekannt. 1898 wurde sie in die biografische Enzyklopädie Das geistige Deutschland am Ende des XIX. Jahrhunderts aufgenommen<ref name="WT85" />; ihr Werk wurde wie folgt beschrieben:

„Die meisten ihrer Arbeiten sind Kinder- und Damenportraits; unter den männlichen Bildnissen befinden sich solche von Paul Heyse, Ferdinand Keller, Ludwig Dill u. a., daneben zahlreiche Stilleben.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Das geistige Deutschland am Ende des XIX. Jahrhunderts. 1898.<ref>Das geistige Deutschland am Ende des XIX. Jahrhunderts. Enzyklopädie des deutschen Geisteslebens in biographischen Skizzen. Band 1: Die Bildenden Künstler. C. G. Röder, Leipzig/Berlin 1898, S. 636. Zitiert nach: Ulrike Wolff-Thomsen: Ernestine Schultze-Naumburg/Ernestina Orlandini. […], S. 85.</ref>

Auf Kunstauktionen tauchten bislang (Stand 2013) erst vier ihrer Werke auf, alle mit unbekanntem Entstehungszeitpunkt:<ref name="WT85" />

Literatur

  • Ulrike Wolff-Thomsen: Ernestine Schultze-Naumburg/Ernestina Orlandini. In: Ulrike Wolff-Thomsen, Jörg Paczkowski (Hrsg.): Käthe Kollwitz und ihre Kolleginnen in der Berliner Secession (1898–1913) . Boyens Buchverlag, Heide 2012, ISBN 978-3-8042-1374-6, S. 83–85.
  • Ulrike Wolff-Thomsen: Käthe Kollwitz und ihre 106 Kolleginnen in der Berliner Secession (1898/99–1913). In: Ulrike Wolff-Thomsen, Jörg Paczkowski (Hrsg.): Käthe Kollwitz und ihre Kolleginnen in der Berliner Secession (1898–1913) . Boyens Buchverlag, Heide 2012, ISBN 978-3-8042-1374-6, S. 10–33.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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